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Justiz in der Krise oder Krisenjustiz?

Dr. Alexander von Paleske – 2.8. 2009 — Der ehemalige Berliner Generalstaatsanwalt Dr. Hans-Jürgen Karge im Interview.


Dr.Hans-Jürgen Karge
Foto: Dr. v. Paleske

– Er war der Leiter der grössten Staatsanwaltschaft der Bundesrepublik in Berlin Moabit von 1995-2006, damit Chef einer Behörde von 1000 Justizbediensteten darunter 350 Staatsanwälten.

– Er war umstritten. Die damalige Berliner Justizsenatorin Karin Schubert wollte ihn loswerden und schickte ihn in den vorzeitigen Ruhestand. Er klagte dagegen, die Berliner Verwaltungsgerichte versetzten der SPD-Senatorin Karin Schubert eine juristische Ohrfeige, er blieb im Amt.

– Er handelte sich Kritik von vielen Seiten ein , durch Äusserungen wie „Regelverstösse müssen zu Sanktionen führen, das ist überall so, von primitiven Buschnegern bis zu den wilden Tieren“ .

– Er forderte härtere Strafen und schnellere Verhaftungen.

– Ihm wurde Führungsstil nach Gutsherrenart in der Presse vorgeworfen.

– Er klärte den Schiedsrichterskandal auf

– Er führte die Ermittlungen gegen Michel Friedmann, den Medienstar und Multifunktionär, der schliesslich wegen Drogendelikten verurteilt wurde.

– Er wehrte sich vehement gegen politische Einflussnahmen auf Strafverfahren insbesondere im Zusammenhang mit dem Berliner Bankenskandal..

– Er trat 1965 in die SPD ein, und nach 43 Jahren Mitgliedschaft im vergangenen Jahr nach der Ypsilanti-Affäre wieder aus.

– Er war mein Ausbilder während meiner Referendarzeit bei der Staatsanwaltschaft in Darmstadt im Jahre 1974.

– Der ZEIT Herausgeber Michael Naumann bezeichnete ihn in einer Talkshow mehrfach als „durchgeknallten Staatsanwalt“ was Naumann eine Verurteilung zu einer Geldstrafe wegen Beleidigung einbrachte. Im vergangenen Monat hob das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe diese Verurteilung allerdings wieder auf.

Es handelt sich um Dr. Hans-Jürgen Karge, den ich nach 34 Jahren nun als „Unruheständler“, mittlerweile als Rechtsanwalt zugelassen, wiedertraf und für ein Interview gewinnen konnte.

Dieses Interview ist notwendigerweise lang, weil es nahezu alle aktuellen Probleme der heutigen Strafjustiz behandelt, aus der Sicht eines ehemaligen Generalstaatsanwalts, der nach wie vor kein Blatt vor den Mund nimmt, und deshalb haben wir es nicht gekürzt oder in Teile zerlegt.

Herr Karge, Sie sind mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, trotz Ruhestands, kürzlich wieder in die Schlagzeilen gelangt. Wie haben Sie diese Entscheidung aufgenommen?

Ich halte die Entscheidung für falsch, weil der Amtsträger, Leiter der Staatsanwaltschaft, behandelt wird, wie ein Politiker im Wahlkampf. Der Leiter einer Staatsanwaltschaft in Deutschland soll aber nicht politischer Beamter sein, sondern sachbezogen ermitteln und dann muss er sich auch nicht so behandeln lassen, wie das im Wahlkampf unter Politikern so üblich ist.

Sie sind ja jemand, der gerne sich pointiert ausdrückt und auch vor kräftigen Formulierungen nicht zurückschreckt, wird man da nicht automatisch an den seinerzeitigen Schmid-Spiegel Fall des Bundesverfassungsgerichts erinnert, wonach auf groben Klotz ein grober Keil gehört?

Ja, aber auch das sind politische Auseinandersetzungen. Die Äusserung von Herrn Naumann, den ich persönlich nicht kenne und der mich nicht kennt, bezog sich auf Einzelheiten eines Strafermittlungsverfahrens (gegen Michel Friedmann, der Verf.), und da müssen andere Regeln gelten. Die Staatsanwälte müssen vor irgendwelchen Verleumdungen geschützt werden.

Was war denn eigentlich nach Ihrer Auffassung der Hintergrund gewesen für die Äusserung des Herrn Naumann, der Sie als „durchgeknallten Staatsanwalt“ bezeichnete bzw. verleumdete?

Die Staatsanwaltschaft in Berlin hatte das Problem, einen Prominenten der deutschen Medienlandschaft zunächst als Zeugen zu haben und dann festzustellen, dass der Herr auch Rauschgift genommen hatte, sodass er zum Beschuldigten wurde. Dieser Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz , der dann ja auch gerichtlich bestätigt wurde, führte zu Durchsuchungen, und hat bei Bundestagsabgeordneten und vielen Journalisten grosses Interesse erregt, weil man wissen wollte, wer ausserdem noch sich dieser ukrainischen Damen bedient hatte.

Es waren ja wohl gerade auch die Art und Weise der Durchsuchung der Wohnung des Beschuldigten, ich glaube es war seinerzeit durch die GSG9, die Ihnen den Ruf eintrug, ein besonders aggressiver Hardliner zu sein. Wie stehen Sie denn heute dazu?

Also Hardliner, da würde ich mich gar nicht dagegen wehren, aber das hat mit diesem Verfahren überhaupt nichts zu tun. Ein Berliner Kollege ist nach Frankfurt gefahren und hat dort durchsucht, ohne dass ich dabei war, oder Einzelheiten festgelegt habe.

Es hatte – bis zu den Beschimpfungen des Herrn Naumann – auch keinerlei Auffälligkeiten gegeben, weder von dem Beschuldigten, noch von seinem Verteidiger. Die Aufregung beruhte ausschliesslich darauf, dass wir uns getraut haben, bei diesem Prominenten mal nachzugucken.

Sie sind nun seit drei Jahren Pensionär und mittlerweile Rechtsanwalt geworden . Wie sehen Sie denn eigentlich ihre frühere Tätigkeit aus der Sicht desjenigen, der, ich sag das mal salopp, „auf die andere Seite der Barrikade“ gewechselt ist?

Ich habe mich auf der früheren Barrikadenseite (als Staatsanwalt der Verf) wohler gefühlt , weil es, wie ich jetzt feststelle, sehr schwer ist, mit Staatsanwaltschaften und Behörden „von aussen“ zu kommunizieren . Die Kommunikation wird schlicht verweigert und man steht mit seinen Mandanten ziemlich einsam vor hohen Mauern.

Wäre es nicht sinnvoller, wenn man als Staatsanwälte z.B. berufserfahrene Rechtsanwälte berufen würde, statt Berufsanfänger mit Prädikatsexamina?

Das halte ich seit 40 Jahren für zwingend nötig. Das ist ein alter Reformvorschlag aus den Jahren 1968ff. Derartige Reformforderungen sind in Deutschland auch nicht ansatzweise umgesetzt worden. Wenn man mit Juristen aus dem anglo-amerikanischen Bereich spricht, die 28 jährige Berufsanfänger z.B. als Richter hier vorfinden, dann verstehen diese Leute die Welt nicht mehr.
Man muss eigentlich die Festungen der Justiz von aussen erst einmal kennengelernt haben, um dann, wenn man drinnen ist, es besser zu machen.

Kommen wir noch einmal auf Ihre Karriere zurück. Berlin war ja der Höhepunkt und Abschluss einer langen Karriere als Staatsanwalt, zunächst in Darmstadt, dann als Referent im hessischen Justizministerium, dort zuständig für die Sicherheit in den Justizvollzugsanstalten, dann abgeordnet zur Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, dann betraut mit dem Aufbau einer Staatsanwaltschaft in Thüringen, später als leitender Staatsanwalt in Marburg und schliesslich Berlin.
Aus Ihrer Sicht, was war Ihre beste Dienstzeit?

Die am meisten befriedigende Zeit war der Aufbau einer Staatsanwaltschaft in Thüringen, wo wir mit SED-Staatsanwälten, die ihre Parteibücher zurückgegeben hatten, eine Staatsanwaltschaft im westlichen Sinne wiederaufgebaut haben. Die Staatsanwaltschaften nach westlicher Prägung wurden ja kurz nach Gründung der DDR abgeschafft.

Die von mir ausgeübte Tätigkeit war sehr anstrengend, aber deswegen so befriedigend, weil die Kollegen, und ich sage jetzt Kollegen – das war mir seinerzeit sehr schwergefallen, sie als Kollegen zu bezeichnen, bis ich dort war – ich schätze sie mittlerweile hoch, die haben sich ernsthaft und erfolgreich bemüht, unsere Vorstellungen zu übernehmen und das bewundernswert hinbekommen.

Und es war auch deshalb so erfolgreich und befriedigend, weil wir die Freiheit hatten, unsere Vorstellungen umzusetzen, und zwar ohne Zwänge und Eingriffe aller möglichen Oberbehörden und Vorgesetzten, die ja immer alles besser wissen. Diese Freiheit ermöglichte es uns erfolgreich zu sein .

Bleiben wir noch etwas beim Wiedervereinigungsthema. Man hat ja versucht, die Geschichte der DDR juristisch aufzuarbeiten. Nun gibt es aber ein ganz anderes Modell, mit einer solchen Vergangenheit umzugehen, nämlich die Wahrheitskommission in Südafrika. Opfer kamen zu Wort, Täter konnten amnestiert werden, wenn sie rückhaltlos gestanden.
Wäre es nicht auch besser gewesen, in Deutschland diesen Weg einzuschlagen?

Ja, wir müssen auch an Polen denken und andere Länder, also Länder, in denen nicht die westlichen Schwestern und Brüder gekommen sind, und die Macht übernommen haben. Länder also, die mit dem „vorhandenen Personal“ das Problem bewältigen mussten, und nicht ein anderes Rechtssystem mit neuem Personal übergestülpt bekamen.

Diese Länder mussten sich ja mit ihrer Vergangenheit anders auseinandersetzen.

Wir sind einen falschen Weg gegangen , allerdings angestossen durch die Bürgerrechtsbewegung der DDR, die gemeint hat, es sei ein Problem des Strafrechts gewesen.

Das war kein Problem des Strafrechts, es war ein Problem einer sich dazu bekennenden Diktatur, mit Entscheidungen, die von wenigen Ausnahmen, wie bestimmten Vorfällen an der innerdeutschen Grenze, mit juristischen Mitteln nicht zu beurteilen waren, was sich auch herausgestellt hat. Es ist ja kaum jemand verurteilt worden.

Es gab ja eine grosse Zahl von Informanten, die in westdeutschen Ministerien gesessen haben, und die mit Hilfe der Rosenholz- Datei teilweise enttarnt wurden. Sehen sie auf dieser Seite nicht einen erheblichen Nachholbedarf jedenfalls eine Diskrepanz in der Behandlung?.

Ja, das ist auch mein Eindruck. Man hat seinerzeit auch versucht, mich anzuwerben während einer meiner jährlichen Besuche in der DDR. Ich habe das damals abgelehnt.
Die Herren von der Staatssicherheit haben mich ausgelacht und gemeint “wenn Sie wüssten, wie viele Leute von Ihnen schon bei uns sind“.

Es ist einer der wenigen berechtigten Vorwürfe aller ehemaligen DDR-Bürger, wenn sie sagen, hier wird mit zweierlei Mass gemessen.

Kein Mensch hat sich um die Helfer der Staatssicherheit im Westen jemals ernsthaft gekümmert. Und ich weiss aus eigener Erfahrung dass sehr viele, im Gegensatz zu mir, sich haben anwerben lassen.

Kommen wir auf die Verhältnisse in Berlin zurück
Dort hat es ja in den Jahren Ihrer Tätigkeit einigen Ärger gegeben, der schliesslich dazu führte, dass man versucht hat, sie vorzeitig in den Ruhestand zu schicken, ein vergeblicher Versuch allerdings.
Können sie das aus ihrer Sicht noch einmal schildern, was zu diesem Zerwürfnis mit dem Berliner Senat geführt hat

Es gab in Berlin den verständlichen und ehrenwerten Versuch der Grünen, die Grosse Koalition zu Fall zu bringen. Und in diesem Zusammenhang hat man das von der Grossen Koaltion, nicht von der CDU alleine, verwirklichte Bankenprojekt in Berlin unter Beschuss genommen, und hat mit Strafanzeigen versucht, dem führenden CDU Mann, dem Herrn Landowsky, Straftaten nachzuweisen.

Die Staatsanwaltschaft hat sich redlich und ernsthaft bemüht, und hat, wenn ich das mal so sagen darf, „aufgerüstet,“ um die Fälle aufzuklären.

Aber es ging den politisch Interessierten nicht schnell genug . Man hat mir, der ich eigentlich mehr dafür bekannt war als Hardliner kräftig anklagen zu wollen, vorgeworfen, ich würde die Anklage sabotieren, was mir fernlag . Und man hat im politischen Untersuchungsausschuss verkündet, dass und wann Anklage erhoben würde.

Die damalige Justizsenatorin hat sich leider auch vor diesen Wagen spannen lassen und erklärt, sie werde persönlich dafür sorgen, dass jetzt und zwar sofort angeklagt wird.

Dem habe ich mich widersetzt, denn wir waren zu dieser Zeit nicht in der Lage, hinreichenden Tatverdacht schon zu belegen. Es darf in einem Rechtsstaat nicht sein, dass irgendwelche Parlamentarier, Minister oder SenatorInnen bekannt geben, wann und wer angeklagt wird. Das war selbst in der DDR so nicht üblich, die haben das etwas eleganter gemacht.

Und gegen diese Versuche, aus parteipolitischen Gründen die Staatsanwaltschaft in Berlin zu bestimmten Zeitpunken zu bestimmten Anklagen zu zwingen, habe ich mich gewehrt. Dies hat mir die Parteipolitik nicht verziehen.

Damit sind wir beim nächsten Punkt angekommen, nämlich der Weisungsgebundenheit der Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft wird ja vom Gesetz als objektive Behörde bezeichnet, einige meinen, sie sei die objektivste Behörde, aber de facto ist es ja so, dass von Seiten der Landesregierungen in diese Staatsanwaltschaften oftmals „hineinregiert“ wurde und wird, auch dass der Generalstaatsanwalt als „politischer Beamter“ jederzeit in den Ruhestand versetzt werden kann, sind keine guten Voraussetzungen, dass die Staatsanwaltschaft als Organ der Rechtspflege absolut unabhängig von irgendwelchen parteipolitischen Auseinandersetzungen ist und ihren Aufgaben nachkommen kann.

Auch das ist ein mindestens 40 Jahre altes Reformprojekt. Die Staatsanwaltschaft muss aus dem Weisungsrecht der Ministerien herausgeholt werden. Jetzt, nach so vielen Jahren, gibt es auch wieder erste Ansätze in Norddeutschland . Die Bevölkerung glaubt, und die Minister meinen, dementsprechend sich verhalten zu sollen, dass die Justizminister staatsanwaltschaftliche Funktionen haben. Die haben sie nicht.

Die Minister sind, wie ein früherer Berliner Justizsenator sagte , so eine Art von Betriebschef. Sie müssen die Resourcen bereitstellen, was sie unzulänglich tun, aber sie haben auf die Frage: Anklage ja oder nein, keinen parteipolitischen Einfluss zu nehmen.
Ein Fortschritt ist, dass inzwischen die Generalstaatsanwälte keine “politischen Beamten” mehr sind, was ihre Position stärkt, aber parteipoltische Einflussnahmen noch nicht ausschließt.

Die Richterschaft als Justiz ist nur so lange unabhängig, wie auch die Staatsanwaltschaft von parteipolitischen Weisungen frei ist.
Wenn etwas nicht angeklagt wird, kann es auch nicht von Richtern beurteilt werden. Wenn man zu Unrecht anklagt, ist das auch nicht das, was der Richter zu Recht auf seinem Tisch erwarten kann.

Wir müssen eine Lösung finden, welche die Gesetzesgebundenheit der Staatsanwaltschaft anders als bisher sicherstellt. Das kann man durch Gremien machen, das kann man auch durch richterliche Kontrolle wie beim Klageerzwingungsverfahren machen. Die Justizminister haben sich aber aus der juristischen Arbeit der Staatsanwaltschaft herauszuhalten.

Die Staatsanwaltschaften nennen sich scherzhafterweise manchmal Einstellungsbehörden statt Strafverfolgungsbehörden, weil mehr als 70 Prozent aller Verfahren eingestellt werden.
Ist die Staatsanwaltschaft nicht „Klassenjustiz“ insofern, als Tagediebe, Handtaschenräuber etc., wo der Sachverhalt meistens recht einfach aufzuklären ist, verfolgt, angeklagt und verurteilt werden, hingegegen Wirtschaftkriminelle, wo der Sachverhalt oftmals komplex ist, wo Sachverständige notwendig sind, weil den Staatsanwälten die erforderlichen Kenntnisse fehlen, oftmals frei ausgehen, weil die Staatsanwaltschaft kapituliert?

Ich selbst habe mich nach zwei Jahren allgemeiner Kriminalitätsbekämpfung auf das Wirtschaftsstrafrecht gestürzt, aus genau diesen von Ihnen genannten Gründen. Es gab aus vielen soziologischen Untersuchungen, beispielsweise aus den USA, die Erkenntnis, dass vornehmlich der Kleinkriminelle verfolgt wird. Boshafterweise könnte man sagen: Das entspricht dem, was die Staatsanwälte können.

Wenn es kompliziert wird, wozu die organisierte Kriminalität im allgemeinen aber insbesondere die Wirtschaftskriminalität gehört, war jedoch die Hoffnung, dass wir auch da effektiver werden können.

Man hatte zuerst in Nordrhein-Westfalen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften gegründet, inzwischen gibt es überall schwerpunktmässig arbeitende Wirtschafts-Staatsanwälte.

Jedoch, wir sind, aus meiner Sicht gesehen, letztlich gescheitert. Die Justiz hat nicht die finanziellen Resourcen gehabt, um genügend gute Fachleute einzustellen. Und neben den Fachleuten muss die Justiz Staatsanwälte haben, die den energischen Willen haben, Straftaten zu verfolgen. Das ist nichts Anstössiges, wie manche „fortschrittliche“ Menschen meinen.
Verfolgungswillen zu haben, und sich auch wehzutun beim Arbeiten, und nicht nachzugeben, ohne diesen starken Willen wird man bei schwierigen Komplexen keinen Erfolg haben.

Und daran fehlt es neben der Masse und den Resourcen. Es ist nicht so sehr die fehlende wirtschaftliche Ausbildung der Staatsanwälte, es ist der Wille, zu verfolgen und natürlich die Möglichkeiten der Unterstützung durch die Polizei und durch Wirtschaftsfachleute, die uns nach wie vor weitgehend fehlen.

Nun haben im anglo-amerikansichen Rechtsssystem Staatsanwaltschaft und Polizei einen anderen Namen: Law Enforcement Agencies, Behörden, die das Recht durchsetzen, zur Geltung bringen sollen. Entspricht dieser Nennung nicht auch eine unterschiedliche Denk- und Handlungweise?.

Das würde ich nicht so sehen
Die englische Bezeichnung gefällt mir, die hätte ich aber auch auf meine Arbeit und die meiner Mitarbeiter angewendet sehen wollen. Der Staatsanwalt, flapsig gesagt, als Rächer aller Witwen und Waisen und aller andereren Geschädigten.

Der Staatsanwalt ist eigentlich ein Opferanwalt. Er soll denen, die den Mächtigen zum Opfer gefallen sind, ob durch Gewaltttäter oder durch Mächtige in Wirtschaft und Politik, denen soll der Staatsanwalt helfen. Das war die Idee und da muss man das Recht durchsetzen und deswegen werden Verteidiger und Staatsanwälte dieselbe Sache immer von verschiedenen Seiten betrachten, und betrachten müssen, aber Strafverfolgung ist nicht etwas Unanständiges sondern zwingend Nötiges.

Kommen wir auf die sich verändernde Kriminalität zu sprechen. Nun haben wir ja eine Finanz-und Wirtschaftskrise , die zum Teil durch verantwortungsloses Verhalten sprich: Zockerei ausgelöst wurde, mit enormen Schäden für die Wirtschaft mit konsekutiver Arbeitslosigkeit. Mit Schäden, die letztlich von der gesamten Gesellschaft getragen werden müssen, die aber, sofern man das jetzt beurteilen kann, meist nicht als strafbares Verhalten eingestuft werden können, auf der anderen Seite aber Tagediebe im Rückfall zu erheblichen Strafen verurteilt werden.
Führt dieses diskrepante Vorgehen, das aber den Strafgesetzen entspricht, nicht zu einer massiven Erschütterung des Vertrauens in Justiz und Staat?

Doch, ich sehe das auch so, die Leute sind verzweifelt und geraten neben Verzweiflung in Zorn, wenn sie sehen, je höher man sitzt, und je weiter man agieren kann, und je mehr Geld man hat, umso mehr wird man von der „Eierdieb-Verfolgung“ der Staatsanwaltschaft verschont.
Man muss nur sich darüber im klaren sein, dass das Problem sich durch nationale Staatsanwaltschaften allein nicht mehr lösen lässt.
Das ist ein internationales Problem und internationales Ueberwachungsproblem. Ich bin sehr dafür, dass man nicht versucht, dies mit örtlichen Staatsanwaltschaften auf dem Lande zu verfolgen, sondern dass man die ja vorhandenen Kontrollmöglichkeiten, die nicht genutzt wurden, von denselben Staaten, die jetzt auf die Banker schimpfen, dass man diese Ueberwachungs- und Kontrollmöglichkeiten ausnutzt und wenn dann jemand dagegen verstösst, dann kann ihn auch die Staatsanwaltschaft verfolgen.

Wenn wir einmal zurückblicken in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, in einer Zeit, in der Sie ihre juristische Ausbildung hinter sich gebracht haben, da gab es ja eine relativ überschaubare Kriminalität.
Ich erinnere mich beispielsweise an Leute wie den Herrn Schuessler in Frankfurt, seines Zeichens Hehler und Inhaber des berüchtigten Lokals „Sonne von Mexiko“. Ein Ganove „mit Herz“. Zu seiner Beerdigung 1967 kamen 1000 polizeibekannte Ganoven aus ganz Deutschland angereist, die Polizei kannte sie und sie kannten die Polizei, oder „die Schmiere“ , wie sie sie nannten.Wir haben es aber heute mit bandenmässigen Zusammenfassungen von Kriminellen aus aller Herren Länder zu tun, mit Mafia-Strukturen.
Jürgen Roth hat gerade ein Buch über die massive Präsenz der italienischen Mafia in Deutschland veröffentlicht. Sind sowohl die Polizei, als auch die Staatsanwaltschaft gegenüber dieser organisierten Kriminalität nicht macht- und hilflos?

Ja, boshaft gesagt, wir leben in einer Parallelwelt. Diese Leute nehmen die Staatsanwaltschaft ja gar nicht wahr, geschweige denn ernst, weil die Welt der deutschen Staatsanwälte und die Welt dieser Kriminellen nichts miteinander zu tun haben. Die Problematik liegt auch hier in der Internationalität, die Köpfe sitzen alle nicht in Deutschland, an die Köpfe kommen wir nicht heran, weil wir nach wie vor, allem Gerede zum Trotz, rein national agieren. Und wenn die Damen und Herren so klug sind, Leichen auf den Strassen zu vermeiden, was ihnen fast immer gelingt, dann wissen wir von nichts.

Wie könnte man denn dieses Problem überhaupt in den Griff bekommen? Durch Verstärkung der Polizei oder durch Einschleusen von Undercover Agents? Sie haben während Ihrer Dienstzeit es ja in Berlin mit derartigen mafiösen Strukturen zu tun gehabt. Ich erinnere an die Zigarettenmafia. Sehen Sie das nicht als gewaltige Herausforderung an?

Ja, aber wir sind machtlos zur Zeit. Wir haben in Berlin eine ganze Reihe von sehr engagierten Strafverfolgern im Bereich der organisierten Kriminalität gehabt, insbesondere auch im Bereich Menschenhandel und Rauschgift natürlich. Das Problem ist, wie bei einer Parallelwelt, die Polizei hat keine Kontakte zu diesen Gruppen und Sie können in ausländische und damit fremdsprachliche kriminelle Vereinigungen keine Udercover Agents einschleusen, Sie können dort keinen Berliner oder Bayern hinschicken.
Die Leute aus diesen Gruppen selbst abzuwerben, das erfordert derartige finanzielle Mittel und auch ein Umdenken in unserer Mentalität, darauf sind wir gar nicht eingestellt.

Also mit anderen Worten, es fehlt auch der politische Wille, dieser Kriminalität substantiell zu Leibe zu rücken?

Die Politik nimmt dieses Problem aus meiner Sicht nicht recht zur Kenntnis

Aber die Leichen sind doch da.

Ja, aber vergleichsweise zum Ausmass dieser Kriminalität relativ selten. Und wenn sie da sind, dann wird auch ermittelt, und dann schütteln die italienischen Strafverfolger den Kopf über die tumben und einfältigen Deutschen, und nehmen in Italien den einen oder anderen fest, aber das Ausmass dieser organisierten Kriminalität in Deutschland steht aus meiner Sicht in keinem Verhältnis zu den Auffälligkeiten, sprich Leichen, oder anderen Vorfällen.

Kommen wir auf ein relativ aktuelles Thema zu sprechen: Mögliches strafbares Verhalten deutscher Soldaten in Afghanistan, wie Folter, Tötung von unbeteiligten Zivilisten etc
Wie lässt sich denn ein derartiges Verhalten strafverfolgungsrechtlich in Deutschland überhaupt in den Griff bekommen?

Na jedenfalls nicht so, wie es jetzt versucht wird, dass die Staatsanwaltschaft Potsdam, weil sie nun per Zufall neben dem Einsatzkommando für Afghanistan sitzt,und dann andere deutsche Staatsanwaltschaften mit deutschem Strafrecht angebliche oder wirkliche Notwehr in einjährigen Ermittlungen in Afghanistan klären müssen.

Wenn man einen Guerillakrieg führt, das aber nicht so nennen darf, dann muss man nach Regeln des Guerillakrieges arbeiten, die sind vielleicht etwas anders, als mancher sich das vorgestellt hat. Oder man muss es lassen. Man muss nicht die alte Militärgerichtsbarkeit wieder einführen, aber man muss spezialisierte Staatsanwälte haben, die wissen, was überhaupt dort geschieht. Man muss natürlich Einsatzregeln haben, die nicht so unrealistisch sind, wie sie es bisher waren.
Wir haben kein Kriegsstrafgesetzbuch, und nach unserer Vergangenheit wollen wir auch keins, ich auch nicht. Man muss realistischerweise aber die Vorstellungen, die man für Polizeieinsätze zum Glück hatte, ändern, man kann diese nicht auf Kriegssituationen anwenden.

Kommen wir noch einmal auf Ihre Zeit in Berlin zurück. Da sind natürlich einige Äusserungen ihrerseits gefallen, die ich in meinem Vorspann erwähnte. Vielleicht nehmen Sie die Gelegenheit wahr, um das in der einen oder anderen Weise klarzustellen.

Ja unglücklich bin ich über diese Äusserungen auch, und wenn ich sie läse, und mich nicht kennen würde, wäre ich erschrocken.
Ich kann dazu nur sagen, was jeder sagt, wenn man eine mehrstündige Unterhaltung mit einem Journalisten führt, und versucht, dem Journalisten seine Ansichten wenigstens klarzumachen, der Journalist aber sich auf mein Anliegen nicht einlässt: Zwei bis drei Formulierungen, die ich nicht hätte machen sollen, die in der Erregung des Versuchs, den anderen zu überzeugen, gemacht wurden, bleiben aus einem mehrstündigen Gespräch schliesslich übrig.
Ganz fair ist das auch nicht.
Seien Sie sicher: Ein Rassist bin ich ganz gewiss nicht.

Insbesondere nach Kapitalverbrechen, aber nicht nur dann, werden reflexhaft Forderungen in der Bevölkerung nach härterer Bestrafung der Täter bis hin zur Todesstrafe laut.
Meinen Sie nicht, dass ein Generalstaatsanwalt sich mit populistischen Forderungen zurückhalten sollte?

Nein, das sehe ich ganz anders. Wenn wir den falschen Forderungen in der Bevölkerung nach Todesstrafe, nach möglichst harter unbeugsamer Bestrafung von Bagatelldelikten vernünftig begegnen wollen, , dann muss die Bevölkerung den Eindruck haben, dass an der Spitze der Staatsanwaltschaft ein durchaus verfolgungswilliger, notfalls harter, Staatsanwalt steht. Nur solchen Persönlichkeiten wird man glauben, dass es falsch ist, beispielsweise die Todesstrafe zu fordern.

Wenn Sie da ein sogenanntes „Weichei“ hinstellen, der vor Mitleid mit allem zerfliesst und den Menschen nicht den Eindruck vermitteln kann, dass es nötig ist, dass man als Staatsanwalt konsequent tätig wird, dann werden sie solche falschen Forderungen aus der Bevölkerung nicht vermindern, sondern verstärken.

Seinerzeit hiess es in der Berliner Presse , dass sie das ramponierte Vertrauen der Bevölkerung in die Berliner Justiz zu verantworten haben

Ich halte das für dummes Zeug und Verleumdung. Mir ist jedenfalls aus der Bevölkerung eine solche Reaktion nie bekannt geworden. Die Bevölkerung war mit mir offenbar durchaus zufrieden. Dass einige Politiker und mit denen zusammenarbeitende Journalisten das nicht wahrhaben wollen, ist betrüblich, kann mich aber nicht erschüttern

Kommen wir noch auf den Strafvollzug zu sprechen
Das ist ja nun die Massnahme der Gesellschaft gegen den verurteilten Straftäter und da häufen sich Berichte über Gewaltausbrüche der Insassen gegeneinander: Von Vergewaltigung bis zum Tötungsdelikt, insbesondere, aber nicht nur, in Jugendstrafanstalten. Was sollte man tun. Sie haben ja eigene Erfahrung aus ihrer Zeit als Referent im hessischen Justizministerium?.

Ja, ich war mal Sicherheitsreferent für die hessischen Justizvollzugsanstalten. Wir haben ein Werteproblem, wir haben ein Erziehungsproblem. Wir müssen versuchen, die Gefangenen zu erziehen, Das ist schwer, weil bis dato bei dem einzelnen Häftling alle Erziehungsversuche ja schon gescheitert sind, sonst wären sie nicht inhaftiert.
Wir müssen aber ein Menschenbild haben, zu dem wir hinerziehen wollen, und das ist weitgehend verloren gegangen. Das Personal wurde abgebaut, das Erziehungspersonal, ob in Uniform oder ohne, alle müssen dort erziehen wollen, aber das Personal hat sich weitgehend zurückgezogen.
Die Zellentüren sind offen, die Gefangenen können sich in den Anstalten oft praktisch frei bewegen und niemand ist mehr da, der dem Missbrauch der Gefangenen untereinander Grenzen setzt. Das ist jetzt etwas übertrieben, aber das ist die Tendenz. Und das ist das Gegenteil von Erziehung. Wir kommen jetzt dahin, was man immer gesagt hat, dass man in den Anstalten erst verdorben wird.

Die Gesellschaft hat ihren Erziehungsauftrag abgemeldet.

Der freie Vollzug, also der offene Vollzug mit Freigang tagsüber, wird zunehmend eingeschränkt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Die ist falsch und hochgefährlich. Wir müssen die Leute während einer gewissen Anfangszeit, das ist unterschiedlich, einem geschlossenen Vollzug unterwerfen, um ein Korsett des Tagesablaufs wieder in die Leute zu bekommen, sie wieder an gewisse Abläufe zu gewöhnen.
Dann muss man sie trainieren, in der Freiheit, die ja nach ganz anderen Regeln abläuft, und zwar mit Versuchungen und Belastungen, zu gewöhnen. Das braucht hochqualifiziertes und engagiertes Personal und viel Geld. Beides ist nicht ausreichend da.

Nun ist es ja bei den Jugendlichen, bleiben wir noch einmal bei dem Thema, dass sie nach Verbüssung der Strafe wieder in ihre alte Umgebung zurückkommen, die ja mit ursächlich für die Straffälligkeit war. Sehen sie denn mit den Entlassungspapieren die Aufgabe der Gesellschaft als erledigt an?

Nein der Strafvollzug kann ja nur ein verzweifelter Versuch sein, vorübergehend die Menschen mit einer anderen Lebensform bekannt zu machen. Oft können sie sich das ja gar nicht leisten, wenn sie in ihr Milieu zurückkehren, das zu praktizieren, was sie gelernt haben, das überleben sie da nicht.
Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das fängt im Kindergarten an und geht über die Jugendämter weiter.
Der Strafvollzug kann, entgegen der Auffassung vieler, nur eine vorübergehende Hilfsmassnahme sein abgesehen von denjenigen, die es ja auch gibt, die man auf Dauer wegsperren muss, weil sie nicht behandelbar sind.

In den letzten Monaten haben Sexualverbrechen an Kindern Schlagzeilen gemacht. Neben den Forderungen nach härterer Bestrafung stellt sich dann doch in einigen Fällen heraus, dass gutachterlich nach einer früheren Straftat eine positive Prognose abgegeben wurde, eine falsche Prognose. Wie sehen Sie das Problem der gutachterlichen Beurteilung dieser Täter?

Das Gutachterproblem ist ein altes ungelöstes Problem, und Gutachter geben ausserhalb des Gerichtssaals, wenn sie ehrlich sind, auch zu, dass sie in vielen Fällen auch nicht mehr wissen als der Laie. Wir wissen nicht, wie die Menschen sich entwickeln bis zur Ersttat , weil wir sie da ja noch nicht kennen, und wir wissen oft nicht, auch die Gutachter nicht, wie sie sich danach entwickeln werden. Da ist ein gewisses Restrisiko nicht zu vermeiden, und die Gesellschaft macht sich da falsche Hoffnungen.

Wir müssen uns darum bemühen, wieder in der Gesellschaft nicht soziale Kontrolle, aber soziale Kontakte bekommen, die verhindern, dass Kinder weggefangen werden können.
Es mag ja sein dass die Zahl der Verbrechen an Kindern zurückgegangen sind, aber auch ich lebe in der Vorstellung, wenn ich kleine Kinder hätte, dass ich die nicht mehr einfach auf der Strasse spielen lassen könnte..
Das hält eine Gesellschaft auf Dauer nicht durch.Da müssen wir wieder zu Nachbarschaftsverhältnissen kommen, und zu Lebensverhältnissen, die uns die Möglichkeit geben, die Kinder nicht zu überwachen, aber doch so viel Kontakt zu ihnen zu haben, dass sie nicht einfach verschwinden können.

Meinen Sie, dass eine „Zero- tolerance- Politik“ , wie sie einerzeit der damalige Generalstaatsanwalt Giuliano in New York durchgesetzt hat, der richtige Weg ist? Oder sollte nicht vielmehr Ursachenforschung betrieben werden und Bedingungen, die zu Kriminalität führen, zu beseitigen?

Das ist ein Gegensatz, den es aus meiner Sicht so nicht gibt.
Es kommt auf die Delikte an . Ich bin der Meinung, dass man bei Beschmierungen, Verschandelungen und Schwarzfahren, das man ständig betreibt, weil man ja sagt, die Bahn fährt trotzdem, andere sind so doof, das zu bezahlen, dass man in gewissen Bereichen Null-Toleranz üben sollte, damit die Jungen und Mädchen gleich merken, dass derartiges Verhalten nicht hingenommen wird.
Eine andere Frage ist, wo die Ursache dafür liegt. Das ist aber nicht Aufgabe der Justiz, das ist Aufgabe derjenigen, die erziehen. Aber immer zu sagen „sehen wir darüber hinweg“ hat zu den Zuständen in New York geführt, die mit Erfolg beseitigt wurden.
Ich sehe nicht ein, dass es falsch sein soll, bei bestimmten Delikten von Anfang an zu sagen: Wir als Gesellschaft nehmen das nicht hin. Wie die Sanktionen aussehen sollen, das muss ja nicht Gefängnis sein, das kann ja auch ein belehrendes Gespräch sein, ist eine andere Frage. In bestimmten Bereichen bin auch ich für Null-Toleranz


Eine Kultur der Kostenlosigkeit wurde durch das Internet geschaffen. Kann sich eine derartige „Kultur“ nicht in andere gesellschaftliche Bereiche auch ausbreiten mit den entsprechenden Folgen?

Sicherlich, das ist ein ganz grosses Problem. So wunderbar es ist, dass man heute Möglichkeiten hat, von denen man vor ein paar Jahren noch nicht einmal zu träumen wagte, so müssen bestimmte Kulturgüter , dazu gehört auch das Urheberrecht, verteidigt werden.
Und wir können nicht zulassen, dass jeder meint, er habe Anspruch auf „Alles zum Nulltarif“ .
Die Gesellschaft wird, mit diesen Entwicklungen konfrontiert, ganz erheblich umdenken müssen.

Nun ist es ja so, dass im Internet eine eigene Kriminalität sich ausgebreitet hat, genannt sei die Kinderpornografie. Sehen Sie, dass die Staatsanwaltschaften dieser Herausforderung gewachsen sind? Kann die Antwort darauf nur sein, dass man eine verschärfte Zensur herbeiführt wobei dann noch unklar ist, wer diese Zensur eigentlich ausüben soll?.

Ich halte das für völlig hoffnungslos. Erstens: Zensur ist verfassungswidrig. Zweitens: Es ist ein internationales Problem, ich glaube nicht, dass man das mit nationalen Gesetzen in den Griff bekommt.Es ist eine Frage der Erziehung. Es gab früher die Vorstellung, dass man bestimmte Dinge nicht tut, die Vorstellungen über das, was man nicht tut, mögen sich ändern, aber dass man keine kinderpornografischen Inhalte auf seinen Computer lädt, sollte eigentlich jeder wissen und das kann man auch mit Erziehung vermitteln.

Kommen wir noch einmal zurück auf den Strafprozess, genauer gesagt auf die sogenannten Absprachen prozessual oder vorprozessual salopp ausgedrückt „Strafmass-Basarverhandlungen“ oder „Kungelei“. Auch in dem Susanne Klatten-Gigolo Prozess bestand ja der Verdacht, dass derartige Verhandlungen der Prozessbeteiligten stattgefunden hatten . Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Es ist für mich das Ende des geordneten Strafverfahrens. Die Regeln, die der Bundesgerichtshof (BGH)aufgestellt hatte, wurden nicht eingehalten, Revisionen wurden vom BGH dennoch verworfen .
Die Errungenschaft der französischen Revolution, die Oeffentlichkeit der Hauptverhandlung, die Teilnahme der Bürger an der Strafjustiz, ist beerdigt worden mit der Behauptung, die Justiz sei überlastet.
Die Überlastung muss man überprüfen und ggf. müssen eben mehr Richter eingestellt werden.
Unter dem Argument „wir schaffen es nicht“ das geordnete Strafverfahren, das wir bisher hatten, abzuschaffen ist eine Katastrophe.

Wird es also in der Zukunft vermehrt „faule Deals“ geben?

Es wird in der Zukunft wohl in schwierigen Verfahren nur noch „Deals“ geben. Wie faul sie sind, hängt vom Charakter der Beteiligten ab, aber Sie können davon ausgehen, dass das Verfolgen der Wahrheitsfindung bei erheblichen Straftaten oft nicht mehr gewährleistet ist.

Würde dies in letzter Konsequenz bedeuten, dass die seinerzeitige, in den 60er Jahren vollzogene Abschaffung des Geschworenengerichts in der Form, dass die Laienrichter die Mehrheit haben und über schuldig oder unschuldig nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung entscheiden, und das es ja nach wie vor in anderen Ländern gibt, ein Fehler gewesen ist?

Das war schade, weil die Vorstellung der Bürger, an der Urteilsfindung massgeblich beteiligt zu sein, ein ganz wesentlicher Grund für das Vertrauen der Bürger in die Justiz war, und deshalb war das wohl der falsche Weg.

Vielen Dank für dieses Interview

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afrika

Der hässliche Chinese – oder: wie China in Afrika neuerdings agiert

Dr. Alexander von Paleske — 29.7. 2009 — Die Volksrepublik China hat in Afrika eine ausgezeichnete Reputation.

Grosszügige Entwicklungshilfe, allein im Princess Marina Krankenhaus in Gaborone, dem grössten staatlichen Krankenhaus Botswanas, meiner Arbeitsstelle , arbeiten 10 chinesische Aerzte.
Nicht zu vergessen die 1850 Kilometer lange Tazara-Eisenbahn von Tansania nach Sambia, einstmals von 20.000 chinesischen Arbeitern und Ingenieuren errichtet.
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Nunmehr häufen sich allerdings Berichte, die wir nur von US- oder europäischen Firmen und Regierungen gewohnt waren: Uebervorteilung, Bestechung und diplomatischer Druck.
Ueber das erste dieser unerfreulichen Ereignisse im Zusammenhang mit Bestechung von Regierungsmitgliedern bei dem Erwerb von Scannern in Namibia hatten wir kürzlich berichtet .

Eine teure Eisenbahnstrecke
Aber es gibt es bereits einen neuen Skandal in Namibia, und zwar im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Tsumeb, im Norden Namibias, an die angolanische Grenze.

Die ersten 250 kilometer von Tsumeb nach Ondangwa kosteten 900 Millionen Rand (rund 90 Millionen US Dollar)
Für die restlichen 60 Kilometer Strecke von Ondongwa nach Oshikango und andere Entwicklungsprojekte, darunter auch die bereits erwähnten Scanner, stellte der chinesische Staatspräsident Hu Jintao bei seinem Staatsbesuch im vergangenen Jahr einen projektgebundenen Kredit in Höhe von 100 Millionen US Dollar in Aussicht.

Die Kosten der chinesischen Firma sind nun allerdings vier mal so hoch, wie das Angebot einer lokalen Firma in Kooperation mit der italienischen Firma Lucchini, beschwerte sich der Direktor der namibischen Eisenbahnen, Robert Kalomho.

Insgesamt verlangte die chinesische Firma China National Machinery and Equipment Import & Export Company (CMEC) 103 Millionen US Dollar.
29 Millionen US Dollar wollen die Chinesen allein für die Schienen und und 73 Millionen US Dollar dann für den Bau der Strecke.
Dies übersteigt das vorgesehene Budget der Regierung für diese Investition in Höhe von umgerechnet 30 Millionen US Dollar bei weitem, wie Staatssekretär Geroge Simaata feststellte.

Offenbar haben die Chinesen sich etwas abgeguckt , etwas Falsches allerdings.

Chinesische Scanner und ein Korruptionsskandal in Namibia
Europa Addio? – EU-Afrika-Gipfel in Lissabon

SATIRE

Ministerin Ulla Schmidt: Nie wieder unter Hartz IV- Bedingungen leben

Dr. Alexander von Paleske — 28.7. 2009 —
Ulla Schmidt ist wieder einmal in die Schlagzeilen geraten, nicht zum ersten Mal.
Ihr Dienstwagen , der von ihrem Chauffeur zum spanischen Urlaubsort hinterhergebracht worden war, wurde gestohlen.
Dienstwagen am Urlaubsort, mit Chauffeur, muss das sein? – Ja doch, Frau Schmidt hatte zwei bedeutsame Termine trotz Urlaubs wahrzunehmen: Besuch einer Seniorengruppe und Aufwartung beim örtlichen Bürgermeister. Ein Mietwagen am Ort und ein Flugticket für den Chauffeur, so er denn wirklich notwendig gewesen wäre, hätte den Steuerzahler zwar erheblich weniger gekostet.

Um „ministergemäss“ bei diesen wichtigen Terminen auftreten zu können, war Ulla Schmidt aber auf diesen Dienstwagen einfach angewiesen, zumal die dortige Niederlassung der Autovermietung Sixt ihr nicht einen standesgemässen Daimler, sondern „nur“ einen 3er BMW anbieten konnte – viel zu mickrig fand offenbar die Ministerin, zu sehr Hartz IV..

Also, die Entscheidung der Ministerin kann man verstehen. Die Ministerin reiste selbstverständlich per Aeroplan an .

Insbesondere bei Hartz IV Empfängern dürfte ihre Vorgehensweise auf grosses Verständnis stossen. Denn auch Ministerin Schmidt lebte einstmals unter Hartz IV- ähnlichen Bedingungen, und jeder Hartz- IV- Empfänger möchte diese unwürdige Lage verständlicherweise so rasch wie möglich wieder los werden.

Glückwunsch! Frau Schmidt hat es geschafft. Nicht etwa durch einen Lottogewinn, sondern durch harte Polit-Arbeit.


Ulla Schmidt hat gut lachen: Hartz IV, KBW und Dieter Schinzel waren gestern

Ein Blick zurück auf das „politische Hartz IV -Leben“ der Ulla Schmidt
Ulla Schmidt war dereinst Mitglied der „Gesellschaft zur Unterstützung der Volkskämpfe“ (GUV), heute kann sich Frau Schmidt nicht mehr an diesen Namen erinnern, einer Massenorganisation des Kommunistischen Bundes Westdeutschland, KBW, in welcher die Intellektuellen, also Aerzte, Lehrer etc. organisiert wurden, die nicht direkt Mitglied der Kaderpartei KBW werden konnten und durften. Im KBW sollten nur richtige Proletarier Mitglieder sein.

Beseitigung von Hartz IV Zuständen durch die proletarische Revolution angeführt von der Speerspitze des Proletariats, dem KBW, unter Führung des weisen Vorsitzenden Hans Gerhart Schmierer (auch Joscha Schmierer sich nennend, später im Planungsstab des Auswärtigen Amtes dank J. Fischer) war das Programm.

Als Mitglied der KBW-GUV kandidierte Frau Schmidt folgerichtig bei der Bundestagswahl 1976 für den KBW und erhielt 0,1 Prozent der Stimmen in ihrem Wahlkreis. Die Volksmassen waren offenbar noch nicht reif für die proletarische Revolution. Also eine politische Sackgasse, die nicht zur unmittelbaren Beseitigung von Hartz IV Zuständen führte.

So wurde sie dann folgerichtig Mitglied der SPD . Dort konnte man schon eher mit breiter Zustimmung der „Volksmassen“ rechnen, wenn auch mit einem anderen Parteiprogramm.

KBW-Kampfrufe wie „Vorwärts mit …“ „Weg mit dem… “ „Nieder mit ….“ „Kampf dem ….“ „Schluss mit …. “ gab es dort nicht. Und in der SPD stieg sie dank harter politischer Arbeit auf: erst Ratsfrau in Aachen, dann Abgeordnete im Bundestag und schliesslich Ministerin. Und einige, die ganz links anfangen, kommen irgendwann rechts an. So fühlt sich Ulla Schmidt bei den Rechten der SPD, den Kanalarbeitern des Seeheimer Kreises politisch zu Hause.

Das Glück ist mit den Tüchtigen
Ulla Schmidt war dem politischen Hartz IV- Leben entkommen.
Das Glück ist eben mit den Tüchtigen.
Nun ja, so mancher hat derartige Sackgassen-Verirrungen aus Jugendsünde-Zeiten hnter sich, aber immerhin sich später dazu bekannt. Z.B J. Fischer oder Reinhard Bütikofer.
Ulla Schmidt aber liess auf Anfrage im Parlament abstreiten, jemals Mitglied im KBW gewesen zu sein. Ueber die GUV gehörte sie natürlich materiell dazu, nahm an den Partei-Schulungen teil und verkaufte das Zentralorgan des KBW, die Kommunistische Volkszeitung..

Auch unterstützte sie an ihrem Arbeitsplatz, einer Schule im Rheinland, die Kampagne gegen das Verpflichtungsgesetz und den Aufruf „Gewehre für die Jugend Zimbabwes“.
Aber sie besass ja nie einen Mitgliedsausweis der Kaderpartei KBW. Und so durfte sie natürlich derartige Mitgliedschaftsunterstellungen zurückweisen lassen.

Genau so wie es nicht stimmt, dass jeder, der unter Hartz IV Bedingungen lebt, auch ein Hartz IV Empfänger ist. Hier ist einfach Genauigkeit angesagt.

.Kellnerin in der Rotlicht- Kaschemme
Auch materiell war Ulla Schmidt einstmals dem Hartz IV- Leben ausgesetzt. Sie war gezwungen, als Studentin dazu zu verdienen, also kellnerte sie in einem Lokal , in dem bei einer Polizei-Razzia – rein zufällig sicherlich – 14 Hardcore Porno- Videos (inklusive Vergewaltigungsszenen) konfisziert wurden. Die hatte vielleicht ein Gast dort vergessen?

Betreiber dieser Aachener Rotlicht-Kaschemme namens Bar Barbarina
war ihre eigene Schwester, Doris Zoeller.
Erklärende Stellungnahme von Frau Schmidt: „Sie sei als alleinerziehende Mutter froh gewesen, damals etwas nebenher zu verdienen“.
Geld stinkt doch nicht – pecunia non olet – das wussten schon die Römer. Kellnern ist doch schliesslich kellnern und nicht Videos verkaufen oder Videos ansehen, schliesslich kann man bei so scheusslichen Szenen ja auch weggucken..

Ende Mai 1994 wurde der Aachener SPD-Europaabgeordnete Dieter Schinzel, ihr „politischer Ziehvater“, für den Schmidt bei mehreren Banken bürgte, bei einem Falschgeld-Deal ertappt. Die Banken kündigten Schinzel daraufhin die Kredite und Schmidt musste zahlen. So ein Pech, das auch mal einen Tüchtigen treffen kann. Ulla Schmidt trat einen Teil ihrer Diäten, sowie zwei Lebensversicherungen und ihren Privatwagen an die Banken ab.

Ja, Frau Schmidt hat es schliesslich geschafft: Nie wieder Hartz IV. Oder wie der KBW, gäbe es ihn heute noch, kampagnenmässig ausrufen würde: „Weg mit den Hartz IV Bedingungen“ und , „ Vorwärts im Kampf für …………..Dienstwagen im Spanienurlaub – mit Diebstahlversicherung“.

E-Mail avonpaleske@yahoo.de

Unkategorisiert

Südafrika: Höchstes Richteramt neu zu besetzen – ein umstrittener Richter meldet seine Kandidatur an

Dr. Alexander von Paleske – In Südafrika steht die Neubesetzung des Präsidenten für das südafrikanische Verfassungsgericht, Costitutional Court genannt, an. Drei der Richter, darunter auch der jetzige Präsident Pius Langa, gehen in den Ruhestand.

Ein deutscher Exportartikel
Das südafrikanische Verfassungsgericht ist dem deutschen Bundesverfassungsgericht nachempfunden, wie übrigens auch Teile der südafrikanischen Verfassung, ein oft vergessener und sehr erfolgreicher Exportartikel der Bundesrepublik Deutschland.

Und wie das deutsche Bundesverfassungsgericht hat das südafrikanische Constitutional Court nach seiner Gründung im Jahre 1996 eine Reihe von Meilensteinentscheidungen getroffen. Genannt sei hier unter anderem die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen.

Man kann rückblickend mit Fug und Recht sagen, dass Nelson Mandela, der vor 10 Tagen seinen 91. Geburtstag feierte, seinerzeit eine glückliche Hand bei der Berufung der Richter hatte, auch wenn die Entscheidungen des Gerichts oft genug Missvergnügen bei der Regierung Südafrikas auslösten, nicht anders, als in Deutschland.

Sowohl der erste Präsident, Arthur Chaskalson, wie auch der jetzige Präsident, Pius Langa, waren und sind nicht nur exzellente Richter, sondern ausserordentliche Persönlichkeiten, nicht anders als auch beispielsweise der beisitzende Richter Professor Albie Sachs, der bei einem Bombenanschlag der Apartheidregierung auf ihn in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo 1988 einen Arm und ein Auge verlor und nur knapp dem Tod entkam.

Ein umstrittener Richter kandidiert
Nun hat ein hoher Richter seine Kandidatur angemeldet, der sich vor allem dadurch auszeichnet, umstritten zu sein: John Hlope, höchster Richter der Provinz Western Cape zu der auch Kapstadt gehört..
Er machte immer wieder durch ziemlich „unpassende“ Aesserungen auf sich aufmerksam, die entweder der Gossensprache oder dem, schwarzen Rassismus oder beidem zuzuordnen waren. Aber die Skandalliste ist weitaus grösser. Details finden sich hier

Schon einmal musste der höchste Richter des Landes, Pius Langa, sich diesen Herrn „zur Brust nehmen“, bis schliesslich ein Ereignis im Jahre 2008 das Fass zum Ueberlaufen brachte.

Eine Durchsuchung und die Folgen
Der jetzige Staatspräsident Jacob Zuma hatte Verfassungsbeschwerde gegen die Durchsuchung seiner Dienstvilla eingelegt. Die Durchsuchung sollte Beweismatrial gegen ihn im Zusammenhang mit Waffengeschäften zutage bringen und wurde von der mittlerweile aufgelösten Elite-Polizeieinheit, den Scorpions, durchgeführt.

Die Presse war vorab informiert worden und konnte reichlichst Aufnahmen von dem Spektakel machen. Ein Spektakel, das offenbar auch Zuma demütigen sollte.

Und offenbar wurde auch belastendes Material gefunden, das aber wieder herausgerückt und dann einem Beweisverwertungsverbot unterlegen wäre, wenn die Verfassungsbeschwerde erfolgreich gewesen wäre.

Richter Hlope, der sich mit dem jetzigen Präsidenten verbunden fühlt, machte sich auf den Weg nach Pretoria, um auf zwei Richter am Verfassungsgericht einzuwirken, damit sie eine Entscheidung zugunsten Zumas treffen.

Die beiden Richter, Bess Nkabinde und Chris Jafta, waren empört, sowohl über Hlopes Vorgehensweise aber wohl auch über dessen vorgebrachte Argumente.

Ein völlig unakzeptable Vorgehensweis Hlopes, so sah es der Vorsitzende Richter am Verfassungsgerichts, Pius Langa, bei dem die beiden Richter sich beschwert hatten.
So sahen es auch die anderen beisitzenden Richter des Verfassungsgerichts.

Eine Beschwerde Pius Langas bei der der Judicial Services Commission (JSC), eine Art Richterwahlausschuss, der sich mit Beschwerden gegen Richter aber vor allem mit der Sicherstellung der Unabhängigkeit der Richter und Anhörungen von Kandidaten bei der Neubesetzung von Richterstellen beschäftigt mit anschliessenden Vorschlägen für die Besetzung der Stellen, war die Folge.

Zu dieser JSC gehörte auch George Bizos, einer der prominentesten Advokaten Südafrikas, seinerzeitiger Apartheidgegner und Verteidiger in ungezählten politischen Prozessen , Freund Nelson Mandelas, den er einst in dem Riviona-Prozess verteidigte, ein Prozess, der zur Verurteilung Mandelas zu lebenslanger Haft führte.

Ein Richter wird Kläger
Hlope klagte nun gegen die JSC wegen angeblicher Diskriminierung, bekam aber nur teilweise Recht und kündigte an, bis vor das Verfassungsgericht ziehen zu wollen. Also das Gericht, welches den Rechtsstreit ausgelöst hatte.

Eine noch nie dagewesene Justizkrise war die Folge gewesen, weil sämtliche Richter des Verfassungsgerichts als befangen anzusehen gewesen wären.
Nunmehr hat die JSC beschlossen, erneut Hlope anzuhören, in neuer Besetzung.

Es ist damit zu rechnen, dass nunmehr das Verfahren bestenfalls – wenn überhaupt – mit einer Rüge Hlopes enden wird, aber nicht mit der Absetzung Hlopes als Richter, womit ursprünglich gerechnet wurde.

Im Klartext: Die Affäre wird wohl unter den Teppich gekehrt werden.

Gute Freunde und eine Kampagne
Aber damit nicht genug. Nunmehr haben Freunde Hlopes mit ausdrücklicher Billigung des umstrittenen Richters eine Kampagne gestartet, die Druck machen soll, ihn zum Nachfolger Langas, also zum höchsten Richter Suedafrikas zu machen. Zwei Juristen namens Percy Gumbi und Jabu Khuluse starteten die Kampagne Anfang Juli.

Auch dies ein Vorgang, der seinesgleichen sucht.

Nun ist zwar nicht damit zu rechnen, dass Hlope bereits jetzt zum Gerichtspräsidenten ernannt wird, da hat der jetzige beisitzende Richter Sandile Ngcobo einfach bessere Chancen, aber er könnte zum Beisitzer ernannt werden und in zwei Jahren Gerichtspräsident werden, dann nämlich scheidet Ngcobo aus Altergründen aus.

Schliesslich muss solch ein „Einsatz“ für den jetzigen Staatspräsidenten Zuma doch „honoriert“ werden.
Für das Verfassungsgericht Südafrikas könnte dann nach einer grossartigen Periode von überragenden Meilensteinentscheidungen eine unwürdige Zukunft beginnen.

Nachtrag 10.8.09
Am 6.8.09 wurde erwartungsgemäss Richter Sandile Ngcobo von Staatspräsident Jacob Zuma zum Nachfolger von Pius Langa vorgeschlagen.

afrika

Chinesische Scanner und ein Korruptionsskandal in Namibia

Dr. Alexander von Paleske — 26.7.2009 — In ihrem Expansionsdrang in Afrika, über den wir schon mehrfach berichtet haben, sind chinesische Firmen bei der Wahl ihrer Mittel offenbar nicht sehr zimperlich.

Ein Korruptionsskandal in Namibia macht zur Zeit Schlagzeilen. Hu Haifeng, der Sohn des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao, wird von Namibias Anti-Korruptions Kommission gesucht – vorerst als Zeuge. Drei Verhaftungen gab es mittlerweile.

Was war geschehen?
Die neue Gesetzgebung Namibias gegen Geldwäsche verpflichtet die Banken, jede verdächtige Geldbewegung den staatlichen Behörden mitzuteilen. Und eine äussert verdächtige Geldbewegung brachte den Skandal ins Rollen. Da wurden auf einmal 42 Millionen Rand (rund 4 Millionen US Dollar) auf das bis dato leere gemeinsame Bankkonto eines Chinesen und einer namibischen Geschäftsfrau eingezahlt. Innerhalb von 12 Wochen aber war das Konto wieder leer, also Geldwäscheverdacht.

Nunmehr stellte sich heraus, dass das Geld keineswegs in bar abgehoben, sondern auf den Konten hochrangiger Politiker der Regierungspartei SWAPO gelandet war. Also Korruptionsverdacht.

Woher stammte das Geld?
Die chinesische Firma NucTech verkaufte Namibia für rund 50 Millionen US Dollar Scanner für seine Flug- und Seehäfen. Der Vertrag kam ohne vorherige Ausschreibung zustande, gegen den Widerstand des Staatssekratärs im Finanzministerium, Calle Schlettwein.

Finanzministerin Saara Kuugongelwa-Amandhila drückte den Vertrag durch, der auch einen Kredit Chinas zu dessen Finanzierung beinhaltete. Offenbar hatte die Finanzministerin gute Gründe dafür.

Die erste Rate der Bezahlung, knapp 10% des Kaufpreises für die Scanner, landete nämlich nun nicht etwa bei der Scanner-Firma Nuctech, sondern als „Bestechungsgeld“ auf Konten der Politiker, wie die südafrikanische investigative Zeitung „Mail and Guardian“ vor einer Woche berichtete.

Der Sohn des chinesischen Staatspräsidenten Hu Haifeng war bis vor einem Jahr Chef der Firma Nuctech, die bereits vor zwei Jahren in einen ähnlichen Bestechungsskandal, diesmal in der Republik Südafrika, verwickelt war.

Mittlerweile ist Hu Haifeng leitender Manager der Holdingfirma Tsinghua Holdings, zu der auch Nuctech gehört. Der lokale Agent der Firma Nuctech in Südafrika, Africa Strategic Asset Protection, hatte einen 300 Millionen US-Dollar Vertrag durch Schmieren von Parlamentsabgeordneten gewonnen. Aber diese Form der Geschäftsanbahnung scheint sozusagen zum normalen Geschäftsbetrieb der chinesischen Firma zu gehören, denn auch aus den Philippinen wird ein ähnlicher Skandal gemeldet.

Geschäftsprinzip dieser Firma scheint der Spruch zu sein: Wer gut schmiert, der gut fährt. In Namibia ist nun etwas Sand in die Schmiere gekommen.

Um „Schaden“ von der chinesischen Bevölkerung abzuwenden hatten die chinesischen Behörden die Suchbegriffe „Namibia“ und „Hu Haifeng“ in Internet-Suchmaschinen gesperrt.

terror

Terrorismus: Irakischer Pass für 1500 Dollar

Stephan Fuchs – Auf einem irakischen Generalkonsulat sollen angeblich original – falsche Pässe an x-beliebige Personen verkauft worden sein. Kostenpunkt 1500 Dollar. Die Konsequenz daraus: Tod und Verderben.

Drei algerische Asylbewerber haben in einem europäischen Land (wohl zurecht) einen negativen Asylentscheid bekommen, sie mussten das Land verlassen. Zurück nach Algerien wollten sie nicht. Die Aussicht in einem anderen europäischen Land Asyl zu erlangen war verschwindend klein, das Schengen Abkommen verhindert solche Zweitasyl Gesuche. Das Trio wurde bei einem irakischen Generalkonsulat vorstellig. Ob das Trio dabei extern unterstützt worden war, das ist unklar. Quellen sagen, dass sie über eine Moschee auf diese Idee gekommen seien und über diese auch die finanziellen Ressourcen akkumuliert hätten.

Wie auch immer, das algerische Trio geht auf das irakische Generalkonsulat, erzählt dort, sie hätten ihren irakische Pass verloren und erhalten, für je 1500 Dollar, umgehend auf ihre Namen ausgestellte irakische Reisedokumente. Mit den neuen Identitäten buchen sie einen Flug nach Bagdad. Ihr Leben scheint gerettet, eine neue Zukunft zeichnet sich ab.

In Bagdad angekommen besuchen sie eine Moschee, welche jener in Europe freundlich gesonnen ist. Nach einigen Besuchen erhalten sie Rucksäcke, die sie auf dem lokalen Markt in Bagdad abgeben sollen. Ein kleiner Gefallen, welches das Trio kaum ablehnen kann, nachdem die Freunde der Moschee soviel getan haben. Sie gehen zum Markt, suchen den vorbestimmten Marktstand und – BUMM – der Rucksack explodiert. Von einem Mobiltelefon ferngesteuert. Die Odyssee der drei algerischen Asylbewerber hat ein jähes Ende. Bagdad ist um ein schreckliches Attentat reicher – viele, auf dem dichtgedrängten Markt haben dabei ihr Leben verloren. Das involvierte Personal auf dem irakischen Generalkonsulat wurde mitterweile ausgetauscht.

global player

Politicians, Diplomats, Crooks and Mines

Dr. Alexander von Paleske — 25.7. 2009 — A closer look at the spiderweb of illustrious personalities featuring Bill Clinton, Frank Giustra, Adnan Khashoggi, Rakesh Saxena, Andre Agapov, Tim Gatland, Krirkiat Jalichandra, Matthew Hyndes and the companies Bangkok Bank of Commerce, Endeavour Financial and Uranium One.

Let’s go to the place, where things started, to Bangkok, capital city of Thailand.
Rakesh Saxena allegedly international Megacrook, defrauded the Bangkok Bank of Commerce to the tune of 2,2 billion US Dollars together with the then CEO Krikiat Jalichandra, thus triggering the Asian Banking Crisis in 1997.

Jalichandra has meanwhile been sentenced in Thailand to more than 50 years in prison, however Thailand would also like to bring Saxena to court, but up to now Saxena managed, despite an extradition request from Thailand to stay in Canada, to where he fled in 1996 allegedly with 88 million US Dollars „pocket money“. A country, which he called “full of unintelligent idiots”.

And during the twelve years of his legal battle against his extradition to Thailand, he was not resting. To the contrary, he continued with fraudulent activities from his self paid house arrest in Vancouver, fraudulent activities that span the globe, including South Africa and Botswana.

However he was allegedly not the only person, Thailand accuses to have been involved in fraudulent activities Other interesting names are popping up:

Andre Agapov
Adnan Khashoggi (see here)
Tim Gatland
Oleg Boiko
Matthew Hyndes

And all of them are alive and kicking except presumably one: Tim Gatland.

Lets go through them and one by one

An Australian fraudster in Thailand
Tim Gatland Australian by birth, could look back to massive fraudulent activities via his company EC Consolidated Capital, targeting mainly middle income Australians, who were neither banker, nor broker. before he moved to Thailand.

He continued doing from his new home, what he could to best: Fraud, and not surprisingly came across Saxena and Jalichandra, „brothers in fraud“, so to speak.

However, not only fraud, Gatland boasted of dealing in Plutonium, possibly to the Pakistan-Khan network or Iran, which prompted the CIA to send a team to Thailand. Unfortunately no further details are available.

Enter Matthew Hyndes
In Thailand Gatland met another Australian by the name of Matthew Hyndes, Diplomat by profession, whom he first had come across when both served Queen and country in the army. Hyndes was impressed by the “financial activities” of Gatland and the cash that was lurking out of his pocket. So impressed, that he asked for a 3 year leave, which was granted, to “help” Gatland in his stressful job, in this case in his company “Risk Asset Management”.

However Hyndes “leave for financial gains” came to an abrupt end on 10th June 1996. On this day Gatland disappeared without trace after he disembarked at the Dusit Thani Hotel, presumably murdered. Not a surprise, as as he managed to create many enemies at home and abroad.

The story, however, does not end here. Hyndes returned to Australia to continue with the less lucrative profession as a diplomat.
Thailand now accused Hyndes of having committed fraud at the Thai Tanakron Finance Bank, and demanded his extradition.

The Australian authorities refused, despite the evidence put to them by the Thai government. However Australia tried now to take the privilege of access to classified documents away from Hyndes , but Hyndes in return threatened to reveal uncomfortable details of the Australia-Thailand relationship. We in Africa call that blackmailing. The Australian Department of Foreign Affairs and Trade backed down. A toothless tiger?

Good Will Hunting – the Australian way
Hyndes, however, whose reputation was a bit battered after all, obviously tried to do do some “Good Will Hunting”, by putting dirt on another colleague and the story goes like this:

In the year 2003, before the US invasion of Iraq, a conversation between the then Australian Foreign minister Alexander Downer and the New Zealand ambassador Kate Lackey was leaked to the press.

In this conversation the Foreign Minister told the ambassador, that the government of Australia had decided, to join the invasion of Iraq, whilst publicly the government declared, a decision had not yet been reached.

Downer was outraged and a hunt for the “culprit” began. Hyndes offered “help” by putting the blame on a diplomat by the name of Trent Smith – without substance, just as a smear campaign.

Smith was suspended and finally fired. A million Dollar investigation started, that could in no way deliver proof of Hyndes allegations.

An industrial relations committee called Hyndes a liar („No respect for the truth“) and ordered the reinstatement of Smith, whilst Hyndes became Vice ambassador of Australia in Sri Lanka. What a wonderful Australian Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT).

Thailand at least, after demanding unsuccessfully the extradition of Hyndes from Australia and Saxena from Canada , tried and sentenced Krirkiat Jalichandra.

A Russian named Agapov and his meteoric rise
Let’s continue with the next in Line, Andre Agapov. The Thai Government accuses him as well of fraud at the Bangkok Bank of Commerce. He meanwhile has started a gold exploration company by the name of Rusoro mining, from nowhere?.

This company is active in Latin America, guided by a company called Endeavour Financial.

Why does Endeavour Financial interest us? The major shareholder is a Canadian by the name of Frank Giustra, a very close friend of Bill Clinton and wonderful sponsor to his welfare fund.

Scratch my back and I scratch yours
The wonderful friendship of the former US President and this fine Canadian entrepreneur started in 2005 after the Tsunamis. Giustra was deeply impressed by the charity work of Clinton, moreover Giustra also blew the trumpet, whilst Clinton played saxophone, a „duo musicale“ so to speak.

However the friendship did not end there, Clinton was offered the use of Giustras luxurious MD 87 jet (Golden taps in the bath-room, expensive oil paintings at the wall) and both flew in 2005 together to Kasakhstan a country blessed with the largest uranium deposits worldwide and one of the poorest records in democracy.

Several companies had lined up for the mining rights, but Giustra’s trump card was the Ex-US-President Clinton. Both, Clinton and Giustra joined the President of Kasakhstan, Nursultan Nazarbayev for a wonderful dinner, and, 48 hours after Clinton left, Giustra’s company Urasia, with absolutely no track record in uranium mining, got the contract .

Frank Giustra – purely coincidentally of course – donated 30 million US Dollars to Bill Clinton’s charity afterwards and pledged another 100 million. How generous.

Quote from Giustra:

The only thing that always worked for me is generosity, Generosity can be very profitable.

How profitable was shown by the money, he made , when he sold his shares of Urasia to Uranium One in February 2007, the share price had risen from 10 cents per share in 2005 to 7 US Dollars within two years, cash to carry.

In another article we will look into the activities of this generous duo in Latin America and the donor roll of Clinton’s charity.

linkAdnan Khashoggi, Rakesh Saxena and the Spiderweb
Bulelani Ngcuka and his Apartheid Soldiers
linkA Coup for a Mountain of Wonga

When the Regular Army goes, the Mercenaries come

linkHypo-Alpe-Adria – A Bank-Scandal in Austria?
linkBritish Mercenary Simon Mann’s last journey?
US aganist Iran (Gerhard Merz)
Conflicts in Africa – Millions suffered, a few became millionaires, one of them: Viktor Bout (Butt)
Ganoven, Goldgräber, Geheimdienste und Diplomaten
Gold, Uran, Frank Giustra und Bill Clinton
Der Fall Hypo-Alpe-Adria- Bank (Skandalpe) – Ein österreichisch-deutsches Schmierenstück.
linkBlair drängt auf Söldnernachschub aus Südafrika
linkViktor Bout, Afrikas “Merchant of Death”
linkViktor Bout – Auslieferung in die USA?
linkUgandas Ölfunde: Söldner fördern es, die Amerikaner kaufen es.
linkKokain, Kindersoldaten und Killerkommandos – auf den Spuren des Waffenhändlers Yair Klein.

kriminalitaet

Sex Industrie: Kind für 1000 Euro

Stephan Fuchs – Die Not ist groß – so groß, dass Mütter ihre Kinder für 1000 Euro verkaufen. In Mazedonien, aber auch in Neapel werden Zigeuner Kinder für 1000 Euro verkauft. Im vorliegenden Fall an einen Türken. Quellen berichten, dass viele der Kinder in illegalen Bordellen wieder auftauchen. Noch schlimmer ist das Schicksal jene Kinder, die in dunklen Gefängnissen einer ausgewählten Schar perverser ausgeliefert werden. Die Verliese sind in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich. Mit großer Wahrscheinlichkeit auch in der Schweiz.

Die ersten drei geborenen Kinder (15, 13 und 9) verblieben der Familie und wurden von den Großeltern adoptiert. Das vierte, ein zweieinhalb jähriges Mädchen, wurde durch die Mutter ohne Einwilligung des Vaters an die Mafia verkauft. Aus Not, Hunger und vor allem aus Unwissenheit: Die neapolitanische Mafia, Hochburg der Gomorra, fand leicht einen Abnehmer. Jener war Türke und bezahlte 1000 Euro. Der genaue Reiseweg des Mädchens ist unbekannt. Vermutet wird, dass das Mädchen über die Balkan Route schlussendlich in Österreich endete und dann weiter nach Deutschland oder in die Schweiz weitergeschmuggelt worden ist.

Journalisten die versucht haben ähnlichen Geschichten nach zu forschen wurden massiv bedroht, ihre Arbeit und ihre Existenz wurde zerstört. Nicht nur, die Journalisten wurden in einen Hinterhalt gelockt und brutal zusammengeschlagen. Die deutschen Kollegen hatten keine Chance. Offensichtlich ist die Story super heiß.

Frischfleisch auf dem Kindersexmarkt ist gefragt. Einflussreiche politische Persönlichkeiten müssen – auf die eine oder andere Weise ihren Profit daraus erzielen, man erinnere sich an den Basler pädophilen „Tier Kreis“. Für Politiker, aber auch für Ärzte, Anwälte und Manager die sich auf die Grausamkeiten eingelassen haben, steht viel Macht – aber auch ein Instrument zum Druckmittel auf dem Spiel. Untersuchungen werden desshalb verschleppt, oder von der Mafia unterdrückt. Man will verhindern, dass Zigeunerkinder, Kinder aus dem letzten Glied der Gesellschaft – über mafiöse Verbindungen verkauft – zu ihrem Recht und zu ihrem Schutz kommen.

vermischtes

Fließender Übergang in Honduras: SPIEGEL ONLINE stolpert über Micheletti

World Content News – Was denn nun? „Übergangspräsident Micheletti bietet Rückzug an„, verkündete das Hamburger Magazin in der Überschrift zur derzeitigen Situation in Honduras. Und weiter: „Wende in Honduras: Übergangspräsident Micheletti ist bereit, auf sein Amt zu verzichten. „

Wie verlogen (oder hilflos?) die Medien in ihrem Sprachgebrauch mit der Wirklichkeit umgehen, wird deutlich, wenn man ein paar Absätze später auf eine beinahe unglaubliche Erkenntnis stößt, mit der der Autor sich selbst ein Bein stellt:

Der Putsch war fast überall auf der Welt verurteilt worden. Bislang hat keine ausländische Regierung Micheletti als Übergangspräsident anerkannt. Die USA und die OAS haben eine Rückkehr des gestürzten Staatschefs ins Amt gefordert. Micheletti hat dies jedoch kategorisch ausgeschlossen.

Zum SPON-Artikel …

Die vierte Macht – eine einzige Blamage. Vielleicht sollten wir künftig in diesem Zusammenhang besser von Übergangsmedien sprechen.

Honduras-News:
Honduras im Belagerungszustand Der Machtkampf spitzt sich zu
(Berliner Umschau, 17.07.2009)
Widerstandsbewegung blockiert strategische Verkehrswege (Amerika21, 17.07.2009)
Arias hofft auf nationale Versöhnung
(Der Standard, 16.07.2009)
Gut gebrüllt, Loewe – FDP beim Staatsstreich dabei
(vorwaerts.de, 17.07.2009)
Zelaya return rumors puts Honduras on edge
(Mc Clatchy, 17.07.2009)
Castro blames Bush appointees for Honduran coup
(News Tribune, 17.07.2009)
Manuel Zelaya podría regresar el sábado a Honduras
(librered.net, 17.07.2009)

siehe auch:
Foto des Monats: Honduras – Die Wahrheit Macht Frei(demokratisch)? (WCN, 06.07.2009)
Dokumentation: Präsident Zelayas verhinderte Landung in Tegucigalpa (WCN, 06.07.2009)

medien

Nach den Banken nun die Zeitungen?

Dr. Alexander von Paleske – —20.7. 2009 — Wenn man in den letzten Monaten die ZEIT, die führende Wochenzeitung Deutschlands,liest, ich habe sie – noch – abonniert, dann tauchen in schöner Regelmässigkeit Beiträge auf, die sich mit dem angeblich bevorstehenden Untergang der Printmedien beschäftigen. So auch am 9. Juli (ZEIT 29 Seite 50) – „Eine Art Marshallplan“ lautet der Artikel und in kaum verhüllter Form wird nach Staatsgeld gerufen, um die grundrechtlich geschützte Pressefreiheit zu sichern.

Man möchte sich die Augen reiben. Soll nach den Banken nun auch die Presse subventioniert werden? Die zur „Rettung der Presse“ von den Autoren Stephan Weichert und Leif Kramp gemachten Vorschläge muten geradezu abenteuerlich an. Als Legitimationsvehikel dient ihnen Artikel 5 des Grundgesetzes, die Pressefreiheit. Allerdings war dieser Artikel immer als Freiheit des gedruckten Wortes vor Eingriffen des Staates gemeint, nicht umgekehrt. Es ist Teil der Meinungsfreiheit und der Informationsfreiheit der Bürger, die aber nicht nur am Zeitungspapier klebt.

Ein Blick zurück
Als die Alliierten nach Ende des 2. Weltkrieges Zeitungslizenzen an unbelastete Bürger vergaben, da war das fast einer Lizenz zum Gelddrucken gleichzusetzen.

Gründerfamilien sind damit steinreich geworden, siehe Axel Springer in Hamburg (Bild-Zeitung, Hamburger Abendblatt , Hör Zu etc), siehe Neven duMont in Köln ( Kölner Stadtanzeiger, Express), siehe Brost/Funke in Essen (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), siehe Friedmann und andere in München (Süddeutsche Zeitung).

Der verstorbene Journalist Günter Gaus schreibt in seinem Erinnerungsbuch „Widersprüche“ dazu:

„Gewöhnlich bildeten die alliierten Presseoffiziere, gestützt auf mehr oder weniger qualifizierte Empfehlungen, eine Herausgeberschar, aus einem Konservativen. einem Liberalen und einem Sozialdemokraten… Die Lizenz war das Los in einer Lotterie gewesen, in der es nur Millionengewinne gab“.

Nach der Privatisierung die Sozialisierung?
Jetzt gibt es keine Riesengewinne mehr, auch in Deutschland werden Zeitungen sterben. Zum Teil, weil sie durch Kaputtsparen unattraktiv geworden sind, das wichtigste Kapital, den guten Journalisten entlassen.

Zum Teil, weil der Besuch des Internets die Zeitung mit der „Nachricht von gestern“ uninteressant gemacht hat.

Nun soll also nach den Vorstellungen der ZEIT-Autoren der Staat einspringen. Nachdem die Gewinne in Dekaden privatisiert wurden, sollen jetzt, wie bei den Banken, die Verluste sozialisiert werden, oder aber Mäzenatentum die Printmedien vor dem Untergang retten.

Wir haben mehrfach uns zu dem Thema bereits geäussert, und halten von diesen in der ZEIT gemachten Vorstellungen nichts. Wenn Printmedien der Konkurrenz im Internet nicht standhalten können, so war‘s das eben.

Ohne Printmedien kein Qualitätsjournalismus?
Guter Journalismus klebt nicht an der Druckerschwärze , sondern findet sich bereits besser in vielen Onlinemagazinen, die nicht unter der Fuchtel eines Chefredakteurs stehen, der die Linie vorgibt.

Investigativer Journalismus ist in Deutschland, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum vorhanden., selbst das einstige Flaggschiff Der Spiegel kann besser von alten Zeiten träumen. Zu sehr hatte der „kleine Napoleon“ Stefan Aust das Blatt offenbar auf Lifestyle getrimmt.

Nicht Qualitätsjournalismus ist das, was sich in vielen Printmedien findet, sondern qualvoller Journalismus. Und das ständige Gejammere der ZEIT führt hier keineswegs weiter. Im Gegenteil. Das Oeffnen des .Blattes für derartigen Jammerjournalismus und das Drucken von Artikeln des nach Günter Gaus „grössten Opportunisten, den er je kennengelernt habe“ , gemeint ist der ehemalige Aussenminister J. Fischer und seine Schelte an der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Vertrag von Lissabon, machen die Wochenzeitung ZEIT eher unattraktiver.

Angst essen Qualitätsjournalismus auf
Aber in den Redaktionsstuben hat die Angst Einzug gehalten. Ein schlechter Begleiter für guten Journalismus.

Gerade hat der Grossverleger Neven duMont die Berliner Zeitung gekauft, ihm gehört als neuerer Zugang bereits das Traditionsblatt Frankfurter Rundschau, da werden schon Pläne zur Reorganisierung verkündet. Verzahnung wird das Ganze genannt.

Im Klartext: Arbeitsplätze werden wegfallen, nationale und internationale Themen werden wohl in Zukunft zentral recherchiert und redegiert. Nur der Lokalteil wird wohl dezentral bleiben. Schliesslich kann man von Köln aus nicht berichten, was sich im Berliner Kiez und Politiksumpf abspielt und umgekehrt von Berlin aus nicht sich hautnah mit dem Kölner Klüngel beschäftigen.

Der Spekulant Montgomery war mit seinem Konzept gescheitert, weil er nur rationalisieren wollte, aber keine Zentrale wie Neven duMont besass. Ob die Rechnung Neven duMonts aufgeht, wird sich zeigen.

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