deutschland

Brodelnde Atemgeräusche und schaumiger Auswurf

AP/Harald Haack – Falls Sie zu jenen Menschen zählen, die unbeirrt alles kaufen und allen Gefahren, die damit verbunden sind, trotzen und blind chemischen Produkten vertrauen, dann kommt diese Meldung für Sie leider zu spät. In den Penny-Märkten gab es nämlich zwei Produkte der Pflegeserie „Magic Nano“. Die Kleinmann GmbH aus Sonnenbühl ruft ihre Produkte „Magic Nano Bad- und WC-Versiegeler“ sowie „Magic Nano Glas- und Keramik-Versiegeler“ zurück.

Es habe bisher 30 Vergiftungsfälle gegeben, die durch den neuen Bad- und WC-Sprays verursacht werden, verkündete das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen (NRW). Vier Fälle soll der Hersteller selbst publik gemacht haben.

Die Symptome reichten von schwerer Atemnot bis zu Lungenödemen. Dabei tritt die Flüssigkeit aus den Kapillargefäßen der Lunge aus. Die begleitenden Symptome sind Atemnot, brodelnde Atemgeräusche oder ein schaumiger Auswurf. Vom Rückruf nicht betroffen sind Pumpspray-Flaschen der gleichen Linie, ebenso alle anderen Nano-Produkte. Für weitere Informationen kann man bei der Firma Kleinmann unter 07128/9292-80 eine Telefon-Hotline anrufen. Die Aerosol-Sprays waren seit Montag (27.03.) als zeitlich befristete Aktionsware in Penny-Märkten verkauft worden. Der Hersteller empfiehlt, fragliche Sprays in dem Penny-Markt zurückzugeben, in dem sie auch gekauft worden sind. Der Kaufpreis wird erstattet. Der Discounter bietet die Produkte nicht mehr zum Verkauf an.

Weitere Möglichkeiten sich mittels Supermarkt-Einkäufe zu schädigen

kriminalitaet

Erneut Schweizer Firma in Waffenhandel verstrickt?

Das US-Schatzamt hat das Einfrieren von Konten und Vermögenswerten der Freiburger Kohas AG in den USA angekündigt. Die Firma und ihr Chef mit Verbindungen nach Nordkorea unterstützten die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, hiess es.

Kohas wie auch ihr Präsident müssen ihre geschäftlichen Aktivitäten mit US-Firmen wie auch -Bürgern einstellen, wie Othmar Wyss vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Abend der Nachrichtenagentur SDA eine Meldung von Reuters bestätigte. Bern sei von den USA darüber informiert worden.

Kein Grund zur untersuchung in der Schweiz?
Mit einer Schweizer Untersuchung rechnet Wyss nicht. Das seco habe keine Hinweise auf Verletzung der Ausfuhrbestimmungen durch Kohas. Eine Exportbewilligung durch das seco sei auch nie ein Thema gewesen.

Das US-Schatzamt bestraft Kohas für ihre Verbindungen mit der Korea Ryonbong General Corp., eine Firma, deren Guthaben in den USA bereits auf Anweisung von Präsident George W. Bush eingefroren wurden. Knapp die Hälfte von Kohas gehört laut Reuters einer Tochter der Korea Ryonbong General Corp., der Korea Ryonbong Trading Corp.

Kohas trete in Europa als Vermittler von Technologie für das nordkoreanische Militär in Erscheinung und habe Ausrüstung in Verbindung mit Waffen geliefert, heisst es in der Erklärung des US-Schatzamtes. Dies sei seit Ende der 80er Jahre der Fall.

medien

Militärgericht hebt SonntagsBlick-Urteil auf

Stephan Fuchs & Meldung– Das Militärkassationsgericht hat das Urteil gegen eine wegen Verletzung militärischer Geheimnisse verurteilten Redaktor des «SonntagsBlicks» aufgehoben.

Der angeklagte Redaktor wurde beschuldigt, militärische Geheimnisse veröffentlicht zu haben. Ihm wird zur Last gelegt, in der Ausgabe vom 6. Juli 2003 des «SonntagsBlicks» Bilder und Informationen über eine als geheim klassifizierte unterirdische Anlage der Luftwaffe bei Buochs veröffentlicht zu haben.

Das Militärgericht 6 hat den angeklagten Redaktor bereits am 3. Dezember 2004 zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 10 Tagen verurteilt. Gegen das Urteil haben sowohl der angeklagte Redaktor wie auch die Anklage appelliert. Das Militärappellationsgericht 2 hat am 7. Juni 2005 in zweiter Instanz den Angeklagten zu einer bedingten Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Kassationsbeschwerde erhoben.

Mediengewerkschaft comedia kritisiert
Diese höchstrichertliche Korrektur ist grundsätzlich erfreulich, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Prozess und das Urteil an sich medienfeindlich und einer modernen Informationsgesellschaft unwürdig sind.

Der zugrundeliegende Militärstrafartikel (106 MSTG) ist bemerkenswert, weil nicht nur militärische Geheimnisträger und Dienstpflichtige mit happigen Strafen bedroht werden (bis zu 5 Jahre Zuchthaus!), sondern alle Zivilpersonen, denen Informationen zugespielt werden, und die diese veröffentlichen. Abgesehen davon, dass damit wiederum nur die Überbringer der Nachricht belangt werden, ist der Vorgang auch aus medienpolitischer Sicht unhaltbar.

Die verfassungsrechtlich garantierte Medienfreiheit wird durch Artikel 106 MSTG unterhöhlt, analog wie dies das zivile Gegenstück, der STGB-Artikel 293 (Veröffentlichung amtlicher Geheimnisse) macht. Die staatliche Geheimniskrämerei ist in dieser übersteigerten Form nicht zeitgemäss. Die Medien müssen im öffentlichen Interesse fragwürdige Vorgänge publizieren können.

Die Mediengewerkschaft comedia setzt sich dafür ein, dass die beiden Geheimnisartikel als anachronistische alte Zöpfe abgeschafft werden. Sie begrüsst dementsprechend die parlamentarische Motion von Nationalrat Josef Lang zur Abschaffung des Strafartikels.

Reportage: Reise durch das Bunkerland
Militärgericht: 6 Monate Haft für Journalist

kriminalitaet

Brasilien: Lulas Superminister Palocci entlassen

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Gleich zwei relativ grosse Bomben platzten diese Woche in der brasilianischen Politik. Zunächst am Montag die Entlassung des Superministers Antonio Palocci, des „Garanten für die Zinszahlungen“ und dann am Mittwoch die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts des „Post-Untersuchungsausschusses des Parlaments“.


Superministers Antonio Palocci

Was die Entlassung des Finanzminister Palocci so bedeutsam macht, ist die Tatsache, dass er es war, der ohne Zweifel die Richtlinien der brasilianischen Politik bestimmte. Lula war und ist ein begabter Schauspieler, eine Symbolfigar –ähnlich wie Bush jr. – gut als Darsteller, aber unfähig, eine eigene Politik zu entwickeln.

Brasilianische Politik – und das gilt für alle Entwicklungsländer – heisst zu bestimmen, wie viel Prozent Zinsen man den imperialistischen Regierungen, Banken und Grosskonzernen pro Jahr zahlt. Zahlt man soviel wie von Weltbank und Internationalem Währungsfond gefordert, und das war die Politik Paloccis, bleibt sowieso praktisch nichts übrig, von dem man noch irgendetwas bezahlen könnte. Wenn sich Politik fast ausschliesslich auf Dinge bezieht, die nichts kosten, ist das logischerweise etwas spärlich.

Paloccis Politik lautete 18 bis 19 Prozent Zinsen auf die Schulden zu zahlen. Das ist wohlgemerkt der Leitzins. Mit anderen Worten, alle internationalen Spekulanten konnten, wenn sie ihr Geld in brasilianischen Regierungsanleihen anlegten, eine phantastische Superverzinsung erreichen, die sonst nur mit extrem riskanten Hedge-Fonds, mit noch riskanteren reinen Spekulationen oder ähnlichen Anlagen möglich ist. Abzüglich der Inflation, die unter 5 Prozentjährlich liegt im Moment, ergibt das um die 13 Prozent Netto-Zinserlöse. Das zahlt nicht die Aktie des profitabelsten Konzerns, nicht der KKR-Hedge-Fond, nicht einmal der Besitz einer Goldmine gibt soviel her. Mehr gibt’s nur noch, wenn man in illegale Geschäfte einsteigt.

Brasilianische Regierungsanleihen sind natürlich nichts, in dem Otto Normalverbraucher Geld anlegen könnte, so er denn welches hat. Allein die Kosten für den Kauf oder Verkauf gehen in die Tausende von Dollar. Das lohnt sich also nur, wenn man im Bereich von zig oder Hunderten von Millionen oder mehr anlegt, dann sind diese Kosten verschwindend.

Der neue Minister Mantega versicherte denn auch gleich, dass er alles genauso machen würde wie Palocci. Hätte er das nicht gesagt, hätte es massive Abwertungen des brasilianischen Real gegeben. So wird man sehen, ob er vielleicht eine geringfügige Verminderung der Zinsen durchsetzen wird.

Finanzspiel Brasilien
Die brasilianische Ökonomie ist im Moment ein reines Finanzspiel. Das Brutto-Sozialprodukt Brasiliens wuchs im letzten Jahr lediglich um 2,3 Prozent. Das sind Zahlen, die in die Nähe des deutschen Wachstums kommen – und das nennt man in Deutschland einen ‚kranken Mann’. Es gibt also keinerlei Grund zu frohlocken, die Wirtschaft stottert so vor sich hin. Trotzdem ist der Wert des Real bis in die Nähe der Grenze von 50 Cents vom US-Dollar gestiegen – ein völlig absurder Wert.

Dies alles, weil Milliarden und Abermilliarden spekulative Gelder nach Brasilien fliessen – kein Wunder bei diesen Zinserwartungen. Keine wirklichen Gelder, keine Investitionen, nein, volatiles Geld, angelegt in Real und Staatsanleihen, das beim geringsten Anzeichen eines Problems wieder aus dem Land abgezogen wird und dann massive und ebenso absurde Verluste des Wertes der Währung verursacht.

Palocci war nicht gestürzt über die Korruption, auch wenn es wahrscheinlich ist, dass er dort auch verwickelt war, aber man hatte noch nichts wirklich beweisen können. Er war gestürzt, so wie viele Politiker (man erinnere sich nur an den damaligen US-Präsidenten Nixon) über seine Versuche, die Spuren zu verwischen. In diesem Fall ging es um einen Hausmeister, der angegeben hatte, Palocci sei auch unter den PT-Politikern gewesen, die in jenem Haus ein- und ausgingen, von dem man bereits wusste, dass dort die Gelder aus den schwarzen Kassen verteilt – und nebenbei auch Gelage und Feste mit Prostituierten abgehalten wurden.

Na, deutscher Normalbürger, kommt uns das nicht bekannt vor? Korruption gemischt mit Prostituierten – und der Chef selbst, Hartz, geht dort auch ein und aus?

Nun ging es darum, diesem Hausmeister das Maul zu stopfen. >>Unverschämtheit von dem Mann. Zuerst bezahlen wir ihm Schweigegelder und dann beginnt er zu singen.<< Wahrscheinlich war er auch ein Geldempfänger gewesen, jedenfalls wusste man sofort, wo man suchen musste, auf seinem Konto bei der staatlichen Bundes-Sparkasse ‚Caixa Económica Federal’. Der Chef der ‚Caixa’ kam rein zufällig auf die Idee, sich einen Kontoauszug von dessen Konto geben zu lassen. Als er ihn erhielt, benachrichtigte er sofort Palocci, dass dort Gelder gefunden worden waren, die inkompatibel mit dem Lohn des Hausmeisters seien.

Information gesickert
Nur kam die Sache heraus. Einer der Beteiligten liess die Information über den Bruch des Bankgeheimnisses ‚aus persönlichen Gründen’ an einen Oppositionspolitiker durchsickern – und schon stand Palocci bis zum Hals im Dreck. Lula konnte nicht mehr anders, als ihn zu entlassen, um nicht selbst mit hineingezogen zu werden.

Die zweite geplatzte Bombe bezieht sich auf einem Untersuchungsausschuss, der zunächst wegen bestimmter Unregelmässigkeiten bei der in Brasilien immer noch staatlichen Post eingerichtet worden war. Dieser Ausschuss hatte im letzten Jahr, als die ersten Korruptionsanklagen gegen Lulas PT aufkamen, diesen Komplex an sich gezogen und ermittelt. Sein Verdikt ist ausreichend, um unter normalen Umständen jede beliebige betroffene Partei zur Bedeutungslosigkeit zu verurteilen. Nicht so die PT Lulas.

Der Bericht bestätigt die Hauptanklage, dass nämlich die ganze Direktion der PT (mit Ausnahme Lulas) ein Schema entwickelt und dann durchgezogen habe, wie man Gelder aus staatlichen Unternehmen herausholt und dann über eine Art von Geldwaschanlage zu PT-Geld macht, das für die Wahl-Fonds der Kandidaten verwendet wird, wobei die Kandidaten allerdings keinerlei Rechenschaft darüber abzugeben hatten. Auch die Verbündeten wurden bedacht. Angeklagt (und damit der weiteren Behandlung durch die Staatsanwälte anheimgestellt) wurden 122 Personen.

Hier nur die Haupt-Anklagepunkte und die wichtigsten angeklagten Personen des Berichts: José Dirceu, damaliger Kabinett-Chef und ‚rechte Hand Lulas’ (in Wirklichkeit war Lula seine linke Hand; er musste bereits Mitte letzten Jahres zurücktreten), angeklagt der aktiven Bestechung; Luiz Gushiken, ein anderer damaliger Minister (ebenfalls schon lange zurückgetreten), soll der Hauptakteur innerhalb der PT gewesen sein, angeklagt wegen aktiver Bestechung und Machtmissbrauch; José Genoino, damals Vorsitzender der PT (auch er schon ein halbes Jahr aus dem Amt), angeklagt der Geldwäsche, Unterschriftsfälschung, aktiver Bestechung und Wahlvergehen; Delúbio Soares, damaliger Schatzmeister der PT, angeklagt der Unterschriftsfälschung, Geldwäsche, aktiver Bestechung, Untreue und Wahlvergehen; Marcos Valério, Unternehmer und „Berater“ Lulas, er soll die Geldwäsche und die Geldverteilung über zig Konten koordiniert haben, angeklagt insgesamt neun krimineller Taten, darunter Geldwäsche, Machtmissbrauch und Unterschriftsfälschung; Roberto Jefferson, vom Koalitionspartner der PT, der PTB, er hatte den Stein ins Rollen gebracht, er war in die ursprünglich zu untersuchenden Unregelmässigkeiten bei der Post verwickelt, als er merkte, dass er nicht davon kommen würde, beschloss er, die ganze Regierung mit in den Skandal zu ziehen und legte die ganzen Korruptionsschemata dar, angeklagt der passiven Bestechung, der Steuerhinterziehung und von Wahlverhgehen; Eduardo Azeredo, nicht von der PT, sondern damaliger Präsident deren ärgster Gegner PSDB (des vorherigen Präsidenten Cardoso), angeklagt der passiven Bestechung und des Wahlvergehens.

Dazu werden eine Reihe von damaligen Präsidenten und Direktoren von Staatsbetrieben der Untreue angeklagt. Zwei Politiker werden ausserdem angeklagt, weil sie Dokumente der Kommission übergeben hatten, die sich später als gefälscht herausstellten.

Nun, dies sind alles lediglich Feststellungen der Kommission, in der die PT keine Mehrheit hatte. Im Plenum kauft sich Lula jeweils eine Mehrheit zusammen, wenn es um wichtige Abstimmungen geht. Man wird sehen, ob er es auch diesmal wieder schafft, dieses Dokument im Plenum abgelehnt zu bekommen.

Der Duchschnittsbrasilianer sieht in solchen Fällen meist schwarz: Es wird am Ende doch niemand verurteilt. In Brasilien gebraucht man hierfür das Bild der Pizza: Alle Beteiligten gehen in die Pizzeria, bestellen eine Pizza und alles bleibt unter dem Teppich.

So kam es dann auch zum Pizza-Tanz. Im März war u.a. einem der PT-Abgeordneten, die monatliche hohe Zahlungen bekommen hatten, vom Plenum des Bundestages nicht sein Mandat aberkannt worden. Eine Kollegin von ihm war nach der Abstimmung so erfreut, dass sie von ihrem Abgeordnetensitz aufstand und ein kleines Tänzchen hinlegte, dass dann sofort die Bezeichnung Pizza-Tanz bekam.

terror

US-Gericht berät über militärische Sondertribunale

WASHINGTON – Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Dienstag die von Präsident George W. Bush eingesetzten militärischen Sondertribunale unter die Lupe genommen. Anlass ist die Klage des im Gefangenenlager Guantánamo einsitzenden Häftlings Salid Ahmed Hamdan.

Hamdan war einst Chauffeur von Terroristenchef Osama bin Laden. Seine Anwälte argumentieren, dass die Tribunale gegen das Prinzip der Gewaltenteilung verstossen. Die so genannten Militärkommissionen unterstehen komplett dem Pentagon und gewähren der Verteidigung nur eingeschränkte Rechte.

Bush hatte sie nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur raschen Aburteilung von Terrorverdächtigen ins Leben gerufen. Tatsächlich haben die Tribunale bisher aber kein einziges Urteil gefällt.

Hamdans Anwalt Neal Katyal kritisierte vor dem Supreme Court ein Gesetz von 2005, das für Guantánamo-Häftlinge die Rechtsmittel vor der Justiz stark beschränkt. Danach können die Häftlinge sich erst an die Justiz wenden, nachdem ein Militärtribunal sein Urteil über sie gefällt hat.

Zudem können sie sich lediglich an ein Bundesberufungsgericht in Washington wenden, nicht an den Obersten Gerichtshof. Es könne nicht angehen, dass „dem Präsidenten ein Blankoscheck erteilt wird, jemanden jahrelang festzuhalten“, sagte Katyal.

Sollte der Supreme Court der Argumentation der Regierung folgen, würden dutzende von Beschwerden von Guantánamo-Häftlingen abgewiesen. Bisher wurde erst gegen zehn von rund 490 Häftlingen in dem Gefangenenlager Anklage erhoben, obwohl die Männer teilweise schon seit mehr als vier Jahren einsitzen. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird bis Juli erwartet.

vermischtes

Deutsche Raser

Harald Haack – Wenn es um Geschwindigkeit geht, so sind Deutsche ganz vorn; zumindest im eigenen Land. Dabei ist es egal, wer und was sie sind. Adlige, Diplomaten, Testfahrer, Rentner oder Fahranfänger – sie alle gerieten in Radarfallen und wurden geblitzt. Sogar Polizisten zählen dazu.

Ausgerechnet in Frankreich, wo die Strafen fürs zu schnelle Fahren sehr hoch sind, ließen sich Deutsche erwischen, wie beispielsweise der Welfenprinz Ernst August, der auf einer französischen Autobahn mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt und daraufhin mit einem einmonatigen Fahrverbot belegt wurde. Aber das liegt Monate zurück.

Weil 42 Mal deutsche Diplomaten sich offenbar wie Gott in Frankreich fühlten und die Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht beachteten spottete vor einem Jahr das satirische Wochenblatt „Le Canard enchainé“: „Das diplomatische Korps Deutschlands, Vaterland des Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher, überfährt ganz logisch als erster unserer europäischen Nachbarn die Ziellinie“.

Doch in Frankreich zählen die Deutschen nicht ganz zur Spitze der Raser, obwohl die deutschen Diplomaten unter den Diplomaten anderer Länder vorne liegen. Zu den vor zwei Jahren 6990 ertappten Verkehrssündern, die wegen ihrer diplomatischen Immunität ohne Geldbuße oder Strafpunkte davon kamen, zählen besonders Mitarbeiter der französischen Regierung und Behörden. Ausgerechnet aber ein Polizeiwagen erzielte den Geschwindigkeitsrekord. Die französischen Polizisten wurden auf einer Tempo-50-Strecke mit Tempo 160 geblitzt – vom Kollege Roboter, gerne auch Starenkasten genannt.

Nun, wo auch nach Deutschland der Frühling zurückkehrt, sind die Drängler und Raser wieder da, lassen sich erwischen und fallen häufig in sonderbarer Weise auf: So raste noch am Tag der erfolgreichen Prüfung ein Führerschein-Neuling auf der Bundesstraße 3 bei Hann.Münden in eine Radarfalle. Der 18-Jährige sei in einem Tempo 70-Bereich mit 134 Stundenkilometern geblitzt worden, teilte die Polizei stolz mit. Den Führerschein musste der junge Mann gleich wieder abgeben. Ihm drohen nun ein längeres Fahrverbot, vier Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei und 275 Euro Bußgeld.


Starenkästen dienen dem Artenschutz.

Ein rüpelhafter Rentner demolierte im Harz einen so genannten Starenkasten, einer Radarfalle, mit Steinwürfen. Dafür wurde der 75-Jährige aus Uetze (Region Hannover) vom Amtsgericht Goslar zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt. Wie ein Justizsprecher sagte, war der Mann bei Bad Harzburg in einem Tempo-60-Bereich mit 84 Stundenkilometern geblitzt worden. Obwohl dies keine Besonderheit unter den Ergebnissen der ertappten Raser darstellt, fuhr er verärgert zurück und warf Steine auf den Radarkasten. Erzeugte die hohe Geschwindigkeit der von ihm geworfenen Steine eine Blitzlichtorgie?

Staatsanwalt und Richter legten ihm zur Last, er habe vor Jahren bei Fulda sogar schon einmal mit einem Gewehr auf eine Tempomessanlage geschossen.


Dagegen hilft kein Blitzableiter, sondern nur die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindkeitsbeschränkungen.

Wem wundert es, wenn angesichts solcher Meldungen die Polizei aufrüstete. Neue Geschwindigkeitsmeßgeräte, Starenkästen mit verstärkten Stahlpfählen und vor allem schnittige Streifenwagen wurden angeschafft. Doch bei ihrer Hatz auf Verkehrssünder und andere Gauner wurden die Ordnungshüter oft selbst zum Straßenschreck. „Mit Blaulicht zum Schrottplatz“ lästerte der SPIEGEL im Mai 2005 und stellte fest, dass besonders Berlins Polizisten auffielen: „In den vergangenen zwei Jahren waren die Berliner Beamten mit ihren Einsatzwagen in 499 Unfälle verwickelt, 376 davon hatten sie selbst verursacht“.


Aus verständlichen Gründen verschwinden solche Fotos ganz schnell aus den Augen der Öffentlichkeit. Foto der Landesverkehrswacht.

kultur

Dee letzte seiner Art?

Stephan Fuchs – In dieser Qualität bestimmt! Georgette Dee ist die letzte noch lebende Diseuse. Ein Wort das kaum einer kennt…ausser jene Matrosen die in deutschen Häfen schon vor Anker lagen. Georgette Dee besingt die Matrosen und mit ihnen die Ferne die sich doch so furchtbar gerne nah ankuschelt. Am Saum. Im Mondlicht. Im Schweiss. Auf den Wellen. Nackt. Georgette Dee, dessen Alter ausser einem Berner keiner kennt, ist jetzt schon ein Verlust. Jetzt, wo sie noch lebt und das wird sie noch lange.


Foto: Daniel von Johnson

Und wie. Die Frau ist erwachsen geworden. Oder war sie das schon immer und sie lässt uns erst jetzt daran Teil haben? Verschwunden sind der rote Fummel und das gülden Haar in langer wallender Pracht. Verloren hat Dee damit nichts, dafür gewonnen. Sie ist ehrlicher und emanzipierter geworden – und schlussendlich, sind wir ehrlich, geht es um diese Stimme. Ihre Stimme ist jener Schauer, der auch Nicht- Matrosen die Gischt ins Gesicht schlägt. Auch nicht schwulen Matrosen und Süsswasser Matrosen wie unsereins. Lassen wir das. Georgette Dee liebt keine Matrosen. Es ist das Leben in all seiner Konsequenz die geliebt sein will – natürlich mit den Matrosen. In all seinen Exzessen, in all seinen Farben und in all seiner tiefen Trauer. Die Trauer über den Verlust, gleichzeitig Süss, Fordernd und Verlangend. Das Vermissen ist schön, der Schmerz hinreissend. Georgette! Wir haben’s verpasst!

Wieso haben wir keine Zigarren geraucht? Wieso haben wir nicht zusammen die Bar geleert, auf den Boden gespuckt wie damals, als der Schauspieler auf der Bühne bis in die fünfte Reihe spuckte, welches dich so berührte? Wieso haben wir nicht über das Boxen im Ring gequatscht und über die Weiber getratscht wie das richtige Kerle tun? Nun gut du warst auf Tour, hast dich letzte Woche nur kürzeste Zeit in Bern aufgehalten und mit anderen Jungs an der Museumsnacht über das Töten gesprochen. „Du sollst nicht töten? Sprachgewalt und Schlagkraft… ein biblisches Duell!“ Das war sicher auch lustig. Doch dass wir uns nicht trafen soll kein Verlust sein, wir hätten eh bloss auf den Boden gekotzt, oder zumindest einen himmeltraurigen Morgen erlebt.

Ist dies was Georgette Dee ausmacht? Saufen, rauchen und das bunt? Nein das ist es nicht. Nicht nur. Vielleicht trinkt die Dame gar nicht. Vielleicht raucht sie nur Damenkippen und keine Havannas. Bei Georgette Dee geht es um einiges mehr. Ihre Stimme verrät, dass sie glaubt was sie singt. Tief und flammend in diesem Herz, das jeden Tropfen nach aussen zu kehren scheint. Georgette Dee ist die Reise an den Ursprung der Bretter welche die grosse Welt bedeutet, ohne selbst zum Abklatsch der guten zwanziger zu werden. Konsequent. Sie erzählt die Geschichten, die wir verdrängt haben. Die ganz Grossen. Die ganz Aktuellen, die es schon immer waren. Und die, wie auch ihr neues Programm, mehr als doppeldeutig Sinnverstanden werden können. „Neben mir: Ich – wie nett!“ Kürzlich sass sie auch neben sich auf dem Sofa:

„Die Politiker sollen sich besser um die eigentlichen Probleme des Landes kümmern als die Menschen immer weiter zu gängeln!“, meinte sie unlängst in einer TV Diskussion. Das braucht Mut in einem Geschäft in dem man sich so leicht demontieren lassen kann. Dee bleibt radikal in allem und offenbar gibt es nun auch ein Leben vor Mitternacht. In der letzten noch lebenden Diseuse steckt subversive Fantasie und das nicht zuwenig. Vielleicht ist dies das Geschenk das wir von Dee bekommen. Jedes Mal, jeden Abend aufs Neue an der Bar.

Georgette Dee im PROGR Bern:
Am 19. 20. & 22. April um 21:00

Besetzung: Georgette Dee – vocals, Jürgen Attig – Kontrabass, Jakob Neubauer – Akkordeon
Zum reinhören
Georgette Dee

terror

Mehlis-Berichte waren unbrauchbar

Karl Weiss – Laut einem Artikel der Schweizer „Wochenzeitung“ ist der neue Bericht der internationalen Untersuchungskommission über die Ermordung des libanesischen Politikers Hariri eine einzige Anklage gegen den vorherigen Vorsitzenden der Untersuchungskommission, den deutschen Staatsanwalt Mehlis. „Schlamperei“, „Ohne Fähigkeiten, Qualifikationen, Erfahrungen in komplexen Untersuchungen und antiterroristischen Ermittlungen oder internationalem Strafrecht“, „den minimalen Standards in einem juristischen Prozess nicht genügend“, „kein realistischer Zeitrahmen“, das sind nur einige der zarten Andeutungen, mit der die Arbeit der Mehlis-Kommission charakterisiert wird.


Bezeichnendes Schlaglicht auf das deutsche Justiz-System

Der neue Kommissionsleiter, der 44-jährige belgische Staatsanwalt Serge Brammertz, musste praktisch die ganze Kommission auswechseln. Das Personal musste überprüft, ein Budged aufgestellt und Pflichtenhefte entwickelt werden. Das ist eine vorsichtig formulierte, aber dennoch vernichtende Kritik an Mehlis und seinem Personal.

Dabei geht es nicht nur um deren Unfähigkeit, sondern auch darum, dass sie offenbar voreingenommen an die Aufgabe herangegangen sind und im Grunde nur als Handlanger der westlichen Regierungen fungierten, die möglichst viel und möglichst lange Druck auf Syrien ausüben wollten. Es wird ausdrücklich im Artikel der ‚Wochenzeitung’ betont, dass Mehlis Berichte „abschnittsweise eine wilde Anhäufung von namentlich genannten Verdächtigten, dubiosen Zeugen, Spekulationen und nicht weiter ausgeführten Beschuldigungen“ waren.

Elmar Getto hatte schon bei der Vorlage des ersten Mehlis-Berichts genau dies moniert: Nun stellt sich auch noch heraus, dass Mehlis überhaupt nicht mit diesem Zeugen gesprochen hat, der sich in syrischem Gewahrsam befinden soll. Hätte er nicht mit dem Zeugen in Zabadani die Szene nachstellen müssen, die der dort gesehen haben will? Warum wird all das, was man in grossen Kriminalfällen zur Aufklärung tun muss, nicht getan? Vielleicht weil man gar kein Interesse hat, die wirklichen Täter zu finden, sondern nur einen Kriegsvorwand gegen Syrien braucht?“

Der Staatsanwalt Mehlis, eine mehr und mehr ins Zwielicht geratende Figur, war bereits beim Prozess um den Anschlag auf die Diskothek „La Belle“ in Berlin aufgefallen, als er lediglich Spuren verfolgen liess, die nach Libyen führten, während den viel auffälligeren, die auf Verstrickungen von Spitzeln deutscher Dienste hinwiesen, nie nachgegangen wurde. Damals ging unter Linken das Wort um von „La Belle reimt sich auf Celle“ mit ironischem Seitenhieb auf eine oft gehörte deutsche Aussprache von ‚Belle’. Celle bezog sich auf einen Sprengstoffanschlag eines west-deutschen Stasi-Dienstes auf die Mauer des Gefängnisses in Celle, die dann einer linken Gruppe in die Schuhe geschoben werden sollte.

Im Zusammenhang damit, dass der andere Prozess in jener Zeit, bei dem es darum ging, auf die libysche Regierung Druck auszuüben, der Lockerbie-Prozess, als ein Prozess mit gelegten Beweisen entlarvt wurde, muss man heute den La-Belle-Prozess noch kritischer sehen als damals. Es kann als fast sicher gelten, dass Unschuldige verurteilt wurden oder jedenfalls nicht die Hauptschuldigen, so wie im Lockerbie-Prozess. Wenn das stimmt, dann hat Mehlis die Haupt-Verantwortung dafür.

Offensichtlich ist Mehlis eine politische Figur, die zu Anklagekonstruktionen gegen unliebsame Staaten benutzt wird. Dies wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf das deutsche Justiz-System und auf die Bundesregierung, die solche Figuren aufs internationale Parkett schickt.

Weiterführende Artikel:
Mehlis -Report läßt fast alle Fragen offen
Lockerbie Beweis gefälscht
Der gefährlich unvollständige Hariri Report
Der komplette Mehlis Report

deutschland

Wahlmanipulation durch Ex-Stasi-Mitarbeiter?

Harald Haack – Ronny S.* saß in Bautzen wegen einer dusseligen Bemerkung ein. Knast habe ihm das eingebracht. In einer Kneipe habe er einige Biere getrunken und über Erich Honecker gelästert. Schon am nächsten Tag hatten sie ihn dann von der Baustelle, auf der er damals in Salzwedel arbeitete, weggeholt und zu einer Villa gebracht, der Salzwedeler Stasi-Zentrale, eingebuchtet und tagelang verhört. Ein Richter habe ihm später zu 8 Jahren Zwangsaufenthalt in Bautzen verurteilt. Erst sechs Jahre später, nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten, ließ man ihn laufen. Aber Arbeit wollte ihm, den gelernten Klempner, der aus politischen Gründen im Gefängnis gesessen hatte, niemand mehr geben.

Am Freitag vor dem Wahlsonntag der Landtagswahl 2006 in Sachsen-Anhalt standen sie wieder vor seiner Wohnungstür, die einstigen Stasi-Mitarbeiter, die selben strengen Gesichter, die ihn zum Volksfeind gestempelt hatten. Als er die Tür öffnete, drängelten sie ihn in seine kleine Mietswohnung. Zunächst habe er nur zwei im Hausflur vor der Tür gesehen. Im Nu aber waren drei der Kerle in der Stube und stießen ihn aufs Sofa. Es habe sich im Grunde genommen nichts geändert, sollen sie ihm gesagt haben. Die Stasi gebe es noch. Dass er frei herumlaufe, habe er nur den „Wirren der Wende“ zu verdanken. Und dann hätten sie ihn verprügelt und ihm weitere Prügel angedroht, falls er es wagen sollte am Sonntag zur Wahl zu gehen. Für den Fall, dass er zur Polizei renne und Anzeige erstatte, drohten sie ihn, ihn verschwinden zu lassen – so wie damals in der DDR viele Leute spurlos verschwanden.

Ronny S.* ging nicht zur Wahl. Auch nicht zur Polizei. Er blieb zu Hause wie viele Salzwedeler und andere Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt.

Nachdem er am Montag-Abend nach einem Besuch in seiner Stammkneipe in der Burgstraße zu Hause den Fernseher eingeschaltet hatte, sah er den Bericht über den Stasi-Aufmarsch in Hohenschönhausen. Der Auftritt von Matthias Melster, einem ehemaligen Bautzener Mithäftling, im MDR-Magazin „Fakt“, machte ihn Mut den Überfall der Stasi-Schergen nicht sang und klanglos hinzunehmen. Mit der Polizei wolle er nichts zu tun haben, aber die Sache müsse an die Öffentlichkeit. Sicherlich gebe es noch mehr Leute, denen man befohlen habe die Wahl zu schwänzen. Die sollten sich bitte bei „[journalismus] – nachrichten von heute“ oder anderen unabhängigen „Presse-Fritzen“ melden. Gemeinsam sei man doch stark, sagte er und er hoffe, dass dem Wirken der „kriminellen Vereinigung“ der Ex-Stasi-Mitarbeiter dann endlich „ein Riegel“ vorgeschoben werde.

* Name geändert

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FAKT vom 27.03.2006
Stasi-Aufmarsch in Hohenschönhausen
Manuskript des Beitrages von Helmuth Frauendorfer

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