deutschland

Schlägerüberfall nach linker Veranstaltung

Am Samstag, 10. Januar, fand in Berlin die erste Veranstaltung der neugegründeten „Volksinitiative“ unter dem Motto „Weltwirtschaftskrise: Versagen die Linken? Was ist zu tun?“ statt. Mit 120 Besuchern war der Andrang Interessierter beträchtlich.

Hauptreferent Jürgen Elsässer, Buchautor und Mitarbeiter der sozialistischen Tageszeitung „Neues Deutschland“, stellte gleich zu Anfang klar, wo die erwünschte Breite der Initiative ihre klare Grenze hat. „Eine Mitarbeit von NPDlern in unserer Initiative oder auch eine Zusammenarbeit lehnen wir strikt ab. Mit Leuten, die den Holocaust verharmlosen oder beschönigen oder den Nazismus verharmlosen oder rechtfertigen, wird es keine Form der Kooperation geben. Wer, wie die NPD, immer noch im blutigen Sumpf der Vergangenheit steckt, ist für eine zukunftsorientierte Politik nicht zu gebrauchen.“

Am Vortag der Veranstaltung hatte sich die NPD mit einer Erklärung der „Volksinitiative“ angebiedert und auf deren „unverkrampftes“ Herangehen an Bündnisse spekuliert. Elsässer dazu: „Die NPD kann sich das abschminken. Das wird nicht passieren. Zwischen uns von der ‚Volksinitiative‘ und Nazis, und zwar nicht nur der NPD, sondern jedweder Couleur, steht eine Feuerwand der Abgrenzung.“ Intendiert, so Elsässer, sei eine „Volksfront“ in der Tradition des Bündnisses von Kommunisten, Sozialdemokraten und Bürgerlichen in den dreißiger Jahren, die sich „gegen Faschismus und Krieg“ richtete. „Ein Spektrum von Lafontaine bis Gauweiler ist das, was wir wollen.“

Die Veranstaltung dauerte etwa zweieinhalb Stunden und war von einer sachorientierten Diskussion geprägt, unter anderem um die Vorbereitung eines großen „Volkskongresses“ zur Kritik des Finanzkapitals, der spätestens im Mai stattfinden soll. Gegen 23 Uhr löste sich die Zusammenkunft auf.

Eine knappe halbe Stunde später, als nur noch etwa 40 Leute im Saal waren, stürmten sechs bis acht Vermummte herein und begannen mit Prügeleien. Offensichtlich hatten sie es auf einen Mann abgesehen, den sie als Nazi bezeichneten. Woher dieses Wissen rührte, war unklar, denn weder diese Person noch irgend sonst jemand hatte sich während der Veranstaltung durch Diskussionsbeiträge, Zwischenrufe oder Ähnliches als Rechtsradikaler zu erkennen gegeben. Wären wir als Veranstalter darauf hingewiesen worden, dass sich Nazis in der Versammlung befinden, hätten wir selbstverständlich Platzverweise ausgesprochen.

Der angebliche Nazi wurde mit einer Flasche niedergeschlagen und brach blutüberströmt zusammen. Ein zufällig am Nebentisch sitzendender junger Mann wurde ähnlich brutal zu Boden geprügelt. Beide mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Weiterhin wurde ein Mitglied der „Volksinitiative“, das sich den Vermummten in den Weg gestellt hatte, ins Gesicht geschlagen.

Wir werten diese Attacke als schweren Angriff auf die grundgesetzlich garantierte Meinungs- und Organisationsfreiheit. Offensichtlich maßt sich eine „antifaschistisch“ kostümierte Schlägertruppe an, unliebsame linke Organisationsansätze wie die „Volksinitiative“ durch physische Gewalt an der Verbreitung und Diskussion ihrer Ideen zu hindern. Dass sich angeblich ein Nazi unter den über hundert Anwesenden befunden haben soll, war nur ein Vorwand für das Rollkommando: Tatsächlich war schon am 07.01. auf der Website indymedia dazu aufgerufen worden, die Veranstaltung zu stürmen: „Lassen wir Elsässer nicht alleine, besuchen wir ihn im Wirtshaus Max & Moritz und bereiten ihm und uns einen schönen Abend. Wirksame Gegen-Argumente sollten treffsicher vorgebracht werden.“ (Indymedia hatte den Post nach kurzer Zeit gelöscht.)

Die „Volksinitiative“ wird sich nicht einschüchtern lassen, sondern ganz im Gegenteil ihre Arbeit verstärken. Wir werden eng mit Polizei und Staatsschutz kooperieren, um die kriminelle Vereinigung, die für den Angriff verantwortlich ist, zu überführen – und um unsere künftigen Veranstaltungen zu sichern.

vermischtes

Netzwerk-Multi-Level- Marketing : (K)ein Ausweg aus Arbeitslosigkeit und Finanznot?

Dr. Alexander von Paleske – 12.1. 2009 — Die aus der Finanzkrise geborene Wirtschaftskrise bedeutet die erneute Zunahme der Arbeitslosigkeit, und damit für Arbeitslose die Suche nach neuen Einkommensmöglichkeiten.

Da der Stellenmarkt aber nicht mehr hergibt, im Gegenteil, Entlassungen anstehen geht also für viele die Suche nach Alternativen los. Und da bieten sich seit Jahren schon sogenannte Netzwerke oder Multi-Level- Marketing- Firmen an. Ausgezeichnete Verdiensmöglichkeiten werden versprochen. Doch sind diese Versprechungen wirklich zutreffend?

Multi-Level Marketing (MLM) oder Netzwerk- Marketing besteht im Wesentlichen aus dem Direktverkauf von Produkten, meistens Haushaltsmitteln, Körperpflegemitteln oder Produkten für das „Gesündere Leben“ also all das, was es auch im Supermarkt oder in der Drogerie um die Ecke zu kaufen gibt.
Damit lässt sich bestenfalls, wenn überhaupt, nur ein bescheidenes Nebeneinkommen erzielen. Und zwar auch nur dann, wenn der Produktverkauf nicht nur die Kosten deckt.

Der alleinige Direktverkauf ist bei einer nicht geringen Zahl von MLM Firmen aber nur der eine Teil, bei manchen der unbedeutendere. Bei diesen Firmen liegt der klare Schwerpunkt auf der Gewinnung neuer Verkäufer.

Vertrauensbasis als Türöffner
Und für den neugewonnenen Netzwerker gibt es als Kunden erst einmal nur den Freundes-und Bekanntenkreis. Die Vertrauensbasis, die zwischen Freunden und engen Bekannten besteht, soll für den Vetrieb nutzbar gemacht werden, die nichtmerkantile Freundschaftsbeziehung wird sozusagen verdinglicht.

Aber nicht nur als Konsumenten der oftmals teuren bis sehr teuren Produkte sollen die Freunde und Bekannten dienen, sondern selbst zu Verkäufern werden, und dann wiederum selbst Verkäufer finden und so weiter. Man selbst wird damit – Erfolg vorausgesetzt – zu einem Zwischenverkäufer erster Ordnung, dann zweiter Ordnung und dann dritter Ordnung, steigt damit in der Hierarchie und den damit verbundenen besseren Verdienstmöglichkeiten auf.

Schneebälle oder nicht?
Aber handelt es sich damit nicht um ein verbotenes Schneeballsystem?

Nein, ein illegales Schneeballsystem wäre es nur, wenn die Mitglieder für das Werben neuer Verkäufer mehr Geld erhalten würden, als für den Verkauf der Produkte. Und so vermeiden alle Firmen peinlich diese Grenze zu überschreiten und sich in das Minenfeld illegaler Geschäfte zu begeben.

Und deshalb schaffen sie es, sich juristisch erfolgreich gegen derartige Vorwürfe zur Wehr zu setzen.

Das Hickhack ob Schneeballsystem oder nicht, lenkt von der Frage ab: Kann man für seinen Einsatz ein angemessenes zusätzliches Einkommen erreichen oder nicht?

In einem Gerichtsverfahren in Grossbritannien wurde offenbar vorgetragen, und unter Beweis gestellt, dass dort nur 90 von 33.000 Netzwerkern der weltweit grössten MLM-Firma AMWAY
ein Einkommen erzielten, das nicht nur die Kosten deckte, sondern als einträgliches Geschäft bezeichnet werden konnte.

Das sind weniger als 1%.

Ein unermüdlicher Streiter gegen Verkäufer-Rekrutierungs MLM’s, Robert L. Fitzpatrick, bestätigt offenbar diese Zahlen

Sein Verdikt sieht zusammengefasst so aus:

– Die Rekrutierung von Netzwerkern in diesen Firmen
ähnele offenbar einem Pyramiden-Schema

– 99% der Netzwerker verdienten netto weniger als 10
US Dollar pro Woche

– Die Totalverluste der „Fusssoldaten“ beziffert er auf
rund 5 Milliarden US Dollar pro Jahr

-84% der Kommissionsgelder gingen an 1% der
Netzwerker

-60% aller Netzwerker seien neu rekrutiert was auf
einen hohen „Turnover“ schliessen liesse

– 60-90% der Netzwerker gäben früher oder später auf

Die Konsumenten der Artikel sind nach seinen Feststellungen bei diesen speziellen MLM’s fast ausschliesslich die Netzwerker selbst, es gebe keinen eigentlichen nenneswerten Markt ausserhalb der Netzwerker, was zu immer neuer Rekrutierung von Verkäufer-Konsumenten zwinge.

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Der Netzwerker – und seine Dienste
Der NetzwerkerIn am Fuss der Hierarchie ist in einer Person: Verkäufer, Lagerist, Auslieferer, Berater, Acquisiteur, Werber, Partylöwe.

Die Waschmittel, Zahnpastas und anderes bekommt der NetzwerkerIn von der Firma direkt oder über Distributoren, die eigene Wohnung wird gleichzeitig Lagerraum.

Die Auslieferung der Produkte im eigenen PKW selbstverständlich auf eigene Kosten.

Parties und geselliges Zusammensein mit den potentiellen neuen Netzwerkern, ebenfalls auf eigene Kosten.

„Weiterbildungsmaterial“ der Firmen, gegen Entgelt , also ebenfalls auf eigene Kosten.

Nicht zu vergessen, die regelmässigen Firmenveranstaltungen mit Essen – auch auf eigene Kosten

Und dort geht es bei vielen MLM-Firmen richtig hoch her. Dort treten „erfolgreiche“ Distributoren auf und erzählen der staunenden „Fangemeinde“ wieviel Geld sie gemacht haben, was sie sich jetzt alles leisten konnten, Rolex am Arm, teures Auto vor der Tür, eigenes Haus. Money go!

Es wird eine Hochstimmung erzeugt, wie bei einer Happy- Clapper-Sekte, eine ansteckende Hochstimmung, die den Netzwerker zu weiterer Arbeit antreibt, bis er schliesslich in grosser Zahl das Handtuch wirft.

Eine ganze Reihe von Kommentaren frustrierter ehemaliger Netzwerker, diesmal von der MLM Firma HERBALIFE, findet sich hier

Materieller und immaterieller Schaden
Nun bräuchte uns das nicht weiter zu interessieren, wenn jemand, sagen wir nach einigen Wochen, merkt, es läuft nicht. „Versucht und nicht geklappt“.
Aber das läuft bei vielen MLMs mit Verkäufergewinnung leider nicht so. Der Schaden sowohl emotional wie finanziell ist nicht selten beträchtlich.

Neben den finanziellen Verlusten gehen durch die Verdinglichung der Freundschaftsbeziehungen nicht selten auch auch lange Freundschaften in die Brüche, und der Netzwerker, der ein Jahr oder noch länger dranbleibt, getrieben von dem Ehrgeiz es irgendwie zu schaffen, wird verständlicherweise versuchen, Druck auf seine Freunde auszuüben, seine Freundschaften nur auf den Gesichtspunkt der Nützlichkeit für sein Geschäft reduzieren. Und er wird, nachdem er viel Zeit und Aufwand in dieses „Unternehmen“ gesteckt hat, finanziell ebenfalls schlechter dastehen:. Geld weg, Freundschaft weg, Hoffnung weg.

Dies beschreibt ausführlich Eric Scheibeler in seinem Buch „Merchants of Deception“.

Und Eric Scheibeler war nicht jemand, der irgendwo unten es mal versucht hat. Nein, er hatte es in der Hierarchie der MLM Firma AMWAY weit nach oben gebracht, bis zum „Emerald-Dealer“. Nach 10 Jahren seiner Mitwirkung bei Amway stieg er schliesslich aus und fasste seine betrüblichen Erfahrungen in Buchform zusammen.

Was nach einem Ausstieg bleibt ist oftmals, neben dem Verlust von Freundschaften, das Gefühl des persönlichen Versagens, mit dem der Netzwerker alleingelassen ist.
Ein Versagensgefühl, dass sich aufpfropft auf das durch Arbeitslosigkeit und die vielen erfolglosen Bewerbungen oftmals ohnehin schon angeschlagene Selbstwertgefühl.

MLM global
Auch in Ländern der Dritten Welt sind diese Firmen mittlerweile aktiv, beispielsweise hier in Botswana.
So konnte ich feststellen, dass eine ganze Reihe von Aerzten und Krankenschwestern versuchen, sich damit ein Nebeneinkommen zu verschaffen.
Im Jahre 2005 brachte die lokale Wochenzeitung „Sunday Standard“ einen investigativen Bericht darüber.

Dabei kommt in diesen Ländern noch dazu, dass diese Produkte nicht nur teuer sind, sondern mit den knappen Devisen importiert werden, und in diesen Ländern Produkte wie Wasch- und Reinigungsmittel oftmals lokal produziert werden, für die daher nicht die knappen Devisen ausgegeben werden müssen.

E-Mail avonpaleske@yahoo.de

Unkategorisiert

Forschungsschiff Polarstern auf umstrittener Forschungsreise

Dr. Alexander von Paleske – Das deutsche Forschungsschiff Polarstern befindet sich zur Zeit auf einer Forschungsreise zu einem Seegebiet zwischen Argentinien und der Antarktis.

An Bord: 50 Wissenschaftler aus Deutschland, Indien, Italien, Chile, Frankreich und Grossbritannien.

Ausserdem: 20 Tonnen Düngemittel. Die sollen in dem vorgesehenen Seegebiet ins Meer gekippt werden.
Bei den Düngemitteln soll es sich u.a. um Eisensulfat handeln.

Name der Mission: LOHAFEX.

Ziel der Mission: Das Phytoplankton/Algenwachstum anzuregen, um zu sehen, ob dies dann als Fänger für Kohlendioxid aus der Atmosphäre dienen kann.

In der vergangenen Woche machte das Schiff in Kapstadt/Südafrika fest, der letzten Station vor dem „Experiment“ das nach Angaben von Umweltgruppen unvorhersehbare Folgen haben koennte.

Sie behaupten, wie die südafrikanische Sonntagszeitung „Sunday Times“ heute meldet, dass das ganze Forschungsvorhaben einen Verstoss gegen das Verbot der Meerdüngung darstellt, eine UN Konvention, die ironischerweise unter der Federführung Deutschlands im Mai 2008 abgeschlossen wurde.

Südafrika sollte Auslaufen verhindern
Das African Centre for Biosafety in Johannesburg bat deshalb den Umweltminister Südafrikas, Marthinus van Schalkwyk, das Auslaufen des Schiffes zu verhindern. Vergeblich, da die Experimente ausserhalb der Hoheitsgewässer Südafrikas durchgeführt werden sollen.

David Santillo von Greenpeace International bemerkte:

„There is a huge danger, we are facing, … as a global
society we put our faith in something, that is at best
speculative and at worst highly damaging to Oceans
Ecosystems”

Das Deutsche Umweltministerium hatte keine Einwände erhoben, wie NatureNews berichtet.

Selbst wenn dieses Experiment keinen Schaden anrichtet, was keineswegs sicher ist, dann gibt es gleichwohl nur zwei Wege, die CO2 Belastung herunterzufahren, nämlich einerseits den Ausstoss drastisch zu verringern und andererseits der weltweiten Rodung der Regenwälder in Lateinamerika, Afrika und Asien Einhalt zu gebieten.

Die Ozeane in ein Algenmeer zu verwandeln dürfte sicher keine Alternative sein.

E-Mail apaleske@gov.bw

Unkategorisiert

Kurzer Prozess für den Klatten-Gigolo?

Dr. Alexander von Paleske – In den nächsten Wochen steht der Strafprozess gegen den Gigolo Helg Sgarbi an. Der vorbestrafte Charmeur soll angeblich die Quandt-Erbin Susanne Klatten – und nicht nur sie – erfolgreich um viel Geld erleichtert haben. Dabei sei Sgarbi angeblich teils erpresserisch, teils betrügerisch vorgegangen.

Die Presse wartet schon ungeduldig auf diesen Prozess. Denn hier treten die Quandt-Erbin und ihr Gigolo nicht miteinander sondern eher gegeneinander auf. Der Gigolo als Angeklagter, Susanne Klatten nebst anderen, ebenfalls betroffenen Damen, als Zeugen.

Oder auch nicht, denn hier könnte etwas beginnen, was sich in Großverfahren oftmals eingebürgert hat und in der bundesdeutschen Strafprozessodnung überhaupt nicht vorgesehen ist: Ein Geschachere ausserhalb der Hauptverhandlung also der Handel Geständnis oder Teilgeständnis gegen einen ordentlichen Strafrabatt.

„Im Namen des Volkes“
Der Hauptverhandlung ist der Ort, wo öffentlich verhandelt wird. Nach Feststellung der Anwesenheit der Prozessbeteiligten wird die Anklageschrift vom Staatsanwalt verlesen, gefolgt von dem Recht des Angeklagten, sich zu dem Anklagevorwurf zu äußern – oder eben auch nicht. Anschließend folgt die Beweisaufnahme.

Schließlich stehen dann die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, gefolgt vom letzten Wort des Angeklagten auf dem Plan, bevor das Gericht aufgrund des Ergebnisses der Hauptverhandlung – und nur aufgrund des Ergebnisses der Hauptverhandlung – nach Beratung ein Urteil verkündet: Im Namen des Volkes.

Damit entspricht der Strafprozess den Anforderungen der Rechtsstaatlichkeit. Ein Verfahren, das in der bürgerlichen Revolution erkämpft wurde, denn bis dato gab es nur Geheimprozesse. Das Volk sollte im Strafverfahren vertreten sein, durch Laienrichter oder Geschworene, auch Schöffen genannt. .Abgesehen vom Schöffengericht spielen Laienrichter heute in Deutschland allerdings nur eine Statistenrolle, weil sie in den großen Strafkammern am Landgericht – also dort, wo Kapitalverbrechen abgehandelt werden – gegenüber den Berufsrichtern in der Minderheit sind.

Etwas ausserhalb der Strafprozessordnung
Mittlerweile gibt es allerdings eine weitere Bühne, die von der Strafprozessordnung überhaupt nicht vorgesehen ist. Eine Öffentlichkeit gibt es dabei nicht: Mal verhandelt man am Telefon, oder man“ trifft sich beim Bier. Auch das Dienstzimmer eines Richters kann zum Verhandlungsort werden, wo mal der Staatsanwalt mal der Verteidiger oder beide zusammen den Richter treffen und sich mit ihm besprechen.

Dort geht es dann allerdings nicht unbedingt so zu, wie es vor Gericht zugehen sollte, vielmehr wird hier nichtöffentlich gehandelt wie auf einem orientalischen Basar. Eine Perversion des Begriffs der Hauptverhandlung und des Prinzips der Öffentlichkeit und der Beratung aufgrund des Ergebnisses der Hauptverhandlung.

„Geschachere“ kein Ausnahmefall
Gleichwohl wird mehr und mehr gerade in Großverfahren darauf zurückgegriffen, wo ansonsten Dutzende von Zeugen und Sachverständige zu hören sein müssten und sich das Gericht oftmals durch unzählige Aktenordner durcharbeiten müsste.

Eine solche Durcharbeitung ist natürlich sehr anstrengend, dennoch aber zwingend notwendig. Denn die Öffentlichkeit hat nun einmal einen Anspruch auf eine Offenlegung des Sachverhalts, der zur Anklage geführt hat. Gerade das Beispiel des Atomschmugglers Gotthard Lerch, über den wir hier bereits berichtet haben, zeigt sich in aller Deutlichkeit, dass juristische „Kungeleien“ nicht der Ausweg sein können.
Lerch, der offenbar über Jahrzehnte in das Atomschmuggelnetzwerk des Vaters der pakistanischen Atombombe, Abdul Quadeer Khan verwickelt war und dabei offenbar Millionen verdiente, kam mit einer vergleichsweise milden Strafe nach einem ausgehandelten Gestaendnis davon, die dann auch noch zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Peinlichkeitsvermeidung als Verhandlungsgrundlage
Geständnisse eines Angeklagten werden vom Gericht zwar als Strafmilderungsgrund bei der Strafzumessung berücksichtigt . Es muss jedoch freiwillig geschehen. Hier jedoch werden Geständnisse oftmals gegen Strafrabatte gehandelt, teils innerhalb, teils außerhalb der Hauptverhandlung. Denn ein Geständnis enthebt das Gericht weitgehend von einer aufwändigen Beweisaufnahme.

Hinzu kommt bei derartigen Deals im Regelfall noch der so genannte Rechtsmittelverzicht seitens Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Dies bedeutet, dass das Urteil knapp und kurz abgefasst werden kann. Eine erhebliche Arbeitserleichterung für den berichterstattenden Richter also. Und: Eine Revision beim Bundesgerichtshof mit dem Risiko der Aufhebung des Urteils und einer Neuverhandlung findet dann auch nicht mehr statt.

Im Fall Susanne Klatten geht es aber nicht um ein Mammutverfahren mit Dutzenden von Zeugen, sondern um Peinlichkeiten. Das Gericht dürfte deshalb wohl wenig oder kein Interesse daran haben, Susanne Klatten persönlich erscheinen zu lassen und damit dann auch einer Befragung durch den Verteidiger des Angeklagten, dem Frankfurter Rechtsanwalt Egon J. Geis, auszusetzen. Also: Peinlichkeitsvermeidung als Geschäftsgrundlage für einen Deal über Strafrabatt?

Ein Staranwalt aus Frankfurt
Egon J. Geis (77) war seit Anfang der 60er Jahre in Frankfurt als Anwalt niedergelassen. Er startete in einem NS Verfahren gegen einen SS- Mann namens Georg Heuser, ein Mann dem es trotz seiner einschlägigen SS-Vergangenheit gelingen konnte, nach dem Krieg im Polizeidienst wieder ganz nach oben zu kommen.

Durchschlagend bekannt wurde Geis jedoch, als er einen ehemaligen Gesandten des NS-Staates in Sofia, Adolf Beckerle, im Jahre 1968 verteidigte. Beckerle war wegen Beihilfe zum Mord an 11.000 Juden angeklagt, die im Jahre 1943 aus Bulgarien in das KZ Treblinka verbracht worden waren.

Im Jahre 1968 residierte im Palais Schaumburg in Bonn Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger, ebenfalls ein ehemaliger NS-Parteigenosse, den Egon Geis damals gerne als Zeuge vor Gericht befragen wollte. Doch dies lehnte das Schwurgericht Frankfurt ab, woraufhin Egon Geis unter Berufung auf Paragraph 220 der Strafprozessordnung den Bundeskanzler selbst als Zeugen vorlud.

Dieses Prozedere erzeugte damals bundesweit ähnlich großes Aufsehen, wie die Ohrfeige, die Beate Klarsfeld dem damaligen Bundeskanzler verpasste und in deren Verfahren neben dem EX-NPDler und EX-RAFler Rechtsanwalt Horst Mahler eben auch Egon J. Geis als Verteidiger von Frau Klarsfeld auftrat.

Ich selbst hatte seinerzeit das Vergnügen, in einem Strafprozess – damals als Anwalt – vertretungsweise zusammen mit Geis zu verteidigen und konnte feststellen, mit welcher Ausdauer und Penetranz er Zeugen und Sachverständige befragte. Und falls einem der Vorsitzenden Richter einmal ein Wort der Ungeduld aus dem Munde kam, folgte schwupp – ein Ablehnungsantrag wegen Besorgnis der Befangenheit.

Kein Zweifel, Egon Geis verstand und versteht die Strafprozessordnung und deren exzessive Exegese besser als mancher Vorsitzende Richter. Einige Richter in Frankfurt und an anderen Orten lebten in Furcht vor den Sitzungen mit diesem versierten Anwalt.

Seinen höchsten Bekanntheitsgrad hatte Geis in den sechziger -, siebziger – und achtziger Jahren. In den letzten 20 Jahren geriet er dann eher aus dem Rampenlicht.

Ein „Geis- Rabatt“?
Doch Egon Geis ist im Betrugs- und Erpressungsverfahren der Susanne Klatten wohl nicht engagiert worden, um die Zeugin hier mit Akribie und Ausdauer nach den Einzelheiten des gemütlichen Zusammenseins mit ihrem Gigolo zu befragen. Der angebliche Täter Helg Sgarbi spekuliert – so darf vermutet werden – nicht nur auf einen satten Geständnis-Strafrabatt, sondern auch auf einen zusätzlichen Geis-Rabatt, einen Zeugen-Nichtbefragungsrabatt sozusagen.

Denn wenn Geis richtig wirken würde, dann könnte das durchaus deutlich wirken. Also darf man wohl vermuten, dass in München erst einmal die in der Strafprozessordnung nicht vorgesehenen „Basar-Verhandlungen“ stattfinden. Die Positionen dabei wären dann allerdings schon jetzt festgezurrt. Denn bei einem „Deal“ würde es zu einem wahrhaft „kurzen Prozess“ kommen – ohne dass Susanne Klatten sich peinlichen Fragen stellen müsste. Und auch Helg Sgarbi könnte bald wieder das Licht der Freiheit erblicken. Dass dabei auch die Strafprozessordnung auf der Strecke bliebe – wen kümmert‘s?

E-Mail apaleske@gov.bw

Der Fall Susanne Klatten-eine Nachlese
Der Fall Susanne Klatten und die Presse

Krieg

Musharraf let off the hook in Benazir’s murder probe

Hamid Mir – A few days before her assassination, late Benazir Bhutto had told more than six different people that Pervez Musharraf should be held responsible if she was killed. But nobody has asked Musharraf any question in this regard even a year after her murder.

The leadership of the ruling Pakistan People’s Party is of the firm opinion that some powerful elements within the Musharraf regime were part of the conspiracy against Benazir Bhutto.


Benazir Bhutto said that some people within the regime were behind the attack and they will try again to kill her.

She was assassinated on December 27 last year with a sophisticated laser gun but the ruling party has so far failed to identify the killers.

Highly-placed sources in the Pakistan People’s Party say they have no faith in the investigations conducted by Musharraf into the assassination of Benazir Bhutto. The PPP leadership believes that the Interior Ministry’s version, given soon after the tragedy of Liaquat Bagh, is totally fabricated and some suspects arrested in connection with her assassination are just scapegoats.

The PPP leadership thinks that no investigation could be completed without questioning former president Pervez Musharraf and his close associates. But President Asif Ali Zardari has given an assurance to the head of a friendly country that no action will be taken against Musharraf by his government. That is the reason the PPP is depending upon the United Nations for investigation into Benazir Bhutto’s assassination. President Zardari gave this assurance to a powerful king in the presence of Afghan President Hamid Karzai just a few days after the removal of Musharraf.

It is learnt that President Asif Ali Zardari ordered a secret inquiry into the assassination of his wife immediately after becoming the President of Pakistan. Interior Adviser Rehman Malik started collecting important evidence and documents to help the upcoming UN investigations. Some important police officials posted in Rawalpindi last year are under close observation for the last three months. The PPP government wants to know who actually ordered to wash the crime scene within one hour of the incident. It was learnt during the inquiry that the then chief of Rawalpindi Police, Saud Aziz, issued these orders after receiving a phone call from a close associate of Musharraf.

The caretaker interior minister in December 2008, Lt Gen (retd) Hamid Nawaz, was informed by Saud Aziz that he washed the crime scene after securing some important evidence because vultures and crows were gathering around the spot. On the other hand, eyewitnesses say that there were no vultures and crows at the time because it was dark at 6:30 in the evening.

The Interior Ministry is also trying to know why the autopsy of late Benazir Bhutto was not conducted in the Rawalpindi General Hospital. Doctors of the hospital have conveyed to the PPP leadership that they go for autopsy only on the instruction of police but they never got any instructions from the police on December 27 last year. Again, it was DIG Saud Aziz who spoke to Asif Ali Zardari on the night of December 27 at the Chaklala Air Base, Rawalpindi, just a few minutes before a C-130 plane transported the body of Benazir to Larkana. Saud Aziz inquired from Zardari if he wanted the autopsy to be conducted. Zardari told him that the time of autopsy had passed and that they could not go back to hospital for autopsy.

Reliable sources in the government disclosed that it was still possible to nab the assassins of Benazir Bhutto without an autopsy report because there was still a lot of irrefutable evidence against many important personalities associated with Pervez Musharraf. Sources claim that Interior Adviser Rehman Malik himself is the prime witness. He warned Benazir Bhutto in September 2007 in Dubai that she would be killed in Pakistan. Again Benazir told him in November 2007 that “they will kill me”. Only Rehman Malik knows who wanted to kill Benazir.

Rehman Malik was also present in the meeting between the DG ISI Lt Gen Nadeem Taj and Benazir in the wee hours of December 27, 2007 at the Zardari House in Islamabad. Malik told this scribe that Benazir only discussed the political matters with the DG ISI and security issues were not discussed. On the other hand, sources close to the then DG ISI claim that he had warned Benazir about the security threats and had requested her not to appear in public meetings. The next day Rehman Malik expressed concern over the security of Benazir Bhutto and he even exchanged hot words with Naheed Khan on the security issue. Rehman Malik tried to stop Benazir from going to Liaquat Bagh while Naheed Khan wanted Benazir to attend the public meeting. Naheed Khan told this scribe, “I was not aware of Benazir’s meeting with the DG ISI, I was not told what was discussed between the DG ISI and Benazir just a few hours before her assassination.”

Another prime witness could be American journalist Ron Suskind who recently wrote a book “The Way of the World”. It is learnt that Ron Suskind was a confidant of Benazir. He helped her in writing her last book, which was published after her death. He spent some time with Benazir during her election campaign. It was none other than Benazir herself who told him that Musharraf had warned her: “Your security depends upon your relationship with me”. Just a few days before her assassination, Benazir Bhutto told this scribe in Zardari House, Islamabad, that the attack on her procession in Karachi on October 18 was not a suicide attack, it was actually a car bomb but she survived. Benazir Bhutto said that some people within the regime were behind the attack and they will try again to kill her. Benazir said that it was tragic that the people responsible for the murder of her two brothers were still at large but her would-be killers will definitely be punished because her party will be in power. Unfortunately, her killers are still at large despite the fact that her party is in power.

sendenHamid Mir, the author of this article, is a top Pakistani reporter, head of the Geo TV Bureau in Islamabad. He has won a world-wide acclaim for his interviews with Osama bin Laden and Dr. Ayman al-Zawahiri, before and following 9/11. His new book about OBL is due to appear in Britain, later this year.

Krieg

Dollarkrach und Nahost-Krieg

Jürgen Elsässer – Drei Wochen vor dem Amtsantritt des neugewählten US-Präsidenten Barack Obama begann Israel seinen mörderischen Krieg. Damit ist der charismatische Hoffnungsträger mit einer Herausforderung konfrontiert, die ihm auch aus seinem Beraterkreis vorhergesagt worden war. »Passt auf, wir kriegen eine internationale Krise, eine ›gemachte‹ Krise, um den Mut dieses Burschen auf die Probe zu stellen«, sagte Joe Biden, der designierte Vizepräsent des »Burschen« Obama, auf einer Wahlkundgebung im Oktober.

Wenn Biden von einer »gemachten« Krise spricht – wer ist dann im Gaza-Krieg der »Macher«? Man will uns einreden, dies sei die Hamas gewesen, die zu Jahresende den vorherigen Waffenstillstand aufgekündigt habe. Dem kann man ein Zitat des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak zu Kriegsbeginn entgegenhalten: »Unsere Sicherheitskräfte haben sich seit Monaten auf eine solche Operation vorbereitet.« Offensichtlich geschah dies mit Unterstützung der Bush-Administration: Schon im September beschloss sie die Lieferung bunkerbrechender Präzisionswaffen, die sich jetzt, Tod und Vernichtung bringend, in die Keller und Tunnel des Gaza-Streifens bohren. Immer weiter dreht Israel an der Schraube der Gewalt, dass man fast den Eindruck hat, hier sollen Gegenschläge islamischer Staaten regelrecht provoziert werden, bis die ganze Region in Flammen steht.

Warum unterstützt Washington dieses Spiel mit dem Feuer? Ist an der Studie der RAND-Corporation, die im Oktober aus französischen und chinesischen Quellen durchsickerte, aber von dem Thinktank selbst dementiert wurde, doch etwas dran, dass die USA einen »größeren Krieg« bräuchten, um eine Rezession abzuwenden? Erinnerungen werden wach an die frühen 70er Jahre. Damals verschuldeten sich die USA in Folge des Vietnamkrieges so sehr, dass Präsident Nixon 1971 die Golddeckung des Dollars abrupt aufhob. Die folgende Entwertung des Greenback reduzierte die Außenstände der USA, aber untergrub seine Stellung als Weltgeld.

Erst der israelisch-arabische Jom-Kippur-Krieg 1973 und der folgende Öl-Boykott der OPEC stabilisierte den Hegemon wieder: Der um 400 Prozent steigende Ölpreis belastete zwar weltweit die Industriestaaten, nützte aber den »sieben Schwestern« des angloamerikanischen Öl-Business, die die OPEC-Exporte vermarkteten. Vor allem: Die durch radikale Kämpfer bedrohten Scheichtümer am Golf, allen voran Saudi-Arabien, schlossen sich enger um die USA zusammen und pumpten ihre Petrodollars in die Banken von New York und London. Weiterhin garantierten sie, ihre Ölexporte nur in Dollar zu fakturieren. Dies zwingt alle anderen Staaten bis heute zum Umtausch ihrer Währungen in Dollar, um Energielieferungen einzukaufen.

Wurde der Jom-Kippur-Krieg, der mit einem Angriff Ägyptens und Syriens begann, vom damaligen US-Außenminister Henry Kissinger provoziert, indem er beiden Seiten anstachelnde Informationen zuspielte? Dies behauptet William Engdahl in seinem Buch »Mit der Ölwaffe zur Weltmacht«, das vom damaligen saudischen Energieminister Zaki Jamani als »einzige zutreffende Darstellung« der Ereignisse von 1973 gelobt wird. Zu viel Verschwörungstheorie? Fakt ist immerhin, dass Kissinger und seine Finanzfreunde den Jom-Kippur-Krieg gut zu nutzen wussten.

Nun wiederholt sich die damalige Dollarkrise auf höherer Stufe. Die US-Verschuldung explodiert, die Notenpresse rotiert in immer schnelleren Umdrehungen. Den Kollaps der US-Währung könnte verhindern, wenn das Öl trotz Rezession wieder teurer und der Profit im US-Bankensystem angelegt würde.

Deswegen gaben die Petro-Strategen um US-Vizepräsident Dick Cheney offensichtlich dem israelischen Premier Ehud Olmert bei seinem Besuch in Washington im Dezember grünes Licht zur Entfesselung eines Krieges, bevor Obama ans Ruder kommt. Tatsächlich stieg der Fasspreis mit den ersten Toten in Gaza von 32 auf 48 Dollar. Kannte Biden diese Pläne, als er den »Burschen« warnte?

Erstpublizierung: Neues Deutschland, 08.01.2009

linkJürgen Elsässer

best1
“Terrorziel Europa”: Westliche Geheimdienste sind in sämtliche Terroranschläge in Europa der letzten Jahre involviert.

Jürgen Elsässer spricht u.a. zu diesem Thema auf der Veranstaltung der VOLKSINITIATIVE: Weltwirtschaftskrise: Versagen die Linken? Was ist zu tun? am Samstag, 10. Januar, 20.30 Uhr, Berlin-Kreuzberg, Wirthaus „Max und Moritz“, Oranienstr. 162

medien

Colin Freeman free!

BOSASSO, Somalia, Jan 4 (Reuters) – Somali kidnappers have freed two journalists, Briton Colin Freeman and Spanish photographer Jose Cendon, a government official said on Sunday.

„The two European journalists were freed and they are now in a hotel in Bosasso, Puntland,“ said Muse Gelle Yusuf, a regional governor of Bari in the semi-autonomous northern Puntland area.

Whiskey Tango Foxtrot: Telegraph Coddles Meo, Maintains Radio Silence on Freeman

afrika

Finanz- und Wirtschaftskrise trifft Länder der Dritten Welt

Dr. Alexander von Paleske – 6.1. 2009 — Vorige Woche kam eine junge Patientin ziemlich bedrückt im meine Krebsambulanz.
Sie arbeitet als Diamantenschleiferin. Sie ist mit ihren Kolleginnen vorerst in Urlaub geschickt worden. Es gibt zur Zeit keine Arbeit, denn der Absatz von Diamanten ist eingebrochen. Das sind besonders schlechte Nachrichten für Botswana, dessen Hauptexport Diamanten sind.

Gemessen an afrikanischen Standards haben sie dem Land einigen Wohlstand beschert. Das Land muss darüber hinaus den größten Teil des täglichen Bedarfs einführen, vorwiegend aus Südafrika. Und dafür benötigt es Devisen.

Rohstoffpreise im freien Fall
Auch die Preise für andere Rohstoffe, die in Botswana gefördert werden, sind eingebrochen. Vor allem Nickel, dessen Produktion sich kaum noch rentiert.

Der Finanzminister Botswanas, Baledzi Gaolathe, stellte dazu im Parlament kürzlich fest:

„For Botswana the impact of the recent financial crisis will be substantial with serious implications for the country. The main risk to our economy comes from the crisis on the mineral exports , in particular our diamond sales, which started to fall significantly in November 2008. In addition there has been a sharp decline in commodity prices in the past three months.“

Der freie Fall der Rohstoffpreise, – der Preis für Nickel hatte sich in dem Zeitraum von August bis November diesen Jahres glatt halbiert – würde erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die Staatseinnahmen haben, führte Gaolathe weiter aus.

Auch Staatspräsident Ian Khama wies in seiner Weihnachts- und Neujahrsbotschaft auf die bitteren Konsequenzen hin, die sich aus dem Fall der Rohstoffpreise für sein Land ergeben.

So müssen Länder der Dritten Welt die Konsequenzen der Weltfinanzkrise mittragen, ohne selbst in irgendeiner Weise Verursacher zu sein.

Kein Ende in Sicht
Dabei steht noch gar nicht fest, wie lange diese Krise noch andauern wird. Der weltgrößte Versicherungskonzern AIG, der Dank schwunghaften Handels mit den Zockerpapieren Swaps vor dem AUS stand und nun aufgrund einer Finanzspritze der US-Regierung in Höhe von 60 Milliarden US Dollar möglicherweise überleben kann, soll ein weiteres Finanzloch in Höhe von 30 Milliarden Dollar entdeckt haben. Wiederum bei Swaps, diesmal auf europäische Firmenkredite. Und auch dies dürfte noch nicht das Ende der Entdeckungsreise weiterer, großer Finanzlöcher darstellen.

Mittlerweile übersteigen die Kreditausfälle bei den Banken die Abschreibungen auf Wertpapiere. Ein klares Anzeichen, dass die Finanzkrise jetzt vollends zu einer zusätzlichen schweren Wirtschaftskrise geworden ist.

Damit stimmt auch die Einschätzung der meisten amerikanischen Ökonomen hinsichtlich der Wirtschaftskrise in den USA überein, wie die ZEIT am 17.12. berichtete. Demnach soll das Schlimmste erst noch kommen, nämlich Massenpleiten und Massenarbeitslosigkeit.

Derweil melden sich in den USA bereits Kritiker zu Wort, welche die den Banken zur Verfügung gestellten Milliardensummen in Hinblick auf das Fortschreiten der Finanz-und Wirtschaftskrise als wirkungslos bezeichnen. Hinter den Zuwendungen habe keinerlei Konzept gestanden.

Keine guten Aussichten, auch nicht für Botswana.

E-Mail avpaleske@botsnet.bw

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Nachruf auf das liberale Gewissen Südafrikas – Helen Suzman gestorben

Dr. Alexander von Paleske – Gestern starb im Alter von 91 Jahren Helen Suzman, während der Apartheidzeit das liberale Gewissen Südafrikas genannt. Gegen Ungerechtigkeit und Rassenwahn hatte sie ihr ganzes Leben lang gekämpft. .

Von der Universität ins Parlament
Als Tochter eines jüdischen Immigranten aus Litauen, der in Südafrika zu Wohlstand gekommen war, studierte Helen Suzman an der Witwatersrand Universität, allgemein „Wits“ genannt und wurde nach Abschluss ihres Studiums dort Dozentin.

Politisch fühlte sie sich verbunden mit der United Party des Generals Jan Smuts, der Südafrika an der Seite Englands im Kampf gegen Adolf Hitler in den zweiten Weltkrieg führte und dessen Truppen entscheidenden Anteil an der Niederlage von Rommels Afrikacorps 1942 in El Alamein hatten: der ersten großen Niederlage Hitlerdeutschlands noch vor Stalingrad. Doch Jan Smuts verlor die Wahl 1948 und es kamen die Nationalisten mit ihrer Apartheidspolitik unter D.F. Malan ans Ruder. Helen Suzmans erste Reaktion darauf war, eine Auswanderung ins Auge zu fassen, da sie mit mindestens 40 Jahren Alptraum rechnete und damit ziemlich richtig lag.

Ab 1953 Abgeordnete
Ihr Mann, Moses Suzman, ein Arzt, den sie mit 20 Jahren geheiratet hatte, lehnte ab und so entschloss sie sich, etwas gegen diese Regierung zu unternehmen und kam 1953 als Abgeordnete der Oppositionspartei ins Parlament. Dort sollte sie bis zum Jahre 1989 auf der Bank der Opposition bleiben. Von 1961 bis 1974 ganz allein und immer wieder die Stimme erheben, gegen Apartheid und Ungerechtigkeit und für die Menschenrechte. Unbarmherzig und mutig geißelte sie die Taten der Regierung. Sie kämpfte gegen die Todesstrafe, als Südafrika Weltmeister in Sachen Hinrichtung war und sie ging in die Townships und die Gefängnisse.

Besuch auf Robben Island
1967 besuchte sie erstmals Robben Island. Die Gefangenen dort, unter ihnen die Führungsspitze des ANC mit Mandela, Sisulu und Mbeki, hatten ganz besonders unter einem sadistischen Aufseher namens van Rensburg zu leiden, der regelmäßig neben das Essen der Gefangenen urinierte und sich einen Spaß daraus machte, die Gefangenen wo er nur konnte zu schikanieren. Seine Arme zierten Tätowierungen mit Hakenkreuzen. Helen Suzmans Besuch hatte immerhin die Ablösung van Rensburgs sowie kleinere Erleichterungen zur Folge.

Ombudsmann der Stimmrechtlosen
Sie wurde zu einer Art Ombudsmann für all die Menschen, die kein Stimmrecht und daher auch keinen Abgeordneten hatten. Die verzweifelten Hilferufe, die täglich auf ihren Schreibtisch landeten, nannte sie „die Ernte der Apartheidsaat“. Manchmal konnte sie helfen, oftmals jedoch nicht.

Als Steve Biko ermordet wurde und Polizeiminister Jimmy Kruger erklärte, dass ihn der Tod Bikos „kalt lasse“, da äußerte sie im Parlament: „The world is not going to forget the Biko affair and we will not forget it either“.

1989 schied sie aus dem Parlament aus und bedauerte, dass sie ein Jahr später nicht dabei war, als alle Gesetze, die sie jahrzehntelang bekämpft hatte, allesamt aufgehoben wurden. In ihrem letzten Antrag im Parlament hatte sie die Ablösung eines Richters gefordert. Dieser hatte eine lächerliche Strafe gegen einen weißen Farmer verhängt, der zwei seiner schwarzen Arbeiter zu Tode geprügelt hatte.

Im Jahre 1997 verlieh ihr Staatspräsident Nelson Mandela den goldenen Verdienstorden Südafrikas. Insgesamt wurden Helen Suzman 27 Ehrendoktorwürden verliehen, darunter von Harvard, Oxford, Cambridge, Columbia und Yale. Ihre Stimme zeugte von tiefster Menschlichkeit und Mut, die nicht aufhörte, sich zu Wort zu melden.

In ihrem letzten grossen Interview anlässlich ihres 90. Geburtstags griff sie unbarmherzig die Politik des inzwischen zurückgetretenen Präsidenten Thabo Mbeki in Sachen AIDS, Kriminalität und Simbabwe an.

E-Mail apaleske@gov.bw

SATIRE

Tratschundlaber

Sonja Wenger – Ach nee, echt, das schnarcht an! Da waren es nun doch so viele von uns gewesen, die vor einem Jahr vor dem Fernseher sassen und ob Christoph Blochers Abgang jubelten. Und jetzt war er schon wieder Dauergast auf den Titelseiten – sogar bei jenen Medien, die ihm nicht gehören. Dabei versuchte er uns einmal mehr, seine widerliche «Demutshaltung, die den Machtanspruch kaschiert», wie es «Die Wochenzeitung» ausdrückte, unterzujubeln.

Dass er dadurch die wahren Brennpunkte dieser Tage verdrängte, ist dem Möchtegern-Volkstribun natürlich wurscht.

Wenn man bedenkt, dass sogar die «R&B-Goldkehle» Rihanna zwischen zwei Gucci-Werbeplakaten blickt, worum es geht, und dafür im «SI Style» zitiert wird mit «Auch ich mache mir Gedanken über das Elend auf der Welt», dann aber hui! Und weitere Anzeichen für einen drohenden Logikkollaps gibt es auch anderswo zuhauf:


Bauchnabel oder nicht? interessanter als die «United Bandits of Switzerland»

Während die durch «20 Minuten» repräsentierte Medienwelt über einen fehlenden Bauchnabel des Topmodels Karolina Kurkova debattiert, droht mal kurz die «United Bandits of Switzerland» UBS hopps zu gehen.

Während Schauspielerin Kate Winslet im neuen US-Heftchen «Vanity Fair» winseln darf, wie «fett» und entsprechend erfolglos sie früher gewesen sei – droht die unterlegene US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin der Welt mit einer neuen Kandidatur fürs Jahr 2012.


2012 – Das Jahr in dem die Prophzeihungen enden, will Palin wieder in Stellung gehen.

Während die nächste Ladung Mädels für die vierte Staffel von Heidi Klums «Germany’s Next Topmodel» ab 10. Dezember zum Casting antraben darf – drohen uns im Berner Bundeshaus am gleichen Tag herzzerreissende Szenen. Und während der spanische Zeichner El Roto die Schönheitschirurgie als «Burka des Westens» bezeichnet – drohen Millionen Frauen dieser Welt, wie ein gutes Dutzend Supermodels aussehen zu wollen.

Wird also die Welt vor die Hunde gehen? Vermutlich. Zumindest solange, wie der «Blick» weiterhin ungestraft über die Unterhosenwerbung des Mister Schweiz «staunt», weiter nach dem «Schnügel des Tages» sucht, weiter im unsäglichen «Erotischen Tagebuch» solch literarische Ergüsse wie «kullernde Busen» verbreitet und auch noch weiss, dass die britische Girlband Sugababes aus «drei Zuckerpuppen und jede Menge Fleisch» besteht. Aber Englisch ist halt Glücksache.

Apropos Ergüsse: Nun wird auch im neuen «Friday» ungehemmt der Hohlheit und der Selbstbeweihräucherung gehuldigt. Doch sollten wir nicht vergessen, zwischen der Pastell-Diktatur der Banalität und dem endlosen Streben in die VIP-Lounge von Weiss-der-Geier-welcher-Club-gerade-in-Ist, auf http://www.youtube.com die Stichworte «Palin + Turkey» einzugeben. «It’s time for a change. »