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Einkesselungsmethoden der Londoner Metropolitan Police (MET) rund um den G20 Gipfel im April 2009 als gesetzeswidrig erklärt

Germaine Françoise Spoerri – Das Obergericht urteilte am 14. April 2011, dass die Londoner Metropolitan Police (MET), in der Art und Weise, wie sie bis zu 5’000 Demonstrant_innen an den G20 Protesten vom April 2009 eingekesselte, Gesetzesbruch begangen hat. Scotland Yard könnte nun von Tausenden für falsche Inhaftierung vor Gericht gezogen werden.

10’000 Protestierende waren nach London gekommen, um am 1. April 2009 gegen das Zusammenkommen führender Staatsmänner und -frauen am G20 Gipfel zu demonstrieren. Der „Höhepunkt“ der Proteste wurde kurz nach 19 Uhr erreicht, hat das Obergericht nun geurteilt, als tausende Umweltaktivist_innen widerrechtlich gegen ihren Willen am karnivalesken Climate Camp in Bishopsgate festgehalten wurden und Riot Officers begannen, die Menge mit Schlagstöcken und Schildern gewaltsam zu deplatzieren.

Die Polizei sagte aus, sie habe das Camp „eingedämmt“, weil sie befürchtete, dass sich Personen einer teilweise gewalttätigen Demonstration vor dem Royal Exchange der hiesigen Demonstration anschliessen würden. Das Hauptelement dieses Vorgehens der Metropolitan Police waren “Kessel”, ein Versuch, tausende von Menschen oft für mehrere Stunden innerhalb einer Polizeikette festzuhalten. Das Resultat waren blutige Zusammenstösse, als Protestierende versuchten, auszubrechen.

Um etwa dieselbe Zeit, und nur einige hundert Meter entfernt, wurde Ian Tomlinson, ein Zeitungsverkäufer, der einen Heimweg durch die Polizeiketten suchte, die sich um die Bank of England formiert hatten, von einem MET Polizisten zu Boden geschlagen. Tomlinson verlor das Bewusstsein und verstarb weniger als 3 Minuten später. Aktivist_innen mit Videokameras hatten die Ereignisse gefilmt, die auf Youtube mehr als 500’000 aufgerufen wurden. Kein leitender Polizist hat bisher die volle Verantwortung für die Fehler am G20 übernommen.

Das Obergericht verurteilte die Gewaltanwendung als exzessiv und konstatierte, dass die Rechte unschuldiger Teilnehmer_innen verletzt worden seien: “Es ist evident, dass Momente unangemessen unflexibler Freilassung [aus dem Kessel], sowie Momente unnötiger und ungerechtfertigter Gewaltanwendung während der Einkesselungsoperation stattgefunden haben.“

Die Richter hielten ausserdem fest, dass die Polizei die Taktik der Massenfesthaltung (und -festnahme) einsetzte, obwohl sie die Demonstration rund um das Climate Camp als friedlich eingestuft hatte, und dass während einer dieser Operationen an diesem Tag von Seiten der Polizei Gesichtshiebe, Ohrfeigen und Schläge mit Polizeischilden ausgeteilt wurden, als diese versuchte, eine Demonstration gegen Klimawandel örtlich zu deplatzieren. Die Richter beurteilten die ausgeübte Gewalt als “ungerechtfertigt” und kritisierten die „unpräzisen“ Befehle der Oberbefehlshaber während der Operation. Massenfesthaltungen für über fünf Stunden seien als ungesetzlicher Freiheitsentzug gemäss Artikel 5 der Europäischen Menschenrechtserklärung zu erklären.

Voraussetzung für eine gesetzlich gerechtfertigte Massenfesthaltung ist in Grossbritannien die Überschreitung von Schwellenwerten, wobei Offiziere beweisen können müssen, dass ein unmittelbarer – „imminenter“ – Friedensbruch vorliegt, der zu einer eigentlichen Bedrohung der öffentlichen Ordnung führt. Dies sei im Falle des Climate Camp nicht gegeben gewesen. Die mitternächtliche Auflösung der Demonstration, befanden die Richter, habe andererseits im Rahmen der Gesetze gelegen.

Der Fall war von zwei Aktivist_innen, HM und JM, welche sich unter den Festgehaltenen befanden, vor Gericht gebracht worden. Der Anwalt, der die Kläger_innen vor Gericht verteidigt hat, John Halford, sagte, dass das Urteil den Weg für tausende von Schadensersatzklagen gegen die Polizei und ihr widerrechtliches Vorgehen eröffne: “Jede damals eingekesselte Person kann nun gegen fehlerhafte Inhaftierung und für Schadensersatz klagen, weil sie gegen ihren Willen festgehalten wurde”.

Die MET wurde in den letzten Monaten von verschiedenen Seiten für ihr vorgehen an Demonstrationen kritisiert, als zu hart und unbeholfen am G20, und zu unvorbereitet an den letztjährigen Studierendenprotesten. Zum Urteil äusserte sie sich folgendermassen: “Wir glauben, dass diese Angelegenheit für die Fähigkeiten der Polizei, Unordnung in Protesten zu verhindern, so wichtig ist, dass wir Einspruch erheben werden. Der Metropolitan Police Service ist der Überzeugung, dass die Einkesselung in Bishopsgate weitere Szenen der Gewalt und kriminellen Schadens am 1. April 2009 verhindert hat.”

An allen drei grossen Studierendenprotesten Ende letzten Jahres wurden Kesselungen eingesetzt, was zu negativen Schlagzeilen führte, als sich herausstellte, dass sich unter den in eisiger Kälte Festgehaltenen auch Kinder in Schuluniformen befanden. Auch letzten Monat wurde die Taktik, in kleinerem Ausmass, wieder angewandt. Dies werde auch weiterhin geschehen, es sei jedoch die Art der Einkesselungen seit den G20 Protesten im April 2009 „verändert“ worden.

Die MET pionierte den Gebrauch von Kesseln in den späten 1990er Jahren, und setzte sie zum ersten Mal an einer öffentlicher Veranstaltung im Mai 2001 ein, wo Tausende am Oxford Circus in London eingekesselt wurden. Schon damals versuchten Protestierende rechtlich vorzugehen, mit dem Argument, dass es sich bei dieser Taktik grundsätzlich um ungerechtfertigte Inhaftierung handle. Die Klage von Lois Austin, die sagte, dass der Oxfordkessel sie vom Abholen ihrer Tochter abgehalten habe, wurde wiederholt abgewiesen, weil die Richter, nur wenige Monate vor dem G20, zugungsten der MET urteilte. Austin zieht den Fall nun vor den Europäischen Menschengerichtshof.

Das Urteil kann zwar nicht als direkte Verurteilung von Einkesselungs- und Massenfesthaltungstaktiken der Polizei eingestuft werden, wird jedoch klar als Abfuhr an die MET betrachtet und sendet ein klares Signal an Polizeikommandeure, die drakonische Taktiken für die Verhinderung von Gewalt wiederholt als notwendiges Mittel zur Kontrolle verteidigt haben.

Ob das Urteil nun eine internationale Sammelklage gegen Scotland Yard und die MET nach sich zieht, steht offen. Fakt ist jedoch, dass sich Gerichte in Bezug auf illegale und manchmal gewaltsame Anwendung von Polizeitaktiken an Demonstrationen nun erstmals zugunsten von Protestierenden ausgesprochen haben. Dass Einkesselungen nun also auch offiziell Menschenrechte und zivile Freiheiten unschuldiger, legaler Protestierenden aufhebt, wird langfristig auch Wellen nach Festlandeuropa und bis in die Schweiz schlagen.

linkDieser Artikel erschein bei Kritische Geografie

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Oranges and Sunshine – oder: verlorene Kindheit. Schockierende Kinderemigration aus England

Dr. Alexander von Paleske — 24.4. 2011 — Im Jahre 1986 kam die Sozialarbeiterin Margaret Humphreys in Nottingham/Grossbritannien per Zufall in Kontakt mit einem Klienten, der als Kind von Großbritannien nach Australien in ein Heim „verfrachtet“ worden war.

Eine Sozialarbeiterin deckt einen Skandal auf
Humphreys startete Nachforschungen, die sich über zwei Jahre erstreckten, und deckte dabei eines der finstersten Kapitel der britischen Sozialgeschichte auf, das bis zum Jahre 1970 andauerte.Es handelte sich um insgesamt rund 100.000 britische Kinder, die entweder keine Eltern mehr hatten, oder deren Eltern unfähig und / oder unwillig waren, sich um ihre Kinder zu kümmern.

Diese Kinder wurden mit dem Versprechen, nach Australien verfrachtet, dort gebe es Orangen und Sonnenschein, statt des kalten und feuchten britischen Wetters.

Den Eltern, so vorhanden, wurden die gleichen Versprechungen gemacht. Ausserdem: Ihre Kinder würden zu fürsorglichen Adoptiveltern gebracht.und ihnen so die Zustimmung abgelockt: .

Den Kindern, deren Mütter und / oder Väter noch lebten, wurde vorgelogen, die Eltern seien gestorben.

Heimat und Familie verloren
Mit der Verbringung nach Australien verloren die Kinder somit nicht nur ihre Heimat, sondern, so vorhanden, auch die Eltern, Geschwister und Verwandte.

Bestenfalls die Hälfte, vermutlich erheblich weniger, hatten das Glück entweder zu Adoptiveltern zu kommen, oder aber in akzeptable Kinderheime.

Die andere Hälfte landete in kirchlichen, vorwiegend katholischen Erziehungsheimen und dort ging es alles andere als gemütlich zu, wo Misshandlungen (Schläge und sexueller Missbrauch) an der Tagesordnung waren.

Die britischen Behörden schafften sich damit eine soziale „Last“ vom Hals, die australischen Behörden bekamen Einwanderer, die sich entweder sofort oder später als billige Arbeitskräfte einsetzen ließen.

Empty Cradles
Margaret Humphreys, die während ihrer Nachforschungen Todesdrohungen erhielt, fasste ihre schockierenden Erkenntnisse in einem Buch zusammen, das sie 1994 publizierte: Empty Cradles (leere Kinderwiegen).

Aber erst im November 2009 entschuldigte sich der damalige australische Regierungschef Kevin Rudd für das den Kindern zugefügte Leid, das bei nicht Wenigen im späteren Leben zu Identitätskrisen, Depression und Selbstmord führte.

Der damalige britische Regierungschef Gordon Brown folgte nach einigen Monaten.

Der jetzige britische Premier David Cameron hat diese Entschuldigung noch einmal bekräftigt und versprach über einen Fund Mittel bereitzustellen, ein Fund, der helfen soll, diese Familien, so noch möglich, wieder zusammen zu bringen.

Der Film zum Thema

Dieser Skandal ist jetzt zum Thema eines Films geworden, der seit Anfang des Monats in den britischen Kinos zu sehen ist: Oranges and Sunshine.

Der Film erzählt die Geschichte eines der Migrantenkinder, der später recht wohlhabend wurde, und versucht seine Mutter in Grossbritannien zu finden und dabei auf Margaret Humphreys trifft.


Ein ehemaliges Migrantenkind sucht seine Mutter

Und er berichtet von dem Kampf der Sozialarbeiterin Humphreys, die Ungerechtigkeit endlich öffentlich einzugestehen, und so den Opfern ein kleines Stück Wiedergutmachung zu leisten.

Ein sehenswerter, verstörender Film über ein grosses Unrecht an so vielen Kindern, das erst vor 41 Jahren endete.

Zu den Missbrauchsfällen in Deutschland
Die Presse und die Missbrauchsfälle in Schulen und Internaten

Krieg

UN-Resolution zu Libyen unvereinbar mit internationalem Recht

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait – Zwar berufen sich die Kriegsherren auf die Resolution des UN-Sicherheitsrates vom 17.3., jedoch erlaubt diese Resolution keine Intervention, keine Parteinahme zugunsten einer Seite in einem Bürgerkrieg, was auch die Grundsätze des allgemeinen Völkerrechts und die UN-Charta untersagen. Eine Parteinahme widerspricht der UN-Charta.

Allerdings hält auch die UN-Sicherheitsrats-Resolution selbst keiner juristischen Überprüfung stand. In seinem Brief und beigefügtem Memorandum (26.3.) des Völkerrechtlers Prof. Dr. Hans Köchler, Präsident der „International Progress Organization“ mit Sitz in Wien macht er deutlich, dass der UN-Sicherheitsrat mit der Billigung der Resolution zu Libyen (17.3.) seine durch die UN-Charta definierten Kompetenzen überschritten und gegen Grundsätze des allgemeinen Völkerrechts verstoßen hat.

Damit hat der Sicherheitsrat allen Staaten der Welt einen Freibrief zur Intervention in Libyen ohne Vorgaben bezüglich der Dauer, der Art der Durchführung und der einzusetzenden Mittel ausgestellt. Ein Kontrollmechanismus wurde nicht eingerichtet. „Es ist offensichtlich, dass die Übertragung praktisch unbeschränkter Vollmachten an interessierte Parteien und regionale Gruppen… nicht nur mit der Charta der Vereinten Nationen, sondern mit dem internationalen Recht an sich nicht vereinbar ist.“ Durch diese Generalermächtigung zur Intervention hat die Resolution erst die Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit geschaffen.

Die deutsche Öffentlichkeit schaut zu, wie der US-amerikanische Hegemon den Rest der Welt an den Rand eines Weltkriegs führt. Jenseits jeden UN-Mandats. Das Gesetz bedeutet nichts für die US-Exekutive. Eigene Gesetze auch nicht. Die USA erkennen nicht mehr das internationale Gesetz an. So wie sie nicht auf das Gesetz achten, so achten sie auch nicht die Vereinten Nationen und ihre Charta. Die Vereinten Nationen degenerierten zu einer US-amerikanischen Puppe. Die US-Regierung benutzt sie zur Deckung ihrer kriminellen aggressiven Handlungen, die sie mit ihrem Instrument NATO ausführt.

Frankreich und Großbritannien sind auch Puppen der USA. Diese Länder sind nicht unabhängig. Sarkozy legt nicht gegenüber dem französischen Volk Rechenschaft ab, sondern gegenüber Washington. Auch der britische Prime Minister verhält sich nicht anders: Nicht dem Volk des Vereinigten Königreichs fühlt er sich verpflichtet, sondern den Machthabern in Washington. Sie sind die Puppen-Spieler eines Imperiums.

Frankreich war relativ unabhängig, bis Washington Sarkozy an die Macht verhalf. Cameron, Sarkozy, und die anderen tun alles, was ihnen aus Washington gesagt wird, wenn nicht, gibt es unangenehme weltweite Medienkampagnen und Parteiquerelen. In Deutschland beginnt man, an der Spitze der Politik darüber Klarheit zu erlangen.

Wie schnell und skrupellos es mit dem Schein von Gemeinschaft vorbei sein kann, lehrte schon das unbehelligt gebliebene rücksichtslose Verhalten Washingtons gegenüber seinem deutschen Verbündeten, als die USA überraschend eine so sinnlose wie inhumane Bombardierung Tripolis unter Ronald Reagan 1986 unternahmen, ohne jede Konsultation mit Deutschland.

Dabei wurde die 15 Monate alte Adoptivtochter Gaddafis, Hana, getötet. Die damalige mörderische amerikanische Aggression begann gerade dann, als der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher im Flugzeug Richtung Washington saß, um das Weiße Haus umzustimmen, es von seiner aggressiven Absichten abzubringen und den Angriff so zu verhindern. Die überraschende verheerende US-Bombardierung gegen Libyen 1986 war ein Affront gegen den deutschen Außenminister Genscher. Ist es verwunderlich, dass sich der heutige deutsche Außenminister Guido Westerwelle bewusst gegen das jetzige kriminelle Verhalten seines sogenannten „Verbündeten“ stellt?

Professor Dr. Köchler schlägt eine völkerrechtliche Bewertung der Sicherheitsratsresolution durch den Internationalen Gerichtshof vor. Ein entsprechender Antrag an den Internationalen Gerichtshof könnte von der Generalversammlung der Vereinten Nationen oder dem UN-Sicherheitsrat gestellt werden.

Unwahrscheinlich ist aber, dass der Sicherheitsrat diesen Schritt unternimmt, da gerade im Sicherheitsrat die zwei oder drei Aggressoren als permanente Mitglieder sitzen, die sich gegen das Recht stellen. Aber die UN-Vollversammlung muss sich für die rechtmäßige Geltung der Vereinten Nationen engagieren.

Der neue Faschismus, nämlich die Missachtung von Recht und Gesetz, mit der Wiederkehr der Kanonenbootpolitik ist viel gefährlicher, viel menschenverachtender und verbrecherischer als der alte bekannte europäische Faschismus des 20. Jahrhunderts. Ihn durch propagandistische Lügen und konstruierten Erfindungen in die Öffentlichkeit zu tragen, ist Volksverhetzung, die selbstverständlich strafrechtlich verfolgt und bestraft gehört.

sendenDie Autorin Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist Juristin und Diplomatin a.D.

kriminalitaet

Der Kachelmann-Prozess und seine Verlierer

Dr. Alexander von Paleske — 22.4. 2011 — Der Kachelmann-Prozess neigt sich dem Ende entgegen. Die meisten Zeugen haben ausgesagt, die meisten Gutachter ihre Expertisen vorgetragen und auch die sachverständigen Zeugen wurden in epischer Breite befragt und angehört.

Nicht ausreichend
Nach allem was bisher hier im Prozess in öffentlicher Verhandlung ausgebreitet wurde, und in nichtöffentlicher Sitzung, soweit es nach außen drang, schält sich heraus, daß die Zeugenaussagen und die Gutachterexpertisen wohl nicht ausreichen werden, Kachelmann der Vergewaltigung zu überführen.

Es wird daher aller Voraussicht nach zu einem Freispruch kommen.

Dies hat weniger mit dem Auftreten den Anwalts Schwenn zu tun, der von der ZEIT-Journalistin Sabine Rückert nicht nur ins Spiel gebracht wurde, sondern in ihren Artikeln auch hochgelobt wurde, der in einem Artikel in dem Magazin Cicero schon Schelte an dem Verfahren übte, bevor er selbst in den Ring stieg, und der im Prozess zur Freude des immer anwesenden „Kachelmann-Fan-Clubs“ so richtig auf die Pauke haute.

Es hat vielmehr an dem Leiter der Hamburger Rechtsmedizin, Professor Klaus Püschel gelegen, dessen Expertise noch von dem abgehalfterten Verteidiger Birkenstock angefordert worden war.

Püschel, ausgestattet mit einer reichen Erfahrung auf dem Gebiet der Opfer sexueller Gewalt, konnte recht überzeugend darlegen, dass die beim Opfer festgestellten Hämatome und Kratzspuren sowie die angeblichen Schnittverletzungen, offenbar nicht das Resultat eines Fremdangriffs waren.

Obgleich ein anderer Gutachter das Gegenteil annahm, waren damit ernsthafte Zweifel an den Angaben des angeblichen Opfers gesät.

Damit war bereits ein Standbein der Anklage de facto demontiert.

Glaubwürdigkeit des Opfers entscheidend
Bei Vergewaltigungen – die Vergewaltiger stammen ja in der Mehrzahl aus dem Bekanntenkreis des jeweiligen Opfers – kommt es entscheidend auf die Glaubwürdigkeit der Aussage des vermeintlichen Opfers an, denn die Angeschuldigten behaupten meistens, dass es sich um einverständlichen Sex gehandelt habe.

Diese Glaubwürdigkeit des Opfers ergibt sich aus Indizien, also Umständen, die zusammengenommen keinerlei Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Aussage des Opfers zulassen.

Dieser Indizienbeweis ist im Kachelmann-Prozess bisher nicht lückenlos gelungen.

Einmal durch die unwahren Aussagen des angeblichen Opfers gleich zu Beginn des Ermittlungsverfahrens. Unwahrheiten, die sie auf Vorhalt der Staatsanwaltschaft dann richtigstellte bzw. Behauptungen, die sie zurücknahm. Hinzukommen weitere Ungereimtheiten und Erinnerungslücken.

Insgesamt dürften diese Widersprüche, zusammen mit den einander widersprechenden Gutachten und dem substantiierten Gutachten Professor Püschels ausreichen, um genügend Zweifel an der Täterschaft Kachelmanns zu erzeugen.

Die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit für eine Täterschaft Kachelmanns und damit für eine Verurteilung, wäre – jedenfalls aufgrund der bisherigen Beweislage – nicht erbracht.
Ein Freispruch wird wahrscheinlicher..

Alles erlogen?
War von dem angeblichen Opfer also dann alles „erstunken und erlogen“? Nein, nicht notwendigerweise.
Vielmehr wird nun möglicherweise der Raum eröffnet für weitreichende Spekulationen, die von einem puren Racheakt bis zu einer Vergewaltigung reichen.
Auch das Verhalten Kachelmanns nach Aussagen von Zeugen in den Tagen danach lässt diese Variante durchaus zu. Mehr allerdings auch nicht

Es ist also nicht unmöglich, dass es sich tatsächlich um eine Vergewaltigung handelte, allerdings nicht gleich zu Beginn sondern im Verlauf des intimen Beisammenseins. Dass also das angebliche Opfer erst in einem fortgeschrittenen Stadium die Stop-Karte zeigte.

Derartige Vergewaltigungen sind in der Regel noch schwieriger zu beweisen, und es ist nicht ausgeschlossen, dass das angebliche Opfer, um die Aussage glaubwürdiger zu machen, zur Dramatisierung, zur Ausschmückung griff, und damit lediglich „Verschlimmbesserung“ erreichte.
.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass bei Intimverkehr Kachelmann ja angeblich gerne mit der Peitsche knallte.

Wir werden die Wahrheit vielleicht nie erfahren, zumal Kachelmann – was sein gutes Recht ist – sich selbst nicht befragen ließ.

Nicht nur Verlierer
Gleichwohl ist es unzutreffend, dass es in diesem Prozess nur Verlierer gegeben hat, wie die SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen ausführte. Denn ein Gewinner ist zweifellos das Landgericht Mannheim, das trotz des ganzen Pressewirbels, trotz der Attacken des Verteidigers Schwenn , zunächst im Cicero und später im Verfahren selbst, trotz der Attacken der ZEIT-Journalistin Sabine Rückert, den Prozess bisher mit der gebotenen Gründlichkeit über die Bühne brachte.

Journalismus als Verlierer
Verlierer ist allerdings der Journalismus in Deutschland.
Ich habe in mehreren Artikeln insbesondere die ZEIT-Journalistin Sabine Rückert kritisiert, und ich muss an dieser Stelle die Kritik noch einmal um eine Gangart verschärfen:

Der letzte Artikel aus ihrer Feder „Kachelmanns Frauen“ in der ZEIT vom 7.4. 2011 gibt keinen vernünftigen Sachstand, zeigt keine journalistisch gebotene Distanz, sondern ist der Versuch einer Abrechnung mit Alice Schwarzer und ebenfalls der Versuch, Kachelmanns Freundinnen unter der Rubrik „selbst schuld“ und ggf. noch „geldgierig“ abzuwerten.

Motto: Wer im Zeitalter der Postemanzipation sich von einem Filou wie Kachelmann mit billigen Versprechungen einwickeln lässt, der hat es offenbar nicht besser verdient.

Das ist kein guter Journalismus, um nicht zu sagen: erbärmlicher Journalismus, der ausserdem nicht berücksichtigen will und / oder kann, welche Auswirkung dieses Verfahren gerade auch auf zukünftige Vergewaltigungsopfer hat: Besser nicht anzeigen.

Insofern hat Alice Schwarzer dann doch recht:

Aufgrund von Erhebungen geht man heute in Deutschland von mindestens 90 000 Vergewaltigungen im Jahr aus. Jede zweite Vergewaltigung passiert zu Hause, wie angeblich auch im Fall Kachelmann. Der Täter ist der eigene Mann oder Freund bzw. Ex-Mann.

Doch nur acht Prozent aller Vergewaltigungen werden überhaupt angezeigt. Und nur bei jeder siebten Anzeige steht am Ende die Verurteilung des Täters. Gleichzeitig signalisieren die Statistiken, dass Vergewaltigung das Verbrechen mit den geringsten Falschanschuldigungen ist: Nur in drei von hundert Fällen lügt die Frau.

Was bedeutet: Nur jeder hundertste Vergewaltiger muss auch dafür büßen. Vergewaltigung ist also ein quasi strafloses Verbrechen.

So ist durchaus verständlich, was mein ehemaliger Ausbilder bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt und spätere Generalstaatsanwalt von Berlin, Dr. Hansjürgen Karge, in der Sendung mit Anne Will im August vergangenen Jahres sagte: Er würde seiner Tochter nach einer Vergewaltigung nicht empfehlen, zur Polizei zu gehen und Anzeige erstatten.

Der Verfasser ist leitender Arzt und ehemaliger Rechtsanwalt

Der Fall Kachelmann oder: Wenn Journalismus vor die Hunde geht“

Interview mit dem ehemaligen Generalstaatsanwalt von Berlin, Dr. Karge
Justiz in der Krise oder Krisenjustiz?

Satire zum Thema
Advokat Schwenn, der Aufmischer vom Kachelmann-Prozess
Spät, Wetterfrosch Kachelmann, aber nicht zu spät
Freigesprochener Frosch von Hunden gebissen

Kachelmann frei: Danke, danke Frau Sabine ( ZEIT) Rückert
Alice Schwarzer: Willkommen im Circus Sarrazini
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SATIRE

Thilo Sarrazin: „Hurra, ich habe gewonnen und bleibe (in der SPD)“

Dr. Alexander von Paleske — 21.4. 2011 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Thilo Sarrazin
Deutschlanderneuerungsirrpfad 1
Berlin

Liebe Deutsche,

heute war ein wichtiger und enorm erfolgreicher Tag für mich, denn die schäbigen Versuche, mich aus der SPD auszuschließen, sind grandios gescheitert.


Bin und bleibe SPD-Mitglied

Das war nun schon der zweite Versuch, und die SPD wird sich hüten, einen weiteren Versuch zu unternehmen.

Natürlich sind meine Thesen mit der Politik und der Geschichte der SPD unvereinbar.

Willy Brandt sagte in seiner Abschiedsrede als Parteivorsitzender am 14.6. 1987:

“ Man mag den damaligen Vorgang bewerten wie man will, aber Fremdenfeindlichkeit dürfen wir nie und nimmer unwidersprochen lassen. Wir müssen ihr so entgegentreten, dass auch Banausen merken, woran sie bei uns sind.“ …..

Ich hingegen sagte und sage:

Deutschland läuft Gefahr, wegen des geringeren Bildungsgrads der Mehrheit der Zuwanderer zu verdummen. Verschiedenen Ethnien haben – genetisch bedingt – unterschiedliche Intelligenz. Es gibt eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz. Intelligenz wird von Eltern an Kinder weitergegeben, der Erbanteil liegt bei fast 80 Prozent.“

Ich habe während meiner Anhörung nichts, aber auch gar nichts davon zurückgenommen, denn schließlich muss man ja, insbesondere als hochintelligenter Intellektueller wie ich, die Wahrheit in den (genetischen) Tatsachen suchen.

Daher bleibe ich ganz entschieden dabei: Ausländer/in, Türkei- und Arab-Immigrant/in , Du bist nicht Deutschland

SPD-Genossen-Hosen gestrichen voll
Diese SPD „Genossen“ – besser als „Feinde der Deutschlanderhaltung“ zu bezeichnen – haben die Hosen gestrichen voll aus Angst vor der Wut und Empörung, die ihnen im Falle meines Parteiausschlusses aus der deutschen Volksgemeinschaft, aber auch aus den eigenen Reihen, entgegenschlagen würden.

Natürlich gibt es gute Gründe, diese SPD zu verlassen. Aber durch meine Mitgliedschaft in der SPD lassen sich meine (absurden) Thesen über Ausländer besser in den Mainstream integrieren.

Hinzu kommt, dass ich selbst bestimmen will, ob und wann ich diesen Verein verlasse, aber nicht Leute wie diese Andrea Nahles.

Suppenküchen müssen verschwinden
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch auf einen Mißstand hinweisen, über den ich mich schon seit geraumer Zeit ärgere: Die Suppenküchen.

Wie ich am 14.4 in einem Vortrag vor der Industrie- und Handelskammer Berlin bereits wissenschaftlich darlegte, gibt es bei uns in Deutschland dank Hartz IV keinen Hunger, und auch keine richtige Armut, jedenfalls dann nicht, wenn diese Leute meine Sparvorschläge für Esseneinkauf, Kaltduschen und Heizkostenersparnis endlich beherzigen würden.

Stattdessen gehen diese Leute zu den Suppenküchen, um Geld einzusparen für Medienkonsum, Zigaretten und Alkohol. Das muss alsbald ein Ende finden. Die Suppenküchen müssen verschwinden!

Deutsche, ich verspreche Euch, ich werde entschlossen weiterkämpfen gegen Sozialschmarotzertum, Überfremdung und die damit drohende Abschaffung unseres geliebten Vaterlandes.

Gute Nacht Deutschland!

Euer

– politisch-kaltduschender Pofi-Aufmischer,

– selbsternannter Integrationsfachmann,

– Sprecher der Obsthändler- und Kopftuch-Crisis Group,

– Hartz IV-Nahrungsmittelspezialist,

– Unterschicht-Heizungskosten-Spar-Consultant,

– Stammes-Intelligenz-Gen-Erstbeschreiber

– Gendatenbanker,

– Ex-Nebengleis-Bundesbanker,

– Berlin-Kaputtsparer

Thilo Sarrazin

E-Mail avpaleske@botsnet.bw

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Post für Thilo Sarrazin

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Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait und der Konflikt in Libyen

Dr. Alexander von Paleske — 19.4. 2011 — Die Meinungen über Libyen gehen naturgemäß weit auseinander, auch auf dieser Website.

In mehreren Artikeln setzt sich die Juristin und ehemalige Diplomatin Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait kritisch auf dieser Website mit der Intervention der NATO in Libyen auseinander.

Dazu scheint es aber erforderlich, ihre grundsätzliche Einschätzung zum Konflikt kennenzulernen.

Sie schreibt:
Die Lage in Libyen war von Anfang an unübersichtlich. Die raschen Ereignisse bis zum Massaker der Demonstranten lassen viele Fragen offen. Libyen ist das Land mit dem höchsten Pro-Kopfeinkommen Afrikas. Zudem ist hier der Reichtum um einiges gleichmäßiger verteilt als in den meisten anderen Ländern der Region. Auf der ökonomischen Ebene verfügt Libyen über ein jährliches Pro-Kopf-Einkommen, das mit 12.020 Dollar fast europäischen Standard erreicht und das mehr als viermal so hoch wie in Tunesien ist, und das Sechsfache des ägyptischen beträgt. Für Güter des Grundbedarfs gelten Preisobergrenzen. Medizinische Versorgung und kostenlose Ausbildung sind in Libyen gesichert. Diese regional relativ guten wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Libyen sind eigentlich kein Boden für einen sozialen Aufstand wie in Ägypten und Tunesien..

Motto: je besser es sozial den Menschen geht – die politische Lage bleibt völlig außen vor – desto weniger gibt es Grund für einen Aufstand . Dann ist es allerdings nur noch ein kleiner Schritt bis zu der Behauptung, der Aufstand war von aussen angezettelt.

Dies ist leider eine Stellungnahme, die versucht die Wut und den Zorn der Libyer über die Diktatur, die willkürlichen Verhaftungen und Ermordungen der Gaddafi-Regierung kleinzureden.

Unakzeptable Geschichtsklitterung
Zur vollständigen Geschichtsklitterung wird dann aber die folgende Stellungnahme:

Aufgrund ebenso falscher Beschuldigungen aus London wurde Gaddafi in den achtziger Jahren als „Erzterrorist“ bezeichnet. Die US-Regierung Ronald Reagan nahm diese falschen Beschuldigungen zum Anlass, Libyen zu bombardieren (1986). Dabei wurde seine 15 Monate alte Adoptivtochter Hana getötet. Jahrelang wurde Libyen als Paria-Staat behandelt. Erst Mitte der neunziger Jahren korrigierten die USA ihre Beziehungen zu Libyen.

Der Bombenangriff Reagans erfolgte als Antwort auf den Bombenanschlag auf die Discothek La Belle in West Berlin , am 4.4. 1986, bei dem drei Menschen getötet und 229 verletzt wurden. Ein Bombenanschlag, der von der Libyschen Botschaft in Ost-Berlin organisiert worden war.

Außerdem ist das Gaddafi-Regime verantwortlich für die Bombenanschläge auf die Pan-Am Maschine über Lockerbie , am 21.12. 1988, den Bombenanschlag auf die Air- France/UTA Maschine über Niger am 19.9. 1989 ebenso wie der Bombenanschlag in Djibouti am 18.3. 1987, dem vier deutsche Nachwuchswissenschaftler zum Opfer fielen.

Wer darüber hinweggeht, und nur von falschen Beschuldigungen redet, der kann für sich nicht in Anspruch nehmen, objektiv und unvoreingenommen zu den Ereignissen in Libyen Stellung zu nehmen.

Die Beziehungen wurden auch erst dann normalisiert, als der Lockerbieattentäter aufgeliefert worden war, Libyen sein Atomprogramm eingestellt und die Angehörigen der Opfer der Terroranschläge entschädigt hatte.

Komplexes Problem Libyen
Das Problem Libyen ist leider wesentlich komplexer, als es die ehemalige Diplomatin und Juristin Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait uns glauben machen will.

– Tatsache ist, dass der Aufstand ist nicht von außen initiiert wurde, sondern Teil der panarabischen Demokratiebewegung ist, pro Kopf Einkommen hin- und soziale Lage her.

– Tatsache ist, dass Gaddafi ein Diktator ist, der nicht davor zurückschreckte, willkürlich zu verhaften und zu töten.

– Tatsache ist, dass Gaddafi Milliardenbeträge ins Ausland schaffte, allein in der Schweiz waren es nicht weniger als 5 Milliarden Euro.

-Tatsache ist, dass zu den Freunden Gaddafis gerade auch Rechtsaußen zählten, wie der Österreicher Jörg Haider

– Tatsache ist auch, dass die Rebellen lieber eine Hilfe aus Ägypten oder anderen arabischen Ländern angenommen hätten, diese Hilfe kam aber nicht.

– Tatsache ist, dass große Teile der Bevölkerung Gaddafis 42 Jahre der politischen Unterdrückung satt haben. Die Rebellen daher für ein anderes Libyen ohne den Diktator Gaddafi kämpfen, dafür sind sie bereit zu sterben, und nicht um die libyschen Ölquellen den USA, Großbritannien oder Frankreich zur Verfügung zu stellen.

– Tatsache ist aber auch, dass Großbritannien und Frankreich wohl nicht aus altruistischen Motiven handeln, sonst hätten sie auch jetzt in Syrien und in Yemen eingegriffen und ebenfalls als Israel seinerzeit Gaza angriff.

Fazit:
Wer gegen den Einsatz der Nato in Libyen ist, und dafür gibt es gute Argumente, der sollte nicht versucht sein, die Begründung aus der angeblichen Unbegründetheit des Aufstands der Libyer herzuleiten, und der durch Nichts gerechtfertigten Unterstellung, der Aufstand sei „von aussen angezettelt“ worden.

Und der sollte auch nicht Geschichtsklitterei betreiben.

Schweigen um die Morde an vier Deutschen in Djibouti

Libyen-Konflikt: Wir rufen die Söldner der Welt
Libyen: Verraten und Verkauft – Die Bürgerbewegung Libyens rüstet zum letzten Gefecht
Libyen: Gaddafi lässt schiessen – die Ausbildung besorgte auch Deutschland
Heimkehr eines Attentäters, Libyens Staatschef Gaddafi und das deutsche Auswärtige Amt

Gaddafi-Satire
Westerwelle: Wir haben uns die Entscheidung zur Flugverbotszone nicht leicht gemacht
Libyens Muammar Gaddafi schreibt an Angela Merkel
Angela Merkel an Nicolas Sarkozy: In Sachen Libyen Abwarten und Tee trinken
linkMuammar el Gaddafi: Jetzt rede ich zum Thema „Jörg Haider und die Euro-Millionen“
Wie die Schweiz auf den Hund kam
Gaddafi: Uns reichts mit der Schweiz
Er ist wieder da – Hannibal aus Tripolis meldet sich zurück
Hannibal aus Tripolis oder: Ein schweizer Bundespräsident auf Canossa-Reise

kriminalitaet

Public hanging in Iran

onlineredaktion – In these pictures taken on Saturday, April 16, 2011, and released by the semi-official Mehr News Agency, three blindfolded men convicted of armed robbery, kidnapping and slaying of two policemen, including the head of Shraz police before their hanging, as police officers escort, at the city of Shiraz, about 555 miles (924 kilometers) south of the capital Tehran, Iran. (Mehr News Agency, Mohammad Hadi Khosravi) [The photos were classified as „industrial“ (along with Fukushima Daiichi photos) apparently due to the use of a truck-mounted crane to display.]

Krieg

Zur Stärkung des Völkerrechts beitragen

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait – Ob sie es wahrhaben wollen oder nicht, verteilen sich die Europäer jetzt auf zwei Sorten von Ländern: Die aktuellen europäischen Kriegsherren, Großbritannien und Frankreich, und die anderen europäischen Staaten, die keinen Krieg in Libyen führen. Die Realität spricht für sich selbst und lässt die europäischen Kriegsherren allein lavieren und unter sich allein diskutieren.

Die sogenannte „Geschlossenheit“, die Stefan Kornelius in seinem SZ-Kommentar: „Pflicht zum Bündnis“ sehen will, existiert nur in seiner Phantasie. Die Anwesenheit von der amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton beim NATO-Treffen in Berlin (14.4.) diente nur dazu, eine angebliche Geschlossenheit vorzutäuschen. Gerade weil es sie nicht gab, schien ihr wichtig, eine Mahnung dafür zu überbringen.

Eine schlechte Show vor den Kameras mit Kriegsgrimassen an der Seite des deutschen Außenministers Guido Westerwelle. Der britische Außenminister William Hague proklamierte hartnäckig seine Kriegsbeharrung. Ins selbe Kriegshorn stieß der französische Außenminister Alain Juppé.

Dagegen lehnten Italiens Außenminister Franco Frattini und Spaniens Staatsminister im Außenministerium eine Intensivierung des Bombardements ab. Schon jetzt fliegt die NATO 1000 Angriffe pro Woche gegen Libyen. Wen wundert es da, dass die Rebellen sämtliche Friedensbemühungen in den Wind schlagen, zuletzt den Vermittlungsversuch der Afrikanischen Union (AU) (11.4.). Bislang sei es nicht möglich gewesen, sich auf ein Ende der Feindseligkeiten zu einigen, erklärte die AU am 12.4. Ein sofortiger Waffenstillstand ist aber entscheidend. Der wird jedoch von den zwei oder drei Aggressoren gezielt torpediert. Schweden blockierte zu Recht einen EU-Beschluss, weil es einen humanitären Einsatz nicht mit einem militärischen Einsatz vermischen will.

Die Bundesregierung zeigte sich willens, die Bundeswehr an der Intervention in Libyen unter dem Deckmantel „humanitäre Hilfe“ zu beteiligen. Aber Großbritanniens Außenminister William Hague erklärte wiederum als Echo der Vereinten Nationen, derzeit sei „keine militärische Absicherung erforderlich“, um Hilfe zu leisten. Im Katar wollte eine in London selbsternannte Libyen-Kontaktgruppe das weitere kriegerische Vorgehen gegen das nordafrikanische Land beraten (13.4.). Die Anmaßung ist erkennbar. Schon Hillary Clinton mahnte die Kriegsallianz mit einer Stimme zu sprechen, sie meint selbstverständlich mit der USA-Stimme. Die Diskrepanz kann nicht auffälliger und größer sein.

Der SZ-Artikel von Daniel Brössler vom 16.4. “Drei gegen den Rest“ beendet die Illusion von Geschlossenheit und entlarvt auch den widersprüchlichen Unsinn der Aggressoren Obama, Sarkozy und Cameron. „Deutlich wurden die erheblichen Meinungsunterschiede im westlichen Bündnis.“

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle blieb der American Academy in Berlin fern, wo seine amerikanische Kollegin ihr unzivilisiertes und plumpes Plädoyer für völkerrechtswidrige Interventionen hielt. Zu recht ließ sich der deutsche Außenminister nicht unter dem applaudierenden Publikum sehen. Der deutsche Gastgeber des NATO-Außenministertreffens in Berlin sprach stattdessen unter vier Augen mit seiner Kollegin und betonte zuletzt vor der deutschen Öffentlichkeit: „Es wird eine politische Lösung geben.“

Bezeichnenderweise kam kein öffentlicher Ton im Zusammenhang mit Hillary Clintons Aufenthalt in Berlin aus dem Kanzleramt, auch nicht von der amerikanischen Außenministerin, keine Pressekonferenz, kein gemeinsamer Auftritt vor der Öffentlichkeit nach ihrem kuriosem Treffen mit der Kanzlerin Angela Merkel. Damit hat die Bundeskanzlerin der amerikanischen Außenministerin mit diplomatischer Eleganz eine öffentliche Demütigung erspart. Der Meinungsunterschied zwischen den beiden blieb unter vier Augen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kritisierte in Berlin den Appell der Regierungen von USA, Großbritannien und Frankreich für eine Ablösung Gaddafis. Diese sei durch die UN-Resolution nicht gedeckt. (Meldung von 16.4.11) Hillary Clinton versuchte absichtlich, aber vergebens, eine Einigkeit der verheerenden Kriegsallianz mit der Weltstaatengemeinschaft vorzutäuschen.

Die Welt ist weder so extrem wahnsinnig noch so extrem kriminell: Die Mehrheit der Weltstaatengemeinschaft lehnt den aggressiven Neokolonialismus ab. Keine Nation kann sich gegen den Willen der Menschheit behaupten. Schon die Afrikanische Union zieht die Grenze gegenüber den anmaßenden Europäern. Macht die Afrikanische Union keine „gute Figur“ in den Augen der deutschen Öffentlichkeit, weil sie nicht nach der europäischen Pfeife tanzen will?

Die EU muss anfangen zu verstehen, dass die Weltstaatengemeinschaft mit großer Sorge zu begreifen beginnt, wie gefährlich die Demontage des Völkerrechts ist. Eine Demontage, die bewusst oder unbewusst der ahnungs- und hilflose Journalist Daniel Brössler mit unüberbietbarer Oberflächlichkeit weiter betreibt, indem er die UN-Verantwortung gegen alle UN-Grundsätze lediglich unter Gewaltanwendung zu verstehen vorgibt. „Wehrlose zu schützen“ ist keine UN-Aufgabe, keine völkerrechtliche Pflicht der Vereinten Nationen.

Die sogenannte von deutschen Medien strapazierte „Responsability to protect“ wurde niemals als UN-Verpflichtung oder UN-Mandat akzeptiert, trotz der Hartnäckigkeit der amerikanischen Falken. Die Vollversammlung hat erkannt, dass dadurch Tür und Tor für beliebige militärische Interventionen gegen souveräne Ländern weltweit geöffnet würden. Die Fortentwicklung des Völkerrechts darf nicht über die Demontage der Grundsätze der Vereinten Nationen und ihrem Regelwerk erfolgen. Die Fortentwicklung des Völkerrechts verlangt, Krieg und Aggressoren an den Pranger zu stellen, sie zu ahnden und die militärischen Mittel endgültig auf Verteidigung zu begrenzen, und zwar proportional zum Angriff. Niemals dürfen militärische Mitteln übermäßig werden. Allein deshalb schon ist die moderne Kriegsmaschinerie als menschenrechtswidrig auszuschalten.

Zur Stärkung des Völkerrechts beizutragen, um den Völkern Krieg zu ersparen, ist das Beste einer zivilisierten Gesellschaft in dieser unvollkommenen Welt. Die Gebote der UN-Charta sind wie jede Gebote des öffentlichen Rechts imperativ, also Mandate. So der Respekt vor der Souveränität eines Staates und die Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten eines souveränen Staates.

Die deutsche Öffentlichkeit muss sich auf Rechtsprinzipien besinnen, anstatt mit der Moral zu kommen, immer wieder das Banner der Moral zu hissen, das, wie bekannt, schon bei Maximilien Robespierre zum Verbreiten und Anwachsen von Terror führt.

Bereits die faschistische grauenvolle Intervention Italiens und Nazi-Deutschlands an der Seite der faschistischen-antirepublikanischen Franco-Truppen 1936-1939 hat gezeigt, wie grausam und verhängnisvoll eine solche Intervention in einen Bürgerkrieg wirkt. Die heutige Kriegskoalition ist ebenso verantwortlich für viele zivile Opfer in Libyen. Darüber berichten aber die westlichen Medien nicht.

Der NATO-Krieg ist ein Bruch des Völkerrechts. Zuallererst muss man verhandeln, um diesen Krieg zu beenden, gleichgültig, welche moralischen, politischen oder geistigen Qualitäten man beim Verhandlungspartner zu erkennen vermeint. Man kann sich Verhandlungspartner nicht aussuchen, oder man lehnt Verhandlungen grundsätzlich ab. Wenn aber Verhandlungen grundsätzlich abgelehnt werden, bleibt nur die Logik des Krieges, die militärische Logik, die Logik der Gewaltanwendung, die jede Vernunft ausschließt.

Genau aus diesem Krieg, der heute in Libyen von NATO-Ländern geführt wird, müssen die USA, Großbritannien und Frankreich heraus. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle forderte beim NATO-Treffen in Berlin, wie aus diplomatischen Kreisen verlautete, rechtzeitig über ein Ende des Militäreinsatzes nachzudenken. Die UN-Vetomächte China, Russland und mehrere andere große Schwellenländer forderten gleichzeitig ein Ende der Kriegsführung in Libyen. Der Einsatz von Gewalt sollte vermieden werden. So zeigt sich die Stimme der Weltstaatengemeinschaft.

Unterdessen rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf einer internationalen Konferenz in Kairo dazu auf, den Konflikt in einem „politischen Prozess“ zu lösen. Vordringlich sei jetzt eine sofortige Waffenruhe. An dem Treffen in Ägypten nahmen unter anderen die Arabische Liga und die Afrikanische Union teil. Die Staats- und Regierungschefs von Brasilien, Russlands, Indien, China und Südafrika, die sogenannte BRICS-Gruppe, hatten sich in Sanya auf der chinesischen Insel Hainan getroffen (14.4.) am selben Tag des NATO-Treffens in Berlin. Die Gruppe repräsentiert insgesamt rund drei Milliarden Menschen. Alle fünf BRICS-Länder sind derzeit im UN-Sicherheitsrat vertreten. Ob Hillary Clinton bereit ist, auf diese übereinstimmende Meinung der Weltstaatengemeinschaft zu hören, steht auf einem anderen Blatt.

Die UNO wäre als Verhandlungspartner gefragt, eine UNO, die nicht parteiisch ist, was leider nicht der Fall ist, denn die Weltstaatengemeinschaft steht unter der Diktatur des Sicherheitsrates. Im Sicherheitsrat sitzen heute die neuen großen Aggressoren. Infolgedessen ist das Völkerrechtssystem dabei, sich zugunsten der westlichen Willkürherrschaft selbst endgültig abzuschaffen.

Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma hat inzwischen die NATO aufgefordert, ihre Luftangriffe einzustellen. Bei dem BRICS-Treffen in China wurde die von der NATO und den libyschen Rebellen abgelehnte Friedensinitiative der Afrikanischen Union begrüßt und unterstützt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew traf den Nagel auf den Kopf, als er deutlich erklärte: „Wir gehen davon aus, dass die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in Übereinstimmung mit ihren Worten und ihrem Geist umgesetzt werden müssen, aber nicht aufgrund willkürlicher Interpretationen, die von einigen Staaten vorgenommen wurden. Die Intention der Libyen-Resolution sei gewesen, eine weitere Eskalation des Konflikts zu verhindern. Stattdessen habe man eine internationale Militäroperation der NATO bekommen…“

Die sofortige Beendigung der Kriegshandlungen in Libyen muss jetzt die erste und wichtigste Forderung der Weltstaatengemeinschaft sein. Revolutionäre Prozesse können nicht von außen importiert werden. Das Völkerrecht geht von dieser Erkenntnis aus und verbietet daher die Einmischung in Bürgerkriege.

Krieg wird die Welt niemals besser machen. Unser Bestes kann nur darin bestehen, mit aller unserer Kraft den Frieden zu bewahren und jene Instrumente des Friedens, die das Völkerrecht vorschreibt, vor allem den Dialog einzusetzen, denn die Macht der Vernunft, also die Kraft des Wortes ist Kennzeichen der Aufklärung und Vermögen eines jeden Menschen. So wie bisher und immer wieder aufs Neue. Der Westen muss Erasmus von Rotterdam wiederentdecken.

sendenDie Autorin Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist Juristin und Diplomatin a.D.

Krieg

Vorbereiten und Aufstacheln zum Angriffskrieg strafrechtlich verfolgen

Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait – Die Stimmenthaltung von Russland, China, Brasilien und Deutschland hat dazu beigetragen, die Autorität der UNO zu schwächen und das Völkerrecht weiter auszuhebeln. Die NATO-Einsätze gegen Libyen erfolgen gegen das Regelwerk der Vereinten Nationen. Libyen hat kein anderes Land angegriffen. Es gefährdet nicht den Weltfrieden. Es gibt keinen Völkermord im Land, sondern allein interne Auseinandersetzungen um die Macht.

Wer das Land regiert, ist keine Sache des Auslands, keine Fremdbestimmung, sondern allein eine Entscheidung des betroffenen Volkes. Zahlreiche Festlegungen im Völkerrecht verbieten ein militärisches Eingreifen von außen in die inneren Angelegenheiten eines Landes. Danach darf der UN-Sicherheitsrat „nur dann zu militärischen Mitteln greifen, wenn eine Bedrohung oder ein Bruch des Friedens oder eine Angriffshandlung vorliegt“. (Art 42 der UN-Charta). Die UN-Charta bezieht sich jedoch nicht auf innerstaatliche Revolten, auf Aufstände oder Putschversuche.

Diese werden nach wie vor durch den Schutzmantel der Souveränität und Gestalt der Einmischungsverbots und der Garantie der territorialen Integrität abgeschirmt. Die richtige Auslegung der UN-Prinzipien ist auch in der UN-Charta festgelegt und zwar im Art.2, Absatz 7: „Aus dieser Charta kann eine Befugnis der Vereinten Nationen zum Eingreifen in Angelegenheiten, die ihrem Wesen nach zur inneren Zuständigkeit eines Staates gehören, oder eine Verpflichtung der Mitglieder, solche Angelegenheiten einer Regelung auf Grund dieser Charta zu unterwerfen, nicht abgeleitet werden“.

Diejenigen, die im Sicherheitsrat die Festlegungen der UN-Charta verletzt haben, nämlich Frankreich, Großbritannien und die USA, müssen von der Weltöffentlichkeit an den Pranger gestellt werden. Da völkerrechtswidrig und von keiner UN-Resolution gerechtfertigt, darf ein durch westliche Aggressionen erzwungener Regimewechsel keineswegs weiter als normaler Vorgang oder als Gewohnheitsrecht akzeptiert werden. Dieses Problem, das die Abschaffung des Völkerrecht mit sich bringt, hat der Präsident der „International Progress Organization“ in Wien, Professor Dr. Hans Köchler, in einem Brief und Memorandum an den Präsidenten des UN-Sicherheitsrats und die Vollversammlung thematisiert. (26.3.).

Er schlägt eine völkerrechtliche Bewertung der Sicherheitsratsresolutionen durch den Internationalen Gerichtshof vor. Daraufhin sollte die strafrechtliche Verfolgung von Personen, die sich in Deutschland und anderswo mutmaßlich des Aufstachelns zum Angriffskrieg, der Vorbereitung eines Angriffskrieges im Sinne des Strafgesetzbuchs im Zusammenhang mit dem Libyen-Krieg schuldig gemacht haben, effizient betrieben werden.

Welche Verantwortung spricht Daniel Brössler an? Ist er unfähig, die menschliche Verantwortung in nicht-militärischen, nämlich in rein menschlichen Kategorien zu verstehen? Wo bleibt die humanitäre deutsche Solidarität mit den Flüchtlingen, die ihr Leben riskieren und vor der Tür Europa stehen, um Rettung zu suchen? Wie will Daniel Brössler rechtfertigen, mit Bomben und militärischen Mitteln Menschen zu schützen, wenn Europa nicht willens ist, das menschliche Problem der Flüchtlinge vor seiner eigenen Tür zu lösen?

Den EU-NATO-Nonsens haben schon die Vereinten Nationen begriffen und deshalb keinen Antrag für „militärische-humanitäre Hilfe“ an die EU gestellt. Sich vorzustellen, dass Bodentruppen aus einem NATO-Land, nämlich aus einem Land, das derselben angreifenden militärischen Organisation angehört, willkommen im angegriffenen Land sein könnten, ist die Zuspitzung der Idiotie.

Es ist vollkommener Realitätsverlust. Jedes angegriffene Land würde solche Truppen ablehnen und bekämpfen. Kurz gefasst: Die NATO- und die EU-Länder sind von jeder glaubwürdigen Lösung oder Hilfe an Libyen ausgeschlossen. Deshalb lehnen die Vereinten Nationen die militärische Begleitung von humanitären Einsätzen in der Regel ab. Im Fall Libyen hat die EU den Vereinten Nationen faktisch dazu gedrängt, einen Antrag zu stellen (8.4.).

Die EU-Außenpolitikerin Catherine Ashton drängelte sogar in einem Brief an die Vereinten Nationen (12.4.), den „Hilfseinsatz“ anzufordern. So unverstellt ist das Streben der Aggressoren, in Libyen Fuß zu fassen. Aus den Vereinten Nationen bekam aber Ashton eine deutlich abschlägige Antwort, und zwar von der zuständigen UN-Vertreterin: Die Weltorganisation sei an dieser Sorte von „Hilfe“ nicht interessiert. „Wir dürfen unsere Fähigkeit, allen bedürftigen Menschen Hilfe zukommen zu lassen, nicht dadurch beeinträchtigen, dass wir mit laufenden militärischen Operationen in Verbindung gebracht werden.“ (Meldung von 15.4.). Die Antwort an die EU ist eindeutig: Es wird keinen UN-Antrag geben.

Selbst der britische Außenminister William Hague musste einräumen, dass derzeit „kein Militär gebraucht werde, um Hilfe nach Libyen zu bringen.“ (Meldung von 13.4.). Sollte diese Hilfe aber doch notwendig werden, dann neigen die Vereinten Nationen eher dazu, „neutrale Länder“ damit zu betrauen, aber weder die NATO noch die EU. Eine vollkommen vernünftige Haltung, deren Selbstverständlichkeit für normale unvoreingenommene Menschen indiskutabel ist.

sendenDie Autorin Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist Juristin und Diplomatin a.D.

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Deutsche Bank, Anlagemüll und die Zinswetten mit hochverschuldeten Kommunen

Dr. Alexander von Paleske — 18.4. 2011 — Banken geben sich gerne Zusatznahmen, wie „Beraterbank“ oder „mit dem grünen Band der Sympathie“.

Die Deutsche Bank könnte sich jetzt mit Fug und Recht einen Zusatznamen anhängen: Betrügerbank. Den Titel hätte sie sich redlich mit dem Verhökern von Schrottanleihen verdient, wir berichteten darüber.

Deutsche Bank auf Abwegen
Das erbärmlichste Stück aber hat sie sich mit Finanzgeschäften geleistet, die sich hochtrabend Zinsswaps nennen, hochspekulative Geschäfte, sogenannte Spread Ladder Zinsswaps. Nicht mit irgendwelchen reichen Leuten, die ein wenig Geld der Bank zum Spekulieren gaben, sondern mit Städten und Gemeinden, die bis über beide Ohren verschuldet sind, die oft nicht mehr wissen, woher sie das Geld zur Unterhaltung der Infrastruktur nehmen sollen.

Kommunen, die vor allem versuchten, ihre hohen Zinslasten zu reduzieren, die sie Monat für Monat und Jahr für Jahr aus den immer spärlicher fließenden Steuereinnahmen bezahlen müssen, bevor sie überhaupt daran denken können, ihren eigentlichen Aufgaben, Kindergärten zu unterhalten, Strassen zu reparieren etc., nachzukommen, einschließlich der immer weiter steigenden Sozialausgaben.

Für das Jahr 2010 verzeichneten die Städte und Gemeinden bereits das enorme Defizit von 9,8 Milliarden Euro.

OB Petra Roth klagt

Petra Roth, Oberbürgermeisterin Frankfurts und Präsidentin des Deutschen Städtetages klagte
:

Viele Kommunen liegen auf der Intensivstation, der Verfall ihrer finanziellen Basis muss gestoppt werden. Die Menschen spüren vor Ort, dass die Angebote ausgedünnt werden, und die Infrastruktur leidet.“

Das sah die Deutsche Bank offenbar ganz anders. Sie sah vermutlich viel mehr das ungeheure Potential für hochriskante Zinswetten mit den verzweifelten Gemeinden und deren Kämmerern.

Die Deutsche Bank bot den Gemeinden an, langfristige Kredite in zinsgünstigere kurze Kredite umzuwandeln, und verband damit als scheinbares unverfängliches Zubrot gleich noch eine Zinswette.

Nur ein scheinbarer Ausweg
Die verzweifelten Kämmerer sahen plötzlich einen Ausweg aus der drückenden Zinslast, und griffen oftmals zu, wie der Ertrinkende nach dem Strohhalm. Und nicht nur Städte und Gemeinden ließen sich auf diese Geschäfte ein, sondern auch selbständige Gemeindebetriebe wie Wasserwerke, Wohnungsbaugesellschaften, Abfallbeseitigungsbetriebe und mittelständige Betriebe.

Das schöne bei den Kommunen war: Sie können nicht Pleite gehen. Für die Deutsche Bank also ein todsicheres Geschäft. Scheinbar todsicher.

Etliche Städte und Gemeinden, wie z.B. Hagen, Neuss, Remscheid und Dortmund, es sind insgesamt mehrere Hundert Kommunen, die sich auf diese „Casinogeschäfte“ eingelassen haben.

Das dicke Ende kommt bestimmt
Am Anfang lief die Chose meistens recht gut, das dicke Ende mit massivsten Verlusten ließ aber dann auch nicht lange auf sich warten.

Die Geschäftspartner der Deutschen Bank fühlten sich hereingelegt, denn statt die Zins- und Schuldenlast zu reduzieren, kam es nicht selten zum Gegenteil. Die Kommunen luden sich so zu der vorhandenen exorbitanten Schuldenlast nun noch weitere Schulden – aus „Casinogeschäften“ – auf.

Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Bank, die oftmals vor Gericht gingen.

In einer ganzen Reihe von Prozessen hatten die Landgerichte und die Oberlandesgerichte meistens der Deutschen Bank recht gegeben.

Bundesgerichtshof zeigt Rote Karte
Nun hat der Bundesgerichtshof am 22.3. 2011 die Reißleine gezogen, jedenfalls gegenüber Mittelbetrieben, die gar nicht das Wissen hatten, um bei diesen komplexen „Casinogeschäften“ durchzublicken.

Der BGH-Senat stellte fest:

„der Vergleich dieser Spread Ladder Swaps mit einer Wette ist eine Verharmlosung des Risikos, im Gegensatz zur Wette ist hier das Risiko unbegrenzt und kann bis zum finanziellen Ruin des Kunden gehen.“

Die Deutsche Bank habe im übrigen Ihre Schäfchen zuerst ins Trockene gebracht, die Swaps also bewusst zu Lasten des Kunden konstruiert, urteilte der BGH weiter.
Die Bank habe insoweit ihre Beratungspflichten verletzt, sich außerdem in einem klaren Interessenkonflikt befunden, den sie einseitig zu ihren Gunsten gelöst habe.

Ob diese Argumentation allerdings auch für Städte wie Hagen und Dortmund gelten wird, hochverschuldete Städte, die mit Zinsswaps Millionenverluste eingefahren haben, die aber über ein eigenes Rechtsamt verfügen, daher mit der Deutschen Bank wohl eher auf „Augenhöhe“ verhandelt haben, oder zumindest hätten verhandeln können, das ist bisher noch nicht höchstrichterlich entschieden.

Möglicherweise wird der BGH in solchen Fällen auch ein Mitverschulden der Städte feststellen, das dann zur Schadensverminderung führen würde, sog. „Verschulden gegen sich selbst“.

Fragen bleiben
Es bleiben jedoch zwei Fragen:
1. Wie konnte das alles passieren, was haben die Politiker auf Bundesebene gegen dieses sich anbahnende Desaster getan?
Die Antwort auf Bundesebene lautet: NICHTS. Erst Anfang dieses Monats beschäftigte sich der Finanzausschuss des Bundestages erstmals mit diesem Riesenproblem und hörte Sachverständige an, die, wie nicht anders zu erwarten, vor diesen Finanzgeschäften warnten . Und dies, obgleich bereits im Jahre 2007 der Bund der Steuerzahler nachdrücklich vor dem sich anbahnenden Desaster warnte.
Auch wir haben uns im Jahre 2008 bereits mit diesem Problem beschäftigt.

Zahnloser Tiger BaFin
2. Was hat die Finanzmarktaufsicht BaFin getan unter ihrem Präsidenten Jochen Sanio, der bei seinem Amtsantritt im Jahre 2002 noch vollmundig erklärt hatte:

„Die BaFin wird beißen, solange ich hier Präsident bin“

Sanio, von der Financial Times Deutschland auch als Dampfplauderer bezeichnet, wird voraussichtlich im Juli die BaFin verlassen.

Die Bilanz seiner Arbeit ist alles andere als befriedigend, und von Zubeißen, insbesondere gegenüber Finanzartisten kann leider keine Rede sein, wir berichteten darüber.


Fazit:

Die Gemeinden, denen immer mehr Aufgaben und finanzielle Lasten aufgebürdet werden, wurden nicht nur finanziell allein gelassen, sondern auch an Warnungen vor scheinbaren Auswegen aus der Finanznot seitens derer, die es besser wissen müssten, hat es gefehlt.

Zum Verkauf von Anlageschrott
Deutsche Bank und CDO’s oder: wie man Schrottpapiere losschlägt und dabei noch einen Riesen-Reibach macht. Drei Beispiele

Zinsswaps
Deutschbanker Ackermann stoppt Swapserei mit Kommunen
linkDeutsche Bank-Swapsen in Würzburg oder: Wir zocken – Ihr zahlt
linkNeues aus der Swap-und Meinl-Welt
Die Artisten in den Finanz- und Wirtschaftsministerien: ratlos und planlos

Zur Swapserei
linkDefault Swaps oder: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
linkWeltfinanzkrise – Staatsbank KfW zockte bei Swaps kräftig mit
linkDie Finanzkrise, Casinos und Zockerchips
linkDie Krise am Finanzmarkt und Swaps

Zur Finanzaufsicht BaFin
Finanzkrise, Bankenkrisen, Kleinanlegerbetrug – Hat die Finanzaufsicht BaFin versagt?
Finanzgauner, ihre Opfer und die BaFin
linkDie Grossbanken und der Staatsanwalt

Mehr zur Deutschen Bank
linkProstituierte, Parties, Pferderennen, Penny Stocks, Deutsche Bank in Toronto und Khashoggi
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe

NACHTRAG
Eine kleine Auswahl von Städten, Kreisen und Gemeinden, die mit unerfreulichen Zinswetten (nicht nur mit der Deutschen Bank) Schlagzeilen machten:

– Hagen (51 Millionen Euro Verlust)

– Neuss ( 16 Millionen Euro Verlust)

Würzburg

Flensburg

Ravensburg

Göttingen

Solingen

Dortmund

Mülheim

Luebbecke

Pforzheim

Kreis Borken

.. usw. ….usw…..usw. ….

……..und aus den letzten Wochen:

Neuruppin

Landsberg

Falkenstein

Steinfurt

Hückeswagen

Kamen

Lauterbach

Riesa

– Heiligengrabe

– Bad Sooden-Allendorf

Märkischer Kreis

Aber auch z.B. in Italien

oder Österreich