SATIRE

Big Brother- Erfinder John de Mol an das Deutsche Volk: „So läuft mein Billig-Serien-Hase“

Dr. Alexander von Paleske — 17.5. 2015 —– Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

John de Mol
Strasse der Anspruchslosunterhaltung 1
Laren
Niederlande

Guten Morgen deutsche Freunde der Anspruchslosunterhaltung,

darf ich mich vorstellen, mein Name ist John de Mol.
Ich bin der Erfinder der geistigen „Homunculi“-Serien, die in den Privatfernseh-Kanälen laufen: Big Brother, Newtopia, Voice.


Das bin ich

Mit „Schrott“ zum Milliardär
Mit diesem „Unterhaltungsschrott“ bin ich zum Euro-Milliardär aufgestiegen, und deshalb jetzt in der Forbes Liste der 1000 Reichsten der Welt zu finden. Wunderbar.

Viele Unterhaltungs-Homunculi habe ich schon hergestellt, und viele werden noch kommen, denn mein Kopf ist nicht leer, wie ich in meinem neuesten langen Interview in der deutschen Wochenzeitung „DIE ZEIT“ ausführlich dargestellt habe.


Die ZEIT vom 23.4. 2015 ….muss noch einiges nachtragen

Leider habe ich in dem ZEIT-Interview vergessen, die grundlegenden Prinzipien meiner Dukaten-spuckenden Anspruchslosunterhaltung darzulegen: also wie diese Serien aufgebaut sind, was ihnen als Grundgerüst gemeinsam ist.

Strenge Vorgaben
Die rigide Vorgabe der Privat-TV-Stationen war:

1. Niedrigste Produktionskosten, also billg, billiger am billigsten

2. Lang laufende Serien, wie die Soap-Operas der 80er und 90er Jahre (Dallas, Denver-Clan etc.)

Die Herstellungskosten sollen natürlich extrem niedrig liegen, damit die Profitmarge entsprechend hoch liegt, also höchstens 10% der Werbeeinnahmen auffressen, möglichst aber noch weit weniger.

Enorme Herausforderung spielend bewältigt
Das war natürlich eine enorme Herausforderung, die ich aber dank meiner Intelligenz – ich habe ja immerhin einen Realschulabschluss – und meines schier unerschöpflichen Einfallsreichtums spielend lösen konnte.

Zunächst einmal schaute ich mir an, was die hohen Produktionskosten bei den Filmen und Filmchen verursacht:

– Die Drehbuchschreiber

– Die geldgierigen Schauspieler aus der Celebrity-Szene (Schlebs) mit ihren unanständigen Gagen-Forderungen

– Die nicht weniger geldgierigen Regisseure

– Die Kameramänner- und –Frauen

– Die Statisten

– Die Kulissen und unterschiedliche Drehorte.

Weg damit
Meine Idee: das schaffen wir alles ab, indem wir:

– ohne die für sonstige Seifenopern nötigen Schauspieler auskommen, und durch darstellungsgeile Personen aus dem Volk ersetzen (Laienspielschar). Also Leute, die danach drängeln, mit ihrer Visage, ihrer Figur, ihrem Geschwätz oder ihrer Stimme bekannt zu werden, und die gab und gibt es überreichlich.

– Das Drehbuch durch das Inter-Agieren der „Laienspielschar“ ersetzen, bzw. eine Castingshow veranstalten. Die Teilnehmer schreiben das inhaltsarme Drehbuch durch ihr Agieren, ihre Quasselei oder Singerei quasi selber.

– bei Big Brother brauchten wir auch die Kameramänner nicht, die ersetzten wir durch festinstallierte Kameras, und nachts durch Infrarotgeräte, die zumindest eine Ahnung davon vermitteln, was sich nachts im Container so abspielt.

Schliesslich mussten auch die Zuschauer an den Bildschirm gefesselt werden. Das gelang uns durch:

– die Mobilisierung niederer Instinkte

– durch Aktivierung der Schlüsselloch-Neugier, wir nennen es den Gaffen-Trieb

– durch die Positionierung der Zuschauer in eine Schiedsrichterrolle: zu entscheiden, wer den niedrigsten Ansprüchen noch genügt bzw. wer rausfliegen muss. Das ist ja eine Aufgabe, die das ständige Zuschauen erfordert, schliesslich kann ja nur schiedsrichtern, wer am Ball bleibt.
.
– durch Material für Geschwätz am Arbeitsplatz zu liefern „Hast Du das gestern gesehen“ . Wer mitreden will muss zugeschaut haben.

Eigentliche Herausforderung
Die eigentliche Herausforderung bestand dann nur noch darin, die richtige Komposition von Laienschauspielern zu finden. Dafür sorgten einige von uns angeheuerte Psychologen.

Und natürlich mussten diese Personen bei Big Brother noch zum Gesundheitscheck, um sicherzustellen, dass die nicht an ansteckenden Krankheiten wie Tuberkulose, HIV / AIDS und sexuell übertragbaren Krankheiten litten.

Weltweit bewährt
Dieses durch und durch primitive und hoch kostensparende Geschäftsprinzip hat sich weltweit bewährt, und mir so richtig Geld in die Kasse gespült.

Mit Big Brother war natürlich noch lang noch nicht Schluss: es folgte The Voice und dann Newtopia
– und da kommt noch viel mehr. Es ist wie nach der Erfindung der Unterhose: Einmal erfunden geht es nur noch um neue Designs.

Warum ich und nicht andere?
Da stellt sich natürlich die Frage: warum nicht andere Personen – mit meinem Ausbildungsstand – im Unterhaltungsbereich auf diese faszinierend kostensparende Anspruchslosidee gekommen sind.
Die Antwort: Die konnten sich nicht vorstellen, dass solch „Unterhaltungsschrott“ die nötige Quote bringt.

Ich konnte das.

Vorhergesagt im Millionenspiel
Eigentlich hatte der Filmemacher und Fernsehjournalist Wolfgang Menge mit seinem 1970er Film „Das Millionenspiel“ diese Entwicklung bereits vorgezeichnet.

Ich brauchte also nur dessen Voraussagen in die entsprechende Form giessen. Und nachdem das Grundgerüst stand, dann die Akteure in Container (Big Brother), Singhallen ( The Voice) oder auf ein begrenztes Stück Ackerland (Newtopia) packen

Auch in anderen Serien wird das von mir entwickelte Grundgerüst verwendet, insbesondere in den Endlos-Soap-Casting -Shows wie DSDS mit Beurteilungsspezialisten wie Dieter Bohlen „Du singst wie eine Kuh beim Kacken“, oder Heidi Klum mit ihrer Teenie GNTM.

Nur die Instinkte, an die jeweils appelliert wird, ändern sich: z.B. Häme, Schadenfreude, Voyeurismus etc.

Leider habe ich mir das seinerzeit nicht patentieren lassen, sonst könnte ich noch mehr Geld in meine Schatulle schaufeln.

Die Sache mit Newtopia wird natürlich nicht so lange laufen, wie Big Brother, aber ich habe schon neue Ideen.

Wie gesagt: mein Kopf ist nicht leer, meine Schatulle noch nicht voll genug, und Geld, davon kann man ohnehin nie genug haben.

So viel zur Klarstellung und Ergänzung meines Interviews im Wirtschaftsteil der ZEIT.

Herzliche Grüsse

von Eurem

John de Mol

Mehr kulturelle Anspruchslosangebote aus Deutschen Landen

Hamburger Bordellbesitzer schreibt an ZDF-Programmdirektor zur Bett-Kultursendung mit Paula Lambert

Kai Diekmann: Deutschland vor der Schicksalswahl

Charlotte Roche: Ohne Geld habe ich Angst, Geld ist richtig sexy

Hamburger Bordellbesitzer gratuliert Charlotte Roche zur Verfilmung des Buchs „Stossgebiete“
Stefan Raab schreibt an Charlotte Roche: Sauber gemacht
Grimme-Preise für Dschungel-Quark und Schamlos-Charlotte
Charlotte Roche schreibt an NRW-MdL Piratin Birgit Rydlewski: Wunderbar, Du mutige Entschämerin
Hamburger Bordellbesitzer schreibt an Constantin Film: „Stelle mein Bordell als Drehort für Verfilmung von Schossgebete zur Verfügung“

Top-Nachricht der Woche: Stefan Raab stärkt Abteilung Unterschichtenfernsehen / Klamaukfernsehen / TV Witzchen

Stefan Raab, Schadenfreude und die fehlende Zivilcourage

China

6000 Angestellte zum Urlaub in Frankreich eingeladen – ein Hintergrundbericht

Dr. Alexander von Paleske —– 12.5. 2015 — Vielen deutschen Medien war es eine Nachricht wert: Li Jin Yuan , Chef der chinesischen Firma Tiens, die in Deutschland unter dem Namen Tianshi GmbH auftritt, macht mit der Hälfte seiner Belegschaft, 6000 an der Zahl, Urlaub in Frankreich, in Paris und an der Côte d’Azur – Urlaub von allerfeinsten:

– 130 Hotels der Oberklasse in Paris gebucht

– Exklusive Tour des Louvre

– Einen Expresszug vom Typ TGV gechartert und nach Nizza gereist

– 146 Busse an der Côte d’Azur zu Rundfahrten angeheuuert

Summa Summarum kostet dieser Massenausflug den „Goldjungen aus Tianjin“, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ diesen umtriebigen Herrn nannte, die Kleinigkeit zwischen 20 und 30 Millionen Euro.

Der SPIEGEL titelte

Betriebsausflug der Superlative: Chinesische Firma lädt 6000 Mitarbeiter nach Europa ein

Donnerwetter, diese Grosszügigkeit möchte man denken.

Anlass für die Reise war das 20-jährige Bestehen des Konzerns. Tiens-Chef Li Jin Yuan ließ sich während des Trips wie ein Staatsführer bejubeln. Website der Firma hier


Li Jin Yuan – Ein chinesischer Milliardär in Paris —–reich mit Kräutern, obskuren Diagnostika / Therapeutika und Multi Level Marketing

Keine Hintergrund-Info
Allerdings vergassen die Medien vor lauter Begeisterung über diese Firma und ihre Grosszügigkeit ein wenig hinter die Kulissen dieses Unternehmens zu schauen, das wollen wir nachholen – nicht zum ersten Mal.

Eine MLM-Geschichte
Der Konzern Tiens wurde 1995 von Li Jinyuan gegründet, ab dem Frühjahr 1998 ging es in die grosse weite Welt.

Beginnend mit dem Export von chinesischen Heilmitteln, Kalziumtabletten und Kaffeepulver. Heute umfass das Sortiment eigens hergestellte Lebensmittel, Heilmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika.

Die Produkte gelangen über weltweit rund 9 bis 12 Millionen Direktverkäufer zu den Endverbrauchern. 16 Millionen Kunden in 190 Ländern beliefert die Firma, davon 60.000 in Deutschland.

Rund 10.000 Mitarbeiter sind bei Tiens fest angestellt – die meisten davon in China, und die hatten jetzt das Vergnügen einer Europareise.

35 %, besitzen einen Masterabschluss – hochqulifiziert also.

Das nicht so neue Firmenkonzept: MLM
Das MLM Konzept Tiens ist von US -Firmen wie Amway und Herbalife abgekupfert und nennt sich Multi Level Marketing.
Es ist eine Verkaufsform, bei der offenbar Wenige – sehr Wenige – sehr viel verdienen, und umgekehrt Viele sich enorm abrackern und wenig, bzw. gar nichts verdienen.

Die Direktverkäufer kaufen die Waren, vertreiben sie und werben weitere Direktverkäufer.

In früheren Artikel über dieses Verkaufskonzept schrieben wir bereits, wie wenig es bei dieser Verkaufsform für die hart arbeitenden Direktverkäufer zu verdienen gibt:

Viel für wenige – wenig für Viele
In einem Gerichtsverfahren in Großbritannien wurde vorgetragen, und unter Beweis gestellt, dass dort nur 90 von 33.000 Direktverkäufern und Distributoren der weltweit größten MLM-Firma Amway ein Einkommen erzielten, das nicht nur die Kosten deckt, sondern als einträgliches Geschäft bezeichnet werden konnte. Das sind weniger als 1%.

Ein unermüdlicher Streiter gegen Verkäufer-Rekrutierungs MLM’s, Robert L. Fitzpatrick, bestätigt offenbar diese Zahlen
Sein Verdikt über MLM sieht zusammengefasst so aus:

– Die Rekrutierung von Netzwerkern in diesen Firmen ähnele offenbar einem Pyramiden-Schema

– 99% der Netzwerker verdienten netto weniger als 10 US Dollar pro Woche

– Die Totalverluste der „Fußsoldaten“ beziffert er auf
rund 5 Billionen US Dollar pro Jahr

– 84% der Kommissionsgelder gingen an 1% der Netzwerker

– 60% aller Netzwerker seien neu rekrutiert was auf einen hohen „Turnover“ schließen ließe

– 60-90% der Netzwerker gäben früher oder später auf

China will nicht abseits stehen
Nun gibt es bereits zwei Firmen aus China, die ebenfalls Geschmack an dieser Form der Geldvermehrung gefunden haben und zwar vornehmlich außerhalb Chinas, insbesondere in Asien und Afrika.

Auch bei diesen Firmen kann nichts anderes gelten, was prinzipiell für alle MLM Firmen gilt: neue Verkäufer müssen gefunden werden, und nur wenige verdienen sehr viel, der Rest verdient gar nichts oder sehr wenig.

Bei den chinesischen Firmen handelt es sich neben der Tiens-Group um die Tasly Group.,

Motto der Tiens:

„Together we share“.

Wie diese Verteilung in der Praxis aussieht, darüber lässt sich die Firma verständlicherweise nicht aus.


Tiens-Laden in Bulawayo/Simbabwe …Hokuspokus im Angebot. Fotos: Dr. v. Paleske

Beide Firmen produzieren Gesundheitsprodukte, also traditionelle chinesische Medizin, die über Direktverkäufer möglichst viele Gesundheitsbedürftige in Afrika und Asien geliefert werden sollen .

Wer es bis ganz oben auf der MLM Stufenleiter schafft, dem winken dann eben auch Reisen.

Tiens ist mittlerweile in 13 afrikanischen Ländern unterwegs, um die oftmals arme Bevölkerung mit Reichtums- und Gesundheitsversprechen zu beglücken, meistens leere Versprechungen.


Kritischer Bericht in der südafrikanischen Zeitung Mail and Guardian über MLM Firma Tiens vom 25.3. 2011.

Das Prinzip ist – wie bei Amway und Herbalife – immer das Gleiche: Auf Veranstaltungen in Hotels werden die einfachen Distributoren und Interessenten durch begeisterte Sprecher, die erzählen, wie reich sie mittlerweile geworden sind (Rolex am Arm, dickes Auto vor der Tür) in die richtige (Verkaufs-)Hochstimmung versetzt.

Obskure Geräte, zweifelhafte Medizin

Der Verkauf der Gesundheitsprodukte bei Tasly und Tiens sieht dann so aus:

– Die Patienten werden mit Hilfe von obskuren Maschinen auf Krankheiten „untersucht“. Bei Tasly ist es die „Blutflussmachine“, bei Tiens ist es ein Gerät, das Stromimpulse aussendet, und dann aus den vom Patienten geäußerten Schmerzpunkten die Diagnose gestellt wird.

– Anschließend wird aus einer Liste die „Therapie“ zusammengestellt.

Dieser Hokuspokus findet in Ländern statt, in denen es alleine durch die HIV-Krankheit, dazu noch Tuberkulose, Malaria, und Durchfallerkrankungen durch unsauberes Trinkwasser, überdurchschnittlich viele Kranke gibt, denen diese chinesischen Kräuterdrogen natürlich nicht helfen können.

Fazit
MLM – ein unerwünschtes Geschäftsmodell, ganz gleich ob es sich um die amerikanische oder chinesische Variante handelt. . Darüber kann auch das Tam Tam mit dem Frankreichurlaub nicht hinwegtäuschen.

Siehe im übrigen auch die scharfe Kritik an Tiens in Pakistan:
http://fraud-scam-alert.blogspot.com/2010/11/tianshi-international-multi-million.html

….und in Chinas Provinz Tibet
http://www.rfa.org/english/news/tibet/pyramidscheme-10202009170044.html

und in Uganda
http://boringdevelopment.com/2014/06/04/is-this-the-most-evil-company-in-africa/

http://china-africa-reporting.co.za/2015/05/how-tiens-group-make-its-money-in-africa/

Netzwerk-Multi-Level-Marketing: (K)ein Ausweg aus Arbeitslosigkeit und Finanznot?

Chinesische Firmen springen auf den MLM-Zug

MLM-Firma Herbalife und eine Schlammschlacht zwischen Wallstreet-Spekulanten

afrika

Boko Haram in Nigeria, Islamic State (IS) und südafrikanische Söldner

Dr. Alexander von Paleske —- 10.5. 2015 —
Jahrelang war es still um die Söldner aus Südafrika geworden. Die ehemaligen Mitglieder der Apartheid-Terrorbrigaden wie Koevoet, Recce, 44 Parachute Regiment, 32 Buffalo Bataillon und Civil Cooperation Bureau machten keine Schlagzeilen mehr – verschwunden aus dem Bereich des Söldnerunwesens waren sie jedoch nie.

Ihre letzten grossen Auftritte hatten sie bei dem Putschversuch in Äquatorial Guinea im März 2004, im Irakkrieg und in Afghanistan.

Kein Bedarf in Südafrika
Im Postapartheid-Südafrika wurden ihre „Fähigkeiten“ nicht mehr gebraucht. Sie heuerten deshalb bei Söldnerfirmen wie Erinys , Blackwater (jetzt Academi), Executive Outcomes Dyncorp, Aegis und anderen an, wo ihre blutigen Fertigkeiten „proven in combat“ hochwillkommen waren.

Nachdem die USA aus dem Irak abgezogen waren ging es weiter nach Afghanistan und in die arabischen Emirate. Nicht zu vergessen: die bewaffnete Begleitung auf vielen Schiffen, die das Horn von Afrika umschifften, und das Ziel von Piraten-Angriffen waren.

Auch zum Aufbau einer Truppe im Somaliland waren sie erwünscht, und – nicht zu vergessen – jetzt in der Ukraine, wo es gilt, die marode Armee auf Vordermann zu bringen (dank der finanziellen Unterstützung der EU).


Söldner auf einem Schiff im Golf von Aden Screenshot: Dr. v. Paleske

Strafbare Handlung
Offen auftreten als Südafrikaner können sie nicht, denn die Söldnerei ist dort mittlerweile eine strafbare Handlung, trotz diplomatischer Interventionen seinerzeit seitens der britischen Regierung unter Tony Blair.
Nun sind sie in einem afrikanischen Konflikt aufgetaucht, der seit Monaten Schlagzeilen macht: Im Einsatz gegen die Terrortruppe der Religionsfaschisten von Boko Haram im Norden Nigerias.


Nigeria

Seit Monaten auf der Flucht
Die nigerianische Armee befand sich seit Monaten auf der Flucht vor Boko Haram , die sich im Nordosten Nigerias wie eine Pest ausbreitete, und weite Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht hatte.


AK47 und Koran – Logo der Terrortruppe Boko Haram

Tausendfache Morde an Zivilisten, Verschleppung, Versklavung und Misshandlungen von Frauen und Kindern, Zerstörung ganzer Ortschaften, und Bombenanschläge selbst in der Hauptstadt Abuja gehörten zu ihrem Terrorkatalog-.


Boko Harams Schreckensbilanz Screenshot: Dr. v. Paleske

Zum Entstehen dieser Formation trug zweifellos sowohl die wirtschaftliche Unterentwicklung des Nordens bei, trotz des Ölreichtums – Nigeria ist der grösste Erdölexporteur Afrikas – wie auch die beispiellose Korruption, die sich wie ein Krebsgeschwür ausgebreitet hat.

Aber aus der einstigen Protestbewegung, die von der nigerianischen Armee brutal unterdrückt wurde, entwickelte sich eine Religions-Terrortruppe, unter der vor allem die ausgepowerte Zivilbevölkerung leiden musste.

Ein politisches Programm, wie es von einer Befreiungsbewegung erwartet werden kann, besass diese Truppe nie, es sei denn man sieht die Scharia und die Bezeichnung Boko Haram – westliche Erziehung ist Sünde – als politisches Programm an.

Der Anführer Abubakar Shekau, der in seinem Outfit und seinen Auftreten an einen wildgewordenen Räuberhauptmann erinnert, ist vor allem durch Drohungen, Verwünschungen und schadenfreudiges teuflisches Grinsen aufgefallen, Begleitmusik für die zunehmende Brutalisierung seiner Truppe.


Abubakar Shekau ….teuflisches Grinsen Screenshot: Dr. v. Paleske

Forderungen nach Bodenreform und gerechterer Verteilung der Einnahmen aus den Ressourcen des Landes: Fehlanzeige.

Personell aufgestockt
Trotzdem: Boko Haram konnte personell aufstocken angesichts der völligen Perspektivlosigkeit für die junge männliche Bevölkerung.

Statt der Zukunftslosigkeit unter der Zentralregierung, eine scheinbar rosige Zukunft nach den Regeln der Scharia, mit einem AK47 Schnellfeuergewehr unter dem Arm..

Auf den „Kalifatszug“
Nach den Anfangserfolgen der Religionsfaschisten des Islamic State (IS) im Irak und Syrien, sprang Boko Haram auf den „Kalifatzug“ und erklärte sich als Teil der internationalen „Terror-Kalifatsbrigaden“

Auch in die Nachbarländer
Boko Haram beschränkte sich im Laufe der Zeit nicht nur auf den Nordosten Nigerias, sondern dehnte seine Raub- und Terrorfeldzüge auch auf die Nachbarländer Kamerun, Niger und Tschad aus
..
Während die Boko-Haram Terrortruppe in Nordnigeria noch verhältnismässig leichtes Spiel mit den demoralisierten und miserabel ausgerüsteten Regierungssoldaten hatte, wo offenbar die fuer Verpflegung und Ausrüstung bestimmten Gelder nur zum geringeren Teil die kämpfende Truppe erreichten, sondern im Korruptionssumpf versickerten, griffen die Nachbarländer effektiv in die Kämpfe ein, fügten Boko Haram erhebliche Verluste zu, jedenfalls in den Grenzregionen.

Weiter ins Land lassen wollte Nigeria sie jedoch nicht, sondern die Regierung heckte einen anderen Plan aus.

Nun haben die nigerianischen Truppen eine neue Offensive gestartet, und dabei mehr als 700 gefangene Frauen und Kinder aus den Klauen von Boko Haram befreit. Die jungen Frauen und Mädchen aus Chibok, die international Schlagzeilen machten „Bring back the girls“ sind allerdings nicht darunter.

Was diese Entführungsopfer über ihre Zeit der Gefangenschaft berichten ist erschreckend: Körperliche Gewalt, Vergewaltigungen, Hunger, Exekutionen.

Nicht in den Nachrichten

Was in den meisten Nachrichten unterschlagen wird: Die nigerianische Regierung hat Söldner angeheuert, südafrikanische Söldner, um die eigenen Truppen auf Vordermann zu bringen, die südafrikanische investigative Wochenzeitung Mail and Guardian berichtete darüber.


Mail & Guardian (Südafrika)

Bock zum Gärtner
Man möchte sich die Augen reiben: Mehr als 50 Jahre nach der Unabhängigkeit Nigerias wird der Apartheiddreck rekrutiert, ehemalige Mitglieder von Terrorverbänden, die jetzt mithelfen sollen, den Terror zu bekämpfen. Der Bock zum Gärtner.

Wenn Nigeria schon aus eigener Kraft wegen schwerer Versäumnisse in der Vergangenheit und blühender Korruption nicht vorwärts kommt, dann hätte die Afrikanische AU mit Ausbildern einspringen können und müssen. Stattdessen wurde nur eine kleine AU-Streitmacht in Aussicht gestellt.,

Zahnloser Tiger
Es zeigt sich leider erneut mit aller Deutlichkeit, dass die Afrikanische Union (AU), wenn es um die Lösung nationaler bzw. regionaler Konflikte geht, sei es im Süd-Sudan, Libyen, Mali und jetzt Burundi , ein zahnloser Tiger ist.

Lediglich im Ostkongo haben vorwiegend südafrikanische Truppen den Expansionsgelüsten des Nachbarlandes Ruanda und dessen Präsidenten Paul Kagame mit der Vernichtung der von Ruanda gesteuerten Terrortruppe M23 einen deutlichen Dämpfer versetzt.

Söldner sind jedoch gewiss nicht die Antwort auf die Konflikte in Afrika.

Zu Nigeria
Nigeria: Entführungen, Morde, Ölreichtum, Korruption, Armut, und massivste Umweltzerstörung
Nur USA? – Die tägliche Umweltkatastrophe in Nigeria
Boko Haram – Al Qaida in Nigeria?

Zum Söldnerunwesen
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
Vereinigte Arabische Emirate: Eine Söldnertruppe gegen den arabischen Frühling
linkOlympia 2012 in London — Wir rufen die Söldner der Welt
linkVerfahrenseinstellung gegen Blackwater Söldner – eine Rechtsbeugung?
linkBlackwater–Söldner in Afghanistan oder: Mit der Bundeswehr Seit an Seit
Chefsöldner Tim Spicer erhält Pentagon-Vertragsverlängerung im Irak
Vom britischen Südafrika-Botschafter zum Söldnerfirma-Direktor
Söldnerchef Spicer sucht neues Geschäftsfeld: Piratenbekämpfung vor Somalia?
linkBlair drängt auf Söldnernachschub aus Südafrika
On The Road Again – Blackwater-Söldner dürfen weiter töten
Irak: Wenn die regulären Truppen gehen, kommen die Söldner

Zum Putschversuch in Aequatorial Guinea:
Der Wonga Coup
Cry Havoc – Ein Chefsöldner packt aus und belastet auch die deutsche Beteiligungsschiene
Ein Putschversuch in Afrika und ein juristisches Nachspiel in Hessen
Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ohne Verfolgungswillen bei Fall von internationalem Terrorismus

Zu Ruanda
linkVom Freiheitskämpfer und bewunderten Staatsmann zum Staatsterroristen: Ruandas Präsident Paul Kagame lässt seine Opponenten ermorden.
linkDemokratie bleibt ein Fremdwort in Ruanda.

Zum Ostkongo
Krieg im Ostkongo: Tutsi-Rebellengruppe verjagt – Schlappe für Ruandas Präsident Paul Kagame
Ostkongo: Ruandas M23-Söldner wieder auf dem Kriegspfad, zehntausende Zivilisten auf der Flucht
Rebellenführer Bosco Ntaganda in Den Haag – Das „Bauernopfer“ des ruandischen Präsidenten Paul Kagame
Frieden im Ost-Kongo?
Ostkongo (DRC): Vorübergehende Waffenruhe im langen Krieg
Ruandas Paul Kagame greift nach dem Ost-Kongo – Der Dritte Kongokrieg hat begonnen
Der Krieg im Ost-Kongo, Ruanda und die USA
Der vergessene Krieg im Osten des Kongo
Kampf um Kongos Ostprovinzen
Die Kongo-Plünderer
Reichtum, Armut, Krieg – Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo – 50 Jahre Unabhängigkeit. Grund zum Feiern?
Im Interview: Sir Ketumile Masire zur Lage im Kongo
Kongo: Warlord Laurent Nkunda benennt „Kriegsziele“
Wohin treibt der Ost-Kongo oder: Krieg ohne Frieden

Unkategorisiert

Kunduz, Afghanistan – nicht nur Taliban-Kämpfer, sondern jetzt auch IS

Dr. Alexander von Paleske — 8.5. 2015 —
Kunduz, dort war einmal ein ein Feldlager, der Bundeswehr von dem aus eine ganze Region friedlich gehalten werden sollte.

Statt Frieden: Krieg
Im Oktober 2003 kamen die ersten Bundeswehr-Soldaten dort an. Die Bewohner empfingen sie keineswegs unfreundlich, viele hofften auf dauernden Frieden und grosszügige Entwicklungshilfe.

Sie sollten sich irren: Sie bekamen stattdessen Krieg, und wenig änderte sich an ihrer sozialen Lage. Aber in den Aufbau und die Unterhaltung das Militärlagers Kunduz wurden alleine 250 Millionen Euro gesteckt.

Von der Schutztruppe zur Kampftruppe
Kunduz, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, galt als friedlich, damals im Oktober 2003. Die Bundesregierung hatte Kundus ausgesucht, auch weil es weitab lag von Grenze zu Pakistan. Die Bundeswehr sollte ja nur als Schutztruppe, aber nicht als Kampftruppe eingesetzt werden.

Gründlich geändert

Das sollte sich im Laufe der folgenden vier Jahre aber gründlich ändern: Die Taliban sickerten dort ein, errichteten Parallelstrukturen bauten Sprengfallen, und verwickelten von 2007 an die Bundeswehr in Gefechte. Auch das Feldlager in Kunduz wurde in der Folgezeit häufig beschossen.

25 Bundeswehrsoldaten wurden bei Gefechten mit den Taliban im Raum Kunduz getötet, oder kamen bei Selbstmord- bzw. Bombenanschlägen ums Leben.

Im Jahre 2009 dann der Luftangriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklastwagen der über Hundert Menschen, darunter auch Kinder, das Leben kostete.

Die Gefechte mit den Taliban rückten näher an Kundus heran und
Selbstmordattentäter sickerten in die Stadt ein. Allerdings waren die Taliban damals viel zu schwach, um die Stadt einzunehmen. Jedoch: Immer deutlicher schälte sich heraus, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist.

Vorwärts, wir müssen zurück
Im Jahre 2010 fiel die Entscheidung zum Rückzug aus Afghanistan. Der Krieg sollte innerhalb von vier Jahren „afghanisiert“ werden, wie weiland der Krieg in Vietnam 1973 vietnamisiert wurde – für zwei Jahre.

Im Oktober 2013 schliesslich, 10 Jahre nach dessen Errichtung, räumte die Bundeswehr das Lager Kunduz, und übergab es an afghanische Truppen.

Schreckensbilanz
Die Bilanz des deutschen Einsatzes in Afghanistan ist niederschmetternd:

– Dutzende Bundeswehr-Soldaten starben Hunderte wurden körperlich und / oder psychisch schwer traumatisiert.

– die Zivilbevölkerung geriet zwischen die Fronten,

– die Unterstützung der Zivilbevölkerung für die ISAF Truppe, sofern sie je bestand, schwand dahin

– der Mohnanbau der ja auch durch den Militäreinsatz gestoppt werden sollte, floriert besser denn je.

Weniger statt mehr
Mittlerweile ist die Sicherheitslage in Kunduz schlechter denn je:. Vergangene Woche hiess es in den Medien, die Stadt Kunduz stehe vor dem Fall an die Taliban.

Der Gouverneur forderte eine Brigade Soldaten (rund 3000) an, um die Frühjahrsoffensive der Taiban in der Provinz Kunduz zu stoppen. Er bekam gerade mal ein Bataillon (600).


Afghanische Soldaten in Kunduz …auf verlorenem Posten? — Screenshot: Dr. v. Paleske

Das afghanische Militär hat nun eine Gegenoffensive gestartet, die kaum über den Stadtbereich Kunduz hinauskommen dürfte: in den Randbezirken der Stadt wird bereits heftig gekämpft, was eine neue Flüchtlingswelle zur Folge hat.


Neu angekommene Flüchtlinge in KunduzScreenshot: Dr. v. Paleske

Die Religionsfaschisten kommen
Nun sind in Kunduz auch noch die internationalen Brigaden der Religionsfaschisten des Islamic State (IS) aufgetaucht. Diese brutalen Kämpfer kommen vor allem aus Tschetschenien und kämpfen Seite an Seite mit den Taliban. Sie kommen, um mit heroischen Taten in Afghanistan notfalls zu sterben: durch Selbstmordattentate, oder im Kampf mit der afghanischen Armee.

Diese Armee ist nicht in der Lage, gegen die Taliban die Oberhand zu gewinnen, und das Auftauchen der IS zeigt nur das ganze Ausmass der Fehlentscheidungen dort:
.
– Als Strafaktion nach dem 11.. September 2001 gestartet, stand der Aufbau Afghanistans nicht wirklich zur Debatte

– die gewachsenen Traditionen und Strukturen der afghanischen Bevölkerung wurden ignoriert

– die westliche Staatengemeinschaft alimentierte eine durch und durch korrupte Regierung in Kabul.

700 Milliarden für den Krieg
Der Grossteil der zum Schluss insgesamt 700 Milliarden bis 1 Billion US Dollar floss in den Krieg, änderte jedoch nichts an der jämmerlichen Lage der Zivilbevölkerung, die durch die Kampfhandlungen auch noch zu Flüchtlingen im eigenen Land wurde.

Schlimmer noch: den IS-Religionsfaschisten wurde in Afghanistan ein Lotterbett bereitet.

Unverzeihlich, dass die im Bundestag vertretenen Parteien – mit Ausnahme der Linken – das Afghanistan-Kriegsabenteuer wieder und wieder abnickten, und selbst heute noch von „begrenzten Erfolgen“ reden, wo doch längst feststeht, dass es diese Mission in jeder Hinsicht ein totaler – vorhersehbarer – Fehlschlag war.

Wie Hohn liest sich die Stellungnahme grüner Bundestags-Abgeordneter aus dem Jahre 2014:

Die Entscheidung, den ISAF Militäreinsatz zu beenden und die Sicherheitsverantwortung vollständig an die afghanische Regierung zu übergeben, war und bleibt richtig.
Damit wird dem politischen Prozess endlich Vorrang gegeben. Denn nur politisches und ziviles Engagement kann der afghanischen Bevölkerung eine wahrhaft nachhaltige Perspektive bieten. Nur zivile Aufbauhilfe kann zum Aufbau von Verwaltungsstrukturen, eines Justiz-, Bildungs- und auch Gesundheitssystems beitragen. Nur durch die zivilen Anstrengungen kann sich eine nachhaltige Wirtschaftsperspektive entwickeln. Die zivile Aufbaustrategie darf militärischen Zielsetzungen nicht untergeordnet werden.“

Noch lange nicht Schluss
Dass die afghanische Regierung den Krieg gewinnen kann, erscheint so gut wie ausgeschlossen. Dennoch sollen 800 Bundeswehr-Soldaten als Ausbildungstruppe in Afghanistan bleiben.
.
Der Krieg in Afghanistan ist noch lange nicht zu Ende. IS wird dafür sorgen, dass er noch einige Grade brutaler wird, auch und gerade gegenüber der Zivilbevölkerung.

Afghanistan: der Krieg ist zu Ende – der Krieg geht weiter
linkBundestagsabgeordnete Rössner & Lindner: Grüne Rechtfertigung für blutiges Kriegsabenteuer in Afghanistan
linkSteinmeier in Afghanistan: Von der Wahrheit weit entfernt
linkAfghanistan: das vorerst letzte Kriegs-Kapitel hat begonnen
Nach der Afghanistankonferenz – Dr. Werner Kilian im Interview
Schrecken ohne Ende? – Ein Interview mit Botschafter a.D. Dr. Werner Kilian
My Lai in Afghanistan und Besuch der Angela Merkel
Bundeswehr in Afghanistan: Der Abzug sollte rasch kommen
Ein nutzloses Afghanistan-Meeting in Bonn
Liberale Wochenzeitung gibt Afghanistan-Krieg verloren
9/11 – 10 Jahre danach
Rückzug aus Afghanistan – oder: nach uns die Sintflut. Fällt nun Berlin?
Afghanistan: Frühjahrsoffensive der Taliban, die Bundeswehr schießt auf Demonstranten
K(l)eine Dosis Geschichte oder: Joseph (Joschka) Fischers Märchenstunde
Meuterei auf der Gorch Fock – bald auch in Afghanistan?
Abzug aus Afghanistan und Rückkehr aus Afghanistan

Tod in Afghanistan – Undank in der Heimat
Aus der Hölle in Krankheit und Obdachlosigkeit – US-Soldaten nach der Rückkehr von der Front
Afghanistan: Rückt das Ende des Schreckens näher?
Vietnam damals, Afghanistan heute: Kriegsverbrechen und Irreführung
Afghanistan – wann kommt der Waffenstillstand?
Blackwater–Söldner in Afghanistan oder: Mit der Bundeswehr Seit an Seit
Der Krieg in Afghanistan und eine führende liberale deutsche Wochenzeitung
Afghanistan: Milliarden für den Krieg, Peanuts zur Bekämpfung von Hunger und Unterernährung
Verteidigung westlicher Kulturwerte am Hindukusch oder: So fröhlich ist das Söldnerleben in Afghanistan
Keine Strafverfolgung deutscher Soldaten in Afghanistan?
Unsere kanadischen Folterfreunde in Afghanistan

vermischtes

Nachruf auf die Ärztin Dr. Johanna Davis und ihren Mentor Hugo Pfeil, vor 70 Jahren aus dem KZ Dachau befreit

Dr. Alexander von Paleske —- 3.5. 2015 —–Am 17.4. 2015 verstarb im Alter von 96 Jahren in Bulawayo / Simbabwe die Missionsärztin Dr. Johanna Davis.

Ich habe bereits in einem längeren Artikel ihren Lebenslauf dargestellt und ihre Arbeit gewürdigt:

Die Afrikaner nennen sie Ma Khumalo – Besuch bei einer außergewöhnlichen Ärztin.


Dr. Johanna Davis-Ziegler – Foto: Dr. v. Paleske

In einer würdigen Trauerfeier am 22.4. wurde noch einmal das Lebenswerk dieser aussergewöhnlichen Ärztin dargestellt.

Ich will bei dieser Gelegenheit noch einmal das Augenmerk auf ihren Mentor, den Pfarrer Hugo Pfeil, lenken.

Wegbestimmend für ihren Entschluss, Missionsärztin zu werden, war der Pfarrer Hugo Pfeil in ihrer Heimatgemeinde Humes im Saarland. Dem hatte sie ihren Wusch anvertraut, Missionsärztin zu werden und er bestärkte sie in ihrem Entschluss nach Kräften, während ihre Eltern davon abrieten.


Hugo Pfeil

1948, nach Abschluss des Medizinstudiums und Arbeit in mehreren Krankenhäusern, kam sie, nach Simbabwe, das damals als Rhodesien britische Kolonie war.

Einer der wenigen
Hugo Pfeil gehörte zu den nicht gerade zahlreichen Pfarrern, die nicht nur das Nazi-Regime durchschauten, sondern auch dagegen ihre priesterliche Stimme erhoben.

So wurde er einmal unter dem Vorwurf verhaftet, dass er nie den „deutschen Gruß“ Heil Hitler verwende. Pfarrer Pfeil grüßte lieber mit „Grüß Gott“. Mit diesem „altdeutschen Gruß“, wie er ihn nannte, machte er öffentlich, wer für ihn die Autorität war.

Bei den Reichstagswahlen 1936 und der Volksabstimmung zur Ermächtigung der Rheinlandbesetzung, ging Hugo Pfeil nicht zur Wahl – trotz Wahlpflicht. Kurz vor Schließung des Wahllokals zwangen Mitglieder der SA unter körperlicher Gewalt ihn zur Urne.

In seiner Predigt am ersten Sonntag nach Kriegsbeginn1939 bezeichnete Pfarrer Pfeil den angeblichen polnischen Überfall als Propaganda.

Am 20. September 1939 verhaftete ihn die Gestapo, und brachte ihn über Zwischenstationen iim Dezember 1940 in den Pfarrerblock des KZ-Dachau.

Vor 70 Jahren wurde er zusammen mit den anderen Inhaftierten von der US-Armee befreit, und kehrte nach Humes zurück.

Dort aber lernte er, dass Hitlers Propaganda noch fest in den Köpfen der Einwohner sass. Statt freudig ihn als aufrechten Rückkehrer zu begrüssen, stiess er auf offene und versteckte Ablehnung, sodass er schliesslich um seine Versetzung bat.

Zum weiteren Lebenslauf siehe hier.

So wie die Teilnehmer des Aufstands am 20. Juli 1944 in der Nachkriegszeit zunächst keine breite Würdigung fanden, sondern ihnen weiter das Stigma der Verräter anhaftete, so geisterte die braune Propaganda weiter in vielen deutschen Köpfen. Humes war da keine Ausnahme.

Mehr noch
Nazi-Richter wie Otto Thorbeck, der unter anderen die Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, Ludwig Gehre, Hans Oster und Karl Sack im Schnellverfahren zum Tode verurteilt hatte, wurde von der Beihilfe zum Mord 1956 vom Bundesgerichtshof freigesprochen, obwohl es sich um einen reinen Schau- und Terrorprozess handelte, noch dazu ohne Verteidiger..

Thorbeck durfte als Rechtsanwalt weitermachen.

In der Urteilsbegründung hiess es:

Einem Richter, der damals einen Widerstandskämpfer wegen seiner Tätigkeit in der Widerstandsbewegung abzuurteilen hatte und ihn in einem einwandfreien Verfahren für überführt erachtete, kann heute in strafrechtlicher Hinsicht kein Vorwurf gemacht werden, wenn er angesichts seiner Unterworfenheit unter die damaligen Gesetze […] glaubte, ihn des Hoch- und Landesverrats bzw. des Kriegsverrats (§ 57 Militärstrafgesetzbuch) schuldig erkennen und deswegen zum Tode verurteilen zu müssen.

Nicht anders der Beisitzer am Volksgerichtshof, Hans-Joachim Rehse, auch der wurde vom Bundesgerichtshof freigesprochen, und die Witwe des Vorsitzenden Roland Freisler erhielt eine Beamtenpension – trotz des mörderischen Justizterrors ihres Mannes.

Beschämende Verharmlosung und Rechtfertigung

Die beschämende Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nazi -Regimes, die Durchsetzung des öffentlichen Dienstes mit schwer- und leichtbelasteten braunen Figuren, all das geschah nach der Befreiung 1945.

Wie sagte doch in diesem Zusammenhang der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer:

Man schüttet kein dreckiges Wasser aus, wenn man kein reines hat!“.

Und nach dieser Maxime wurde gehandelt.

Auch daran sollte – mit Scham – erinnert werden, am Gedenktag der Befreiung des KZ Dachau.

Die Befreiung der Deutschen von brauner Ideologie fing da erst an – allerdings nur sehr zögerlich.

SATIRE

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erläutert seinen Gesundheitsfahrplan für Deutschland: „Weniger ist mehr“

Dr. Alexander von Paleske —– 1.5. 2015 ——Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Hermann Gröhe
Bundesgesundheitsminister
Im Regierungsviertel 5
Berlin

Guten Morgen Deutschland,

In dieser Woche wurde der Entwurf eines Krankenhaus-Strukturgesetzes vorgestellt. Mit Hilfe eines milliardenschweren Euro-Strukturfonds wollen wir die Krankenhauslandschaft in Deutschland völlig umkrempeln.

Getreu unserer Erkenntnis:

Wo ein Bett ist, ist auch ein Kranker“
,
die auf unseren seinerzeitigen CDU-Minister Norbert Blüm zurückgeht, wird es durch massive Bettenstreichungen zu einer erheblichen Gesundung der deutschen Volksgemeinschaft kommen.

Auf dem Weg dorthin sind wir schon bisher ein ganzes Stück vorangekommen:

– Die Verweildauer z.B. in Berliner Krankenhäusern konnte von durchschnittlich 20 Tagen (1990) auf acht Tage (2013) gedrückt werden (Patienten teilweise halbkrank entlassen).

– Die Zahl der Betten konnte von 116 Betten per 10.000 Einwohner im Jahre 1990 auf nunmehr 60 Betten reduziert werden.

– Gleichzeitig nahmen die Behandlungsfälle von 1800 per 10.000 Einwohner auf 2300 zu, Tendenz: weiter steigend.

Aber das reicht mir noch lange nicht! Damit ist noch lang noch nicht Schluss. Nein, da ist noch viel, viel mehr Sparpotential drinnen.


Das bin ich

Geld wird wieder reingeholt
Der neue Strukturfond bekommt einmalig 500 Millionen Euro aus dem Gesundheitsfond, gleichzeitig sparen wir an anderen Ecken und Enden des Gesundheitsfonds.

Das Geld ist keineswegs verloren, vielmehr winkt ein Einsparpotential in dreistelliger Millionenhöhe, das wir durch folgende Massnahmen erreichen:

– Eine Krankenhauseinweisung – von akut lebensbedrohlichen Zuständen einmal abgesehen – beginnt in der Hausarztpraxis, die überweist dann ggf. an ein Facharztzentrum.

– Für alte Multimorbide geht von dort dann ggf. nicht etwa ins Krankenhaus, sondern in ein Pflegeheim oder ein Hospiz, wo die Pflegekosten deutlich geringer sind, als in einem Krankenhaus.

– Erst danach kommt – wenn überhaupt und auch nur in Ausnahmefällen – eine Krankenhauseinweisung in Frage.

Dieser Zirkus mit den Krankenhauseinweisungen von Alten, die längere Behandlung und Pflege brauchen, und damit nur unnötige Kosten verursachen, das muss aufhören, das wird aufhören!.

Alte losgeworden
Damit werden wir die multimorbiden Alten aus den Krankenhäusern grösstenteils los, ein riesiges Einsparpotential, gerade auch angesichts der Vergreisung unserer Bevölkerung.

Jeder, der alt wird, muss in Zukunft wissen:

Wenn du alt bist musst du billiger und schneller sterben.


Ich und die Alten …….Ihr müsst in Zukunft wissen…..

Umwidmung als Kostenkiller
Die Pflege- Hospizeinrichtungen schaffen wir nicht etwa neu, sondern wir schliessen ganz einfach viele bürgernahe Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung, und machen sie als Pflege- und Hospizzentren wieder auf.
Kostengünstige Umwidmung, wie wir das auch nennen.

Ulla Schmidt’s Schrittmacherdienste
Die sozialdemokratische Dienstwagen-Affäre-Ministerin und jetzige SPD-Vizepräsidentin des Bundestages, Ulla Schmidt, hatte ja bereits kostensenkend Schrittmacherdienste mit der Einführung der Fallpauschale geleistet.


Ulla Schmidt ……Mutter der Fallpauschale

Regelmässig müssen als Folge davon die Kinikchefs sich gegenüber den Flanellmännchen der Verwaltung rechtfertigen, warum sie noch nicht genügend Geld durch lukrative Eingriffe für das Krankenhaus reingescheffelt haben.
Gehirnwäsche, wie dieser unverschämte Medizinethiker Prof. Giovanni Maio das auf dem Internistenkongress im April in Mannheim bezeichnete.

Die Schlechterbezahlung der Behandlung von alten multimorbiden Patienten mit langer Liegedauer, dank der Fallpauschale, musste Hunderte bürgernaher Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung in den finanziellen Ruin treiben, während gleichzeitig die Krankenhäuser der Maximalversorgung profitierten.

Mehr noch: Die Honorierung bestimmter Eingriffe, wie Operationen an der Wirbelsäule, führte zu dem unerwünschten Effekt, dass schliessungsbedrohte Kliniken durch exponentielle Ausweitung bestimmter Eingriffe versuchten, sich am Leben zu erhalten. Sich oftmals auch an risikoreiche Operationen wagten, die sie zuvor an Spezialzentren verlegt hatten.


Findet ein Ende

Das wird jetzt durch die Schliessung von Hunderten von Krankenhäusern – teilweise – ein Ende finden.

Dass damit auch die Entfernung zu den (Gross-)Krankenhäusern für viele Patienten länger wird, ist ein Kollateralschaden, den wir in Kauf nehmen.

Dann eben mit Warteliste
Auch dass diese Krankenhäuser nicht die nötige Bettenkapazität haben, wird positiv in Kaufgenommen, dann muss eben gewartet werden, eine Warteliste eröffnet werden, so wie das in anderen Ländern wie Grossbritannien längst der Fall ist.

Verabschieden vor Behandlung
Nicht wenige werden sich schon vor Erreichen der Spitze der Warteliste aus dieser Welt verabschieden, das muss ebenfalls in Kauf genommen werden.

Mit unserem Investitionsprogramm ist auch der Kelch an den Ländern vorbeigegangen, für Investitionen im Krankenhausbereich zu sorgen. Dort gibt es mittlerweile einen Investitionsrückstau von rund 5,5, Milliarden Euro.

Diesen Stau lösen wir zum Teil durch die bereits genannte Umwidmung. Pflegeeinrichtungen brauchen ja nur Betten und ein paar Pfleger, keine OP-Säle, keine Röntgenabteilung, keine dauerangestellten Ärzte, keinen Hygienebeauftragten etc.

Unser Programm ähnelt in gewisser Weise dem Bahnbetrieb. Auch dort konnte ja durch umfangreiche Streckenstillegungen der Investitionsrückstau verkleinert werden.

Überwachung wird verschärft
Gleichzeitig verschärfen wir unter Beibehaltung der Krankheitspauschale die Überwachung und Bewertung durch Inspektoren der Krankenkassen.

Nur Krankenhäuser, die bei diesem Wettlauf ohne grössere Zwischenfälle mithalten können, werden besser honoriert.

Kliniken am unteren Ende der Bewertungsskala werden schlechter honoriert, die bekommen nicht etwa einen besseren Personalschlüssel, oder bessere Einrichtungen, sondern die machen wir ebenfalls dicht.

Die deutsche Krankenhausgesellschaft DKG, Interessenvertretung der Krankenhäuser, bewertet unsere hervorragenden Pläne in unverschämter Weise als „Mogelpackung“. Bei mir gibt es keine Mogelei, sondern nur die knallharte Kostensenkung, komme was da wolle.

Deutschland, Du wirst in Zukunft noch wesentlich gesünder werden – finanziell jedenfalls.

Gute Nacht Deutschland

Hermann Gröhe
Gesundheitsminister


Kürzen und Schliessen – das Programm der Gross(artig)en Koalition im Gesundheitswesen

Siehe auch die informativen ZEIT-Artikel:

Klappe halten und wegsehen ZEIT vom 20.9. 2012 S. 32

Das Ende der Schweigepflicht ZEIT vom 15.5. 2012

Zu Ulla Schmidt
Ministerin Ulla Schmidt: Nie wieder unter Hartz IV- Bedingungen leben
linkSPD-Ulla Schmidt schreibt an SPD-Hoffnungsträger Peer Steinbrück

USA

Die spendablen Freunde der Clintons werden zum Wahlkampfthema in den USA

Dr. Alexander von Paleske — 26.4. 2015 — Rechtzeitig zum Beginn des Vorwahlkampfes in den USA hat die New York Times Vorabdrucke aus einem Buch gebracht, das angeblich neue explosive Inhalte über fragwürdige Spender und Spenden für die Clinton-Foundation enthält.

Peter Schweizer, ein ehemaliger Fellow des konservativen Hoover-Instituts wird am 5. Mai sein Buch

Clinton Cash. Die unerzählte Geschichte davon, wie ausländische Regierungen und Firmen geholfen haben, Bill und Hillary reich zu machen“

auf den Markt werfen.

Schwierigkeiten für Hillary
Es zu erwarten, dass die Republikaner mit diesem Enthüllungsbüchlein der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton einige Schwierigkeiten bereiten dürften.

Es ist Teil der US-Wahlkampf-Schlammschlacht, die in den nächsten Wochen und Monaten noch an Heftigkeit zunehmen dürfte, in der es vor allem darum geht, den politischen Gegner zu diskreditieren.

Aber: So neu sind die Enthüllungen von Schweizer nicht. Wir haben bereits in mehreren Artikeln auf diese fragwürdigen Spender hingewiesen, welche die Nähe – und nicht nur die Nähe – der Clintons gesucht und gefunden hatten.

An erster Stelle ist zweifellos der Milliardär Frank Giustra zu nennen.

Über diesen illustren Herrn und seine lukrative Freundschaft mit Bill Clinton schrieben wir bereits im Jahre 2009:

Bill Clinton und Frank Giustra
Das ging so los: Nachdem die Tsunamis Asien heimgesucht hatten und Bill Clinton Geld für die Opfer sammelte, traf Frank Giustra auf den Ex-Präsidenten. Er war „zutiefst beeindruckt“ von dem Wohltätigkeitsdrang Clintons. Es war gleichzeitig der Beginn einer wunderbaren und offenbar sehr einträglichen Freundschaft. Für beide Seiten.

Auch ergänzte man sich prächtig, musikalisch gesehen: Bill Clinton spielte Saxophon, Giustra blies in die Trompete.


Wunderbare Freundschaft, Giustra (r) Clinton (m)

Frank Giustra stellte seinen luxoriösen MD-87 Jet Bill Clinton zur Verfügung, oftmals reisten die beiden auch zusammen. Im Jahre 2005 ging es dann gemeinsam nach Kasachstan. Bolscho druschba lockte.
Dort gibt es zwar wenig Demokratie aber viel Uran. Und da der Uranpreis dank des knappen Angebots auf dem Weltmarkt in einem ständigen Aufwärtstrend liegt, heisst es: Zugreifen.

Als erstes gründete der Minenbaron und zukünftige Urankönig eine Firma namens „Urasia“, und gewann jede Menge von Investoren in kürzester Zeit, denn die Zeit drängte.

Giustra war nämlich nicht der einzige Interessent, sondern eine ganze Schlange stand dort bereits an, aber niemand sonst hatte einen so netten Ex-Präsidenten wie Bill Clinton im Schlepptau.

Und in einem Land wie Kasachstan, wo alleine dasWort des Präsidenten Nazarbayev gilt, kommt es auf persönliche Kontakte an, nicht auf die Angebote.

Bill Clinton wusste aus langjähriger Erfahrung, wie man mit Präsidenten in derartigen Ländern umgeht, wo es wenig Demokratie aber viel Unterdrückung der Opposition gibt.

Clinton beglückwünschte den Präsidenten Kasachstans, Nursultan Nazarbayev, zu seinen Plänen, die OSZE ins Land zu lassen, das würde Glaubwürdigkeit schaffen für den Staatspräsidenten.

Zufälligkeiten
Rein zufällig, 48 Stunden nach dem Abflug des Bill Clinton, bekam Frank Giustra den Zuschlag, rein zufällig natürlich.

Und im Dezember 2005 liess sich Nazarbayev von seinen Untertanen wiederwählen, mit 90% der Stimmen, wie es sich für eine Demokratur gehört.

Mit diesem Zuschlag wurde Frank Giustras Firma „Urasia“ zu einem der grössten Uranförderer weltweit, denn in Kasachstan befinden sich 20% der Welt-Uranreserven. Sozusagen von Null auf 20. Donnerwetter dieser Clinton, Pardon, dieser Giustra.

Grenzenlose Dankbarkeit ?.
Klar, dass Frankieboy sich nicht lumpen liess. Einen Monat nach dem Deal schickte er 31,5 Millionen US Dollar an Bill Clitons Stiftung für Arme und AIDS-Opfer. Wie schön. Und er versprach später weitere 100 Millionen.

Epilog
Die Firma Urasia,deren Kurs pro Aktie im Jahre 2005 bei 10 Cents lag, wurde im Februar 2007 von der Firma “Uranium One” für 3,1 Milliarden US Dollar gekauft, macht einen Kurswert von 7 Dollar pro Aktie. Es hatte sich also gelohnt. In jeder Hinsicht. Für fast alle. Nur nicht für die Bevölkerung Kasachstans.

Fortsetzung folgte
Die Geschichte hat aber noch eine Fortsetzung:
Im Jahre 2009 – nach der Abfassung unseres Artikels – verkaufte die Firma Uranium One diese Kasachstan Minen wieder weiter, und zwar an die russische Firma Rosatom, und da konnte Frau Clinton behilflich sein: nämlich dafür zu sorgen, dass der Deal durch das Komitee für Auslandsinvestitionen des US-Abgeordnetenhauses durchgewinkt wurde.

Uranium-One-Vorsitzender Ian Telfer liess sich nicht lumpen, spendete 2,35 Millionen Dollar an die Clinton Foundation in den fraglichen Jahren – und viele andere wichtige Investoren in der kanadischen Uranminenindustrie zeigten sich ebenfalls grosszügig.

Zweifelhafte Spender

Auf der Spenderliste tauchen auch Personen auf, deren Ruf nicht der allerbeste ist. Auch über sie berichteten wir bereits 2009. Da sind zu nennen:

Andre Agapov
Chef der kanadischen Minenfirma Rusoro. Diesen Herrn kennen wir schon, er war angeblich in den Bangkok Bank of Commerce Skandal verwickelt, über den wir mehrfach und ausführlich berichtet haben .

Blackwater Training Centre
Diese Firma gehört der Söldner- Firma Blackwater, mittlerweile in Xe und dann in Academi umbenannt, die nicht nur Millionen im Irak verdiente, sondern deren Söldner dort dadurch auffielen, dass sie unter anderem 17 unbeteiligte irakische Zivilisten im September 2007 abknallten.

Alfonso Fanjul jr.
Ein Zuckerbaron und Exilkubaner aus Florida, dessen Firma vorgeworfen wird, Abwässer in den Nationalpark Everglades geleitet zu haben.

Fanjul hatte offenbar einen direkten Draht in das Weisse Haus. Allerdings rief er einstmals zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt dort an, als nämlich Bill Clinton gerade mit einer gewissen Monica Lewinsky beschäftigt war. So etwas kann vorkommen. Seine Kontakte nutzte er, um dafür zu sorgen, dass nicht etwa die Importzölle auf preiswerten Zucker aus Ländern der Dritten Welt gesenkt werden.

Denise Rich
Die geschiedene Frau des Milliardärs Marc Rich, der für Jahre auf der FBI-Liste der „Most Wanted Persons“ stand.

Ihm wurde Steuerhinterziehung pp. vorgeworfen. Aber nicht nur das, er handelte fleissig mit dem Iran, als die USA ein Embargo wegen der „Hostage-Crisis“ verhängt hatten. Und er verkaufte Öl an das Apartheid-Südafrika und schmierte so den Unterdrücker-Staat.

Aber es gab Extraprofite zu verdienen und schliesslich kümmerte sich seine zweite Heimat, Israel, auch nicht um das Embargo, und lieferte jede Menge Waffen in den Iran, und Materialien zum Bau einer Atombombe nach Südafrika, wir berichteten darüber.

Sieht nach grobem Undank eines Mannes aus, dessen Familie einst Zuflucht vor den Nazis in den USA gefunden hatte.


Marc Rich — Screenshot: Dr. v. Paleske

Marc Rich hatte sich rechtzeitig 1983 in die Schweiz abgesetzt, wo er mittlerweile verstarb. Seine Ex Frau spendete reichlichst.

Bill Clinton begnadigte Marc Rich am 20. Januar 2001 „just in time“ wenige Stunden vor Ablauf seiner Amtszeit als US-Präsident.

William S. Lerach
Ein Anwalt, der vor sieben Jahren wegen Bestechung zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde..Er hatte durch Geldzahlungen von insgesamt 11,5 Millionen US Dollar US-Bürger dazu gebracht, grosse Firmen zu verklagen. Class actions auch genannt.

Geld stinkt nicht, meinten wohl die Clintons. Sie vergassen offenbar den „Spendergestank“, der nun an ihnen haftet.

Das Buch von Schweizer bringt offenbar nichts substantiell Neues, wobei hinzugefügt werden muss, dass selbst diese alten Geschichten einen schalen Nachgeschmack hinterlassen..

Bill Clinton und seine grosszügigen Spender
Gold, Uran, Frank Giustra und Bill Clinton
Ganoven, Goldgräber, Geheimdienste und Diplomaten
linkSöldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe

Neues von Robert Friedland, Bill Clinton und Frank Giustra – oder: wie man Politiker als Türöffner einsetzt

Eine Elefantenhochzeit und ein Todesfall in der Schweiz

linkMassenvernichtungswaffen in den Iran – Schmierige Geschäfte internationaler Kriegstreiber
Gasmasken, Giftgas und Milliardenbetrug –
auf den Spuren des Moshe Regev

linkIsraels radioaktive Partnerschaft mit Apartheid-Südafrika – Mehr Details

SATIRE

Bundesnachrichtendienst–Chef Schindler an BK Merkel: Es gibt nur normalen Lauschbetrieb mit unseren NSA-Freunden, jedoch keinen Skandal

Dr. Alexander von Paleske —- 25.4.2015 —- Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Gerhard Schindler
Chef des BND
Reinhard Gehlen Strasse 1
Pullach

An
Staatssekretär
Klaus Dieter Fritsche
Abt. Kooperation mit den Schnüffeldiensten
Bundeskanzleramt
Im Regierungsviertel 1
Berlin

Nachrichtlich:
Peter Altmaier
Kanzleramtsminister
Im Regierungsviertel 1
Berlin

Geheimhaltungsstufe: VS-Vertraulich

Sehr geehrter Herr Fritsche
sehr geehrter Herr Altmaier

Mit Empörung habe ich Ihre Stellungnahmen zur Kenntnis genommen, die vertrauensvolle und hocheffektive Zusammenarbeit zwischen der US Schnüffelagentur NSA und Bundesnachrichtendienst (BND) nicht nur zu gefährden, sondern ganz in Frage zu stellen.

Ihnen ist offenbar nicht ganz klar, welch schweren nachrichtendienstlichen Flurschaden Sie damit anrichten.

Ein Blick zurück
Es scheint mir geboten, auf die Geschichte des Bundesnachrichtendienstes zu verweisen, damit Sie verstehen, dass unsere Loyalität keineswegs nur der Bundesregierung gegenüber besteht, sondern gleichfalls – wenn nicht noch mehr – gegenüber den USA, unserer Gründerin, also unserer Mutter .

Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist keineswegs eine Gründung der Bundesrepublik Deutschland, sondern aus der Organisation Gehlen hervorgegangen.

Der Nazi-Offizier Reinhard Gehlen hatte seinerzeit, noch gerade rechtzeitig vor dem Untergang des Dritten Reiches, alle Erkenntnisse über die fremden Heere Ost, deren Aufklärung er betrieb, auf Mikrofilm gebannt und in Österreich vergraben.


Nazi-Offizier Reinhard Gehlen

Versicherung für die Nachkriegszeit
Diese „Versicherung für die Nachkriegszeit“ liess er dann vom US-Geheimdienst wieder ausgraben, und stellte damit auch unter Beweis, was für ein toller Nachrichtenhecht er war.

Als der Konflikt zwischen den Westmächten und der UdSSR losging, also im Jahre 1946 mit der Berlin -Blockade, kam dieser „braune Vogel“ Gehlen den US-Aufklärern gerade recht.

Bereits im Jahre 1946, also gerade einmal ein Jahr nach Kriegsende, bekam der den Auftrag zur Gründung eines deutschen Geheimdienstes.

Die Übereinkunft sah so aus:

– Ausschliesslich deutsche Führung

– Aufgaben von US-Seite gestellt

– Alle Aufklärungsergebnisse an die USA zu liefern

– Finanziert von den USA

Sollte die Organisation einmal vor der Lage stehen, in der das deutsche und amerikanische Interesse voneinander abweichen, so steht es der Organisation frei, der Linie des deutschen Interesse zu folgen.

An dieser Regelung hat sich auch durch die Gründung der Bundesrepublik nichts geändert – abgesehen von der Finanzierung.

Pullach bei München
Die Zentrale wurde in einer ehemaligen NS-Siedlung in Pullach bei München etabliert.
Viele braune Kameraden fanden seinerzeit bei unserem Dienst Unterschlupf, und der Nachfolger von Reinhard Gehlen wurde natürlich ein Mann, der ebenfalls den Nazis gedient hatte, und mit dem Gehlen bereits während des Russlandfeldzugs zusammengearbeitet hatte: Gerhard Wessel.

Zeitweise war die braune Luft in Pullach so stickig, dass empfindliche Personen das Risiko liefen, einen Asthmaanfall zu bekommen.

Natürlich wurde auch von einigen noch Hitlers Geburtstag gefeiert und das Horst Wessel Lied auf feucht-fröhlichen Veranstaltungen angestimmt: Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen, SA marschiert……

Nur beschränkte Weitergabe
Die Weitergabe unserer Erkenntnisse an die Regierung der Bundesrepublik geschah natürlich nur nach unserem Gutdünken, und hing davon ab, ob die Weitergabe der Erkenntnisse die Interessen unserer Schutzmacht USA gefährden könnte.

So war es für den BND selbstverständlich, dass der Plan des Putsches in Chile der die gewählte Regierung Allende stürzte, uns drei Tage zuvor am 8.9 1973 von unseren US-Freunden mitgeteilt wurde, die Info selbstverständlich nicht an den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt ging, weil die Gefahr bestanden hätte, dass der den chilenischen Präsidenten angerufen und gewarnt, und damit die Pläne des US-Aussenministers Henry Kissingers durchkreuzt hätte.

Kissinger ging es um den (notfalls brutalen) Erhalt der US-Wirtschafts-Interessen (Tausende wurden nach dem Putsch ermordet, Zehntausende gefoltert).

Fortsetzung einer Tradition
Die umfassende Beschnüffelung der Bundesbürger, die unser Dienst ins Werk setzte, stand ganz in der Tradition des Nazi-Forschungsamtes der Luftwaffe, so wie heute die NSA in Kooperation mit dem Bundesnachrichtendienst es machen, wie der SPIEGEL bereits 1989 feststellte.

Der Apparat des „Forschungsamtes“ damals diente dazu, vor allen Dingen die auswärtigen Missionen, die wichtigen Persönlichkeiten, die mit dem Ausland telefonierten, telegrafierten und funkten, zu überwachen, zu dechiffrieren und den einzelnen Ressorts dann die Auswertung zuzustellen. Das Amt hatte keinen Agentendienst, keinen Nachrichtendienst, sondern war eine rein technische Stelle, erfaßte Funksprüche, erfaßte Telefongespräche, wo es befohlen war zu überwachen, erfaßte die Telegramme und gab die Auswertung an die interessierten Stellen.

Diese (braun-) deutsche Tradition der Gründlichkeit, der umfassenden Belauschung haben sowohl die NSA als auch wir beim BND zu einem Grundprinzip gemacht.

Grundgesetz eingeschränkt
Das Grundgesetz gilt in unserem Hause nur ganz eingeschränkt, oder, wie es seinerzeit der Innenminister Höcherl zutreffend ausdrückte:

„Meine Beamten können nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unterm Arm herumlaufen“.

Jeder Piepser
Die NSA-Lauschstationen in Bad Aibling, Gablingen bei Augsburg und anderswo, belauschten jeden Piepser – natürlich nicht nur von Terroristen und Drogenbossen, sondern auch von Journalisten (z.B. Schmidt-Eenboom), Unternehmen, Wirtschaftsleuten Politikern, Privatleuten – also alles, was für die wohlverstandenen Interessen der USA von Bedeutung sein konnte. Wobei „wohlverstandene Interessen“ natürlich und gerade auch wirtschaftliche Interessen sind, weil ja nur eine starke Wirtschaft sich wiederum einen starken Schnüffeldienst leisten kann.

Anfang 2002 wurde ein Deal mit der NSA ausgehandelt: Die Anlagen in Deutschland gingen kostenfrei an den BND, im Gegenzug verpflichteten sich die Deutschen, für die NSA zu arbeiten und zuzuliefern. Und entsprechend dem Grundsatz „Pacta sunt servanda“ in Verbindung mit unseren Gründungsdokumenten haben wir geliefert, und zwar anständig, wie sich das unter Freunden so gehört.
So liefern wir mittlerweile rund 1,3 Milliarden Daten pro Monat an die NSA.


Das bin ich …..pacta sunt servanda

Wirtschaftsspionage nichts Neues
Für uns beim BND und letztlich bei der Bundesregierung ist natürlich die US- Wirtschaftsspionage überhaupt nichts Neues, auch dass befreundete Staaten wie Deutschland Frankreich ausgeschnüffelt wurden und werden, z.B. die Flugzeugfirma EADS, scharfer Konkurrent der US-Firma Boeing.

Bereits im Jahre 1994 wurde das deutsche Unternehmen Enercon von der NSA im Rahmen der Sicherung von US-Wirtschaftsinteressen bespitzelt und die so gewonnenen Erkenntnisse an die konkurrierende US-Firma Kenetech Windpower weitergeleitet, die daraufhin, gestützt auf diese Infos, der Firma Enercon der Zugang zum US-Markt bis zum Jahre 2010 versperren konnte. Ein Fall von vielen, nur die Spitze des Eisbergs.

Schon der SPIEGEL-Artikel vom 20.2. 1989 „Freund hört mit, NSA – Amerikas grosses Ohr“ berichtete ausführlich über diese Praxis..

Unvermeidbarer Kollateralschaden
Wir beim BND sehen die rechtswidrige Wirtschaftsspionage als unvermeidlichen Kollateralschaden an, der die Vorteile der Infos, die wir von der NSA bekommen, voll aufwiegt.

Wir wiederum können den Amis nicht nur den Zugriff auf Telefonleitungen und sonstige Kommunikationsmittel ermöglichen, sondern auch bei der Auswertung dieser Infos helfen.

Das ist der grosse Schwachpunkt der NSA: Die haben zwar alle Infos, können aber oftmals keine Zusammenhänge erkennen und Querverbindungen herstellen. Deren Mitarbeiter-Kenntnisse z.B. in Geographie, sind so miserabel, dass sie Länder wie Oman in Südamerika ansiedeln. Ganz zu schweigen von deren mangelndem Verständnis fremder Kulturen und Denkweisen.

Da können wir helfen, was durchaus geschätzt wird. Ein faires Nehmen und Geben

Fazit:
Die ganze Aufregung um den BND ist lächerlich, angesichts der umfassenden staatserhaltenden Funktion, die wir ausüben.

MfG

Gerhard Schindler
BND-Chef

Zum BND
Libyen: Rebellenkommandeur beschuldigt Bundesnachrichtendeinst (BND) an Folterbefragungen beteiligt gewesen zu sein
Craig Murray: Ein Autor ohne Verlag. Rakesh Saxena: Ein Mann ohne Strafe
Libyen: Gaddafi lässt schiessen – die Ausbildung besorgte auch Deutschland
Mail an BND-Noch-Präsident Ernst Uhrlau
Brief an BND-Präsident Ernst Uhrlau: Klären Sie einen Skandal auf!
BND-Chef Ernst Uhrlau schreibt an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Zu den Geheimdiensten siehe auch den Artikel von Helmut Schmidt vom 1.11. 2013:

Good bye Freunde — Überflüssige Dienste

http://www.zeit.de/2013/45/nsa-abhoeraffaere-gelassenheit

Unkategorisiert

Angela Merkel schreibt an Australiens Premier Tony Abbott: Danke, danke für die Vorschläge zur Lösung der Flüchtlingsfrage

Dr. Alexander von Paleske – 22..4. 2015 — Folgende Mail landete heute in meiner Mailbox:

Angela Merkel
Bundeskanzlerin der Bundesrepublik
Deutschland
Im Regierungsviertel 1
Berlin

An
Tony Abbott
Australischer Premier
Regierungspalais
Canberra
Australien
(Down Under)

Lieber Tony
,
ganz, ganz herzlichen Dank für Deine heutigen Vorschläge zur Lösung der Flüchtlingsfrage.
Wir sitzen beide ja im gleichen Boot – nein, nicht in einem Flüchtlingsboot, sondern politisch gesehen.


Ich und mein Freund Tony Abbott

Ihr Australier habt es ja geschafft, das Flüchtlingsproblem elegant zu entsorgen, indem ihr einfach die Leute nicht in Euer Land lasst, sondern sie in die unwirtliche Inselrepublik Papua-Neuguinea abschiebt, und dort jahrelang schmoren lasst, bis deren Einreiseanträge (abschlägig) beschieden werden. Der Regierung von Papua- Neuguinea habt ihr ja im Gegenzug grosszügige Entsorgungshilfe, äh, ich meine Entwicklungshilfe zugesagt.


Plakat der Regierung Australiens, verteilt in vielen Ländern Asiens. Soll potentielle Migranten abschrecken

Diesen Herrschaften aus Sri Lanka und anderswo werden so die Träume auf eine bessere Zukunft ausgetrieben..

Neue Ureinwohner
Zwar sind die Vorfahren von Euch Australiern ja selbst seinerzeit als Wirtschaftsflüchtlinge aus dem verarmten britischen Königreich gekommen, haben die Ureinwohner verjagt und in Homelands verfrachtet, mit Alkohol gefüttert, ihnen die Kinder weggenommen, aber das ist ja schon alles sehr lange her.

Ihr seid jetzt die neuen Ureinwohner, und habt deshalb das Recht zu bestimmen, wer überhaupt noch zu Euch darf. Sehr gut.

Ähnliches für uns
So etwas ähnliches schwebt mir auch für Europa vor.
So wie es im Moment läuft, kann es nicht weitergehen.

Mein Vorschlag, die Insel Lampedusa einfach zum europäischen Papua Neu-Guinea zu machen, wurde von den Italienern schroff abgelehnt. Die hätten ja die paar Fischer dort einfach zwangsumsiedeln können. Schade dass daraus nichts wurde. Stattdessen sehen sich die Italiener als so eine Art Durchgangslager an, wie seinerzeit Friedland an der Zonengrenze.

Nach vielen Bauchschmerzen haben wir von der CDU mittlerweile akzeptiert, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, aber nicht auf diese Weise. Wir brauchen Einwanderer, die in unseren Arbeitsmarkt heute und morgen passen, aber nicht diesen ungeregelten Zustrom.

Vorschlag aufgegriffen
Wir greifen daher Deinen Vorschlag auf. Ich bin der Meinung, Libyen könnte für Europa die Rolle spielen, die Papua Neu-Guinea für Euch spielt: de facto also Libyen von einem Durchgangslager zu einem Endlager zu machen.

Gute alte Zeit
Manchmal denke ich noch voller Wehmut an die Zeit zurück, als Muammar Gaddafis Küstenwache diese Boatpeople effektiv davon abhielt, die Reise über das Mittelmeer anzutreten.

Unser seinerzeitiger Plan, den arabischen Frühling in Libyen dort mit Waffengewalt zum Erfolg zu verhelfen, ist leider völlig in die Hose gegangen.

Das hat uns natürlich nicht nur Gaddafi prophezeit, sondern auch Islamkenner wie dieser Peter Scholl-Latour, aber der hatte sich erdreistet, uns Berliner Politiker in Sachen Arabismus als „Idioten“ abzustempeln. Von einem solchen Herrn konnten wir natürlich keinerlei Ratschläge annehmen.

Und mit einiger Wehmut denke ich daran, wie wir seinerzeit noch nach Libyen reisen konnten, um dem Grosseinkäufer westlicher Waren, Gaddafi, unsere Aufwartung zu machen. Zwar in einem Wüstenzelt, aber jetzt können wir wegen des dortigen Bürgerkriegs überhaupt nicht mehr dorthin reisen, und eine handlungsfähige Regierung gibt es – mit oder ohne Wüstenzelt – auch nicht mehr. Unsere Waren – abgesehen von Waffen – können wir auch nicht mehr dort losschlagen.


…..das waren noch Zeiten. Gerhard Schröder und Muammar Gaddafi im Wüstenzelt 2004

Ebenfalls in Syrien
Leider ist auch unser Ausflug in die Lüfte des arabisch-syrischen Demokratiefrühlings ebenfalls völlig in die Hose gegangen, weil dieser Assad sich einfach weigerte, zum Fruhlingsanfang zurückzutreten, und das Feld den Winter- Islamisten zu überlassen.

Stattdessen haben wir nicht nur Krieg, sondern auch noch 4 Millionen Flüchtlinge in der Türkei, die mittlerweile Europa als ihre zweite Heimat wählen, und über das Mittelmeer ihren Zelten in der Osttürkei entkommen wollen.

Grosser Plan
Unser grosser Plan, diesem Flüchtlings-Spuk ein Ende zu bereiten, besteht erst einmal darin, militärisch in Libyen erneut auf der Seite gemässigter Islamisten aus der Luft in die Kämpfe einzugreifen, um die Radikalislamisten und IS zu verjagen.

Nach Installierung einer neuen libyschen Regierung werden wir die libysche Küstenwache stellvertretend übernehmen, und die Fluchtbereiten so an der Seereise hindern.

Die dort gestrandeten Flüchtlinge werden wir dann in ein Flüchtlingslager in der libyschen Wüste einquartieren.

Enduring Fiefdom
Das 2. Libyen-Militär-Abenteuer lassen wir unter der Codenamen Enduring Fiefdom laufen. Als Begründung führen wir an, die Schleuserbanden müssten zügig zerschlagen werden, und da die sich in Libyen verschanzen, gehe dies eben nur über einen Militärschlag.

Nochmals, lieber Tony, vielen, vielen Dank für Deine guten Ratschläge

Deine Angela

Tod in Damaskus – Vier Jahre Krieg in Syrien
Schlachthaus Syrien – Chaospolitik des Westens
Syrien, der Krieg und ein Jahrestag
Die Salafisten wollen an die Macht – oder: hat der Herbst des arabischen Frühlings schon begonnen, oder gar der Winter?

Islamischer Staat (IS), die Kriegskoalition, und die Rückkehr des Terrors im Westen
ISIS-Salafi-Terror-Chef Abu Bakr al-Baghdadi (alias Ibrahim Awwad Ibrahim): „So ein Tag, so wunderschön wie heute“
Irak, der Bürgerkrieg und seine Sponsoren
Bombenanschläge im Irak – was sind die Ziele der Terror-Salafisten?

afrika

Mörderischer Fremdenhass in Südafrika

Dr. Alexander von Paleske — 17.4. 2015 —
Vor drei Wochen: Besuch eines Restaurants in Johannesburg. Schnell stellt sich heraus: alle Bediensteten sind Simbabwer, keine Südafrikaner.
Auf Frage nach ihrer Bezahlung: Alle arbeiten ohne festes Gehalt. Ihre Bezahlung besteht in den Trinkgeldern.

Kein Job für Südafrikaner
Kaum ein Südafrikaner würde einen solchen Job annehmen, zumal noch gegen gesetzliche Vorschriften verstossend.

Die Beschäftigung von Ausländern zu Hungerlöhnen ist keineswegs die Ausnahme im Dienstleistungssektor in Südafrika, sondern eher die Regel.
Theoretisch könnten die Beschäftigten gegen diese rechtswidrigen Arbeitsbedingungen juristisch vorgehen, allerdings mit der Folge des Verlustes des Arbeitsplatzes und der Ausweisung, denn die weit überwiegende Zahl der rund 4 Millionen Simbabwer ist illegal im Lande, entweder illegal über die Grenze gekommen, oder legal eingereist, aber als Tourist ohne Arbeitserlaubnis. Insofern gegen die Visabestimmungen verstossend.
Dies schafft Konflikte mit arbeitslosen Südafrikanern in den Townships.

Ausländische Ladenbesitzer
Weiterer Konfliktstoff: die ausländischen Ladenbesitzer in den Townships; oftmals Somalier und Nigerianer. Gut vernetzt mit ihren Landsleuten, schaffen sie es, die Preise der südafrikanischen Ladenbesitzer zu unterbieten. Auch das schafft keine Freunde.

Hinzu kommt die Frustration in den Townships über mangelnde Infrastrukturmassnahmen und geringe Fortschritte 21 Jahre nach dem Ende der Apartheid.

So entlädt sich jetzt die Unzufriedenheit in Gewaltorgien gegen Ausländer, ausgehend von Durban hat diese Welle der Gewalt auch auf andere Städte Südafrikas übergegriffen, angeheizt noch von Aufforderungen des Zulukönigs Zwelithini, die Ausländers sollten das Land verlassen.


Demonstration gegen die Gewalt gegen Ausländer gestern, 16.4. 2015 – Screenshots: Dr. v. Paleske

Genaue Zahl unbekannt
Wie viele Ausländer in Südafrika leben, ist unbekannt. Neben Simbabwern sind es vor allem Mozambikaner, Nigerianer und Somalier,
Einige beschafften sich von den hochkorrupten Immigrationsbehörden eine Aufenthaltserlaubnis bzw. sogar einen südafrikanischen Pass, aber die Masse der Immigranten hat gar nicht das Geld, um über Bestechung an diese Papiere zu kommen.

Nicht zum ersten Mal
Es ist nicht der erste Ausbruch von Gewalt. Bereits 2008 kam es zu massiven Ausschreitungen, die Dutzende von Todesopfern forderten, wir berichteten darüber.
Nichts ist seither geschehen, um die Ursachen der Gewalt anzugehen, weder lokal oder regional.
Viele Simbabwer in Südafrika würden es vorziehen, in ihrem Heimatland zu arbeiten, aber dort gibt es keine Arbeit. Die Arbeitslosenrate liegt bei über 80%. Statt der von der Regierung vor einem Jahr versprochenen 1 Million neuer Arbeitsplätze schliessen weitere Fabriken, und mehr Menschen werden arbeitslos.
Die Lage, insbesondere im verarbeitenden Sektor ist, mehr als trübe. In Bulawayo, einst das industrielle Herz Simbabwes, haben fast alle Textilbetriebe dichtgemacht. Die im Lande hergestellte Baumwolle wird unverarbeitet exportiert.

Nachhaltige Unterstützung des industriellen Sektors durch Steueranreize, Abschaffung höchst überflüssiger Lohnnebenkosten wie Pflichtabgaben an das halbstaatliche National-Employment Council: Fehlanzeige.

Kaum Bankkredite
Bankkredite sind , wenn überhaupt, nur schwer zu bekommen. Die Bankzinsen lagen bis vor kurzem noch bei 30%.

Das Festhalten am US Dollar als Landeswährung führt nicht nur zum Devisenabfluss, sondern auch noch zur Deflation.

Die Importquote an Konsumgütern hat sich vervielfacht, weil fast kaum noch etwas lokal produziert wird, abgesehen von Grundnahrungsmitteln.

Hinzu kommt die zunehmende Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber wirtschaftlichen Problemen. Die Politiker der Regierungspartei sind mit internen Machtkämpfen vollauf beschäftigt, auf den Sitzungen des Entscheidungsgremiums Politbüro spielen Wirtschaftsfragen nur eine völlig untergeordnete Rolle, wie des ehemalige Politbüromitglied Cephas Msipa vor einer Woche enthüllte.

Palast für Minister
Einer der neuen Führungspersonen, der Minister Saviour Kasukuwere, ist mit dem Bau eines privaten Dutzende -Zimmer-Hauses einschliesslich Aufzug vollauf beschäftigt. Da alle seine Exkursionen als Businessman in die Geschäftswelt mit Bauchlandungen endeten, darf über die Herkunft der Gelder zur Herstellung seines Palastes spekuliert werden.

Die Korruption im Lande ist weit verbreitet, der Verfall der Professionalität im öffentlichen Sektor beklagenswert.

Letzter Ausweg: Südafrika
Unter diesen Umstände ist der einzige Ausweg Südafrika. Eine Reise in das 9000 Klometer entfernte Europa ist ausgeschlossen, zumal strikte Visa-Bestimmungen eine Reise dorthin für Wirtschaftsflüchtlinge so gut wie unmöglich machen.

So dreht sich der Teufelskreis weiter.
Ein Ende der Migration nach Südafrika, trotz der Xenophobie und der Gewaltausbrüche, ist nicht absehbar. Mehrere Familienmitglieder hängen zum Überleben an den mageren Löhnen, die zum grossen Teil nach Hause überwiesen werden.

Die Politiker innerhalb und ausserhalb Südafrikas verurteilen die Gewalt, rufen zum Frieden auf, schicken die Polizei, die völlig überfordert ist – und ändern nichts an den Zuständen, die zu diesen Gewaltausbrüchen geführt haben.


Ruft zum Ende der Gewalt auf: Südafrikas Präsident Jacob Zuma gestern im Parlament – Screenshot: Dr. v. Paleske

Nachtrag 19.4. 2015 10-00 a.m.
Bisher kein Ende der Gewalt:


Independent, Südafrika, 19.4. 2015


Sunday Times Südafrika 19.4. 2015

linkKrisenrepublik Südafrika – 42 Tote und 15.000 interne Flüchtlinge

linkSüdafrika: Krieg in den Townships