Libyen

Der Vater eines im Auftrag Gaddafis ermordeten deutschen Nachwuchswissenschaftlers im Interview

Dr. Alexander von Paleske 9.10. 2011
Daniel Reinschmidt (27), Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der Meeresbiologie, wurde durch einen Bombenanschlag zusammen mit drei weiteren deutschen Nachwuchswissenschaftlern und 7 weiteren Personen am 18.3. 1987 in Djibouti ermordet.


Die Opfer von Djibouti: Annette Barthelt, Hans-Wilhelm Halbeisen, Marco Buchalla & Daniel Reinschmidt

Der Bombenanschlag wurde ganz offensichtlich von dem libyschen Tyrannen Muammar el-Gaddafi angeordnet. Dafür sprechen alle Indizien.

Seit dem gewaltsamen Tod seines Sohnes ist der Vater, Dr. Gerd Reinschmidt, ehemals Richter am Oberlandesgericht und langjähriger Stadtverordneter in Frankfurt, auf der Suche nach etwas, was eigentlich in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein sollte: Aufklärung und Gerechtigkeit

Wie wir bereits in unserem Artikel „Schweigen um die Morde an vier Deutschen in Djibouti“ ausgeführt haben, musste sich Dr. Reinschmidt stattdessen auf eine Odyssee begeben, auf der er erbärmliche Feigheit und Nichtaufklärung, Vertuschen und Abwimmeln seitens des Auswärtigen Amtes kennenlernte.

Es gelang mir, Dr. Reinschmidt für ein Interview zu gewinnen, das gerade angesichts der veränderten Lage in Libyen aktuell ist.

Frage Dr. v. Paleske:
Der britische Aussenminister William Hague hat vor einigen Wochen im britischen Unterhaus zugesagt, alle Initiativen zu unterstützen, die über eine Befragung des nach London geflüchteten Aussenministers Libyens und früheren Geheimdienstchefs , Moussa Koussa, zur Aufklärung der Hintergründe des Lockerbie-Attentats und weiterer Terroranschläge führen. Was waren die Gründe für die Untätigkeit des Auswärtigen Amtes?

Antwort Dr. Reinschmidt
Die Regierung Kohl-Genscher, die während des Anschlages 1987 amtierte, aber später auch die Regierung Schröder – Fischer, weigerten sich trotz der eindeutigen Beweislage, Gaddafi für den Anschlag zur Rechenschaft zu ziehen, weil sie die wirtschaftlichen Interessen der BRD nicht gefährden wollten. Hier ging Kommerz vor Moral.

Angesichts der Tatsache, daß bei dem Anschlag 11 Menschen ums Leben kamen, darunter vier junge deutsche Wissenschaftler war diese opportunistische Haltung zutiefst unmoralisch. Amerikaner und Franzosen haben im Falle Lockerbie und der Discothek La Belle gezeigt wie man zum Schutze seiner Bürger mit solchen Verbrechern umgeht.

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für dieses Verhalten der deutschen Regierung?

Die deutschen Außenminister haben sich zu keinem Zeitpunkt darum bemüht, die Hintergründe des Anschlages (in Djibouti) aufzuklären, und stattdessen an der Vertuschung dieses Verbrechens mitgewirkt, um sich Gaddafis Wohlwollen zu erhalten.
Bei jedem Vorstoß, den ich unternahm, um Licht ins Dunkel zu bringen, zogen sie sich auf die unzutreffend Behauptung zurück, für einen Auftrag Gaddafis lägen keine „ausreichenden“ Beweise vor.

Diese Position war zutiefst heuchlerisch, unterstellt sie doch, daß Gaddafi von der Aktion seiner Leute nichts gewußt habe, obwohl alle dem AA bekannten Tatsachen nur den einen Schluß zuließen: daß Gaddafi den Befehl für den Anschlag gegeben hatte, um Rache an Frankreich zu üben.

Die Attentäter gehörten zu einer von Libyen finanzierten Palästinensergruppe, die ihre Weisungen von dem Libyschen Gesandten in Damaskus, Taher Chaabane, erhielten.

Der gefaßte und später in Djibouti zum Tode verurteilte Tunesier Adouani wurde für seinen Einsatz mit libyschen Traveller-Schecks bezahlt, die Attentäter unterrichteten unmittelbar nach dem Anschlag Taher Chaabane über die Ausführung des Anschlages.

Im übrigen gingen am 14. 7. 1987 beim Auswärtigen Amt und beim BKA ein Telex des BND und ein Fernschreiben ein, in denen die Behörden darüber informierten, dass die Nachrichtendienste ermittelt hätten, das Libyen Auftraggeber des Anschlages gewesen sei, als Vergeltungsmaßnahme gegen Frankreich wegen dessen Intervention im Tschad-Krieg.

Niemand anders als Gaddafi konnte ein Motiv für dieses Verbrechen haben.

Nachdem die internationale Gemeinschaft Gaddafi als Verbrecher geächtet hat, besteht für die BR keinerlei Grund mehr, auf Gaddafi Rücksicht zu nehmen. Ich hoffe deshalb darauf, dass die BR ihre zutiefst unmoralische Verweigerungshaltung aufgibt und sich zu einer objektiven Bewertung der vorliegenden Beweistatsachen entschließen kann.

Gegen den gefassten Attentäter Adouani wurde in Djibouti ein Strafverfahren durchgeführt, in dem Adouani zum Tode verurteilt wurde. Diesem Verfahren hatte ich mich als Nebenkläger angeschlossen, um durch Akteneinsicht weitere Informationen über die Hintermänner der Tat zu bekommen.

Adouani gab aber nur diese Dinge zu, die bereits bekannt waren und von ihm nicht bestritten werden konnten. Er stellte sich als Freiheitskämpfer dar, der für eine „gerechte Sache“ gemordet hatte. Die Rolle Libyens wurde in diesem Verfahren vom Gericht bewußt ausgeklammert, weil man in Djibouti die Rache Gaddafis fürchtete.

Die Todesstrafe für Adouani wurde später in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Dies geschah – und das ist die andere Seite der Medaille des Auswärtigen Amtes – auf Empfehlung des deutschen Botschafters in Sanaa.

Adouani wurde vor Jahren völlig begnadigt und auf freien Fuß gesetzt.

Ich bin über die jahrelange Weigerung der Bundesregierung an der Aufklärung eines Verbrechens mitzuwirken , bei dem deutsche Staatsbürger ums Leben kamen, sehr enttäuscht.
Eine Befragung des geflohenen Außenministers Moussa Koussa könnte die Beweis-kette vervollständigen.

Worauf gründete sich seinerzeit Ihre Hoffnung, dass unter dem Aussenminister Joseph Martin (Joschka) Fischer Bewegung in die Sache kommen würde?

Von Außenminister Joschka Fischer , den ich persönlich kenne, hatte ich mir erhofft, daß er den Mut besitzt, Gaddafi ebenso zur Verantwortung zu ziehen, wie es die Franzosen und US-Amerikaner gemacht hatten.

Er hat mich im Jahre 2004 leider von einem Mitarbeiter abwimmeln lassen, und sich ebenfalls auf die heuchlerische Position zurückgezogen, für eine Beteiligung Gaddafis an dem Anschlag gäbe es keine ausreichenden Beweise.
Dass auch er sich so opportunistisch verhalten würde, hat mich sehr enttäuscht.

Einen Monat nach meiner Initiative flogen Fischer und Schröder mit einer deutschen Handelsdelegation nach Libyen, wo die deutschen Wirtschaftsbosse Gaddafi förmlich die Hände küssten, um Aufträge zu erhalten. Im Fernsehen konnte man damals sehen, wie devot deutsche Unternehmer einen Machthaber umwarben, von dem jeder wußte, wieviel Blut an seinen Händen klebt.

Um Gaddafi anzuklagen bedarf es keiner neuen Ermittlungen. Die oben geschilderten Tatumstände lassen nur den einen Schluss zu, dass der Auftrag zu dem Anschlag von Gaddafi kam. Die vorliegenden Beweise könnten dadurch erhärtet werden, wenn der frühere libysche Außenminister Moussa Koussa zu diesem Fall befragt wird. Die Initiative hierzu liegt beim Außenministerium. Der britische Außenminister leistet hierzu sicher gerne Amtshilfe.

Deutschland hat ja versucht, sich aus dem jetzigen libyschen Konflikt herauszuhalten. Es hatte Gaddafi seit 1979 unterstützt, seine Sicherheitskräfte ausgebildet, Waren in grossem Umfang nach Libyen geliefert. Kann man sagen, dass die Bundesregierung, komme was da wolle, auf Gaddafi setzte?

Ja, denn meine Bemühungen um eine Aufdeckung des Anschlages zogen sich über Jahre hin. Sie führten allerdings zu keiner politischen Reaktion der Bundesregierung.

Ich hatte die mir persönlich bekannten Bundestagsabgeordneten Karsten Voigt, Volker Hauff, Volker Kröning um Unterstützung meiner Initiativen gebeten. Auch ihnen gegenüber zog sich das AA auf das Argument mangelnder Beweise zurück.

Meine größte Enttäuschung von den deutschen Justizbehörden war es, dass der Generalbundesanwalt auf meine Strafanzeige wegen Mordes lapidar erklärte, dass er für diese Sache nicht zuständig sei.

Über mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden konnte ich schließlich erreichen, dass die Bonner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleitete, welches dann zum Erlaß von drei Haftbefehlen gegen die von Person bekannten Attentäter führte, diese konnten aber niemals vollstreckt werden, da es zu keiner Auslieferung kam

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USA

Navy SEAL des Waffenhandels schuldig gesprochen

Stephan Fuchs – Die Polizei in Las Vegas staunte nicht schlecht. In einem Lagerhaus und in der privaten Wohnung eines Navy SEALS fand sie 72 Waffen. Darunter 30 M92 Maschinengewehre, AK-47 Gewehre, 1 Scharfschützengewehr und Handfeuerwaffen.

Letzten Freitag wurde vor einem Gericht in Las Vegas Nicholas Bickle, ein 34 jähriger Offizier des Navy SEAL Team 5 in 13 von 15 Anklagepunkten des Waffenhandels und der Verschwörung schuldig gesprochen. Der Special Force Soldat diente in Irak und in Afghanistan und importierte die Waffen laut Anklage für den Verkauf und Eigenprofit in Amerika.

Die Untersuchungen begannen bereits im Juni 2010, als ein nicht genannter Informant die Behörden darüber informierte, dass Omar Aguirre aus Las Vegas in einen Waffenhandel involviert sei. Einem Undercover Detektiv gelang es, Maschinengewehre von Aguirre zu kaufen. Auf Druck der Polizei kooperierte Aguirre mit der Polizei.

Laut Verteidigung, James Pokorny – finden sich auf keinen der Waffen Fingerabdrücke oder DNA Material von Nicholas Bickle. Die ganze Anklage basiere einzig auf den Aussagen von Drogensüchtigen verurteilten Kriminellen und Waffenschiebern.

Für wen die Waffen schlussendlich bestimmt waren ist unklar. Offensichtlich sollten sie dem Meistbietenden verkauft werden.

spionage

Full text of a CIA document indicating UK role in rendition of a terror suspect

The Guardian – „Our service has become aware that last weekend LIFG deputy Emir Abu Munthir and his spouse and children were being held in Hong Kong detention for immigration/passport violations. We are also aware that your service has been cooperating with the British to effect Abu Munthir’s removal to Tripoli, and that you had an aircraft available for this purpose in the Maldives.

Our understanding is that the Hong Kong special wing (SW) originally denied permission for your aircraft to land in Hong Kong to enable you to assume control of Abu Munthir and his family. However, we believe that the reason for the refusal was based on international concerns over having a Libyan-registered aircraft land in Hong Kong. Accordingly, if your government were to charter a foreign aircraft from a third country, the Hong Kong government may be able to coordinate with you to render Abu Munthir and his family into your custody.

If payment of a charter aircraft is an issue, our service would be willing to assist financially to help underwrite those costs. Please be advised that if we pursue that option, we must have assurances from your government that Abu Munthir and his family will be treated humanely and that his human rights will be respected; we must receive such assurances prior to any assistance being provided.

For your information, the Hong Kong special administrative region is governed by a variety of legal constraints regarding deportation and custody of aliens. Accordingly, we believe that you will need to provide significant detail on Abu Munthir (eg, his terrorist/criminal acts, why he is wanted, perhaps proof of citizenship). It is also our understanding that Hong Kong officials have insisted that prior to turning Abu Munthir over to your custody, they must receive clear assurances from your government that Abu Munthir and his family will be treated humanely and in accordance with human rights.“

See also:
link Tony Blairs und Muammar Gaddafis Menschenhandel geht vor Gericht
linkLibyen: Rebellenkommandeur beschuldigt Bundesnachrichtendeinst (BND) an Folterbefragungen beteiligt gewesen zu sein
linkAuslieferung und Folter: Wie Mi6 und CIA mit Gaddafi zusammenarbeiteten

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linkMesse-Highlight in der Schweiz: Folterflieger zum Anfassen
linkCIA-Flüge und Gefangenentransporte: Zahlen und Fakten

Grossbritannien

Tony Blairs und Muammar Gaddafis Menschenhandel geht vor Gericht

Dr. Alexander von Paleske —8.10.2011 —
Es handelt sich ein besonders finsteres Kapitel der Blair-Regierung: Das Menschen-gegen-gute Beziehungen-und-Rohstoffe-Tauschgeschäft mit dem libyschen Tyrannen Gaddafi.

Motto: Wir liefern Dir, Gaddafi, Oppositionelle samt Familie zum Einkerkern und Foltern, und Du lieferst uns gute Beziehungen und Rohstoffe.

Geheimdienste und Politiker
Involviert in dieses hochkriminelle Vorgehen war offensichtlich der britische Auslandsgeheimdienst Mi6, der Inlandsgeheimdienst Mi5, und der US-Geheimdienst CIA.

Allerdings hat der seinerzeitige Mi6 Chef, Sir Richard Dearlove, sofort klargemacht, dass derartige Entscheidungen nicht selbstherrlich von den Geheimdiensten getroffen, sondern auf höchster politischer Ebene abgesegnet werden müssten.

Über den Entführungsfall des jetzigen libyschen Armeeführers Abdel Hakim Belhaj hatten wir bereits berichtet.

Die britische Tageszeitung Guardian hatte im September ein ausführliches Interview mit Belhaj veröffentlicht, in welchem der seine Entführung und anschliessende Folterqualen und die Folterbefragungen durch diverse Geheimdienste, einschliesslich des Bundesnachrichtendienstes (BND), schildert. Die britische Tageszeitung Independent hatte die Entführungspraxis aufgedeckt.


Independent mit Enthüllungsstory

Aufgeflogen war der Skandal, nachdem diverse Dokumente und Faxe in dem Gebäude des ehemaligen libyschen Geheimdienstchefs Moussa Koussa in Tripolis gefunden worden waren. Die Menschenrechts-NGO Human Rights Watch war in den Besitz der Dokumente gelangt.

Der Fall Sami al-Saadi
Nun hat ein weiterer Betroffener, Sami al-Saadi, seine Anwälte in Grossbritannien beauftragt, Klage gegen die damals Verantwortlichen einzureichen. Das berichtet die britische Zeitung Guardian vorgestern. Ebenfalls die BBC in einem Interview mit al-Saadi


Sami al-Saadi – Screenshot: Dr. v. Paleske

Entführung und Millionengeschäfte
In einem FAX des CIA an die Libyer wird grosses Interesse bekundet, an der Entführung von al-Saadi beteiligt zu werden. Al- Saadi befand sich damals in Honkong.

Zwei Tage nach dem Absetzen des Faxes reiste Tony Blair im März 2004 nach Libyen, um Gaddafi seine Aufwartung zu machen.


Schöner Handel: Blair zu Besuch bei Gaddafi – Screenshot: Dr.v. Paleske

Die Libyer gaben während des Blair-Besuches die erfreuliche Nachricht bekannt, dass ein Explorationsdeal zur Gasausbeutung im Werte von 550 Millionen Dollar mit der britisch-holländischen Firma Shell perfekt gemacht worden sei.

Zwei Tage später wurde al-Saadi samt Ehefrau und vier Kindern im Alter zwischen 6 und 14 Jahren in Hongkong in ein Flugzeug gepackt und nach Libyen verfrachtet. Das Flugzeug war in den Malediven gechartert worden. Sie landeten alle im berüchtigten Abu Salim Gefängnis nahe Tripolis, wo im Juni 1996 insgesamt 1270 Oppositionelle auf Gaddafis Befehl ermordet worden waren, deren Massengrab kürzlich entdeckt wurde.
Unter den Getöteten waren auch die Brüder al-Saadis, Mohammed und Adel.

Al-Saadi verbrachte die nächsten 6 Jahre im Abu Salim Gefängnis, immer wieder mit Elektroschocks gefoltert. Seine Frau und die Kinder wurden nach zwei Monaten entlassen.

Um Stellungnahme gebeten behaupteten Tony Blair und sein damaliger Aussenminister Jack Straw von nichts gewusst zu haben. Eine ganz offensichtliche Lüge.

Die Aufarbeitung dieses besonders finsteren Kapitels britischer Politik beginnt jetzt mit einem Gerichtsverfahren.

Libyen: Rebellenkommandeur beschuldigt Bundesnachrichtendeinst (BND) an Folterbefragungen beteiligt gewesen zu sein
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SATIRE

Willkommen Piratenpartei

Dr. Alexander von Paleske —6-10.2011 — Folgende Mail landete gerade in meiner Mailbox. Sie wurde mir von einem Anhänger der Piratenpartei übersandt.

Hallo Deutschland,
wir sind die neue Piratenpartei

die wahren Probleme der Welt, die lassen wir ziehen an uns vorbei.

Alphabetweise schreiten wir (wenig problemorientiert) voran,

Weg lassen wir aber z.B. „A“ wie Afghanistan

Denn: Ob Afghanistan, Libyen Syrien, Finanzkrise, Griechenland und Rettungsfond

Transparenz – alleine – heisst unser Piraten- Zauberwort

Unser Ziel: Das Gemauschele und unehrliche Gequassele der Politiker, das muss ein Ende finden.

Die jungen Wähler werden wir mit transparenter Ehrlichkeit an uns binden,

Aus der Tiefe des Internets, der Grenzenlosigkeit und Freiheit geboren,

haben wir Piraten uns geschworen:

Wir machen alles besser, wissen nur noch nicht wie.

Hauptsache: Wir brechen nichts über das Knie.

denn für uns geht es um Koalitionen und die 8% hier

Der Einzug in Landtage und den Bundestag steht vor der Tür

Viele der Etablierten fragen: was wollen die denn?

Wo kommen die her, wo wollen die hin?

Aber wer den Verdruss der Volksmassen mit den Politikern kennt
,
der weiss dass selbst ein Esel den Wahlzettel verschönt,

mit dem Versprechen den Politikern ob schwarz grün, rot, rot-rot oder gar gelb

über die Ohren zu ziehen das Geschwafel-Fell.

Während Griechenland gegen den Sparkurs demonstriert

während eine Protestbewegung in den USA die Wallstreet okkupiert

versuchen wir erst einmal die Piraten-Kompassnadel zu justieren

derweil Transparenz,Transparenz wir skandieren.

Auch wenn wir keine Antworten auf drängende Fragen haben:

Wählt uns, wählt uns, denn wir sind die Piraten.

afrika

Südafrikas Desmond Tutu feiert seinen 80. Geburtstag – und ist empört

Dr. Alexander von Paleske 4.10. 2011 — Südafrikas Friedens-Nobelpreisträger Desmond Tutu feiert diese Woche seinen 80. Geburtstag – und ist ausserordentlich empört, weil einer seiner eingeladenen Gäste und Freund, der Dalai Lama, nicht einreisen darf.

So empört wie heute abend auf einer Pressekonferenz hat man Desmond Tutu, Südafrikas moralisches Gewissen, seit den Tagen der Apartheidzeit nicht mehr gesehen.


Desmond Tutu auf der Pressekonferenz heute abend ,,,,,,,, wütend, wie seit dem Ende der Apartheid nicht mehr. Screenshot: Dr. v. Paleske

Der unerschrockene jahrzehntelange Kämpfer gegen die Apartheid, Friedensnobelpreisträger, Erzbischof und seinerzeitiger Vorsitzender der Wahrheitskommission Südafrikas, der in monatelangen Verhandlungen sich die erschreckenden Schilderungen der Apartheidopfer und der Täter anhörte, feiert am 7. Oktober seinen 80. Geburtstag.
Dazu hatte er seinen Freund, den Dalai Lama eingeladen.


Desmond Tutu und Dalai Lama……….. Kein Visum für Geburtstags-Privatbesuch. Screenshot: Dr. v. Paleske

Nicht das erste Mal
Südafrika verweigerte jedoch das Visum. Zwar gibt es bis heute keine klare Negativentscheidung, aber auch kein Visum, und die Zeit für die Anreise ist abgelaufen.

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Dalai Lama, der seinerzeit immer wieder die Stimme gegen das Apartheidregime Südafrikas erhoben hatte, die Einreise nach Südafrika verweigert wird.

Bereits im Jahre 2009, als der Dalai Lama zu einer internationalen Friedenkonferenz anreisen wollte, wurde ihm das Visum verweigert.Nun wollte er nicht in offizieller Mission kommen, sondern privat als Freund von Desmond Tutu.

Und es ist nicht das erste Mal, dass Gäste Tutus kein Einreisevisum bekommen, allerdings war das zuletzt 1986 im Apartheid-Südafrika.

Der Spiegel schrieb am 8.9.1986:

Desmond Tutu lud ein: die Popgrößen Lionel Ritchie und Stevie Wonder, den Karibik-Caruso Harry Belafonte und Coretta King, Witwe des ermordeten US-Bürgerrechtskämpfers Martin Luther King. Geladen waren die US-Politiker Edward Kennedy, Jesse Jackson und Gary Hart, die Bürgermeister Ed Koch (New York) und Tom Bradley (Los Angeles) sowie der schwarze Tennis-Champion Arthur Ashe.

Sie alle sollten in den Kapstaat kommen, um am vergangenen Sonntag an einem in Afrika einzigartigen kirchlichen Spektakel teilzunehmen.

Nur Südafrikas gestrenger Innenminister Stoffel Botha wollte Tutu die Schau stehlen. Es gebe „keine Zusicherung“, so der oberste Grenzwächter, daß „alle geladenen Gäste keine Schwierigkeiten haben werden, in den Besitz eines Einreisevisums zu gelangen“.

Erbärmliche Haltung
Die Haltung der südafrikanischen Regierung ist an Erbärmlichkeit kaum noch zu unterbieten. Sie geschieht vor dem Hintergrund, dass die Volksrepublik China mittlerweile Südafrikas grösster Handelspartner ist und offenbar Druck gemacht hat.


Kürzlich zu Besuch in China: Südafrikas Vizepräsident Kgalema Motlanthe – Screenshot: Dr. v. Paleske.

Zu dem Dalai Lama kann man stehen wie man will, aber dem Druck Chinas nachzugeben, und die Einreise deshalb zu verweigern, ist nicht nur Preisgabe der staatlichen Souveränität in diesem Punkte, sie zeigt auch eine völlige Respektlosigkeit gegenüber Südafrikas bedeutendster Persönlichkeit nach Nelson Mandela.

Ganz abgesehen davon, dass China damit nur zeigt, wie wenig es sich an sein fundamentales Prinzip hält, sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.

Südafrikas Regierung unter Präsident Jacob Zuma hat nicht nur ihr Gesicht verloren, nein, sie hat auch, wie schon bei dem geplanten Pressegesetz, gezeigt, dass dem Geist und den Prinzipien Nelson Mandelas der Garaus gemacht wird.

So rief dann heute Desmond Tutu aus: „Jacob Zuma vertritt mich nicht mehr“.

Desmond Tutu: Genug ist genug – Eine moralische Instanz feiert Geburtstag und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück

Medizin

Irene – Wiedersehen mit einer Krebspatientin. Ein persönlicher Bericht

Dr. Alexander von Paleske — 4.10. 2011 — In der vergangenen Woche begrüsste mich eine junge Frau in meiner Ambulanz., ich konnte aber beim besten Willen mich nicht erinnern, sie jemals zuvor gesehen zu haben.


Irene N. — Photo: Dr. v. Paleske

Sie zog darauf ihre Behandlungskarte aus der Tasche, demnach war sie letztmalig 1997 von mir als Patientin gesehen worden. Sie war damals 7 Jahre alt. Als Diagnose war vermerkt worden: Nephroblastom, ein bösartiger Nierentumor, der nahezu ausschliesslich im Kindesalter auftritt.

Ich hatte im Jahre 1994 die Diagnose gestellt, sie hatte dann die übliche Chemotherapie zur Tumorverkleinerung bekommen, gefolgt von der operativen Entfernung des Resttumors und damit auch der befallenen Niere. Daran schloss sich die Bestrahlungsbehandlung an, gefolgt von einer mehrmonatigen sogenannten adjuvanten Chemotherapie, welche noch vorhandene, aber nicht darstellbare Tumorreste vernichten soll.

Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir genügend Medikamente zur Krebsbehandlung zur Verfügung, auch die Bestrahlungsabteilung war durchgehend in Betrieb.
Mangels eines Kinderonkologen behandelte ich auch krebskranke Kinder.

Unerwartete Schwierigkeiten
Allerdings gab es einige unerwartete Schwierigkeiten:
Ich entliess die Patienten nach Abschluss der Bestrahlungsbehandlung und einem langen Gespräch, in welchem ich der Mutter bzw. den Eltern des Kindes erklärte, dass die Behandlung über ein weiteres Jahr weitergehen müsse, nach Hause.

Anders als bei den meisten Erwachsenen, die an Krebs litten, lief das jedoch schief. Denn statt zum vereinbarten Termin zur Fortsetzung der sogenannten adjuvanten Chemotherapie erschienen die Mütter mit ihrem Kind oftmals nicht – der Tumor war ja weg – insbesondere wenn sie eine lange Anreise hatten, und oftmals das Geld für die Busreise nicht vorhanden war.

Sie kamen dann nach etlichen Monaten zurück , nachdem sich bei dem Kind ein Tumor-Rezidiv entwickelt hatte, der Tumor mangels Behandlung also wieder zurückgekehrt war. Und damit wurde auch aus einer heilbaren Erkrankung – die Heilungsrate beim Nephroblastom liegt, selbst mit den uns seinerzeit verfügbaren Medikamenten und Behandlungsmöglichkeiten bei über 80% – eine wesentlich schwieriger zu heilende, oftmals unheilbare Erkrankung.

„Kasernierung“ als Ausweg
Es gab also nur einen Ausweg: Die „Kasernierung“ für die gesamte Dauer der Behandlung. Keine leichte Entscheidung und auch nicht leicht durchzusetzen.

Regelhaft wurde ich nun nach Abschluss der Bestrahlungsbehandlung mit der Bitte der Mütter konfrontiert, sie doch wenigstens für ein Wochenende mit ihrem Kind nach Hause zu lassen.

Um den Therapieerfolg also die Heilungschancen nicht zu gefährden lautete meine Antwort regelmässig: die Mutter könne nach Hause gehen, aber ohne das Kind. Das ging oftmals nicht ohne Tränen ab, aber so gelang es uns, die Heilungsrate beim Nephroblastom – fast alle Patienten waren bei der Erstaufnahme in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung – auf 80% zu steigern. Und so machten wir es auch mit Irene, mittlerweile eine fröhliche junge Frau

Dass die Behandlung und Kasernierung keineswegs Freude bereitete machte mir einer meiner kleinen Patienten klar:
Es handelte sich um einen dreijährigen Jungen, der ebenfalls wegen eines Nephroblastoms (Wilms-Tumor) in Behandlung war:

Die Krankenschwester von der Station, die ihn gebracht hatte, war kurz zum Telefon gegangen, da schnappte sich der Knirps einen Stock, den er gefunden hatte, wartete, bis ich aus Versehen die Tür zu meinem Behandlungszimmer nicht ganz geschlossen hatte, und kam dann geschwind herein, um mir mit seinem Stock einen Hieb zu versetzen. Er hatte die Lacher auf seiner Seite.

Irene ist vom Nephroblastom geheilt. Allerdings fordern derartige Behandlungen ihren Preis: rund 8% der erfolgreich behandelten krebskranken Kinder werden sehr viel später erneut an Krebs erkranken.
Dieses Damoklesschwert hängt über ihnen, aber davon weiss Irene nichts, es würde ihrer Lebensfreude auch nur Abbruch tun, ohne dass sie den Gang der Dinge beeinflussen könnte

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Ein Tag wie jeder andere – In einem Krankenhaus in Simbabwe
Diagnose: Krebs
Dumela Ngaka – 8 Jahre als Krebsarzt in Botswana – Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Cancer surge overwhelms AIDS-struck Botswana

Unkategorisiert

Lyon: Kriminalpolizei des internationalen Drogenhandels verdächtigt

Der Skandal um die Kriminalpolizei in Lyon weitet sich aus. Nachdem der Vizechef der Kriminalpolizei von Lyon verhaftet worden war, wurden fünf weitere Beamte in Untersuchungshaft genommen. Sie werden der Korruption, des internationalen Drogenhandels und der Geldwäscherei verdächtigt.

Im Rahmen einer überregionalen Untersuchung wurde die Nummer zwei der Kriminalpolizei von Lyon, Michel Neyret, am Donnerstag zusammen mit seiner Frau verhaftet und nach Paris in Untersuchungshaft überführt. Am Freitag wurden drei weitere Beamte festgenommen. Am Wochenende gab es weitere Verhaftungen. Neben Lyon war auch das nahe Grenoble betroffen.

Spuren in die Schweiz
Offenbar gibt es in der Affäre auch Spuren von finanziellen Transaktionen in der Schweiz. Im Rahmen einer Amtshilfe wurden am vergangenen Donnerstag Finanzinstitute in Genf durchsucht, wie ein Vertreter der Genfer Staatsanwaltschaft eine Meldung des Westschweizer Fernsehens bestätigte. Die dabei gesammelten Informationen würden nun vom Staatsanwalt Jean-Bernard Schmid geprüft.

Der Fall hat offenbar einen Zusammenhang mit einem Ableger der kolumbianische Drogenmafia, der vor einigen Monaten im Raum Paris aufflog. Dabei wurden nach Medienberichten Spuren bis in hohe Polizeikreise gefunden.
Die Verhaftung Neyrets hat in Frankreich wie eine Bombe eingeschlagen, war dieser in den Medien doch als Vorzeigepolizist dargestellt worden. Es gibt aber auch Stimmen, die von einer Manipulation durch die Unterwelt sprachen.

USA

How did Obama decide to execute Samir Khan?

Paul Woodward – The fact that President Obama decided to target the US citizen Anwar Awlaki for extra-judicial execution, is a subject of considerable controversy. What is arguably even more questionable is the killing of Awlaki’s American companion at the time of the Hellfire missile strike in Yemen: Samir Khan.

Khan, who grew up in New York and North Carolina, had been the subject of a criminal investigation, yet the FBI could not find sufficient evidence to indict him. Neither had he been included on Obama’s list of people who he claims the right to execute, but he got killed anyway.
CNN says intelligence professionals “see Khan’s death as a ‘two-fer,’ with al-Awlaki being the primary target.”

If there is any kind of official explanation about what happened — not that we’re likely to hear one from a president who clearly values secrecy more than accountability — how might it go?

Khan’s presence alongside Awlaki was a happy coincidence? His shredded body was a welcome piece of collateral damage?

Or, Obama’s authorization was sought and Khan’s was a kind of two-for-the-price-of-one impulse killing.

What can reasonably be inferred is that careful consideration had already been given to whether Khan could be legitimately targeted and the conclusion was that he could not — hence, even though he had long been known to be in Yemen and been responsible for producing al Qaeda’s English-language Inspire magazine, he had not been added to Obama’s target list.

In response to the killing of Awlaki, ACLU Deputy Legal Director Jameel Jaffer said yesterday:

The execution of Samir Khan would seem to indicate that Obama took a step even further: he claims the right to kill any American — even those whom he does not deem to present a threat to the country!

Krieg

Liberale Wochenzeitung gibt Afghanistan-Krieg verloren

Dr. Alexander von Paleske — 2.10. 2011 —
Jahrelang hat die führende liberale Wochenzeitung Deutschlands, DIE ZEIT, für den Afghanistankrieg in mehreren Artikeln, gerade auch des Mit-Herausgebers Josef Joffe, die Trommel geschlagen, bis hin zu konkreten militärischen Tipps, wie dieser Krieg gewonnen werden kann.
Mit mehreren Artikeln haben wir das angegriffen, und das Fehlen substantieller Analyse kritisiert.

Wir schrieben am 6.2. 2010:
Mit-Herausgeber Josef Joffe meldete sich am 3. September 2009 zu Wort: „Krieg als Vorsorgeprinzip“
Zitat:
„Wir müssen in Afghanistan bleiben, zu unserem eigenen Schutz“
Also: Berlin wird in Kabul verteidigt. Als Vorsorge sozusagen. Eine Analyse der Verhältnisse in Afghanistan fehlt völlig. Die soziale Basis der Taliban und die Gründe für deren Erstarken werden in oberflächlichster Weise abgehandelt.
Und schliesslich das Resumee
„Der Machtkampf gegen die Taliban wird eher durch Kungeln als durch Kugeln entschieden. …Selbstverständlich muss diese (militärische) Herkulesarbeit von einem nationalen Versöhnungsprozess überwölbt werden, der auch diverse Taliban-Truppen einbezieht, denen Stammesinteressen näher sind, als der Koran.“

In die gleiche Kerbe hauen dann die Universalreporterin Andrea Böhm und ein Bernd Ulrich am 14 Januar 2010.
Titel: „So lange wie nötig“.

Wie in Joffes Artikel fehlt jegliche substantielle Analyse. Dafür wird pauschal als Klischee verdammt, aus der Vergangenheit zu lernen „Geschichte schreibt kein Diktat für die Zukunft“ . Da werden „Erfolge“ bei der Bekämpfung des Mohnanbaus berichtet, und gleichzeitig unterschlagen, wie katastrophal die militärische Lage durch den Zustrom, den die Taliban erhalten, mittlerweile geworden ist.

Dann wird dafür geworben, dass sich der Abzug der Bundeswehr nicht exakt bestimmen lässt, es könnten auch acht Jahre sein, das hänge von der Stabilität in Afghanistan ab. Und diese Stabilität hänge davon ab, ob die Afghanen einen Staat zu Gesicht bekommen, der, so hässlich er auch sein mag, eine minimale Grundversorgung sichern kann.

Der Schwenk des Josef Joffe
Nun heisst in einem Leitartikel der ZEIT von Josef Joffe am 8.9. 2011: „Der Krieg geht ins 11. Jahr, und er geht verloren“.


Josef Joffes Artikel

Als Gründe gibt Joffe an:

– Asymmetrische Kriegsführung, zu Beginn

– dann schlägt die Stunde der Guerilla

– Unterstützung der Guerilla durch die Zivilbevölkerung.

Es sind die gleichen Argumente, die seinerzeit auch während des Vietnamkrieges benutzt wurden, und sie sind heute so falsch wie damals, weil die sozialen Kräfte völlig unberücksichtigt bleiben, die den Guerillas überhaupt die Kriegführung ermöglichen.

Keine Kriegserklärung Afghanistans
Afghanistan wurde mit einem Krieg überzogen. Nicht das afghanische Volk hatte den USA den Krieg erklärt, sondern Al Qaida, die in Afghanistan Unterschlupf gefunden hatten.

Aber es wurde zu einem Krieg gegen die Afghanen, denn Al Qaida wich nach Pakistan und anderswo aus, der Krieg in Afghanistan fing jetzt jedoch erst richtig an.
.
Der damalige US-Präsident Bush machte von Anfang an klar, dass man nicht nach Afghanistan komme, um dem afghanischen Volk nach Jahren des Kampfes gegen die Okkupation durch die Sowjetarmee, und dann des Bürgerkrieges, auf die Beine zu helfen, etwas, das schon mit dem Abzug der Sowjetarmee 1989 verabsäumt wurde, die US-Botschaft in Kabul wurde seinerzeit geschlossen.

Grosse Teile der Bevölkerung, die das Regime der Taliban, satt hatten, merkten rasch, dass die neuen Herren wie die alten waren, bloss in neuer Verpackung: Statt Sowjetstern nun die Stars und Stripes, dazu der Union Jack, Schwarz-Rot-Gold und andere.

In imperialer Manier wurden die gewachsenen sozialen Strukturen der Afghanen ignoriert und ein Statthalter namens Karsai installiert.

Korruption und Vetternwirtschaft breiteten sich wie ein Krebsgeschwür überall aus.

Hochzeitsgesellschaften, ein Tanklaster in Kundus und vieles andere wurde das Ziel fehlgeleiteter ISAF- Angriffe.

Hinzu kamen Menschenrechtsverletzungen wie Folter von Gefangenen, der Einsatz von brutalen Söldnern, die in einem weitgehend rechtsfreien Raum operieren, und gezielte Tötungen durch US-Todesschwadronen, aufgedeckt durch Wikileaks..

Der Mohnanbau wurde durch Zerstörung der Mohnfelder beantwortet, und damit die Einkommensgrundlage vieler Bauern zerstört. Wirkliche Alternativen gab es nicht bzw. wurden nie entwickelt.

Die Taliban, die seinerzeit selbst den Mohnanbau untersagt hatten, konnten sich mit Angriffen auf diese „Zerstörungskommandos“ als Freiheitskämpfer profilieren.

Waren es 2005 noch 80% der erwachsenen Bevölkerung welche die militärische Präsenz der internationalen Streitmacht ISAF befürworteten, so sind es 2009 bereits weniger als 50%. Verstärkt noch durch die Opfer unter der Zivilbevölkerung als Folge des Krieges. Im vergangenen Jahr waren es 2775 Tote.

Taliban und Fische im Wasser
Die Taliban waren zu Beginn der Intervention in Afghanistan keineswegs wie „Fische im Wasser“, sondern das Wasser wurde erst durch Anstau geschaffen, und als diese Politik dann halbherzig korrigiert wurde – nicht aus Überzeugung sondern aus opportunistischen Gründen – war es längst zu spät.

Rückkehr der Taliban
Nach der fast vollständigen Vertreibung der Taliban im Jahre 2001 / 2002 konnten im Windschatten der ausbleibenden Aufbauhilfe und Armutsbekämpfung, die Taliban ihren Kampf um die Rückeroberung der Macht beginnen.

Anfang 2009 waren 40% des Landes entweder unter der direkten vollständigen Kontrolle der Taliban, oder galten zumindest als von den Taliban infiltriert.
Die Taliban hatten mittlerweile effektiv eine Parallelregierung errichtet.

Im Jahre 2005 waren es immerhin schon 11 Provinzen, die wieder einen de facto Taliban-Gouverneur hatten, im Jahre 2009 aber bereits 33 der 34 Provinzen.
Parallel damit gelang ihnen die Einrichtung von islamischen Gerichten, deren Urteile respektiert wurden.

Geld für die Kriegsmaschine, nicht zur
Armutsbekämpfung

Noch einmal seien hier die Zahlen wiedergeben:
Gesamtkriegskosten in Afghanistan 2001 bis Ende des Jahres 2011: rund 400 Milliarden US Dollar.

Soziale Lage der Bevölkerung: Unverändert miserabel.

– Das Land hat die dritthöchste Kindersterblichkeit in der Welt, mehr als 20% aller Kinder unter 6 Jahren sterben vor Erreichen des 7. Lebensjahres.

– 300.000 Kinder sterben jedes Jahr an Krankheiten und/oder Unterernährung, wobei die Unterernährung die Kinder wiederum anfälliger für Krankheiten macht.

– Die Zahl der Kinder, die wegen Unterernährung behandelt werden, sofern sie das Glück haben, eine Behandlungseinrichtung wie ein Hospital oder eine Krankenstation in erreichbarer Nähe zu haben, hat sich Jahr für Jahr erhöht, von 2100 im Jahre 2005 auf 7100 im Jahre 2008.

– Mehr als die Hälfte der Kinder unter 6 Jahren sind unterernährt

– Die Rate von akuter und schwerer Unterernährung bei Kindern liegt zwischen 6 und 10%, in einigen Gebieten bei 16%.

– Sauberes Trinkwasser fehlt in vielen Gegenden, nur 22% der Bevölkerung Afghanistans haben diesen „Luxus“ . Das Resultat sind Durchfallerkrankungen vor allem bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen.

– 35% der Haushalte haben keine ausreichende Kalorienzufuhr

– 12 Millionen Menschen haben ein Einkommen von weniger als 0.45 US Dollar pro Tag

– 42 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Selbst wenn Nahrung auf dem Markt erhältlich ist, können sich viele Familien die nicht leisten.

– Als Resultat stagniert die durchschnittliche Lebenserwartung bei 43 Jahren.

Erfolgsmeldung und Beschuldigungen
Gestern nun kam die „Erfolgsmeldung“, einer der Anführer des Haqqani – Netzwerks sei gefasst worden.
Dieses Netzwerk soll ausserdem vom pakistanischen Geheimdienst unterstützt werden.

Was steckt dahinter?

Nicht nur Pakistan, sondern auch die USA haben seinerzeit diese Netzwerke, einst Ex-Kämpfer gegen die Sowjet-Okkupation, logistisch und mit Waffen unterstützt.
Dieses Haqqani Netzwerk gehört zum Stamm der Paschtunen, einer Volksgruppe von 40 Millionen Menschen, die in sowohl in Afghanistan wie in Pakistan leben, eine der weltweit grössten Volksgruppen ohne einen eigenen Staat.

Bereits 2006 hatte die damalige pakistanische Regierung unter General Musharraf Stillhalteabkommen mit Talibangruppen geschlosssen. Die pakistanische Regierung wollte so vermeiden, dass der Konflikt von Afghanistan auf Pakistan übergreift. Das gelang jedoch nur teilweise.

Während bestimmte Taliban weiter auch in Pakistan bomben, hielt sich die Gruppe Haqqani offenbar an die Abmachungen, nach dem Motto: „Ihr lasst uns in Ruhe und wir lassen Euch in Ruhe“. Dieses Stillhalten ist auf Seiten Pakistans Teil einer Überlebensstrategie..


Siraj Haqqani, Chef des Haqqani-Netzwerks – Screenshot: Dr. v,. Paleske

Die Festnahme eines der Anführer der Haqqani-Gruppe ändert jedoch nichts daran, dass dieser Krieg für die USA und ihre Verbündeten verloren ist.

Oder brutaler ausgedrückt: Bundeswehrsoldaten wurden und werden in einem Krieg verheizt, der zunächst als Stabilisierungsmission bezeichnet, und angesichts der genannten politischen Fehlentscheidungen zu einem Krieg gegen die afghanische Bevölkerung wurde.


Werden verheizt: Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan – Screenshot: Dr. v. Paleske

Eine Bevölkerung, welche in ihrer Mehrheit die ISAF-Truppen lieber heute als morgen aus dem Lande haben will.

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