afrika

Rebellenführer Bosco Ntaganda in Den Haag – Das „Bauernopfer“ des ruandischen Präsidenten Paul Kagame

Dr. Alexander von Paleske — 23.3. 2013 —
„Bosco Ntaganda in den Niederlanden eingetroffen“, meldeten die Medien heute. Der Tutsi-Offizier, aus Ruanda stammend, war vor wenigen Tagen in die Botschaft der USA in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, „geflüchtet“. Er soll an unzähligen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) beteiligt gewesen sein.
Darunter:

– Rekrutierung von Kindersoldaten

– Verschleppung von Frauen zur Sexsklaverei

– Erschiessungen

– Massaker an 150 Menschen im Jahre 2008.

Nun soll ihm vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag der Prozess gemacht werden.


Bosco Ntaganda
Screenshot: Dr. v. Paleske

Im Auftrag Ruandas
Wir haben mehrfach über diesen Rebellenführer berichtet, der im Auftrag der ruandischen Regierung den Rohstofftransport vom Ostkongo nach Ruanda organisierte und die Bevölkerung des Ostkongo terrorisierte.

Im Rahmen eines Friedensabkommens im Jahre 2009 wurde er in die kongolesische Armee mit seinem Tutsi-Rebellen integriert, stand aber nach wie vor auch unter der Direktive der ruandischen Regierung.

Als der Internationale Gerichtshof 2006 einen Haftbefehl erliess, und der Chefankläger die Auslieferung Ntagandas von der kongolesischen Regierung verlangte, kooperierte diese schliesslich und setzte Ntaganda ab. Der rebellierte erneut, und schuf die „Bewegung des 23 März“ (M23) die in Deutschland publizistisch von der Tageszeitung (TAZ) unterstützt wurde.

Bosco Ntaganda hielt sich bei dem im vergangenen Jahr folgenden blutigen Rebellen- Marsch auf die ostkongolesische Provinzhauptstadt Goma, der wieder eine grosse Flüchtlingswelle auslöste, im Hintergrund. Stattdessen rückte sein Stellvertreter Sultani Makenga in den Vordergrund.

Die westlichen Geberländer und afrikanische Nachbarn hatten angesichts der Flüchtlingswelle die Geduld mit Ruandas Präsidenten Kagame verloren: Bereits zugesagte Entwicklunghilfe wurde eingefroren, und auch der treueste Verbündete Ruandas, die USA, machten Druck. Kagame war gezwungen, mit den Anrainerstaaten und Südafrika im Februar 2013 ein Friedensabkommen zu unterzeichnen, das auch ein Ende der Unterstützung der Tutsi-Rebellen durch Ruanda und Uganda vorsieht.

Um offenbar seinen Ruf aufzupolieren, liess Kagame den Rebellenführer jetzt fallen – ein Bauernopfer – obgleich dieser mit ihm bereits 1994 bei der Niederschlagung der massakrierenden Hutus in Ruanda Seite an Seite gekämpft hatte.

Ob Ntaganda dem jetzt abgeschlossenen Friedensvertrag wirklich im Wege stand, wie in den Medien berichtet, darf bezweifelt werden.

Im niederländischen Gefängnis wird Ntanganda einen alten Bekannten wiedertreffen, seinen führeren Tutsi-Rebellen-Vorgesetzten Thomas Lubanga. Der wurde bereits im vergangenen Jahr wegen Kriegsverbrechen verurteilt.

Der neue Kommandeur: ein wegen Kriegsverbrechen Angeschuldigter
Das Kommando über den Tutsi- Rebellenhaufen führt jetzt Sultani Makenga, und der sichert den ungehinderten Rohstofftransport nach Ruanda, während Ruandas Präsident Paul Kagame weiter darauf wartet, die Annexionspläne umzusetzen.

Makenga steht bereits auf einer UN Sanktionsliste wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten.
Die UN Menschenrechtsbeauftragte Navanetham Pillay beschuldigt Makenga ebenfalls schwerer Verbrechen gegen die Bevölkerung.


Rebellenführer Oberst Sultani Makenga …beschuldigt, Kriegsverbrechen begangen zu haben Screenshot: Dr. v. Paleske

Der Weltsicherheitsrat und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßten die Überstellung Ntagandas:

Man werte dies als positiven Schritt sowohl für die internationale Strafjustiz wie auch in Richtung der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit im Osten der Demokratischen Republik Kongo“.

Der Friedensoptimismus ist angesichts der bisherigen Erfahrungen wohl kaum gerechtfertigt.

Zum Ostkongo
Frieden im Ost-Kongo?
Ostkongo (DRC): Vorübergehende Waffenruhe im langen Krieg
Ruandas Paul Kagame greift nach dem Ost-Kongo – Der Dritte Kongokrieg hat begonnen
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Der vergessene Krieg im Osten des Kongo
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Die Kongo-Plünderer
Reichtum, Armut, Krieg – Demokratische Republik Kongo
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Im Interview: Sir Ketumile Masire zur Lage im Kongo
Kongo: Warlord Laurent Nkunda benennt „Kriegsziele“
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Zu Ruanda
linkDemokratie bleibt ein Fremdwort in Ruanda.

Zu Uganda
linkUgandas Ölfunde: Söldner fördern es, die Amerikaner kaufen es.

Misshandlungen

Neugeborenen-Wegnahme in Australien und späte Entschuldigung der Regierung

Dr. Alexander von Paleske —- 22.3.2013 —
Die australische Regierung entschuldigte sich gestern: Kaum auf der Welt, wurden Säuglinge unverheirateten, meist jungen Müttern entrissen und zur Adoption freigegeben, über Jahrzehnte. Eine Praxis, die erst vor 30 Jahren ein Ende fand.

Nach Berichten der britischen BBC soll es sich um rund 300.000 Fälle gehandelt haben.

Nun hat sich die australischen Premierministerin Julia Gillard gestern zu einer Entschuldigung durchgerungen. Die war allerdings längst überfällig.


Julia Gillard ……..gestern Entschuldigung.
Screenshot: Dr. v. Paleske


Betroffene Mütter bei der gestrigen Entschuldigung
Screenshot: Dr. v. Paleske

Erfahrung in Entschuldigungen
Mittlerweile haben australische Regierungen einige Erfahrung in Sachen Entschuldigung: die Kindswegnahme war keineswegs auf weisse ledige Mütter beschränkt. Kindswegnahme ohne anschliessende Adoption (stolen generations)stattdessen Heimeinweisung von Kindern der Aborigines (Ureinwohner) Australiens – zusätzlich zur gesundheitlichen Vernachlässigung, die immer noch andauert und zur Landwegnahme – waren an der Tagesordnung, über Jahrzehnte. Auch dafür musste sich die australische Regierung – reichlich spät – entschuldigen,

– ebenso für die Mishandlungen von britischen Kindern in australischen Heimen („oranges and sunshine“)

– ebenso für die schäbige Behandlung des Spitzensportlers Peter Norman, der bei den olympischen Spielen in Mexiko 1968 gegen den Rassismus mit aufgetreten war.

Wir hatten bereits vor einem Jahr über diesen australischen Adoptionsskandal berichtet, aber nicht vergessen, auf die Misshandlungen an Kindern und Jugendlichen in der übrigen sogenannten „zivilisierten“ Welt hinzuweisen:

– In der Schweiz die Verdingkinder

– In Grossbritannien die Kinder-Zwangsverschickung nach Australien („oranges and sunshine“)

– In Österreich die menschenverachtenden medizinischen Experimente an Heimkindern

– In den Niederlanden der sexuelle Missbrauch und die Zwangskastrationen

– In Deutschland medikamentöse Ruhigstellung von Heimkindern

– In Irland die Misshandlungen von Jugendlichen in den Magdalene Laundries

Nicht zu vergessen: der sexuelle Missbrauch in Schulen und Internaten auch in Deutschland.

Allen gemeinsam ist, dass diese unzivilisierte, menschenverachtende Behandlung bis in die 70er Jahre – teilweise noch länger – andauerte, und dass viele der Opfer – anders als die straffreien Täter – häufig lebenslang psychische Schäden davontrugen.

Für viele Opfer fehlt bis heute immer noch selbst die Entschuldigung der Verantwortlichen..

Menschenversuche, Zwangsadoptionen und Zwangskastrationen: Schreckensberichte aus der „zivilisierten Welt“ mehren sich
Irische Regierung akzeptiert staatliche Mitschuld bei der Versklavung und Zwangsarbeit von rund 30.000 irischen Frauen in den Jahren 1922 – 1996
Verdingkinder – Oder: Wie die Schweiz Kinder ihren Eltern wegnahm und versklavte
Oranges and Sunshine – oder: verlorene Kindheit. Schockierende Kinderemigration aus England

Zu den Missbrauchsfällen in Deutschland
Die Presse und die Missbrauchsfälle in Schulen und Internaten

Zu dem Spitzensportler Peter Norman
Australien: Debatte im Parlament über eine Entschuldigung, die viel zu spät kommt

kriminalitaet

Ehemaliger Berliner Generalstaatsanwalt zum „Strafprozess-Deal-Urteil“ des Bundesverfassungsgerichts

Dr. Alexander von Paleske — 20.3. 2013 —-
Das Bundesverfassungsgericht entschied gestern, dass die jetzige Praxis der informellen Prozessabsprachen ein Verstoss gegen § 257c Strafprozessordnung (StPO) und das Rechtsstaatsprinzip, und somit rechts- und verfassungswidrig ist.

Ich bat den ehemaligen Generalstaatsanwalt von Berlin, Dr. Hansjürgen Karge, um eine Stellungnahme zu dem Urteil:

Dr. v. Paleske
Herr Dr. Karge, das Bundesverfassungsgericht entschied gestern, dass „informelle“ Prozessabsprachen in Strafprozessen ein Verstoss gegen § 257c Strafprozessordnung (StPO) und das Rechtsstaatsprinzip, und damit rechts- und verfassungswidrig sind. Das Gericht hat damit die Sachaufklärung im Strafprozess wieder etwas mehr in den Mittelpunkt gerückt, gleichzeitig aber die jetzige Gesetzesregelung des 257c StPO, den „deal“ für verfassungskonform erachtet.
Sind Sie als langjähriger Staatsanwalt und Verfechter der umfassenden Sachaufklärung im Strafprozess mit dem Urteil einverstanden, oder geht Ihnen dieses Urteil nicht weit genug?

Dr. Karge
Ich halte den „deal“, selbst wenn er gesetzesgemäß durchgeführt würde, für das Ende der nach der Aufklärung entwickelten Rechtskultur in Deutschland. Er darf auch mit dem ganz anders ausgestalteten und genutzten „deal“ in den USA nicht verwechselt werden. Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Rechtsstaat mehr, wenn mehrheitlich die an der Rechtsfindung Beteiligten gewohnheitsmäßig das Recht durch Nichtanwendung der gesetzlichen Voraussetzungen für einen „deal“ brechen. Deswegen müsste er (wieder) verboten werden.


Dr. Hansjürgen Karge – Foto: Dr. v. Paleske

Hätte das Verfassungsgericht nicht die jetzige Gesetzesregelung für „deals“ als verfassungswidrig erklären müssen, denn schliesslich hat diese Regelung ja die weitverbreiteten informellen rechtswidrigen Prozessabsprechen zumindest nicht verhindert?
.
Ich bin aber nie davon ausgegangen, dass der „deal“ verfassungswidrig ist, denn nicht alles, was „zum Himmel schreit“ ist verfassungswidrig. Das Bundesverfassungsgericht setzt sich schon viel zu oft an die Stelle des Gesetzgebers. Der Bundestag ist aufgerufen.

Das Bundesverfassungsgericht stärkt in seiner Entscheidung die Rolle des Staatsanwalts bei Prozessabsprachen, er soll dafür sorgen, dass diese sich im rechtlich zulässigen Rahmen bewegen, eine Art Wächterfunktion, gleichzeitig darf er sich an informellen Verhandlungen nicht beteiligen. Ist eine solche Regelung überhaupt praktisch durchführbar?

Die Wächterfunktion der Staatsanwaltschaft, sie war die Hauptaufgabe nach ihrer Erschaffung, ist inzwischen nicht mehr effektiv zu erfüllen. Die Richterschaft empfindet es als beleidigend, wenn man an diese Aufgabe auch nur erinnert. Das Einlegen von Rechtsmitteln, die später nach genauer Prüfung des schriftlichen Urteils richtigerweise zurückgenommen werden, wenn die Prüfung keinen Rechtsfehler des Gerichts ergeben hat, werden als Majestätsbeleidigung wahr- und wegen der dadurch verursachten Mühsal, ein Urteil schriftlich abfassen zu müssen, übelgenommen.
Ich habe mehrfach Revisionen, die m.E. von Berliner Staatsanwälten hervorragend begründet worden waren, vom Bundesgerichtshof als verworfene Revisionen zurückbekommen, obwohl zahlreich gegen die Vorschriften über den „deal“ verstoßen worden war. Es war in meiner Berliner Zeit (1995 bis 2006) in schwierigen und umfangreichen Verfahren, insbesondere in fast allen Wirtschaftsstrafverfahren, damit zu rechnen, dass Gericht und Verteidiger sich einigten, ohne dass die Staatsanwaltschaft bei dieser Kungelei beteiligt war. Sie wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wird eine solche angeblich starke Stellung im Prozess nicht letztlich über den § 160b StPO in der Praxis dann wieder ausgehebelt, insofern, als zunächst Absprachen mit der Staatsanwaltschaft stattfinden, später, nach Zulassung der Anklage dann zwischen Gericht und Angeklagtem?

Die Erörterung nach § 160b StPO habe ich in der praktischen Anwendung nicht mehr erlebt. Aber schon vor dem Inkrafttreten dieser Vorschrift wurde bei den Staatsanwaltschaften durch Missbrauch des § 153a StPO „gedealt“, was das Zeug hielt, wenn der Täter einen „weißen Kragen“ oder jedenfalls Geld hatte.

Es ist auch eine Erziehungsfrage: Welches Bild von den Aufgaben der Staatsanwaltschaft wird dem Nachwuchs vermittelt? Der Missstand des „dealens“ ist inzwischen alt. Warum sollen Staatsanwälte/innen, die im Verhältnis zu Strafrichtern um ein Vielfaches mehr belastet sind, nicht „mitdealen“, wenn sie überhaupt gefragt werden, oder nicht auch den leichten Weg gehen, und sich weniger Arbeit machen?

Wer meint, Staatsanwälte/innen seien noch „wie früher“ und könnten Missstände bei Gericht bekämpfen, ist nicht von dieser Welt. Die Staatsanwaltschaften sind heute schon nicht in der Lage die immer zahlreicheren und komplizierter werdenden Strafgesetze durchzusetzen und helfen sich viel zu oft mit Einstellungen nach § 153a StPO.

Einer der „Vorzüge“ derartiger Prozessabsprachen war ja auch, dass von keiner Seite dann Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt werden, obgleich die StPO dieses Recht trotz Prozessabsprache ja nicht beschneidet (§35a S.3 StPO). Wird sich daran in der Praxis nach Ihrer Einschätzung in Zukunft etwas ändern? Werden wir also vermehrt Revisionen der Staatsanwaltschaft nach Prozessabsprachen sehen?

Seit meiner Zeit bei der Bundesanwaltschaft (1978 bis 1981) weiß ich, dass Revisionen von Staatsanwaltschaften beim Bundesgerichtshof nicht gern gesehen sind: Staatsanwälte sollen gefälligst vor Ort mit den Richtern auskommen und nicht auch noch das Revisionsgericht behelligen.

Es gibt nur einen Weg zur Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse: Weniger Strafgesetze, mehr Personal bei den Staatsanwaltschaften und deren Stärkung gegenüber den Gerichten durch Rückbesinnung auf die Gründe für ihre Schaffung. Da wäre eine Umkehrung der Entwicklung seit 1945. Ich halte sie nicht mehr für möglich.

Mehr von Ex-Generalstaatsanwalt Dr. Karge:
Justiz in der Krise oder Krisenjustiz?
Zum Ende des Strafprozesses gegen Verena Becker – Ein Interview mit dem ehemaligen Generalstaatsanwalt von Berlin, Dr. Hansjürgen Karge

Kommentare

Jürgen Forbriger (Gast) – 20. Mrz, 13:27

Demokratie und Gerechtigkeit in der BRD GmbH:
Basarhandel im Gerichtssaal! Toll, wie verkommen das Rechtssystem in dieser größeren DDR geworden ist.

Margot H. (Gast) – 9. Okt, 05:50

JBK als Metapher zur Berliner Rechtsstaatsanmaßung der AG Hochverrat & Integration

Hallo liebes Orakel!

Ich ging bislang davon aus, dass mit der BRiD kein solcher DEAL zu machen sei. Neu war mir allerdings auch, dass der Staatsanwalt eigentlich eine Wächterfunktion inne haben respektive ausüben soll.

Oder bin ich hier gerade einer Juxrakete aufgesessen, mh?
Dann sollte ich vielleicht die BuPrä-Rede, aus der angeblich das Zitat „Parlamentsarmee“ stammt, wohl doch lieber nochmal meiner Haushaltsgehilfin zur Überprüfung vorlegen.
Ich selbst schaffe es jedoch nicht mehr. Meinen Zustand beschreibt das hier eben angezeigte „verzerrte Wort“/Captcha deines Blogs: HASS. (Nein, das war nur ein „naheliegender“ SCHERZ, liebe Grundgesetzschutz-Bande!)

Zu deinem Beitrag, liebes Orakel, wollte ich eigentlich nur eben anmerken, dass ein Verbot keine spürbaren Änderungen aufkommen ließe. Nicht nur die eigene Erfahrung bringt mich zu solch famosem Urteil, nein.
„Scripted Reality“ im Namen des Volkes.
Bliebe abschließend nur noch zu klären, welches Volk gemeint ist. Wir sind ja ein bescheidenes, tolerantes Volk, auch wenn wir das nicht mehr wissen dürfenwollensollenmüssenkönnenbrauchen.

Johannes B. Kerner ist – zusammenfassend und mit geschicktem Hakenschlag auf meinen Titel – das mediale Spiegelbild einer solchen Verfahrensweise zu Gericht. Unvergessen sein Schmierentheater einst in der Causa Autobahn, ausgeheckt und dennoch schlecht vorgetragen mitsamt (u.a.) der einstigen Sat.1-Steueroasen-Expertin und dem Bundesminister für geschlechtsspezifische Stereotype, Lord IchBinDochNichtVorbild von der Denkfabrik Bertelsmann Abteilung Asi-Sprachrohr Luxemburg, jedoch auf Kosten des Bürgens.

Deine Margot H

Israel

Folter als Tagesgeschäft und Tod in israelischen Gefängnissen

Dr. Alexander von Paleske 18.3. 2013 —
Am 18 Februar 2013 wurde Arafat Jaradat, Vater zweier Kinder, dessen Frau schwanger ist, und der bei einer Tankstelle in der besetzten Westbank angestellt war, von israelischen Soldaten verhaftet und in ein israelisches Gefängnis verbracht.

Die Anschuldigung: Er habe bei einer Demonstration, im November vergangenen Jahres gegen den Angriff Israels auf Gaza, Steine und Molotowcocktails auf israelische Soldaten geworfen.

Vom Gefangenen zum Informanten
Nach palästinensischen Angaben diente seine Verhaftung jedoch dazu, ihn zu einem Informanten des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet zu machen.

Der Geheimdienst hat mit der Rekrutierung von Informanten durch Verhaftung und „Ausquetschen“ beste Erfahrungen, wie in dem Interview-Dokumentarfilm „Töte Zuerst“ des israelischen Filmemachers Dror Moreh mit den früheren Shin Bet Direktoren Ami Ajalon, Yuval Diskin, Avi Dichter, Carmi Gilon, Jaakow Peri und Avraham Shalom in aller Deutlichkeit dargestellt
Originalton:

Das Gefängnis, in das die Gefangenen gebracht werden, ist so schrecklich, dass jeder freiwillig selbst den Mord an Jesus gesteht.“

Schlafentzug, stundenlange Verhöre, erniedrigende Sitzhaltungen, dann Schütteln, Augen verbinden, Angst einflössen…….

Folter als Tagesgeschäft
Derartige Verhöre sind international als Folter geächtet. Folter, die dazu dient, nicht nur ein Geständnis zu entlocken, sondern um den Inhaftierten zum Informanten, zum Verräter an seinem eigenen Volk zu machen.

Rund 800.000 Palästinenser sollen in den Jahren nach dem 6-Tage Krieg 1967 von den Israelis verhaftet und viele von ihnen so misshandelt worden sein.

202 palästinensische Gefangene starben in dieser Zeit in israelischen Gefängnissen. Auch Arafat Jaradat ereilte dieses Schicksal am 23.2. 2013, fünf Tage nach seiner Verhaftung und Verhören durch den israelischen Inlandsgeheimdienst .


Trauernde Witwe

Keinerlei Anhaltspunkte für Folter?
Nach der Obduktion erklärte Israels Gesundheitsministerium am 28.2. 2013:

Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für eine körperliche Misshandlung“

Todesursache Fehlanzeige
Eine Todesursache könne aber vorläufig nicht angegeben werden, nachdem es zuerst gehiessen hatte, Jaradat habe einen Herzanfall erlitten.

Der bei der Obduktion anwesende palästinensische Pathologe Saber Aloul erklärte nach der Obduktion, dass Hämatome sichtbar waren, die Zeichen von Folter seien.

Jaradat sagte nach der Verhaftung seinem Anwalt Kabil Sabbagh, er sei zu stundenlangen Verhören in quälender Sitzhaltung gezwungen worden. Ausserdem klagte er über heftige Rückenschmerzen.

Vor dem Tod für gesund erklärt
Auf Betreiben seines Anwalts, und auf Anordnung eines Militärrichters, wurde Jaradat zwei Tage vor seinem Tod von Gefängnisärzten untersucht, und für absolut gesund erklärt.
Gesund zur weiteren Folter? Seinem Anwalt sagte er, dass er Angst habe, wieder in das Verhörzentrum des Geheimdienstes gebracht zu werden.

Britischer Psychiater klagt an
Derek Summerfield, Psychiater am psychiatrischen Institut der Londoner Universität, beschuldigt israelische Ärzte, sich zu Komplizen der Folterer zu machen. Die israelische Ärztevereinigung IMA wies jedoch die Vorwürfe zurück.

Inwieweit die Gefängnisärzte und in welchem Umfang sie sich tatsächlich zu Komplizen machen, bleibt unklar. Tatsache bleibt, dass sie als Gefängnisärzte unter diesen Bedingungen arbeiten.

Allerdings muss ergänzend hinzugefügt werden, dass derartige Foltermethoden, z.B. sensorische Deprivation, auch bei Israelis angewandt werden, die vom Staat als Verräter angesehen werden, wie beim zunächst „namenlosen Gefangenen“ Ben Zygier, der schliesslich Selbstmord beging, und dessen Schicksal weiterhin die australischen Medien beschäftigt.

Totale Gleichgültigkeit
Klar ist jedoch, und das wird in dem Interview- Dokumentarfilm „Töte zuerst“ deutlich gemacht: Nicht nur gehört menschenverachtende Folter zum Geschäft des Shin Bet, das Schicksal aller Palästinenser ist den israelischen Regierungen herzlich gleichgültig.

Mehr noch: die Palästinenser werden verachtet. Rassismus ein anderes Wort dafür.

Vor diesem Hintergrund ist dann auch die Siedlungspolitik der israelischen Regierung in den besetzten Gebieten (Ost Jerusalem und Westbank) keine Überraschung.

Der Fall des Mossad-Spions Ben Zygier weitet sich zum Skandal aus – auch in Australien
Mr. X – Der Mossad-Spion, der aus Australien kam

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Juju, dead-dead-Träume und die okkulten Ketten der Sexsklaven

Stephan Fuchs – In der Nacht kommt das Entsetzen und Grauen. Zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens liegen die Nerven völlig blank und von Schlaf kann keine Rede sein. Das Licht ist an, die Bibel griffbereit unter dem Kopfkissen. Besser sind zwei oder drei. Eine in Bini, eine in Englisch und die dritte auf Deutsch.

In dieser nächtlichen Zeit, wenn der Körper trotzdem in den Schlaf fällt, kommt er: Eshu! Einer der Gods der westafrikanischen okkulten Welten, des Juju. Der kleine Kerl weiss, dass er in dieser Phase, im Schutze der Dunkelheit und des Schlafes seine Chance hat in den Geist einzudringen. In dieser Zeit ist die mentale Verteidigung ausgeschaltet, die Traumwelt ist offen für das ganze Universum und die gesamte Geisterwelt. Eshu ist ein kleiner, ekelerregender Gnom, der potent an krimineller Energie ist. Er hat alle Tricks auf Lager und vermag jeden zu täuschen. Er ist der Menschenverkäufer und Joker der Unterwelt. Juju ist ein Terminus für den westafrikanischen Spiritualismus, der mit Amuletten, Verwünschungen und bindenden Ritualen Opfer an sich bindet.

Die Angst vor Eshu ist enorm. Gebrechen, Wahn, und selbst den Tod kann er über die Traumwelt zum Opfer tragen. Er bringt Seuche, Armut, Verbitterung, Verstümmelung und Tod über die Familie im fernen Westafrika, über die Freunde und über das Juju Opfer. Folgt man ihm und erfüllt seinen Plan, dann bringt er ungeheuerlichen Reichtum, Respekt und Schutz. Eine gewaltige Hoffnung wird in den God Eshu gelegt, wenn die weite, gefährliche Reise nach Europa unternommen wird. Die Hoffnung liegt zum Teil im ganzen Clan, ja sogar im ganzen Dorf. Eshu und die Gods sind Freund, Beschützer und Vollstrecker in einem.

Über die Indoktrinierungen, die Drohungen, und die Erinnerungen an die Gelübde, die in einem Schrein in Westafrika abgelegt worden sind, finden die Menschenhändler und Madams über den God Eshu die unsichtbaren Ketten um Sklaven zu halten. Die Geisterwelt kennt keine Schranken, keine Grenzen und vor allem keine Gnade. Nicht selten erbrechen die Juju Frauen am Morgen, wenn sie einen Geistertraum erlebt haben. Wird im Traum etwas gegessen, dann ist das ein ganz schlechtes Zeichen. Mit jedem Bissen der durch den Mund in den Magen kommt, wird der Schrecken grösser. Die Dämonen nehmen überhand im Körper und übernehmen die Kontrolle des Geistes. Eshus grauenhafte Warnungen müssen deshalb am Morgen rausgewürgt und rausgekotzt werden, bis der Magen leer gepumpt ist. Die Kolleginnen verstehen das. Es ist eine fast normale, vertraute Situation, und die Macht des Juju ist wieder für lange Zeit gefestigt.

Die Madame gibt den Auftrag
Je nachdem welche Form von Aufgabe oder Schutz ein Opfer braucht, werden Sekrete, Kräuter, Menstrationsblut, Menchen- oder Tierblut und Schamhaare gebraucht. Lebende Tiere werden auseinandergerissen, das Blut auf den Körper gegossen, gespritzt, oder getrunken, und anschliessend mit den anderen Utensilien gemixt. Der Körper wird mit Rasierklingen geritzt oder mit glühenden Gegenständen gebrannt und ein weisses Pulver in die Wunde gerieben. Es hinterlässt auffällige Narben. Somit sind die Gods im Körper und kommen mit auf die Reise. Der Juju Priester fühlt in den dunklen Nächten was das Opfer fühlt. Er sieht mit den Augen und hört mit den Ohren des Opfers. Spricht sie mit der Polizei? Mit Sozialarbeitern? Versucht das Opfer gar aus ihrer Situation auszubrechen, zu fliehen?

Für die Frau auf den Strassen von Turin, Rom, Zürich, Hamburg und Amsterdam ist es keine Frage: Juju ist Realität. Die Angst ist gewaltig. Zu viele Geschichten sind bekannt, da die dead-dead Spirits zugeschlagen haben. Zuhause im Dorf brannte ein Haus. Der Cousin erkrankte an einer seltsamen Krankheit. Die Schwester hat den Verstand verloren, die Kühe schlechtes Wasser getrunken, in Biel ist der Priester, dem man Juju Praktiken nachsagt, am Arbeitsplatz in der Fabrik von einem Betonblock erschlagen worden. Es ist klar: die Vorsehung der Geisterwelt zeichnet die Landkarte des Opfers. Gods formen das Leben und ein Ausbrechen wird bitter und hart bestraft. Es wird so zur Realität. Und diese Lebenskarte zeichnet der Jujupriester in Westafrika im Auftrag des Architekten: Der Madame in Italien.

Die Angst vor dem Zauber – dem Juju – ist real. Mädchen und auch Jungs werden von der Mutterbrust weg zum Okkultismus indoktriniert. Jedes Dorf im westlichen Afrika braucht eine Schuldige. Jemanden, dem der Dorfpriester das Elend und die Schuld zuweisen kann. Am besten geht das, wenn man ein Mädchen als Hexe brandmarkt. Dieses kann man dann verprügeln, vergewaltigen und bestrafen wie es gerade gut passt. Beim Wasserritual wird das Mädchen spirituell mit der Geisterwelt, dem Wassergott vermählt. Während dreier Tage wird das Girl unter Drogen vergewaltigt. Es wird ausgetrieben, die Dämonen im Kind werden bestraft, gebrannt, geätzt, ausgehämmert. Wird sie sechzehn tötet man sie, und die Sünden des ganzen Dorfes sind vergessen. Das ist praktisch. Oder man verkauft sie für Geld an Menschenhändler. Das ist auch praktisch. Im Gegensatz zu Kokain und Kalaschnikows, Dingen die man nur einmal verkauft, lässt sich eine Frau in Europa wieder und wieder und wieder verkaufen. Was für ein Geschäft! Immer mehr werden solche Austreibungen auch in London und Bristol bekannt. Selbst in Biel soll es eine Hintertür-Kirche geben, die Hexen erkennt und austreibt.

Am Morgen, wenn die Ängste vor den Geistern vorbei sind, sind die Nigerianerinnen in den Asylzentren und auf der Strasse wieder wie wir sie kennen: Arrogant, aufgedonnert, aggressiv und rotzfrech. Die meisten von ihnen sind bereits seit Jahren in Europa, vor allem in Italien. In Turin ist eine Hochburg. In Palermo, in Milano, in Genua sind sie. Auch in Moskau. Sie sind aber auch in Biel, in Zürich und in Bern. Es sind nicht jene «Sexarbeiterinnen », die in netten, sauberen TÜV-Bordellen arbeiten. Das Wort Arbeiterin suggeriert, dass eine Arbeit nach staatlich- gesellschaftlichen Verträgen funktioniert. Eine Arbeiterin hat Rechte. Sexarbeiterinnen arbeiten in einem ordentlichen, registrierten Bordell und werden anständig bezahlt. Es ist ein Job.

Diese Frauen aber sind Nutten. Sie sind Sklaven. Sie haben weder Rechte noch Hilfe. Westafrikanerinnen erzählen, wenn sie «zur Erholung» in die Asylstruktur kommen, immer wieder von den Konditionen in Italien: Ungeschützter Geschlechtsverkehr, völlig unhygienische Verhältnisse; Sex am Strassenrand, keine Waschmöglichkeiten, extremer Sadismus mit extrem perversen Praktiken, überraschende und nicht ausgemachte Gangbangs, eigentliche Vergewaltigungen. Frauen erzählen von Drogen, von Verstümmelungen, von brachialer physischer Gewalt, von Verätzungen, Verstümmelungen, Nahtodsexspielen und eigentlichen Exekutionen. Erschossen, erstochen und verbrannt. In der Schweiz wird es wohl nicht anders sein.

Sklavinnen prostituieren sich für eine Madame.
Die Madame ist eine Frau, die sich an die Spitze gearbeitet hat. Sie kontrolliert 4-5 Frauen. Sie lässt die Mädchen in Nigeria rekrutieren. Eventuell lässt sich eine Madame über ihre Tatoos zuordnen. In Italien kann es die Rose am linken Oberarm sein. In Russland ist es eventuell eine markante Tattoo oberhalb des Kreuzes. Die in Deutschland arbeitenden Madames zeichnet etwas Ähnliches wie ein Sonnenrad. Dies ist aber nur eine These, die vielleicht genauso falsch ist wie die Annahme, dass Juju, Witchcraft und Hexerei ein Unsinn sei. Ein Märchen, ein Hoax, etwas für Schwachsinnige.

Ein UNICEF-Bericht schreibt, dass über 95% der Kinder auf den Strassen im Akwa Ibom State in Nigeria von Pastoren als Hexe gebrandmarkt worden sind. 40% dieser Kinder werden gehandelt. Als Arbeitskräfte in den Minen und Ölfeldern, als Haussklaven oder Sexsklaven. 90% der Sexsklaven in Europa, aus Delta oder Edo State, aus Ghana oder Togo wurden vor einen Schrein gezerrt.

Zu den psychischen Störungen, die sich nach einem traumatischen Erlebnis oder nach mehreren Traumata in Folge entwickeln können, schreibt mir eine Psychotherapeutin mit langjährigen Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit (komplexen) posttraumatischen Belastungsstörungen auf Anfrage folgendes: «Typische Symptome dieser Störung sind beispielsweise: Allgemeine Schlafprobleme, Angstträume; körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Schwitzen bei Erinnerung an das Trauma – oder die Traumata: Die meisten Opfer erlitten sequentielle (=sich wiederholende) Traumata – sie leiden daher unter einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung; Angstzustände mit Hyperventilation, die bis zu Ohnmachtsanfällen führen können; starkes Misstrauen gegenüber dem sozialen Umfeld; Spannungszustände, oder auch permanente hohe Anspannung, die zu häufigen und unerträglich starken Kopfschmerzen führen können; dissoziative Zustände, in denen sie z.B. plötzlich zu Boden sinken und in starker Verkrampfung liegen bleiben – dieser Zustand kann einige Zeit andauern; während dem andere Opfer in solchen dissoziativen Zuständen schreien, am ganzen Körper zittern, zucken, sich schütteln oder um sich schlagen, zB. mit der Hand auf den Boden, sich in ihrem Körper verkrampfen, zittern. Sie verlieren während dieser Zeit das Bewusstsein … tauchen dann später wieder in der Gegenwart auf und können sich an nichts erinnern. Andere Opfer irren in einem solchen dissoziativen Zustand in der Gegend umher und kommen plötzlich an einem ganz anderen Ort wieder zu Bewusstsein, ohne zu wissen, wie sie an den aktuellen Ort gekommen sind. Dazu Flashbacks: plötzliche Empfindungen, als ob das Ereignis wieder stattfände, sich wie betäubt fühlen, starke emotionale Dämpfung = sogenanntes Numbing. Aktive Vermeidung von Orten, Situationen, Gesprächen, Gedanken, die an das Trauma oder an die Traumata erinnern könnten. Bei emotionaler Belastung vermag eine solche Person Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr klar zu trennen. Es ist ein bekanntes Symptom einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, dass die sequentiellen traumatischen Erlebnisse erst nach und nach in Erinnerung kommen, und dies nicht etwa chronologisch und geordnet, sondern bruchstückhaft und chaotisch, z.T. aufgrund gleicher Gefühle in einem Ereignis zusammengefasst.»

Unter diesen Umständen ist es für Sozialarbeiter, Therapeuten und Ermittelnde Dienste enorm schwierig an Informationen, geschweige denn an die Menschenhändler zu kommen. Es braucht viel Zeit um die Ängste aufzubrechen, das Vertrauen aufzubauen, und das ist nur möglich wenn Witchcraft und Juju ernst genommen werden. Für den Menschenhändler ist es ein gutes Geschäft. Die paar Neiras (nigerianische Franken), die für ein Mädchen an den Stamm bezahlt werden, werfen auf dem Markt einige zehntausend Dollar ab. Eine Frau hat, wenn sie denn Europa lebend erreicht, einen Wert von 60-80’000 Euro: dieses Geld muss sie zurückbezahlen. Das ist der Teil des Deals mit Eshu, und jede Juju Frau wird ihren Part der Abmachung einhalten. Auch wenn es Jahre dauert, der Körper kaputt geht und die Seele in der Hölle der Freier verbrannt ist.

Dieser Artikel erschien erstmalig im ensuite Kulturmagazin

Weiterführende Informationen: www.trafficking.ch

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Papstwahl: Neuer Papst – wenig Neues

Dr. Alexander von Paleske — 14.3. 2013 —-
Der weisse Rauch stieg auf, ein neuer Papst war gewählt .


Weisser Rauch – schwarze Zukunft? Screenshot: Dr. v. Paleske

Die Glückwünsche gerade auch von Staatsoberhäuptern, überschlugen sich förmlich. Der Jubel der Hunderttausend auf dem Petersplatz wollte schier kein Ende nehmen.

Keine Lobeshymne
Wir wollen hier jedoch keine Lobeshymnen anstimmen, sondern uns auf eine nüchterne Bestandsaufnahme konzentrieren.

Sicherlich, Jorge Mario Bergoglio ist der erste Papst, der nicht aus Europa kommt, der erste Jesuit in dieser Position, noch dazu aus Argentinien, mehr ein Land der Dritten Welt als ein Schwellenland.


Neuer Papst Franziskus I – Screenshot: Dr. v. Paleske

In der Dritten Welt hat die katholische Kirche die grösste Zahl an Gläubigen. Dort, wo auch der Einfluss der katholischen Kirche auf ihre Gläubigen in Sachen Abtreibung, Empfängnisverhütung (Familienplanung) und Scheidung weit stärker ist, als in der näheren und weiteren Umgebung des Petersdomes.

Kenntnis der Armut, bescheidener Lebenswandel
Der neue Papst kennt die bittere Armut, das Elend, die unzureichende Gesundheitsversorgung, das Drogenproblem und die Hoffnungslosigkeit in den Favelas, den Elendsgürteln um die Städte Argentiniens und Lateinamerikas bestens. Oft genug hat er sie besucht, auch die Krankenhäuser, und führte selbst offenbar ein bescheidenes Leben, benutzte öffentliche Transportmittel, nicht einen Dienstwagen. Und er wurde nicht müde, öffentlich die Armut anzuprangern, daneben auch die weitverbreitete Korruption.

Die ungleiche Verteilung der Güter schafft eine Situation, sozialer Sünde, die zum Himmel schreit und so vielen Brüdern und Schwestern die Möglichkeit eines erfüllteren Lebens vorenthält“

sagte er 2007.

Keine Lösungsvorschläge
So weit so gut, das macht ihn schon einmal sympathisch.
Was aber schlägt er für die Lösung des Problems vor? – Barmherzigkeit, Spendenbereitschaft und christliche Nächstenliebe.

Derartige Vorschläge haben jedoch zu keiner Zeit soziale Gegensätze entschärft , geschweige denn gelöst.
Mit Aufrufen an die Barmherzigkeit wird bestenfalls ein wenig Balsam auf die Geschwüre der Gesellschaft gekippt, sie aber nicht geheilt.

Dunkle Seiten des Pontifex
Neben fehlenden Vorschlägen für die Beseitigung von Hunger und Armut gibt es angeblich noch eine dunkle Seite des Pontifex:
Obgleich ihm kritische Distanz zu den Regierungen Argentiniens nachgesagt wird, er die weitverbreitete Korruption unter den öffentlichen Bediensteten anprangert, fehlte offenbar seine protestierende Stimme, als in Argentinien die Generäle ein Terrorregime von 1976 bis 1983 errichtet hatten.

Tausende wurden verhaftet, gefoltert und oft genug anschliessend aus Flugzeugen – lebend – über dem Meer abgeworfen, oder in namenlosen Massengräbern verscharrt. Einige Pfarrer sollen den Todgeweihten vor dem Verladen in die Flugzeuge noch die „letzte Ölung“ gegeben haben.


General Jorge Videla (r), Jorge Mario Bergoglio (l) …………Lachen mit dem Mörder

Ein argentinisches Strafgericht stellte in seinem Urteil gegen frühere Offiziere, die an Tötungen beteiligt waren, im Februar 2013 fest:

Die Kirche hat weggeschaut, als fortschrittliche Priester getötet wurden.

Im Jahre 2000 sah sich die katholische Bischofskonferenz Argentiniens gezwungen, eine öffentliche Entschuldigung für ihr Versagen während der Zeit des Militärterrors abzugeben.

Wörtlich:

We want to confess before God, everything we have done badly.

Dem Terror fielen auch mehrere Deutsche zum Opfer, darunter die Soziologin Elisabeth Käsemann , die schwer gefoltert, und dann durch einen Genickschuss ermordet worden war.

Anzeige gegen den Kardinal
Im Jahre 2005 erstattete ein Rechtsanwalt in Buenos Aires Strafanzeige gegen Bergoglio: er soll angeblich bei der Verhaftung von zwei Jesuiten durch das Terrorregime geholfen haben. Ausserdem habe er nichts bzw. nicht genug für die vom Terrorregime verhafteten Jesuiten – er war damals Jesuiten-Prinzipal – unternommen. Weitere Details siehe hier

Bergoglio hat die Vorwürfe bestritten. Unbestritten bleibt, dass er sich nicht öffentlich gegen den mörderischen Militärterror gewandt hatte.

.
Konservativ bis auf die Knochen
In den Fragen Abtreibung, Familienplanung und Homo-Ehe bzw. Homo-Adoptionsrecht hat sich der neue Papst klar als erzkonservativ positioniert. Da wird alles beim Alten bleiben.

Dabei ist die Familienplanung ein wichtiger Baustein, um aus der Armutsfalle herauszukommen. Von kirchlicher Barmherzigkeit lassen sich nicht viele hungrige Mäuler stopfen.
Und da wird sein Feldzug gegen die Armut geradezu heuchlerisch.

Was wird sich also substantiell ändern?
Vielleicht mistet er den Augiasstall Vatikanbank aus, aber sicher ist das noch nicht einmal.

Da war ein anderer Papst schon wesentlich weiter: der 33-Tage Papst Johannes Paul I im Jahr 1978.

Der hatte sich überhaupt nicht zur Wahl gestellt, und bemerkte nach seiner Wahl zu den Kardinälen:

Möge Gott euch vergeben, was ihr mit mir getan habt“


Papst Johannes Paul I

Aber nachdem er gewählt war, zeigte er seine Krallen. Die Vatikanbank wollte er sofort ausmisten. Der Hauptverantwortliche, Bischof Paul Marcinkus, sollte sofort gehen. Den Vatikan verlassen sollten auch eine ganze Reihe von kirchlichen Würdenträgern, die Mitglieder der rechtsradikalen Geheimloge P2 waren .

Er wollte radikale Reformen durchsetzen, auch die Empfängnisverhütung war für ihn keine heilige Kuh, ganz im Gegenteil.

So sagte er in einem Gespräch im Vatikan:

Was wissen wir Zölibaten denn schon von der sexuellen Begierde der Verheirateten“?

Und weiter:

„Wir haben jetzt eine Dreiviertelstunde lang über Empfängnisverhütung diskutiert…..In dieser Zeit sind 1000 Kinder unter 5 Jahren an Unterernährung gestorben. In der nächsten Dreiviertelstunde, während Sie und ich mich auf eine Mahlzeit freuen, werden wiederum 1000 Kinder an Unterernährung sterben. Morgen um diese Zeit werden weitere 3000 Kinder, die im Moment noch am Leben sind, tot sein- an Unterernährung gestorben. Nicht immer sorgt der Herr dafür, dass uns nichts mangelt.“

Nach dem Tode Papst Johannes Paul I blieb alles beim Alten, dafür sorgten der erzkonservative Nachfolger Johannes Paul II, und dessen Nachfolger Benedikt.
Johnnes Paul II liess Vatikanbank-Marcinkus im Amt, und die kirchlichen P2-Logenmitglieder blieben unbehelligt. Wie schön.

Nein, zum Jubel über die Wahl dieses neuen Papstes gibt es wahrlich wenig Grund, trotz seines bescheidenen Lebenswandels und seiner Anprangerung von Armut und Korruption in Argentinien. Er fällt vielmehr weit hinter das zurück, was Papst Johannes Paul I vor 34 Jahren im Begriff war, umzusetzen.

NACHTRAG 17.3. 2013
Die Anschuldigungen gegen den neuen Papst aus der Zeit der Terrorherrschaft der Generäle in Argentinien werden in zwei neuen Artikeln konkretisiert:

http://www.guardian.co.uk/world/2013/mar/15/pope-francis-argentina-military-era

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2294580/Special-report-The-damning-documents-new-Pope-DID-betray-tortured-priests-junta.html

Bergoglio hat offenbar selbst nach dem Ende der Militärherrschaft sich geweigert, einem Pfarrer namens Christian von Wernich die Priesterrechte abzuerkennen, der im Jahre 2007 dann zu lebenslanger Haft wegen Beihilfe zu 7 Morden, 42 Entführungen und 34 Fällen von Folter verurteilt wurde.

Auch hat er sich im Jahre 2006 gegen die Wiederaufnahme der Strafverfahren gegen die Verantwortlichen für die Morde und Folterungen in Regierungsauftrag gewandt.
Zitat:

„We are happy to reject anger and endless conflict, because we don’t believe in chaos and disorder … Wretched are those who are vindictive and spiteful,“

Dazu erübrigt sich in der Tat jeglicher weiterer Kommentar.


Neuer Skandal um die Vatikanbank – böse Erinnerungen werden wach

Medizin

Grossbritannien: Gefahr der Antibiotikaresistenz vergleichbar mit Terrorismusgefahr und Gefahr der Klimaveränderung

Dr. Alexander von Paleske — 12.3. 2013 —-
Der Chief Medical Officer der britischen Regierung, Dame Sally Davies, warnte in ihrem ersten Jahresbericht, der gestern veröffentlicht wurde, vor der drohenden Katastrophe der Antibiotikaresistenz von Bakterien, die das Gesundheitswesen auf den Stand von vor 100 Jahren zurückwerfen könnte.


Antibiotika ……von der Wunderwaffe zum wirkungslosen Plunder?

Banale Infektionen als Todesurteil
Sie verglich die Gefahren der Antibiotikaresistenz mit der Terrorismusgefahr und der Gefahr der Klimaveränderung. In zwanzig Jahren könnten Infektionen z.B. nach selbst kleineren Operationen ein Todesurteil bedeuten.

Wörtlich sagte sie:

This is a growing problem, and if we don’t get it right, we will find ourselves in a health system not dissimilar from the early 19th Century.

Und weiter sagte die Ärztin:

I knew about antimicrobial resistance as a doctor, but I hadn’t realized how bad it was, or how fast it is growing….Antimicrobial resistance is a ticking bomb not only for the UK, but also for the world. We need to work with everyone …..The threat is arguably as important as climate change.

5000 Tote pro Jahr
Rund 5000 Patienten sterben jedes Jahr in Grossbritannien an bakterieller Sepsis, die Hälfte davon durch multiresistente Keime.

Zwar gelang es in den letzten Jahren durch verbesserte Hygiene die Rate von resistenten Staphylokokken (MRSA) und Clostridium difficile Infektionen in den Krankenhäusern drastisch zu senken, aber mittlerweile sind resistente E.Coli-Bakterien und Klebsiellen die häufigsten der im Krankenhaus erworbenen Infektions-Keime.

Auch in Deutschland waren sie für Todesfälle auf Neugeborenen-Stationen verantwortlich.

Untermauerung durch Daten
Die Darstellung des britischen Chief Medical Officers wurde anderweitig bestätigt und durch die britische Health Protection Agency (HPA) mit Daten untermauert:

Während im Jahre 2003 nur drei Proben totale Antibiotikaresistenz zeigten, waren es im Jahre 2012 bereits 800.

Hauptverursacher nicht benannt
Allerdings wird einer der Hauptverursacher für die massive Zunahme der Resistenz nicht genannt: Die Massentierhaltung, insbesondere die von Geflügel, wo die Verabreichung von Antibiotika nicht wegzudenken ist, sollen die Tiere nicht vor dem Schlachttag verenden. Gleiches gilt auch für Fischfarmen.

So wurden in den Jahren 2006-2011 in Grossbritannien jährlich 350 – 400 Tonnen Antibiotika in der Tierzucht verbraucht. Es wird geschätzt, dass davon 70 Tonnen über Abwässer wieder zur Düngung auf die Felder gelangen (Arzneimittelbrief 2013 S. 17).

Kein Interesse
Statt hier anzusetzen, was in ein Verbot der Massentierhaltung zwangsläufig münden muss, wird die Entwicklung neuer Antibiotika seitens der pharmazeutischen Industrie verlangt. Aber die zeigt kein Interesse, denn anders als noch in den 80er Jahren bei wesentlich geringeren Entwicklungskosten, lassen sich heute mit Antibiotika keine märchenhaften Gewinne mehr einfahren.
Die gibt es eher bei Mitteln gegen chronische Erkrankungen, wie Rheuma, Diabetes und und Krebs, wo der Patient nicht nur ein paar Tage, sondern längere Zeit bzw. dauernd auf die Einnahme angewiesen ist.

Staat soll Forschung bezahlen
So wird jetzt die staatliche Unterstützung ins Spiel gebracht, damit die „Forschung sich wieder lohnt“. Die Firmen sollen also mit Staatsknete zum Forschen getragen werden, vornehm ausgedrückt als Public Private Partnership (PPP)“ .

In Deutschland ist, anders als in Grossbritannien, der Umfang des Problems und sein Bezug zur Massentierhaltung in seiner ganzen Schärfe bei der Bundesregierung noch nicht angekommen, oder wird bewusst ignoriert.

Auch nicht bei der Opposition und auch da nicht, wo sie bereits in Landesregierungen wie z.B. in Niedersachen (400 Millionen Hühner pro Jahr in der Massentierhaltung) oder NRW die Regierung stellen.

Selbst nicht in voller Schärfe bei den Grünen, die, wie der Jürgen Trittin, von Zurückdrängen aber nicht Abschaffung der Massentierhaltung faseln. Grüne, deren ergraute bzw. frömmelnde Führungsgarnitur im Wesentlichen mit anderen Problemen beschäftigt ist, einschliesslich des Problems, wie mit – oder trotz – Steinbrück im September an die Berliner Fleischtöpfe zu kommen.

Währenddessen läuft die Zeit davon.

Der Verfasser ist Internist, Hämatologe und leitender Arzt

Deutsche Spitzenforscher: Späte Warnung vor Antibiotikaresistenz und unzureichende Vorschläge
Die Zukunft heisst Resistenz? – Antiinfektiva verlieren ihre Wirksamkeit
Neue schlechte Nachrichten zur bakteriellen Resistenz gegen Antibiotika
Putenlaster-Unfall, kranke Puten und grüne Stellungnahmen zu schwarzer Zukunft
Erst Bremen, jetzt Leipzig – Die Antibiotikaresistenz breitet sich aus

Zwei Schreckensmeldungen zur Antibiotika-Verfütterung in der Massentierhaltung
Frühchentod und Antibiotikaresistenz

Antibiotikaresistenz: Nach Pest, Tripper, MRSA, NDM-1, TB, Campylobacter nun die Salmonellen
Bleibt die Gonorrhoe (Tripper) behandelbar?
Antibiotika-Resistenz: Spätes Erwachen. Oder: Minister Bahrs Wort zum Sonntag
WHO, Weltgesundheitstag und Antibiotikaresistenz – eine Nachbemerkung
Pest-Seuche und Antibiotika-Resistenz

Antibiotika oder Massentierhaltung?

Der Dioxin-Skandal flaut ab, die Probleme der Massentierhaltung bleiben
Hilflos bei Infektionen – Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit
Tierfabriken, Schweineviren und die Zukunft
Bittere Pillen für die Dritte Welt
Eine besiegt geglaubte Krankheit droht wieder zur unkontrollierbaren Seuche zu werden
Welt-Tuberkulose Tag – eine Krankheit weiter auf dem Vormarsch</
Tuberkulose und die Krise bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Kein Nachlassen der Schreckensmeldungen

Zur Ministerin Aigner
Will Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner uns für dumm verkaufen? – Ein Kommentar zur geplanten Reform des Tierarzneirechts
Verband zur Förderung der Massentierhaltung Deutschlands (VEFMAD) dankt der Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner

afrika

Frieden im Ost-Kongo?

Dr. Alexander von Paleske — 11.3. 2013 —
Vor zwei Wochen schlossen 11 afrikanische Staaten ein Abkommen, das dem Ostteil der Demokratischen Republik Kongo (DRC) einen dauerhaften Frieden bringen soll.


DRC

Dort,

– wo seit dem Beginn des ersten Kongokrieges im Jahre 1996 immer wieder Kämpfe ausbrachen,

– wo Hunderttausende zu Flüchtlingen gemacht, und

– wo unfassbare Grausamkeiten an der Zivilbevölkerung begangen wurden.

– wo alle Friedensabkommen, auch das von Sun City / Südafrika 2003, das den zweiten Kongokrieg beendete, der mehr als 4 Millionen Menschen direkt und indirekt das Leben kostete, nicht zu einem dauerhaften Frieden führten.

Ethnische Konflikte und Rohstoffe
Der Hintergrund:

– Ethnische Konflikte, die 1994 zum Genozid von 800.000 Tutsis und moderaten Hutus durch radikalisierte Hutus in Ruanda führten

– Nach der Beendigung der Grausamkeiten die Flucht von Hunderttausenden Hutus in den Ostkongo

– Die Reorganisierung einer bewaffneten Hutu-Miliz

– Die latente Bedrohung Ruandas dadurch

– Die Plünderung der Rohstoffe des ausserordentlich rohstoffreichen Ostkongos durch das extrem rohstoffarme Ruanda aber auch Uganda im zweiten Kongokrieg (1998 -2003)
,
– Die Fortsetzung der Plünderung – trotz des Friedensschlusses 2003 – durch Ruandas Proxy-Armeen im Ost-Kongo: erst die CNDP unter Laurent Nkunda und jetzt die M23 unter Bosco Ntaganda.

Exporteur ohne eigene Rohstoffe
Ruanda ist mittlerweile zum Gross-Exporteur von Coltan aufgestiegen, obgleich es selbst kaum bzw. gar kein Coltan fördert.

Coltan – in Deutschland von der Goslarer Firma H.C. Starck verarbeitet – wird zur Herstellung von Mobiltelefonen und Laptops benötigt.

Weiter im Ostkongo gefördert: Gold und Diamanten. Vermutet werden auch Erdölvorkommen.

Wohlwollen endete
Bisher konnte Ruandas Kagame sich bei seinen militärischen Eskapaden und seiner Destabilisierungspolitik im Ost-Kongo der wohlwollenden Tolerierung westlicher Länder sicher sein.


Paul Kagame …will die Annexion des Ostkongo. Screenshot: Dr. v. Paleske

Kagame, der auf einer US Militärakademie seinen letzten soldatischen Schliff bekam, verstand es immer wieder, das schlechte Gewissen der westlichen Länder wegen des Nichteingreifens in den Völkermord in Ruanda 1994 für sich zu nutzen.

Hinzu kam, dass er mit seiner Regierung, und gefördert durch massive Entwicklungsgelder und unterstützt die Rohstoffplünderei im Ost-Kongo, es schaffte, einen effektiven Staatsapparat aufzubauen und die Infrastruktur Ruandas auf Vordermann zu bringen, ebenso wie das Gesundheitswesen. Ein krasser Gegensatz zu dem desolaten Zustand im benachbarten Kongo, insbesondere in dessen Ostprovinzen.

Nun aber ist, mit ausgelöst durch einen UN-Bericht, der Ruanda als die treibende Kraft hinter der Rebellengruppe M23 anschuldigte, die vor allem neues Flüchtlingselend schuf, westlichen Ländern der Geduldsfaden mit Kagame gerissen. Zugesagte Entwicklungshilfegelder wurden eingefroren..

Der Konflikt war dabei, in einen neuen Kongokrieg zu münden Nachbarstaaten, vor allem Angola mit seinen bürgerkriegserprobten Kampftruppen, von Kagame nach den Erfahrungen im zweiten Kongokrieg gefürchtet, waren dabei, auf Seiten der DRC in den Konflikt einzugreifen.

Einen neuen Kongokrieg wollten sowohl die anderen Anrainer-Staaten, aber auch die Regionalmacht Südafrika unter allen Umständen verhindern, und endlich ein Ende dieses scheinbar nie enden wollenden Konflikts sehen.

So stimmte Ruandas Präsident Paul Kagame, von mehreren Seiten politisch unter Druck gesetzt, schliesslich dem Abkommen zu, und so setzten nicht nur die Präsidenten der kriegführenden Staaten, sondern insgesamt 11 afrikanische Staatsmänner ihre Unterschrift unter das Abkommen, darunter neben der vom Krieg am schwersten betroffenen Demokratischen Republik Kongo, und den beiden Nachbarstaaten Ruanda und Uganda, auch Tansania, Südafrika, Angola, Burundi, Süd-Sudan, Sambia, die Zentralafrikanische Republik und Kongo-Brazzaville.


Paul Kagame bei der Unterschrift . …….wie lange gültig?
Screenshot: Dr. v. Paleske

Milizunterstützung soll enden
Zentraler Punkt des Abkommens ist die Verpflichtung insbesondere Ruandas, aber auch Ugandas, die Tutsi Milizen, zuletzt unter der Firmenbezeichnung M23 – de facto unter dem Oberkommando der ruandischen Armee – nicht weiter zu unterstützen.
Das Abkommen verpflichtete gleichzeitig die Regierung der DRC, die staatliche Autorität durch Armee und Polizei im Ost-Kongo wiederherzustellen, und die marodierenden Milizen, insbesondere der Hutu Rebellen, aber auch die Mai Mai, und andere wie die Lord Resistance Army (LRA), welche auch den Kongo immer wieder als Rückzugsgebiet benutzt, zu entwaffnen.

Ausserdem verpflichtet das Abkommen die Regierung des Kongo unter Joseph Kabila, demokratische Reformen durchzuführen.
Eine Zeitplan und überprüfbare Meilensteine wurden jedoch nicht vereinbart.


Joseph Kabila bei der Unterschrift …..kann und will er die Bedingungen erfüllen? Screenshot: Dr. v. Paleske

Dauerhafter Frieden?
Wird es nun Frieden im Ost-Kongo geben?
Kurzfristig vermutlich, mittel bis längerfristig unter den gegenwärtigen Umständen vermutlich nicht, da es trotz des Abkommens zu keiner wirklich endgültigen Lösung der bestehenden Konflikte gekommen ist.

Paul Kagame wird weiterhin sein Ziel verfolgen, mittel- bzw. langfristig grosse Teile des Ost-Kongo zu annektieren, in der Zwischenzeit die Rohstoffplünderei durch seine Proxy-Milizen sicherstellen. Milizen, die sich vorübergehend darauf beschränken werden, die Rohstoff-Transportwege nach Ruanda offen- und die Hutu-Milizen im Zaum zu halten, statt Provinzhauptstädte wie Goma unter ihre Kontrolle zu bringen – vorerst.

Der kongolesische Präsident Joseph Kabila wiederum hat in mehr als 10 Jahren Regierungszeit eine staatliche Ordnung im Ost-Kongo nicht herstellen können oder wollen.

Die dort im Einsatz befindlichen UN Truppen haben kein wirklich handfestes Mandat, um die Rebellen in Schach zu halten.

Und so ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Kämpfe erneut ausbrechen, und das Leiden der Zivilbevölkerung sich fortsetzt..

Zum Ostkongo
Ostkongo (DRC): Vorübergehende Waffenruhe im langen Krieg
Ruandas Paul Kagame greift nach dem Ost-Kongo – Der Dritte Kongokrieg hat begonnen
Der Krieg im Ost-Kongo, Ruanda und die USA
Der vergessene Krieg im Osten des Kongo
Kampf um Kongos Ostprovinzen
Die Kongo-Plünderer
Reichtum, Armut, Krieg – Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo – 50 Jahre Unabhängigkeit. Grund zum Feiern?
Im Interview: Sir Ketumile Masire zur Lage im Kongo
Kongo: Warlord Laurent Nkunda benennt „Kriegsziele“
Wohin treibt der Ost-Kongo oder: Krieg ohne Frieden

Zu Ruanda
linkDemokratie bleibt ein Fremdwort in Ruanda.

Zu Uganda
linkUgandas Ölfunde: Söldner fördern es, die Amerikaner kaufen es.

afrika

Der Fall des Sportlers Oscar Pistorius – jetzt mit rassistischer Schlagseite?

Dr. Alexander von Paleske —- 7.3. 2013 —- Der Fall des südafrikanischen Sportlers Oscar Pistorius hat weltweit die Medien beschäftigt. Auch wenn bisher keine Gerichtsverhandlung zur Sache selbst, sondern nur über die Aussetzung der Untersuchungshaft gegen Kaution, stattgefunden hat: Die Behauptung des Angeschuldigten, er habe seine Freundin Reeva Steenkamp versehentlich getötet, sie mit einem Einbrecher verwechselt, ist offensichtlich durch die Obduktion der Leiche widerlegt.

Das Opfer wurde mit einem Baseballschläger entweder schwer verletzt oder getötet, bevor dann die Schüsse abgegeben wurden..
Damit dürfte die Anklage auf Mord oder Totschlag hinauslaufen.
.
Das würde uns hier jedoch weiter gar nicht interessieren: Familiendramen mit tödlichem Ausgang werden mehr als ausgiebig in den Massenmedien thematisiert.

Uns interessiert der Fall jetzt, weil er offenbar um eine rassistische Variante „bereichert“ wurde, und zwar durch ein Interview, das der Vater des Angeschuldigten, Henke Pistorius, der britischen Presse, genauer gesagt: dem britischen Blatt Telegraph, in der letzten Woche gab.

Tenor: Die südafrikanische ANC-Regierung habe bei der Kriminalitätsbekämpfung versagt, und das Resultat sei, dass dann die Weissen sich mit Schusswaffen versorgen müssten, wodurch Unglücksfälle, wie der seines Sohnes vorprogrammiert seien.


Südafrikas Tageszeitung STAR vom 5.3. 2013 Foto: Dr. v.Paleske

Die Familie Pistorius hatte sich angeblich mit insgesamt 55 Schusswaffen eingedeckt.

Tatsachen sprechen andere Sprache
Tatsache ist jedoch:

– die Mordstatistik in Südafrika ist zweifellos erschreckend: rund 15.000 Morde pro Jahr, wir haben mehrfach darüber berichtet.

– Opfer der Gewalttaten sind der überwiegenden Mehrzahl Schwarze in den Townships, und nicht etwa Weisse

– Morde an Weissen erhalten jedoch regelhaft mehr Aufmerksamkeit in den Medien

– die nachwirkende jahrzehntelange Apartheidpolitik trägt für diesen Zustand ein gerüttelt Mass an Mitverantwortung – noch immer.

– die hohe Arbeitslosigkeit und Armut in vielen Townships tut das Ihrige, um die Kriminalität – auch die Gewaltkriminalität – zu fördern.

Dass jetzt der Vater des berühmten „Blade Runners“ die Rassismus-Karte gezogen hat, wird seinem Sohn allerdings wenig helfen.
Ein Beziehungsdrama mit tödlichem Ausgang hat mit Rassismus nichts zu tun.

Der Waffenbesitz als solcher erleichtert ohne Zweifel den tödlichen Schusswaffengebrauch bei solchen Auseinandersetzungen, auch aus diesem Grunde sind Waffenverbote erforderlich, aber sie betreffen wohl nicht Baseballschläger.

Der Fall Oscar Pistorius eignet sich daher kaum dafür, die Verantwortung letztlich der Regierung Südafrikas in die Schuhe zu schieben. Dieser untaugliche Versuch ist bestenfalls geeignet, den fragilen Aussöhnungsprozess, zwischen Schwarz und Weiss zu behindern.

SATIRE

FDP-Brüderle dankt Bundespräsident Gauck für die klare, vernichtende Stellungnahme in der Sexismus-Debatte

Dr. Alexander von Paleske — 7.3. 2013 —- Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Rainer Brüderle
FDP-Spitz(en) Politiker
Thomas Dehler Haus
Berlin

An
Herrn Bundespräsident
Joachim Gauck
Schloss Schöne Aussicht
Berlin

Hochverehrter Herr Bundespräsident,
lieber Joachim

ganz, ganz herzlichen Dank für Deine erfrischende und gleichzeitig Sexismus-Diskussion-vernichtende Stellungnahme im SPIEGEL, mit der Du diese erbärmliche, und für mich politisch ausserordentlich schädliche Sexismus-Debatte dorthin befördert hast, wohin sie von Anfang an hin gehörte: In den intellektuellen Abfalleimer.

Leider konnte ich nach dem widerlichen Artikel dieser Pseudo-Investigativ Journalistin Laura STERN-Himmelreich nicht voll in die Offensive gehen, wie ich das im Bundestag normalerweise gerne mache.
Das Kreischen dieser „Twitter-Aufschreier“, und das Gegeifere dieser Berufs-Betroffenheits-Feministin Alice Schwarzer hielten mich davon ab.


Rainer Brüderle

Meine männlichen FDP-Parteifreunde, statt voll in die androgen-solidarische Offensive zu gehen, hielten sich stattdessen feige androgyn versteckt. Sehr enttäuschend!

Sehr wohltuend
Da war es richtig wohltuend zu lesen, was Du jetzt im SPIEGEL Interview völlig zutreffend rausgelassen hast:

„Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde. Mit Sicherheit gebe es in der Frauenfrage noch einiges zu tun. Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen.“

Hervorragend!.

Weg mit altbackener Moral
Du selbst hast ja auch mit altbackener Moral – trotz Deines hohen Alters und Deines Berufspfaffendaseins – nichts am Hut, und Dir konsequenterweise im zweckgerichteten Nachvollzug neben Deiner biblisch angetrauten Ehefrau auch noch eine Lebensgefährtin namens Daniela Schadt zugelegt.

Sehr mutig und sicherlich auch beglückend.

Ich hingegen beschränke mich (noch) auf das gelegenliche (un-)zweideutige Austeilen von Tanzkarten bei abendlichen Barbesuchen.

Moralischer Tugendfuror gehört einfach nicht in eine moderne Gesellschaft. Da darf man einfach moralisch nicht so „pingelig“ sein, wie der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer zu sagen pflegte.

Auch die Formulierung von Dir:

Ich stehe als Joachim Gauck auf. Wenn ich mich dann rasiere, kommt so langsam der Umschwung“,

passt ähnlich auch zu mir: Ich gehe abends als der pirschende Jüngling Rainer ins Bett, und am Morgen, während des Rasierens kommt dann der Umschwung.

Wenn ich im Bundestag oder Thomas Dehler Haus ankomme, dann ist aus dem spitzen Jüngling Rainer wieder der FDP- Spitzenpolitiker Brüderle geworden.

Sehr begrüssenswert
Begrüssenswert fand ich auch, dass Du diesen offenen Brief der sieben Frauen, darunter die Aufschrei-Initiatorinnen Anne Wizorek und Nicole von Horst, die sich in unverschämter Weise echauffiert, „verblüfft und erschüttert“ über Deine hervorragenden jüngsten Äußerungen im „Spiegel“ zeigten, keiner Antwort gewürdigt hast. Das nenne ich umsichtiges und verantwortungsvolles Handeln eines Staatsoberhauptes.

Auch zu Mali hochpositiv
Auch Deine Stellungnahme zu Mali fand ich hervorragend.

„Überhaupt gibt es in der Welt wichtigere Probleme: Wir reden tagelang intensiv über das Verhalten eines Politikers abends an der Bar – aber wir sprechen nur wenig über die brandgefährliche Lage in Mali.“


Gauck bei der Bundeswehr —— melde dem Bundespräsidenten: Bundeswehr angetreten zum weltweiten Einsatz

Besser hätte auch ich das nicht formulieren können.

Für unsere Bundeswehr ist die Lage dort in der Tat brandgefährlich, nachdem wir in trauter Einheit auch mit SPD und Grünen den Umzug unserer kämpfenden Truppe von Afghanistan nach Mali abgesegnet haben.

Danke, Danke und herzliche Grüsse

Rainer FDP-Brüderle
Fraktionsvorsitzender

Rainer FDP-Brüderle: Deutschland, jetzt rede ich

Danke, danke Herr Bundespräsident für diese Weihnachts-Ansprache

Grünen-Fraktionsvorsitzender Jürgen Flaschenpfand-Trittin schreibt an Bundespräsident Joachim Gauck
Ansprache des neuen Präsidenten Gauck: Ich bin der richtige Mann (zur falschen Zeit)
Joachim Gauck: Jetzt rede ich und stelle klar
Herbert Rechtslastig schreibt an Thilo Sarrazin: Danke für das dicke Gauck-Lob
Jürgen Flaschenpfand-Trittin zur Kandidatur von Joachim Gauck
Frau BK Merkel: Joachim Gauck kann es, ja, muss es machen