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Desmond Tutu: Genug ist genug – Eine moralische Instanz feiert Geburtstag und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück

Dr. Alexander von Paleske —8.10. 2010— Er gehört zu den ganz großen Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts, die in das nächste reichten.


Desmond Tutu – Screenshot Dr. v. Paleske

Er bekämpfte die Apartheid in Südafrika mit friedlichen Mitteln, und wurde für seinen Einsatz 1984 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Er war Priester und stieg zum Erzbischof auf. Die Verfechter der Apartheid hassten ihn, für ihn selbst war Hass eine Teufelsgabe, mit dem christlichen Glauben unvereinbar.

Er war das Symbol der Hoffnung für die Unterdrückten neben Nelson Mandela, und beide verband das Ziel, einen friedlichen Übergang nach dem Ende der Apartheid zu erreichen, gerade angesichts des vorhandenen Gewaltpotenzials auf beiden Seiten.

Er leitete die Wahrheitskommission nach den ersten freien Wahlen in Südafrika und dem Amtsantritt Nelson Mandelas, in der die Opfer der Apartheid bzw. deren Angehörige zu Wort kamen, und über die unfassbaren Verbrechen und das unsägliche Leid berichten konnten.
Er litt mit ihnen, bis an die Grenze dessen, was ein Mensch aushalten kann.

Er hörte die Geständnisse der Täter, die auf Amnestie hofften und bereit waren, sich seiner Kommission gegenüber zu öffnen.

Aus christlicher Überzeugung vergab er den reuigen Tätern, auch wissend,, dass die Vergebung unabdingbare Voraussetzung zur Versöhnung ist, und nur Versöhnung den Weg für eine bessere Zukunft freimachen konnte.

Für ihn gab es keine „schwarze Kameraderie“, und so scheute er sich auch nicht, Simbabwes Robert Mugabe eine „Schande für Afrika“ zu nennen, einen Mann, den er einst als Freiheitshelden bewundert hatte.

Nun feierte Desmond Tutu gestern seinen 79. Geburtstag, und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück .

Südafrika schuldet ihm unendlichen Dank, für die Welt bleibt er eine moralische Instanz und ein nachahmenswertes menschliches Vorbild..

linkEine Ikone wird 90 – Nelson Mandela feiert Geburtstag
linkNelson Mandelas Geburtstag – Ein Nachtrag
linkSimbabwe: Mugabes Umzug ins Paradies
link 30 Jahre Simbabwe, 30 Jahre Robert Mugabe

Medizin

Hepatitis E oder: Wenn die Herstellung von wirksamen Impfstoffen sich „nicht lohnt“

Dr. Alexander von Paleske — 6.10. 2010 —- Hepatitis E ist eine Form der ansteckenden Leberentzündung, die durch Viren verursacht wird, aber gerade der Modus der Übertragung ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Das Virus wird wohl, anders als bisher angenommen, durch mangelnde Hygiene von Person zu Person und wohl doch nicht über unsauberes Trinkwasser verbreitet.

Es gibt aber dennoch genügend Informationen, um sie wirksam zu bekämpfen.

Und es ist eine Erkrankung, die vor allem in der Dritten Welt zum Ausbruch von Epidemien mit hohen Todeszahlen führt.
.
Zwar gibt es diese Form der Leberentzündung auch in den Industrieländern – das Erregerreservoir dort sind vermutlich Mastbetriebe – aber es handelt sich um vergleichsweise harmlosere Varianten des Typs 3, während in Dritte Welt Ländern die Typen 1, 2 und 4 vorherrschen, die vor allem bei Schwangeren, und Kindern unter zwei Jahren, in 10-25% zum Tode führen.

Während gegen Hepatitis A und B seit geraumer Zeit Schutzimpfungen verfügbar sind, ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Hepatitis E erst jüngeren Datums. Im Jahre 2007 wurde in einer Studie dessen ausgezeichnete Wirksamkeit nachgewiesen: 95,5 % der Geimpften waren gegen die Ansteckung geschützt.

Das ist doch eine erfreuliche Meldung – möchte man denken.
Aber der Impfstoff, von der britischen Firma Glaxo Smith Kline in Zusammenarbeit mit der US-Armee entwickelt, wurde von dieser Firma nicht produziert. Der Grund: damit lässt sich kein Geld verdienen.

Das verdiente die Firma seit 10 Jahren stattdessen mit dem Diabetesmittel Rosiglitazone (Avandia), das wegen seiner erheblichen Nebenwirkungen jetzt vom Markt genommen werden musste.
Die Firma besitzt zwar die Patentrechte an dem Hepatitis E Impfstoff, setzt sie aber nicht in Produktion um.

So weit sind wir mittlerweile gekommen.

Aber die Abhängigkeit von derartigen Entscheidungen nimmt wohl ab, denn China hat nun ebenfalls einen Impfstoff gegen Hepatitis E entwickelt (Hecolin) von der Firma Innovax Biotech in Xiamen. Immer wieder kommt es auch in China zu kleineren Epidemien.

Die Wirksamkeit des Impfstoffs wurde in einer vor drei Wochen in einer in der hochangesehenen Medizinzeitung LANCET publizierten chinesischen Studie nachgewiesen.

Es besteht Grund zu der Hoffnung, dass die chinesische Firma den Impfstoff in großen Mengen herstellen, und zu einem erschwinglichen Preis verkaufen wird, nicht nur in China.

Seltene Krankheiten – Teure Medikamente (oder gar keine)
Bittere Pillen für die Dritte Welt
Hollywoodstar Harrison Ford begibt sich in die Forschung

Kommentare
Tommy Rasmussen (Gast) – 7. Okt, 06:43
Viren
Viren sind Bestandteile von sehr einfachen Organismen und von sehr vielen Bakterien. In Menschen hat man Viren noch nie gesehen. Alle Schweine-Vogel-Aids-SARS-BSE-Hepatitis C- Virusmodelle sind Computer- Grafiken. Elektronenmikroskop- Aufnahmen von Viren zeigen in Wirklichkeit nur Bestandteile von sterbenden Zellen. Das Robert-Koch-Institut musste inzwischen zugeben, mit einem Fotobeweis nicht dienen zu können.

Die Schulmediziner brauchen Phantomviren als zentrale Grundlage ihrer Existenz:
Erstens, um durch Impfen Menschen massenhaft zu schädigen, um sich einen Kundenkreis an chronisch kranken und kränkelnden Objekten aufzubauen, die alles mit sich machen lassen.

Zweitens, um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, dass sie mehr Menschen getötet haben, als alle Kriege dies bisher ermöglicht haben.

onlinedienst – 7. Okt, 06:52
Virusleugner und ihr unwissenschaftlicher Unfug
es handelt sich bei dieser Stellungnahme um den typischen unwissenschaftlichen Unfug der Virusleugner.
Ich erspare es mir, näher darauf einzugehen. Das habe ich im Zusammenhang mit der HIV-Krankheit bereits ausführlich getan.

Dr. v. Paleske

Tommy Rasmussen (Gast) – 7. Okt, 07:37
wissenschaftlicher Unfug
Dr. v. Paleske: „Virusleugner und ihr unwissenschaftlicher Unfug..Ich erspare es mir, näher darauf einzugehen…“

Nun, mit Überheblichkeit ist aber gar nicht bewiesen, aber Sie sind damit nicht alleine. Auch das hier z.B. wird totgeschwiegen:

CO2 – Die Pflanzen nehmen kein CO2 auf und geben keinen Sauerstoff ab, sondern nehmen Sauerstoff auf und geben CO2 ab. Auf Flughäfen, um die Kraftwerke und an stark befahrenen Straßen ist kein CO2 nachweisbar, weil CO2 sofort (wenn es den Auspuff verlässt) in Kohlenstoff und Sauerstoff getrennt wird.
http://www.fehler-der-wissenschaft.de/

umwelt

Guten Appetit Europa – Fischfangsklaverei und Umweltzerstörung

Dr. Alexander von Paleske –1.10. 2010 — Frisch auf den Tisch, oder: wie gut dass kaum jemand weiss, was an einigen Fischen klebt, die auf dem europäischen Esstisch landen:
Es ist nicht selten:

– Schweiß der Sklaverei–änhnlichen Schufterei auf rostigen Fangschiffen

– Zerstörung des Meeres-Ökosystems durch engste Fangnetze,

– Zerstörung der Korallenriffe

– Zerstörung von Fischfang-Einkommensquellen der lokalen Fischer

– Hunger durch Zerstörung einer wichtigen Nahrungsquelle

Was die Umweltorganisation Environmental Justice Foundation http://ejfoundation.org/
herausfand, kann mehr als nur den Appetit verderben.

Vor den Küsten Afrikas, insbesondere Westafrikas breitet sich eine neue Pest aus: die Piratenfischerei.

Registriert sind diese bis zu 40Jahre alten Fischfangschiffe, besser als Seelenverkäufer zu bezeichnen, in Ländern wie Südkorea, Vietnam etc ., und fahren nicht selten ohne die üblichen Sicherheitsvorkehrungen.


Rostige Seelenverkäufer und Leerfischer

Täuschung und Sklaverei
Die offiziellen Reeder sind meistens dubiose Briefkastenfirmen , die den wahren Eigentümer verschleiern sollen, um damit jegliche Strafverfolgung unmöglich zu machen.

Die Schiffsbesatzungen stammen fast ausschließlich aus Dritte Welt Ländern, und müssen oftmals bis zu 18 Stunden am Stück schuften, bei Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius. Und sind noch erbärmlichen Gestank ausgesetzt , beäugt von jeder Menge Kakerlaken.


Moderne Sklavenarbeit

Die Besatzungen dieser Fischpiraten-Trawler werden oftmals nicht in Geld, sondern in Fisch entlohnt..
.
Diese Fischereipiraten benutzen engmaschige Netze, die am Meeresboden schleifen, dadurch Zerstörungen an Korallenriff anrichten, und alles fischen, was sich im Wasser bewegt, sodass 80% des Fangs anschließend wieder über Bord geht – tot versteht sich – zu Tierfutter verarbeitet wird, oder die Besatzungen werden mit kleineren Booten an Land geschickt um dort Fisch zu verkaufen, der ungeeignet für den Export nach Europa ist.

Das Resultat: Leerfischen und Zerstörung des Ökosystems. Außerdem wird den lokalen Küstenfischern dadurch die Existenzgrundlage entzogen.

Anlaufstelle für diese Raubfischer zum Export nach Europa und Importhafen ist Las Palmas / Kanarische Inseln.

Die meisten Länder Westafrikas, deren Küsten so leergefischt werden, haben nicht die nötigen Resourcen, um diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben.

vermischtes

Nicht auf Twitter und nicht auf Facebook – ein persönlicher Bericht aus London

Dr. Alexander von Paleske — Wenn ich auf Twitter oder auf Facebook wäre, dann wüssten meine Follower bzw. Bekannten, dass ich zur Zeit in London bin, und einen Auffrischungskurs in Hämatologie am Hammersmith- Hospital besuche.

Hammersmith Hospital

Und ich hätte berichtet, dass 1986 ich dort zu einem Attachment in der Abteilung für Knochenmarktransplantation (KMT) war, als seinerzeit die Reaktorkatastrophe vonTschenobyl passierte und der Leiter der KMT, Prof. John Goldman gefragt wurde, ob er einige der Strahlenopfer transplantieren könnte.

Sie wüssten, dass ich zweimal umsteigen muss, um von meiner Unterkunft dorthin zu gelangen, und sie wüssten auch, dass die Menschen immer in großer Eile sind und hastig in den U-Bahnstationen sich bewegen, obgleich der Zeitgewinn für diese Eile eigentlich nur minimal ist.

Aber ich bin weder auf Twitter, noch auf Facebook, kurzum, ich bin altmodisch, hoffnungslos altmodisch.

Nein, ich fühle mich auch keineswegs denjenigen überlegen, die gerne twittern, und auch nicht denjenigen, die auf Facebook unterwegs sind „ by choice“ also in voller Kenntnis dessen, was mit ihren Daten möglicherweise geschieht und welche Konsequenzen sich eines Tages daraus ergeben könnten.

Ich ärgere mich deshalb über die Datensammler, die unter dem Vorwand der Gemeinnützigkeit „Dein Freund“ mich ausforschen und dann diese Daten ohne meine Zustimmung weiterverwenden bzw. weiterverkaufen.

Mein Privatbereich
Ich habe immer (noch) die Einstellung, dass es einen Privatbereich gibt, der getrennt von der Öffentlichkeit gehalten werden sollte, und dass dieser Privatbereich auch gegen Eindringlinge verteidigt werden muss, so man es will..
Vielleicht ist auch das völlig überholt.

Was mich daher aufregt: Ich weiß nicht, welche Infos, die ich zu meinem Privatbereich zähle, nicht doch in die Hände von notorischen Info-Sammlern gelangen, obgleich ich gar nicht gefragt wurde, und wo ich meine persönliche Info auch gar nicht aufgehoben wissen will.

Deshalb hat mich natürlich empört, was Stefan Tomik vergangene Woche in der FAZ in einem Artikel über Google schrieb, einen „Datensammelverein“ mit dem wir uns hier – aus leider gegebenem Anlass – bereits mehrfach beschäftigten:

„Es ist ein faustischer Pakt, den Google mit unzähligen Betreibern von Websites geschlossen hat. Google stellt ihnen eine Software zur Verfügung, mit der sie die Besucher ihrer Seiten beobachten können. So sehen sie, wo jemand wohnt, welche Seite er vorher angeschaut hat, wie er sich im Internetangebot bewegt, wohin er weiterklickt, wann er aussteigt und sogar, wann er wiederkommt. Selbst wenn Monate dazwischen liegen.
Das Programm „Google Analytics“ liefert sehr nützliche Statistiken, und viele Seitenbetreiber lieben es. Sie „optimieren“ damit ihren Internetauftritt. Google verteilt die Software kostenlos, aber nicht ohne Hintergedanken. Denn die Informationen werden automatisch nach Amerika geschickt und in Googles Rechenzentren verarbeitet. So erhält der Internetkonzern Zugriff auf die Daten von Hunderten von Millionen Nutzern aus aller Welt. Die meisten wissen gar nichts davon.

Wiener G’schichten
Ich komme alle zwei Jahre – auf eigene Kosten – hierher nach London, um den Anschluss an Neuerungen in der Diagnose und Behandlung hämatologischer Erkrankungen nicht zu verlieren, auch wenn ich das meiste davon, mangels Medikamenten vor Ort, also in Simbabwe, nicht umsetzen kann. Aber ich lerne immerhin, was potenziell möglich ist. Und manchmal bekommen wir ja auch Medikamente kostenlos, wie Gleevec, das neuere Medikament zur Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie.

Seit 1995 komme ich relativ regelmäßig zu diesen Meetings, da in Deutschland nichts Vergleichbares angeboten wird.
Stattdessen gibt es dort jede Menge von der Pharma-Industrie gesponserte Veranstaltungen.

Im vergangenen Jahr bekam ich selbst eine Einladung, damals noch in Botswana tätig, zu einem von der Firma Roche organisierten Meeting in Wien.
Ich habe mich hinterher schrecklich darüber geärgert. Es war eine Werbeveranstaltung für ein zweifellos gutes Medikament, Rituximab (Mabthera).

Die Veranstaltung war aber lediglich darauf zugeschnitten, einen neuen Anwendungsbereich – die chronisch lymphatische Leukämie – für dieses Medikament zu promoten.


Der Roche-Kongress tagt


Werbung wie bei Waschmitteln. Kongressfotos: Dr. v. Paleske

Da rund 1000 Ärzte aus aller Welt eingeladen worden waren, inklusive Flugkosten und erstklassige Hotelunterbringung plus einem Dinner in der Hofburg, lagen die Kosten dieser Veranstaltung im einstelligen Millionenbereich. Klar, dass diese Kosten letztlich von den Patienten zu zahlen sind.

„Value for Money“ im Hammersmith Hospital
Kein bezahltes Dinner, Kurskosten und Anreise sind von den Teilnehmern selbst zu bezahlen. Dafür exzellente Vorträge
von Top-Hämatologen aus Europa.

Eine Reise, die sich gelohnt hat..

Satire zu Google
Wir treiben den Fortschritt voran – gegen alle Widerstände

Vorwärts Genossen, wir wollen zurück – nach China
Google: Wir greifen nach der absoluten Cyber-Weltmacht

Keine Satire zu Google
Google-Schmidt Auftritt in Berlin: Wo Fortschritt draufsteht ist Google drin – oder nur Wikipedia?
Gigant Google: Zensur nur in China?
Alles frei?– oder: Google, der Streit um das Urheberrecht und seine Vergütung
Wird Wikipedia weggegoogelt?

Ein Tag wie jeder andere – In einem Krankenhaus in Simbabwe
Dumela Ngaka – 8 Jahre als Krebsarzt in Botswana – Ein persönlicher Erfahrungsbericht
Diagnose: Krebs
Cancer surge overwhelms AIDS-struck Botswana
Bittere Pillen für die Dritte Welt

USA

Von der Strasse zur Top-Uni: Die Geschichte der Liz Murray

Dr. Alexander von Paleske — 28.9. 2010 —
Ein Buch stürmt zur Zeit in den USA die Bestsellerlisten und die Autorin, Liz Murray, 29 Jahre, wandert von Talkshow zu Talkshow. Winfrey Oprah hat es sich nicht nehmen lassen, sie zu“ betalken“, auch mit Bill Clinton, Michail Gorbatschow und dem Dalai Lama trat sie auf Veranstaltungen zusammen auf.


Liz Murray

Ihr Buch hat nichts mit dem Genre von Feuchtgebieten zu tun, und auch nichts mit Plagiaten, Abschreiben von anderen Autoren u.s.w., und ist auch nicht etwa ein narzistischer langer Lauf zu ihr selbst.

Vielmehr ist ihr Buch die bemerkenswerte Lebensgeschichte einer jungen Frau, die es trotz widrigster Umstände geschafft hat.
Bemerkenswert, weil die Umstände nicht schwieriger hätten sein können: Beide Eltern, hochintelligent, ehemalige Hippies und dann den Drogen, genauer gesagt dem Kokain verfallen.

Alles vorhandene Geld stecken die Eltern in den Drogenkonsum, die Mutter beklaut selbst die Tochter um ihren Drogenkonsum zu finanzieren, und verkauft auch noch den Weihnachts-Truthahn, den sie von der Armenfürsorge bekommen hat. Die Kinder hungern.

Beide Eltern sind HIV positiv, die Mutter stirbt als erste an AIDS, der Vater einige Jahre später.

Als der Vater die Miete nicht mehr zahlen kann und in ein Obdachlosenheim zieht, ist die Autorin, gerade 16 Jahre alt, auf der Strasse gelandet. Ihre Schwester kam bei Bekannten unter.

Die Autorin schlug sich durch und hatte den festen Willen, den Schulabschluss nachzuholen und zu studieren.

Beides gelang, sie schaffte es sogar in die Top Uni Harvard.

Von der Strasse in die Top-Uni, ein US-amerikanischer Traum wird wahr – oder? Fast so schön, wie der Tellerwäscher, der Millionär wurde.

Es geht also doch – oder?
Das Buch hat den Titel:

Breaking Night, a Memoir of Forgiveness, Survival, and my Journey from Homeless to Harvard“.


Der Film Homeless to Harvard erschien bereits vor einigen Jahren

Eine Geschichte ganz nach US-Geschmack: Es geht also doch.

Natürlich gibt es keinen Grund, dieser Frau die Hochachtung zu versagen. Nur, es sollten keine falschen Vorstellungen aufkommen: Aus derartigen Verhältnissen schaffen es nur ganz, ganz wenige, für sich selbst eine Erfolgsstory zu machen. Die meisten schaffen es nicht, sondern landen dort, wo auch ihre Eltern waren. Und insoweit hat der Staat ganz eindeutig versagt.

Mit Chancengleichheit bzw. Chancengerechtigkeit hat das alles nichts zu tun. Gerade deshalb ist es auch die Aufgabe des Staates, bei solchen sozialen Verhältnissen unterstützend einzugreifen.

Sarah Palin wird sich freuen
Natürlich ist ein derartiges Buch Futter für Sarah Palin, ihren Teeverein und den Hetzer Glenn Beck von Rupert Murdochs schwarzem Kanal Fox News.
Weniger Steuern, weniger Sozialhilfe, keine Krankenkasse etc.denn jeder ist seines Glückes Schmied, jeder kann es schaffen…….

Allerdings gibt es wenig Grund, auf die USA herabzusehen, denn Deutschland ist dabei, sich dorthin auf den Weg zu machen.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht bei Kindern von Hartz-IV Empfängern die Berechnungsansätze für verfassungswidrig erklärt hatte, hat jetzt die schwarz-gelbe Bundesregierung sich das Ziel gesetzt, die durch das Urteil notwendig gewordenen Änderungen weitgehend „kostenneutral“ über die Bühne zu bringen. Motto: Viel muss sich ändern, damit alles beim alten bleibt.

10 Euro pro Monat mehr für 6,7 Millionen Hartz IV Empfänger kosten gerade mal 1 Milliarde Euro pro Jahr mehr, aber schon zu viel für die Bundesregierung. Dabei ist es ein Kleckerbetrag, verglichen mit dem, was den Banken in den Rachen geworfen wurde und wird. Bei der Hypo Real Estate (HRE) waren es kürzlich nochmals 40 Milliarden Euro.

Nicht weniger schlimm: Immer mehr Menschen können von ihrem geringen Einkommen nicht mehr leben und sind daher zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Zu der Armut gesellt sich die Verletzung der Würde.

Rupert Murdoch bläst zum Angriff auf Obama
Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Aera der Globalisierung
Die Rache der Sarah Palin
Rettet Rupert Murdoch den guten Journalismus?

spionage

CIA Agent & Autor David Dastych ist tot

Stephan Fuchs – David Dastych ist mit 69 Jahren gestorben. David kontaktierte mich 2006. Er hatte Informationen über den illegalen Plutoniumschmuggel. Er kannte Namen, Firmen und Hintergründe, welche die Schweiz betroffen haben. Er recherchierte damals auch in der Schweiz über die geheimen Netzwerke. Netzwerke die mit den Pakistanern verhandelt haben. Im regen Email und Telefon Verkehr fanden wir Sympathie und Freundschaft. Seit 2006 schrieb David regelmässig für Nachrichten Heute. Wen wundert’s; er schrieb in englischen, kanadischen und polnischen Medien über Geheimdienste, über Waffenhandel und Spionage.


Als CIA Agent überlebte er zwei Anschläge in den 80er und 90er Jahren.

Spionage war auch eines seiner wichtigen Themen die er in Nachrichten Heute behandelte. Es ging um die von seinem Freund William A. Hamilton für die NSA entwickelte Spionagesoftware PROMIS. Die Software wurde unrechtmässig modifiziert und an befreundete Nationen, Banken und Institutionen verkauft. Mit einigen Leichen im Keller wurde der Skandal als „Promis Gate“ bekannt. Ohne David Dastich wären die Aufklärungen über die geheimen CIA Folter Camps im osten Europas kaum möglich gewesen. Mit Larisa Alexandrova und Nachrichten von Heute gelang ihm die Enttarnung der geheimen Gefängnisse.

David “Mariusz” Dastych der Warschauer Journalist der als „The Spy Who Never Came in from the Cold“ auch in kanadischen Medien bekannt war, hat viele Tragödien erlebt. Als CIA Agent überlebte er zwei Anschläge in den 80er und 90er Jahren. 1990, am 28 Februar, verliess er das sowjetische Gefängnis. Der damalige KGB verdonnerte ihn zu 8 Jahren Haft weil er nicht nur für den polnischen, sondern auch für den amerikanischen Geheimdienst arbeitete. Das Militär Tribunal reduzierte die Haft glücklicherweise auf 5 Jahre. 1994 hatte er einen Fahrradunfall in den französischen Bergen und erlitt einen Wirbelbruch, was ihn zeitlebens zu einem Gehbehinderten machte. Im Dezember 1996 verstarb unter mysteriösen Umständen sein einziger Sohn Olaf im englischen Bradford mit 24 Jahren. David liess den Verdacht nicht los, dass sein Sohn vergiftet worden sein könnte.

David war seit längerer Zeit unter Spitalbeobachtung. Mal drin, mal draussen, immer euphorisch über seine Frau Sophie, seine Töchter und die Hunde Atos und Mickey. Immer am Telefon und am updaten über die neusten Nachrichten. Der Tod war in weiter Ferne. Für ihn, so nahm ich an und für alle die mit ihm arbeiteten.

“It is a small tree now but will grow straight and strong. When you come to Bradford, you will know that you are among friends.”

David; ich danke dir für deine treue Freundschaft, deinen Mut für das Richtige und deinen Schutz.
Sophie; Ich danke dir, dass du deinem Mann die Kraft, das Vertrauen und den Rückhalt geben konntest.

Further Reading

Promisgate: World’s longest spy scandal still glossed over / Part I
Promisgate: World’s longest spy scandal still glossed over /Part II
Promisgate: World’s longest spy scandal still glossed over /Part III

Krieg

Das Stuxnet-Virus und der Siedlungsbau im Westjordanland

Alexander von Paleske — Zwei Nachrichten kamen heute über den Ticker, die nur auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben

Nachricht 1:
Die iranische Regierung hat eine Attacke des Computervirus‘ Stuxnet auf Rechner in Industrieanlagen des Landes bestätigt. Rund 30.000 Rechner seien betroffen, sagte der Beauftragte für Informationstechnologie im iranischen Industrieministerium, Mahmud Liaji. Das Virus habe vor allem von dem deutschen Unternehmen Siemens entwickelte Kontrollsysteme angegriffen

Nachricht 2:.
Baustopp endet: Jüdische Siedler rücken mit Bulldozern an. Schon vor dem Ende des israelischen Baustopps im Westjordanland haben jüdische Siedler die umfassende Wiederaufnahme der Bauarbeiten eingeleitet.


Zerstörung palästinensischer Häuser. Screenshot: Dr. v. Paleske

In einer symbolischen Aktion wurde in der israelischen Siedlung Kirjat Netafim im Westjordanland der Grundstein für eine Kinderkrippe gelegt..

Krieg und Frieden
Wir hatten bereits in einem Artikel vor drei Wochen dargelegt, dass der Preis des Friedens mit den Palästinensern der Krieg ist.

Nur kann Netanjahu die Katze nicht aus dem Sack lassen. Hinzu kommt, dass unter den Siedlern offenbar die Einstellung vorherrscht „We can eat the cake and have it“
Netanjahu weiß aber sehr wohl, dass beides nicht geht, dass er sich entweder für einen Krieg gegen den Iran oder für eine Fortsetzung des Landraubs und Siedlungsbaus in der Westbank und Ost-Jerusalem entscheiden muss. Das hat ihm offenbar Obama mit aller Deutlichkeit klargemacht.

Und Netanjahu hat sich – wenn auch zögerlich – offenbar für die Kriegs-Variante entschieden.

Unterdessen gehen die Kriegsvorbereitungen gegen den Iran offenbar weiter – mit Hilfe der elektronischen Kampfführung.

Während in den 60er Jahren die elektronische Kampfführung, auch ELOKA genannt, vorwiegend darin bestand, fremde Funkverkehre zu entschlüsseln, zu stören und zu täuschen – der Verfasser diente in einer solchen Einheit – hat das Internet und die Computerisierung diese elektronische Kampfführung samt Spionage wesentlich verfeinert – und in gewisser Weise auch vereinfacht – jedenfalls dann, wenn es gelingt Trojaner einzuschleusen, die als Spione, und offenbar auch als Zerstörer arbeiten können.

Bei allem Verschwörungsgsstuß, den Ahmadinejad gerne loslässt – angefangen von der Leugnung des Holocausts, bis zu 9/11 als von den USA selbst inszeniert – aber hier dürfte die iranische Regierung recht haben. Unklar ist, woher genau der Virus / Ttrojaner – Angriff kommt: Aus den USA oder Israel oder aus beiden Ländern in gemeinsamer Arbeit.

Er kann das Atomprogramm des Iran bestenfalls vorübergehend lahmlegen, nicht aber auf Dauer, wohl aber nützliche Infos liefern, wie weit das Atomprogramm mittlerweile gediehen ist, und es könnte möglicherweise das Ziel sein, die Raketenabwehr gegen einen potenziellen Angriff lahmzulegen bzw. den dann zu erwartenden iranischen Vergeltungsschlag zu vereiteln.

Die Zeichen im Nahen und Mittleren Osten deuten keineswegs auf Frieden hin. Ganz im Gegenteil.

Israels Waffenlieferungen in den Iran einschliesslich Massenvernichtungswaffen
linkGasmasken, Giftgas und Milliardenbetrug – auf den Spuren des Moshe Regev
linkMassenvernichtungswaffen in den Iran – Schmierige Geschäfte internationaler Kriegstreiber
linkIsraels tödlicher Export – Waffen in den Iran


Israels Atomwaffenzusammenarbeit mit Apartheid-Suedafrika

linkIsrael und sein Export von Massenvernichtungswaffen
linkIsraels radioaktive Partnerschaft mit Apartheid-Südafrika – Mehr Details
Prozess in Suedafrika und Banditen im Nuklearbereich

Konflikt Iran-Israel allgemein
Mission impossible – Josef Joffes Iran-Kriegs-Artikel in der ZEIT
Raketenabwehr am Persischen Golf – Vorbereitung auf Irans Angriff oder Gegenschlag?
Gasmaskenverteilung in Israel: Kriegsvorbereitungen gehen weiter
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Israel bereitet sich auf einen Vergeltungsschlag des Iran vor
Greift Israel den Iran an ?
Sindbad, der Iranfahrer oder: wie man beim BND einen nutzlos gewordenen „Top-Spion“ los wird
Pressebericht bestätigt Mossad-Beteiligung an der Arctic- Sea Kaperung

Israel allgemein
Israel: Journalismus, illegale Staatsgeheimnisse und Todesschwadronen
Innerstaatliche Feinderklärung, Staatsmassnahmen gegen Kritiker

… als Satire
Israels Premier Benjamin Netanjahu schreibt an ZEIT-Herausgeber Josef Joffe

…. und die Antwort von Josef Joffe und der ZEIT
IDeutschlands liberale Wochenzeitung “Die ZEIT” verlangt Löschung einer Satire</

SATIRE

Alice Schwarzer: Willkommen im Circus Sarrazini

Dr. Alexander von Paleske — 23.9. 2010 —

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

viele haben sich in dieser Manege, genannt Kopftuchintegration, schon verbreitert, ausgelöst durch das hochwichtige und tiefschürfende Buch des politischen Kaltduschers und Hartz IV-Nahrungsmittelspezialisten Thilo Sarrazin. Aber so eine prominente Stimme wie die Ihrige fehlte bisher.

Ein hochwichtiges Werk
Nun haben Sie sich lautstark mit einem Buch zu Wort gemeldet „Die grosse Verschleierung“ und jetzt soll es auf den Markt geworfen werden.

Wir sind alle höchstgradig gespannt, wie Sie das Gemüsehändler-Problem in Berlin-Neukölln nun in den Griff bekommen wollen, nachdem sie gerade den Fall Kachelmann in der BILD-Zeitung so hervorragend problematisiert haben.

Schlagzeilen wie:

„Kachelmann-Prozess: warum Millionen Frauen betroffen sind“

Und:

Kachelmann Anwalt, will Zeuginnen verhindern

stellten ein erfreuliches Gegengewicht gegen die ZEIT Qualitätsjournalistin Sabine Rückert dar, die es einfach nicht lassen kann, nicht nur die Vorfreisprechung in einem Dossier mit akribischer Bewertung von Gutachten und Zeugenaussagen zweifelsfrei zu begründen, sondern in ihrem letzten Artikel auch gleich noch eine Stellungnahme abzugeben, die sich wie eine Eventual-Revisionsbegründung gegen ein mögliches Falschurteil des Landgerichts Mannheim liest.

Dafür ein herzliches Dankeschön
Früher, sozusagen in Ihrer journalistischen Jugendzeit, hätten sie so ein Papier wie die BILD vermutlich nur gekauft, wenn zu Hause keine Servus-Rolle mehr vorhanden war, und alle Läden nach dem alten Ladenschlussgesetz bereits geschlossen hatten.

Ja, das waren noch Zeiten, als sie beim STERN Qualitätsreportagen wie „Ich habe abgetrieben“ ablieferten.

Jetzt scheint es Sie offenbar gar nicht zu stören, dass Ihre Artikel sich in der Nachbarschaft von Artikeln wie „Das war mein verrücktester Orgasmus“ oder „Oh, wie ist das Stöhn“ finden.


Alice Schwarzer: Nach der Meinungsbildung die Botschaft

Botschaft muss rüberkommen
Aber ich will das gar nicht verurteilen, denn Ihre enorm wichtige Botschaft muss ja rüberkommen und möglichst viele erreichen.
Da darf man bei dem Medium, das von mehr als 4 Millionen Deutschen gelesen wird, auch nicht so wählerisch sein.

Hinzu kommt noch, dass Elfriede Schalom vom Blendergut in Kampen ja auch zu Ihrem Freundeskreis gehört.

Eine Idee: Pro und Contra
Da kommt mir eine Idee: könnten Sie Ihre Qualitäts-Kollegin Sabine ZEIT-Rückert nicht bewegen, mit Ihnen eine Art Pro-Kontra Kolumne zum Fall Kachelmann in BILD einzurichten?
Sie unter der Rubrik „Kachelmann und seine Peitschen, ein Angriff auf jede Frau,“ und Sabine ZEIT– Rückert unter der Rubrik „BILD kämpft für Sie.

Bitte schlagen sie dies doch Elfriede vor, und reden Sie mit dem ZEIT Herausgeber und Militärfachmann Josef Joffe.

Noch lang noch nicht Schluss
Aber heute soll nun endlich ihr Buch erscheinen, mit dem Tenor „Jetzt ist noch lang noch nicht Schluss“ .

Seit Jahren kämpfen Sie dankenswerterweise gegen den Islamismus, und zwar schon zu einem Zeitpunkt, als viele Menschen in Deutschland noch gar nicht ahnten, was für eine Gefahr da heraufzieht.

Aber nun hat unser deutscher Landsmann Thilo Sarrazin, der aufmischende Kaltduscher, sozusagen den Eisbrecher gespielt, in dessen Kielwasser Sie nun mit Ihrem hochwichtigen Buch den Büchermarkt rechtzeitig vor der Frankfurter Buchmesse so richtig aufwirbeln werden.

Weg mit Toleranz und Kopftuch

Weg mit der Verschleierung. Weg mit der Toleranz, welche diese Islamisten erst stark gemacht hat.

Der Islamismus fängt mit dem Kopftuch an, setzt sich dann über die Burka fort, und endet schliesslich mit dem Sprenggürtel. Nicht etwa diese Feldzüge im Irak oder Afghanistan haben den Islamismus gestärkt, nein, das ist Propaganda der Islamisten.

Kopftuch macht unfrei, jenseits des Kopftuchs lockt die Freiheit – und Hartz IV.

Deshalb: Wehret den Anfängen, Initiis obsta, wie die Römer schon sagten: Weg mit dem Kopftuch.

Ich wünsche Ihrem Buch jeden nur denkbaren Erfolg.

MfG

Dr. Alexander von Paleske

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Mehr Satire zu Sarrazin
Herbert Rechtslastig schreibt an BILD-Chefredakteur Kai Diekmann
Buchsensation des Jahres: Sarrazins Weisheiten oder: Deutschland durch die Brille eines politischen Kaltduschers
Herbert Rechtslastig schreibt an Thilo Sarrazin
Herbert Rechtslastig schreibt an SPD-Andrea Nahles
Thilo Sarrazin muss Bundesbankpräsident werden
Bundesbanker Thilo Sarrazin schreibt an Deutschkbanker Josef Ackermann
Post für Thilo Sarrazin

Mehr Satire zu Kachelmann
Freigesprochener Frosch von Hunden gebissen

Kachelmann frei: Danke, danke Frau Sabine ( ZEIT) Rückert

…zu BILD-Kai Diekmann
Kai Diekmann Betreff: Serie “So war mein bester Sex”
Kai Diekmann: Deutschland vor der Schicksalswahl
BILD-Diekmanns Glückwunschmail an Boris Becker
Kai Diekmann und seine Menschelei
Post für BILD-Diekmann

Nicht Satire
Thilo Sarrazin – Genug ist genug

europa

Grossbritannien: Die Zukunft(slosigkeit) im Gesundheitswesen hat schon begonnen

Dr. Alexander von Paleske — 22.9. 2010 — Während in Deutschland die Debatte um die Gesundheitsreform der schwarz/gelben Regierung in vollem Gange ist, schreitet die Regierung in Grossbritannien bereits zu konkreten Maßnahmen.

Vor der Unterhauswahl machte die jetzt in einer Koalitionsregierung mit den Liberal-Demokraten an der Macht befindliche Konservative Partei dem Wahlvolk für den Gesundheitsbereich folgende (feste) Versprechen:

– Jedes Jahr werden wir mehr Geld im Gesundheitsbereich ausgegeben

– Wir verteidigen den Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) gegen die von der Labour-Partei beschlossenen Mittelkürzungen und Reorganisation.

Der NHS, nach dem zweiten Weltkrieg geschaffen, wird von der großen Mehrheit der Briten, trotz seiner Mängel als unverzichtbar angesehen. Margaret Thatcher hatte seinerzeit vergeblich versucht, ihm teilweise den Garaus zu machen.

Auch nach der Unterhauswahl ging es mit den vollmundigen Versprechen munter weiter:

– „Equity and excellence, Liberating the NHS“ verkündete der Gesundheitsminister Andrew Lansley

– Einsparungen durch mehr Effektivität werden in “Frontline Services” investiert.

– Die im Gesundheitsbereich Beschäftigten sollten von unnötiger Bürokratie befreit werden.

Die bittere Realität
Was damit in Wirklichkeit gemeint war, das sollte sich recht bald herausstellen, z.B. im Bereich der Psychiatrie: 14% Mittelkürzungen über die nächsten drei Jahre.

So sollen In den Bezirken Oxfordshire und Buckinghamshire beispielsweise 3 von 19 Psychiatrie-Fachärzten ihren Job verlieren, ebenso 16 Karriere-Koordinatoren für psychisch Kranke und 8 weitere Gesundheitsdienst-Mitarbeiter sollen raus. Und als wäre das noch nicht genug, sollen gleich auch einige Psychologen-Stellen gestrichen werden.

Psychisch Kranke ohne Lobby, Madness der Politiker
Hier wird also erst einmal bei denjenigen gespart, die keine Lobby haben: Den psychisch Kranken. Und dies angesichts eines zunehmendem Behandlungsbedarfs durch Ansteigen der Krankenzahlen.

Die Reaktion der dort im Gesundheitsbereich Beschäftigten war eindeutig: Madness – Verrücktheit (der Politiker).

Es geht weiter
Wer allerdings der Meinung war, das sei alles, der sollte sich alsbald getäuscht sehen.
Die britische Regierung holt jetzt zu einem weiteren Schlag aus:
Die Bildung von sogenannten Foundation Trusts. Davon gibt es bisher 129, aber in Zukunft soll jeder Trust, zu dem in der Regel ein- oder auch mehrere Krankenhauskomplexe mit assoziierten Diensten gehören, ein Foundation Trust werden.

Privatisierung ein anderes Wort
Hinter diesem vielversprechenden Namen verbirgt sich aber nichts anderes als eine schleichende Privatisierung des staatlichen Gesundheitsdienstes, und zwar auf eine recht krude Art:

Während nämlich der Staat bisher weitgehend die Finanzierung der Trusts über den NHS übernimmt, und nur 2% über Privatpatienten hereingeholt werden dürfen, um eine Gleichbehandlung der Patienten zu gewährleisten, soll die 2% Obergrenze abgeschafft werden. In Zukunft sollen sich die Krankendienste über Privatpatienten zu einem nicht geringen Teil selbst finanzieren. Man braucht wohl nicht viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, was nun passiert.

Wes Brot ich eß, dessen Behandlung ich sofort mach
Während das Gesundheitsbudget auch nicht, wie versprochen, Jahr um Jahr erhöht wird, sollen vielmehr die Zuschüsse zu den Krankenhäusern um 20% bis zum Jahre 2014 gekürzt werden, um damit „Spielraum“ zu schaffen für die ansteigenden Medikamentenpreise.

Die Kürzungen sollen sich die Trusts über die Honorare von Privatpatienten aus aller Welt hereinholen.
Damit ist klar, wohin die Reise geht: Vorfahrt für Privatpatienten.
Da die Wartezeiten im Gesundheitsbereich immer noch viel zu lang sind – manchmal muss man selbst für eine simple Ultraschalluntersuchung mehrere Monate warten – werden sie nun aber durch die Bevorzugung der Privatpatienten noch länger. Eine brutale Zweiklassenmedizin innerhalb des NHS wird die Folge sein.

Gleichzeitig wird der Bevölkerung Sand in die Augen gestreut. So wurde ein Krebs- Fond mit 200 Millionen britischen Pfund aufgelegt, der teure aber nicht über die NHS-Zulassungsbehörde NICE genehmigte Medikamente finanzieren soll, also Medikamente, mit keinem vernünftigen Preis-Wirksamkeitsverhältnis: nur geringe Lebensverlängerung bei gleichzeitig exorbitanten Kosten, nach denen die Patienten, gefördert noch durch eine aggressive Pharmawerbung, in ihrer Verzweiflung aber oftmals verlangen.

Nicht nur dass damit die Zulassungsbehörde NICE umgangen wird, der Fond ist für den vorgesehenen Zweck natürlich völlig unzureichend, ein Täuschungsmanöver also.

Aber das wird sich erst später herausstellen, erst einmal versucht die neue Regierung Cameron / Clegg Zeit zu gewinnen.

Entwicklungshilfe

Global Fund – oder: Warum Aushändigen von Geld nicht reicht

Dr. Alexander von Paleske — 19.9. 2010 — Geber verlieren Vertrauen in sambisches Gesundheitsministerium – das berichtete die Medizinzeitung Lancet am 7. August 2010 (Lancet, Vol. 376 pp 403-404).

Erstmalig wurden Mittelzusagen in Höhe von 139 Millionen US Dollar bereits – wenn auch nur vorübergehend – im August 2009 eingefroren. Mittel, die vom Global Fund zur Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose bereitgestellt worden waren.

Der Grund: Von den bereits ausgezahlten Mitteln waren von Ministeriums-Mitarbeitern 7 Millionen US Dollar entwendet worden.
Weitere 8 Millionen US Dollar, die für ein Projekt , das bereits bewilligt worden waren, kamen nicht zur Auszahlung, waren also „gebunkert“ worden, ohne aber dem Global Fund darüber Bericht zu erstatten..

Der Diebstahl und die unterlassene Berichterstattung, welche möglicherweise Teil der Vorbereitung einer weiteren Entwendung waren, kamen nur heraus, weil ein Mitarbeiter im Gesundheitsministerium auspackte.

Es war nicht der einzige Skandal im Zusammenhang mit der Verwendung von Mitteln des Global Fund. Auch im Nachbarland Simbabwe verschwanden Gelder.

Im Jahre 2008 erhielten dort statt der vorgesehenen 27.000 HIV-Kranken nur 495 Patienten antiretrovirale Medikamente, obgleich das Geld vom Global Fund bereitgestellt und an die Notenbank Simbabwes bereits überwiesen worden war. Von den für Simbabwe bereitgestellten Geldern in Höhe von 13 Millionen Dollar waren 7,3 Millionen von der Notenbank
„zweckentfremdet“ worden.

Gleichwohl liegt die Verantwortung dafür nicht allein bei den Empfängerländern, vielmehr liegt auch ein Gutteil beim Global Fund selbst, zu dem Deutschland eines der Hauptgeberländer ist.
Es ist die Konstruktion des Funds selbst und die Form der Mittelkontrolle, die in armen Ländern zur Entwendung und Missbrauch offenbar einlädt.

Der Global Fund und seine Mittel
Auf einem Treffen der Staatschefs der acht führenden Industrienationen (G8 Treffen), wurde 2001 in Genua/Italien die Einrichtung des Fonds beschlossen, der Mittel zur Bekämpfung der drei großen Geißeln der Dritten Welt, nämlich Malaria, AIDS und Tuberkulose erhalten sollte, und zwar sowohl zur Behandlung, wie auch zur Prävention.

In den Jahren 2002-2008 wurden insgesamt 11.4 Milliarden US Dollar bereitgestellt, für insgesamt 550 Projekte in 136 Ländern.

Im Kampf gegen AIDS stellt der Fund mittlerweile ein Viertel, im Kampf gegen Tuberkulose zwei Drittel und im Kampf gegen Malaria drei Viertel aller insgesamt zu Verfügung gestellten Gelder.


Übergabe eines CD4 Lymphozytenzählers am 10.9. 2010 in Bulawayo


Auch hier keine Zweckentfremdung. Fotos: Dr.v. Paleske

Es sind nicht nur Regierungen, die in den Fond einzahlen, der sich mittlerweile voll von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die anfangs administrative Hilfe leistete, abgenabelt hat.
Im August 2006 spendierte auch Microsoft-Gründer Bill Gates 500 Millionen US Dollar für den Fond, den er eine der wichtigsten Gesundheitsinitiativen der Welt nannte.

Was der Global Fund anders macht

Was unterscheidet diesen Fund nun von bisherigen Gebern wie der WHO, der Weltbank und zwischenstaatlichen Abkommen und Entwicklungshilfezahlungen?

Einmal die Konzentration auf drei Krankheiten, die zu Recht als die Geißeln der Menschen in der Dritten Welt bezeichnet werden können, nämlich TB, Malaria und AIDS; Wobei heute schon mehr als 50% der Tuberkulosekranken im südlichen Afrika HIV infiziert sind, als eine Ko-Infektion vorliegt bzw. die HIV Krankheit als Schrittmacher für Tuberkulose anzusehen ist.

Nicht nur das, nun breiten sich die Multidrug Resistant TB (MDR) und die Extremely Resistant TB (XDR) mit großer Geschwindigkeit weiter aus, während
die Erforschung neuer Anti-TB-Medikamente bestenfalls halbherzig angepackt wird.

Transparenz als Prinzip
Positiv hervorgehoben werden muss die Transparenz, die Informationen wer und was bekommt sind auf der Website von Global Fund einsehbar.

Als Vorteil muss auch hervorgehoben werden, dass der Global Fund ein Finanzierungsinstrument ist, das nur Grants; aber keine Darlehen vergibt, und damit nicht zur weiteren Vergrößerung der Verschuldung von Dritte Welt Ländern beiträgt, im Gegensatz z.B. zur Weltbank.

Die vom Global Fund bewilligten Gelder werden nur nach einer scharfen Prüfung der eingereichten Anträge ausgezahlt. Zunächst für eine 6 monatige Periode , danach für weitere zwei Jahre.

So weit ist alles bestens, und die Einrichtung des Global Funds ist zweifellos ein grosser Fortschritt, die Mittelkürzung seitens der Geberländer in Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise sehr bedauerlich.

Aber es gibt offenbar erhebliche Probleme bei der Überwachung der eingesetzten Mittel, die dringend gelöst werden müssen.

Ungenügende Kontrolle der Mittelverwendung
Organisationen wie WHO, UNAIDS stellen nicht nur Mittel für Projekte bereit, sondern überwachen mit einem Stab von Mitarbeitern auch die Implementierung der Programme.

Genau da sitzen die Schwachstellen des Global Fund, die zu den beschriebenen Plünderungen von bereitgestellten Geldern geführt haben.

Der Global Fund hat nämlich, anders als die anderen genannten Organisationen, keinerlei Personal, um die Implementierung zu überwachen. Vielmehr stützt er sich auf die eingehenden Erfolgsberichte, ohne diese im Detail verifizieren zu können.
Mittlerweile, angesichts der enormen Mittel, um die es hier geht, haben sich etliche zu Spezialisten herangebildet, die hochprofessionell aussehende Grant-Vorschläge einreichen, welche auf dem Papier hervorragend ausschauen, in Wirklichkeit aber ganz oder teilweise nur aus heißer Luft bestehen.

Nicht in allen Fällen wird das von den Bewilligungs-Komitees des Global Fund durchschaut.

Immerhin, für eine bestimmte Zeit können solche Finanzartisten damit Geld machen.

Aber selbst wenn das Projekt unterstützungswürdig ist, bestehen bei der Implementierung reichlich Möglichkeiten, Geld abzuzweigen.

Griff in die Ladenkasse und inflationäre Rechnungen
Da die Gelder für die Grants oftmals direkt, wie im Falle Sambias, an das Gesundheitsministerium gezahlt und dort verwaltet werden, lädt das geradezu zum Griff in die Ladenkasse ein.
Aber selbst bei der Umsetzung eines unterstützungswürdigen Projekts bestehen Möglichkeiten, Geld abzuzweigen. Zum Beispiel durch inflationäre Rechnungen für Medikamente oder andere Güter, die angeschafft werden müssen.

Eigene Erfahrungen
Wie das läuft konnte ich selbst bereits kurz nach meiner Rückkehr in Zimbabwe feststellen.
Medikamente zur Behandlung von Krebskranken und Diabetikern – insofern ging es hier nicht um Global-Fund Gelder – wurden von einer lokalen „Großhandelsfirma“ angeliefert, welche die Ausschreibung gewonnen hatte. Allerdings handelte es sich um eine Scheinausschreibung, denn alle beteiligten Firmen arbeiteten offenbar betrügerisch zusammen.

Das Resultat: Insuline und Zytostatika wurden zum 10-fachen des Marktpreises an das Krankenhaus in Bulawayo verkauft.

Die Angelegenheit flog auf, als sich bei mir Patienten über die exorbitanten Preise, die sie für ihre Krebsmedikamente bezahlen mussten, beschwerten.
Ich durchsuchte daraufhin in der Krankenhausapotheke die Lieferscheine und fand die astronomischen (betrügerischen) Preise heraus.


Bericht in der Zeitung News Daily </i>mehrere Monate später

Eine derartige missbräuchliche Verwendung von Geldern lässt sich nur durch eine stringente Kontrolle der Umsetzung von geförderten Projekten erreichen. So wie es für andere Organisationen selbstverständlich ist.
Hier besteht für den Global Fund erheblicher Handlungsbedarf.

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